Türchen #19

Spieler mit Ecken und Kanten, die braucht es, um sich auf dem Platz Respekt zu verschaffen und die Herzen der Fans durch die kämpferische Leistung zu erobern.

Nein!

Spieler mit Spielwitz und Kreativität, die braucht es, um auf dem Rasen den Gegner ins Leere laufen zu lassen und so durch Geniestreiche die Fans für sich zu gewinnen.

Nein!

Man nimmt einfach einen, der beides konnte…

 

Türchen #19: Sérgio da Silva Pinto

Im Norden Portugals, dort wo der Douro in den Atlantik fließt, entstanden zwei Städte; Porto nördlich der Mündung, Vila Nova de Gaia südlich der Mündung. In der südlichen Stadt wurde am 16. Oktober 1980 Sérgio Ricardo da Silva Pinto geboren. In seiner Kindheit spielte er in der Jugendabteilung des benachbarten FC Porto, zeigte also schon früh sein fußballerisches Potential. Anfang der 90er, als Pinto 12 Jahre alt war, zog seine Familie nach Deutschland, besser gesagt nach Haltern.

Dort spielte Pinto auch wieder in der Jugendmannschaft und es dauerte nicht lange, bis Talentsucher des benachbarten FC Schalke 04 klingelten und den Jungen in ihrem Team sehen wollten. Mit 14 Jahren sagte Pinto zu und wechselte. Dort durchlief er alle Jugendteams und bekam am 11. September 1999 bei der 2:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen mit noch 18 Jahren seine erste Bewährungsprobe bei den Profis im Parkstadion. Danach verbrachte er die nächsten Jahre aber bei der zweiten Mannschaft und spielte erst zwischen dem Frühjahr 2003 und Saisonende 2004 mehrfach für die Schalker. Sein einziges Tor für Schalke schoss Pinto im Oktober 2003 im DFB-Pokal im Zweitrundenspiel gegen den SC Freiburg. Der 2:2-Ausgleich des 23-Jährigen reichte nicht bei der 3:7-n.V.-Niederlage.

Weg von Schalke

Zur Saison 2004/05 glaubte Schalke nicht mehr an den Durchbruch des Deutsch-Portugiesen in seiner Mannschaft und verlieh Pinto nach Aachen in die 2. Liga zur Alemannia. Dort angekommen, gab er sich selbstbewusst und forderte den Aufstieg. Dieser wurde jedoch verfehlt, auch weil Alemannia nach dem Erreichen des Pokalfinales im Mai 2004 im UEFA-Pokal gefordert war und dort bis in die Zwischenrunde gegen AZ kam. Sérgio Pinto sammelte dort seine ersten Europapokal-Erfahrungen. Nach der Saison wechselte Pinto fest nach Aachen und spielte sich auf der rechten Seite des Spielfelds fest. Dabei war es erst einmal egal, ob er als Rechtsverteidiger oder Rechtsaußen agierte. Sein erstes Zweitligator hatte er im September 2004 gegen Unterhaching geschossen, insgesamt schoss er in den beiden Saisons in der 2. Liga jeweils vier Tore und bereitete neun Tore vor.

Am Ende der Saison 2005/06 stand der von Pinto versprochene Aufstieg in die Bundesliga, seine ersten Spiele im Aachener Trikot dort verliefen gut, insgesamt spielte er 29 Spiele im Oberhaus und schoss Tore gegen Cottbus und Bremen. Verhindern konnte er den direkten Abstieg der Alemannia zurück in die 2. Liga aber nicht. Stattdessen musste er einiges über sich ergehen lassen, als der Wechsel zu Hannover 96 zum Saisonende bekannt gegeben wurde. Er sagte später, dass er dabei vom Verein nicht genügend Rückendeckung erfahren habe.

Die Glanzzeit

Es half natürlich, dass bei 96 mit Dieter Hecking ein Trainer arbeitete, der Pinto schon nach Aachen geholt hatte (und der dort in der Bundesliga-Saison von Michael Frontzeck beerbt wurde). So kannte Pinto schon einige Gesichter, auch den neuen Stürmer Mike Hanke kannte er aus Schalker Zeiten.

So begann die Saison 2007/08, in der Pinto zunächst nur auf der Bank saß, bis er am 7. Spieltag seinen Kurzeinsatz auf der Bielefelder Alm nutzte und fünf Minuten vor Schluss das 2:0 schoss. Sein erster Treffer für die Roten. In der Saison kamen noch Tore gegen Wolfsburg und Frankfurt hinzu, größere Aufmerksamkeit erhielt Pinto aber durch zwei rote Karten in der Rückrunde. In beiden Fällen war Pinto hart gefoult worden, seine Ausflüge in die Selbstjustiz mit Nachtreten wurden jedoch nicht nur vom DFB mit langen Sperren geahndet; auch der Verein sperrte den nun 27-Jährigen vereinsintern nach dem zweiten Platzverweis am 28. Spieltag bis zum Saisonende. Im weiteren Verlauf seiner Karriere blieb er ein harter Spieler, bis auf eine gelb-rote Karte in der letzten 96-Saison kam aber kein Platzverweis mehr hinzu.

In der Saison 2008/09 erarbeitete sich Pinto langsam wieder den Platz in der ersten Elf zurück und schoss vier Tore. Seine wahre Führungspersönlichkeit zeigte Pinto aber in der Saison 2009/10: Nachdem er den Saisonstart mit einer Meniskusverletzung verpasst hatte und Trainer Dieter Hecking entlassen worden war, spielte er zunächst unter Andreas Bergmann wie gewohnt weiter. In diese Zeit fiel natürlich auch der Tor Robert Enkes, der die Mannschaft und vor allem Führungsspieler wie Pinto traf und aber auch zusammenschweißte. Nachdem Mirko Slomka das Team im Januar 2010 übernommen hatte, spielte Pinto schnell im defensiven Mittelfeld und dort auch über alle Grenzen hinaus. In den letzten Wochen, in denen es um das Überleben in der ersten Liga ging, spielte Pinto trotz eines Außenbandrisses im Knie bis zum Saisonende und schoss dabei in den wichtigen Wochen noch drei weitere Saisontore gegen Frankfurt und an den letzten beiden Spieltagen beim 6:1 gegen Mönchengladbach und dem 3:0 in Bochum.

Europapokal

Nach dem Klassenerhalt unterschrieb der nun 29-jährige Pinto einen neuen 3-Jahres-Vertrag bei 96 und lieferte im Anschluss vielleicht seine beste Saison für Hannover ab. Nach 34 Spieltagen stand der Verein auf Platz 4 und damit fast in der Europa-League-Gruppenphase, Pinto selbst spielte 31 Spiele, schoss fünf Tore und bereitete sechs weitere vor. Die Belohnung für diese Saison folgte mit seinem bislang größten Erfolg, dem Erreichen des Viertelfinals der Europa League, wo 96 gegen Atletico Madrid – den späteren Turniersieger – ausschied. In der Europa League schoss Pinto zwei Tore, eins im Heimspiel gegen den FC Kopenhagen, eins im Achtelfinalrückspiel gegen Standard Lüttich.

Die Folgesaison war wie eine Art Reprise: Es wurde noch einmal europäisch gespielt, auch wenn es nicht ganz so weit ging. Pinto schoss ein Tor im Rückspiel gegen Anzhi Makhachkala. In der Liga fiel man aufgrund der Doppelbelastung aus den europäischen Plätzen. In der Liga holte Pinto wieder elf gelbe Karten wie in der Vorsaison, schoss aber nur ein einziges Tor.

Zum Start der Saison 2012/13 war Pinto fast 32 und in den Mannschaftsrat der Roten gewählt worden. Gegen Nöttingen schoss da Silva Pinto, wie er ab dieser Saison offiziell hieß, zwei Treffer in der ersten Pokalrunde, aber insgesamt konnte man in der Liga sehen, wie die Kräfte des Mittelfeldmotors langsam nachließen. Seine Bundesligatore 18 und 19 schoss er in der Rückrunde bei der 4:5-Niederlage auf Schalke und beim 3:2 bei Aufsteiger Greuther Fürth. Diese sollten aber seine letzten Tore für 96 bleiben, im Zuge der Umstrukturierungen wurde sein auslaufender Vertrag nach 159 Bundesligaspielen für Hannover 96 nicht verlängert.

Nach 96

Im Sommer 2013 zog es den Deutsch-Portugiesen nach Spanien zu UD Levante. Gegen den Vorstadtklub aus Valencia hatte Pinto bereits in der Europa League schon gespielt. Neben Pinto spielte auch Christian Lell immer noch beim spanischen Klub, dazu sprach mit Andreas Ivanschitz ein weiterer Mitspieler Deutsch, wobei Pinto als Portugiese keine wirklichen sprachlichen Schwierigkeiten hatte, sich einzufügen. In Spanien kam Pinto aber nur auf 18 Einsätze in der Liga und dabei auf eine Vorlage, die Spiele im Camp Nou hat er jedoch nicht in guter Erinnerung. Am ersten Spieltag verlor Levante 0:7 gegen Barcelona und Pinto erlebte die zweite Halbzeit nicht. Im Pokalspiel bei Barcelona verlor man ebenfalls hoch und Pinto humpelte mit einer Muskelquetschung nach einer halben Stunde vom Platz.

Zur Saison 2014/15 kehrte Pinto zurück nach Deutschland. Zunächst spielte er beim Steve Cherundolos Abschiedsspiel mit, danach unterschrieb er einen 2-Jahres-Vertrag bei Fortuna Düsseldorf. Die Zeit dort, die eigentlich nur ein Karriereausklang werden sollte, entwickelte sich nun zur Leidenszeit. Am 12. Spieltag brach ein harter Ball aus kurzer Distanz Pinto im Spiel gegen Ingolstadt den Kiefer, setzte einige Spiele aus und versuchte schnell sein Comeback zu geben. Doch im April 2015 musste er feststellen, dass es so nicht funktionierte. Der Kieferbruch war äußerst kompliziert und Pinto konnte nur unter Schmerzen essen und trainieren. Mittlerweile ist über ein Jahr seit der ursprünglichen Verletzung ins Land gezogen und noch immer ist an ein Comeback nicht zu denken. Ich vermute, dass er nun seinen Vertrag bis zum Saisonende noch erfüllt und danach seine lange und verdienstreiche Karriere beendet. Wenn alles gut läuft, wird er zum Saisonende noch einmal ein kurzes Comeback geben und dann mit 35 Jahren in die Gegend von Aachen ziehen, wo er seit seiner Zeit vor zehn Jahren ein Haus hat und lebt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)

Türchen #16

Wäre das nicht toll, im Winter einen Stürmer zu verpflichten, der in der Rückrunde mit ein paar Toren dafür sorgen könnte, dass man nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hat? Der eine kurzfristige Lösung ist, dann aber zurück zum Ligakonkurrenten geht und dort in der zweiten Mannschaft rumgurkt? Gibt’s nicht? Gibt’s wohl! Vorhang auf für…

 

Türchen #16: Artjoms Rudņevs

Geboren zu Zeiten der Sowjetunion war Rudņevs Familie Teil der russischstämmigen Bevölkerung in Lettland. Seine Heimatstadt Daugavpils (auf Deutsch „Schloss an der Daugava“) ist die zweitgrößte Stadt Lettlands, von den knapp 100.000 Einwohnern sind die Hälfte der Einwohner Russen. Dort, im Süden des Landes kurz vor den Grenzen Weißrusslands und Litauens, wuchs Artjoms auf und spielte bei seinem Heimatverein in der Jugend.

In Lettlands Virslīga gilt auch der Spielplan nach der kalendarischen Saison. Mit 18 Jahren gab Rudņevs dort sein Debüt bei damals noch Ditton Daugavpils. Ende 2006 stieg ein russischer Investor ein, benannte den Verein in Daugava Daugavpils um. Dazu baute er ein neues Stadion. Sein erstes Tor schoss Rudņevs in der ersten Saison im Derby gegen Dinaburg Daugavpils beim 3:1-Sieg.

Nachdem es in der Liga dreimal zu fünften Plätzen reichte konnte Rudņevs mit 20 Jahren das erste Mal einen Pokal in den Himmel strecken, als Daugava im Finale des Lettischen Pokals den FK Ventspils mit 3:0 im Elfmeterschießen schlug. Den entscheidenden Elfmeter versenkte Rudņevs.

Nachdem vor der Saison 2009 große finanzielle Probleme bei Daugava auftauchten und man sich gezwungen sah, mit dem Stadtrivalen Dinaburg zu fusionieren und unter deren Namen weiterzuspielen. Rudņevs nahm jedoch den nächsten Schritt und spielte ab dem Winter 2009 in Ungarn.

Osteuropatournee

In der Nemzeti Bajnokság (NB I.) spielte Rudņevs nach einer gewissen Eingewöhungszeit die letzten vier Spiele für den Tabellenvierten Zalaegerszegi aus dem Westen Ungarns. In den vier Spielen knipste er aber direkt zweimal gegen Siófok. In der Saison 2009/10 legte er noch einmal nach und schoss 16 Tore in 25 Partien, legte dazu noch sechs Tore auf. Damit wurde „ZTE“ Tabellenfünfter konnte aber dennoch den europäischen Wettbewerb erreichen, weil man im Pokalfinale gegen Meister Debreceni verlor.

In der Qualifikation für die Europa League ging es im Sommer 2010 gegen KF Tirana, Rudņevs spielte das zweite Spiel komplett, musste aber nach 120 Minuten durch ein Tor in der Verlängerung die Segel streichen. Nur wenige Tage später verließ Rudņevs Ungarn und wechselte nach Polen zu Lech Poznań. Der polnische Meister suchte noch Spieler für den Sturm, dazu war er trotz des Spiels für „ZTE“ in Europa spielberechtigt.

Sein Auftakt verlief komplett nach Maß, traf beim Debüt von der Bank, insgesamt schoss er in seiner ersten Saison elf Treffer. Am Ende stand Poznań auf Platz 5 und verlor das Pokalfinale im Elfmeterschießen – Rudņevs traf seinen jedoch. Noch besser lief es in Europa: Im ersten Gruppenspiel gegen Juventus Turin schoss der Lette einen Hattrick und war damit für das 3:3-Endergebnis im Grunde alleine verantwortlich. Ein weiteres Tor gegen Juve im 1:1 im Rückspiel und ein Tor im Sechzehntelfinale gegen Braga zeigten nur auf, wie gut die kommende Saison werden würde.

Nach ersten Nominierungen schon während seiner frühen Zeit in Lettland häuften sich Rudņevs Auftritte für die Nationalmannschaft während der Zeit in Polen. Im Jahr 2011 schoss Rudņevs in der EM-Qualifikation gegen Malta seinen bislang einzigen Treffer für Lettland. Durch Interviews in der Heimat machte er sich als russischstämmiger Spieler unbeliebt, als er behauptete, man müsse nicht besonders gut Lettisch sprechen um für Lettland zu spielen. Später revidierte er das, aber der Schaden war angerichtete.

In der Saison 2011/12 landete Poznań zwar nur auf Platz 4, aber Rudņevs lief richtig heiß. 22 Treffer in 29 Spielen bedeutete ein einsames Rennen in der Torjägerliste, insgesamt schoss er in dieser Saison vier Hattricks. Klar, dass da auch die deutschen Vereine auf ihn aufmerksam wurden, nachdem vor ihm ein gewisser Robert Lewandowski Torschützenkönig geworden war.

Deutschland

Für 3,5 Millionen Euro holte der Hamburger SV den „nächsten Lewandowski“ an die Elbe und Rudņevs machte in seiner Startsaison in der Bundesliga keinen schlechten Eindruck. Mit 12 Treffern in der Saison 2012/13 schickte er den HSV auf Platz 7, nur knapp an der Europa League vorbei. Als der HSV in der Folgesaison zur Überraschung aller die erste Pokalrunde überstand, hatte „Rudi“ zwei Treffer gegen Schott Jena erzielt. In der Liga tauchte Rudņevs nun aber immer seltener auf. Das hatte natürlich auch mit den dann wieder öfter wechselnden Trainern zu tun. Unter Thorsten Fink hatte er noch gespielt, unter van Marwijk war er dann zu Kurzeinsätzen gezwungen. Klar, dass er dann zur Leihe nach Hannover kommen wollte.

Leihzeit

Für den neuen Trainer Tayfun Korkut hatte sich Dirk Dufner ein neues Präsent überlegt, um den Nichtabstieg in der Saison 2013/14 zu schaffen. Mit 18 Punkten in der Hinrunde – alle im Niedersachsenstadion geholt – hatte Mirko Slomka die Interviews von Martin Kind nicht überlebt und musste zum Jahresende gehen.

Rudņevs schlug ein wie eine Bombe, schoss in den ersten beiden Rückrundenpartien gegen Wolfsburg und Gladbach Tore, dazu kamen noch Treffer gegen Leverkusen und Freiburg am letzten Spieltag. Viel wichtiger war aber vielleicht seine Leistung gegen den HSV, als er einen Treffer auflegte und mit dem 2:1-Sieg Korkuts Job vorerst rettete. Trotz der vier Tore und insgesamt vier Vorlagen wurde die Kaufoption nicht gezogen und er kehrte mit nun 26 Jahren zurück nach Hamburg.

Zurück

In der letzten Chaos-Saison 2014/15 hatte Rudņevs beinahe mehr Trainer als Spiele. Unter Slomka gab es Kurzeinsätze, Josef Zinnbauer gab dem Letten ein paar mehr Chancen – unter ihm schoss er auch sein einziges Saisontor beim Derby-Sieg gegen Werder Bremen. Unter Peter Knäbel stand Rudņevs gar nicht im Kader, aber zum Saisonende unter Bruno Labbadia hatte er wieder Einsatzzeiten.

Die hat er in dieser Saison aber nur noch in der 2. Mannschaft des HSV. In fünf Partien in der Regionalliga Nord traf er dreimal und wartet darauf, dass der Vertrag im Sommer 2016 ausläuft und er bei einem neuen Verein wieder knipsen kann.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)

Türchen #15

Gestern ging es um einen Spieler, der als Kind aus Afrika nach Europa kam. Heute behandelt der Blogpost einen jungen Mann, der aus einem europäischen Kriegsgebiet fliehen musste und in Deutschland eine neue Heimat fand.

 

Türchen #15: Valdet Rama

Valdet Rama stammt aus Mitrovica im Kosovo, welches zum Zeitpunkt seiner Geburt noch ein Teil des gesamten Staates Jugoslawien war. In den folgenden Jahren kam es in den Jugoslawienkriegen zu neuen Staaten, Teilstaaten, Massakern und viel Leid und Elend in den jugoslawischen Teilrepubliken. Im Jahr 1995 war der Bosnienkrieg endlich beigelegt worden, im Kosovo schwelte der Konflikt aber weiter, bis 1999 auch dort der Krieg ausbrach. Bis dahin war es aber trotzdem schon sehr unsicher im Norden Kosovos geworden, so dass sich die Familie Ramas im Jahr 1996 entschloss, nach Deutschland zu fliehen.

Wolfsburg und Ingolstadt

Rama kam zunächst in Hagen unter, dem „Tor zum Sauerland“. Dort spielte er Fußball in der Jugend und bewies sein Potential, spielte später in Iserlohn und dann in der Jugendabteilung von Rot-Weiß Essen. Dort beeindruckte der Albaner so sehr, dass die Amateurmannschaft vom VfL Wolfsburg auf ihn aufmerksam wurde und Trainer Uwe Erkenbrecher den 17-Jährigen verpflichtete. Bei seinem Debüt in der Oberliga Nord gegen Brinkum schoss er nach drei Minuten nach 1:0. In den beiden Jahren in der Oberliga schoss Rama in 30 Spielen zehn Treffer, zur Saison 2007/08 stieg die Wolfsburg-Reserve auf. In der letzten Saison der alten Regionalliga Nord konnte Wolfsburg II aber nicht mithalten und wurde Tabellenletzter, Rama konnte nicht ein Tor erzielen.

Der nun 20-Jährige wollte sich nun beweisen und unterschrieb einen Vertrag beim FC Ingolstadt, welcher gerade aus der Regionalliga Süd in die 2. Bundesliga aufgestiegen war. Seine Saison 2008/09 begann sehr stark mit einem Tor und zwei Vorlagen in den ersten drei Spielen, er erzielte wie den ersten Zweitligatreffer auch das zweite Saisontor gegen Greuther Fürth. Insgesamt reichte es für den Aufsteiger jedoch nicht und man rutschte im Laufe der Saison auf Rang 17 ab und stieg in die neuformierte 3. Liga ab.

15x 96

Der neue 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke holte den Albaner nach Hannover, um zur Saison 2009/10 die beiden Außenbahnen zu beleben. Sein Debüt für 96 war die 1:3-Pokalpleite gegen Mario Baslers Eintracht Trier, die in der Saison zum Pokalschreck avancierten. In der Liga machte Rama sein erstes Spiel gegen Mainz 05 und legte im Laufe der Saison noch 14 weitere Spiele nach, bei denen er auf beiden Außenbahnen zum Einsatz kam. Dabei machte er den Großteil seiner Spiele unter Andreas Bergmann, weil Dieter Hecking nach dem Mainz-Spiel seine Sachen packen musste. Unter Mirko Slomka hatte Rama nur noch wenige Einsätze, immer öfter spielte Rama in der zweiten Mannschaft.

In der Saison 2010/11 spielte er bis zum Winter unter Andreas Bergmann bei Hannover II in der Regionalliga Nord und schoss dort im Dezember 2010 auch sein einziges Tor in den Trikots der „Roten“. Es war aber abzusehen, dass er in der Bundesliga keine Chance mehr hatte und sah im Februar 2011 seine Chance, in der Allsvenskan bei Örebro SK durchzustarten.

Europareise

Für zwei Jahre spielte Rama in Schweden und war dort Stammspieler in der ersten Saison, in der der Verein im unteren Mittelfeld landete, dabei erzielte er acht Tore. Im Sommer 2011 spielte Rama Europa-League-Qualifikation, schied aber gegen Sarajevo aus. In der zweiten Saison verringerten sich Einsatzzeiten und Tore und zum Saisonende stieg Örebro in die Superettan ab. Im Januar 2013 wechselte Rama mit nun 25 Jahren in die Primera Division zu Aufsteiger Real Valladolid. Nachdem er mit ein paar Kurzeinsätzen überzeugen konnte, spielte er in der Saison 2013/14 31-mal und schoss auch ein Tor gegen Athletic Bilbao. Zum Saisonende stand Valladolid aber dennoch auf Platz 19 der spanischen Liga und stieg ab.

Wichtiger war für den Kosovaren aber während seiner Zeit in Spanien seine Nominierung für die albanische Nationalmannschaft und seine ersten Länderspiele. Im Juni 2013 schoss er in seinem zweiten Länderspiel gegen Norwegen beim 1:1 sein erstes Tor für Albanien. In der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 wurde Albanien aber nur Vorletzter in der Gruppe. Insgesamt hat er bislang 15 Länderspiele gemacht und dabei drei Tore geschossen.

Zurück nach Deutschland

Nach dem Abstieg mit Valladolid wechselte Rama zu 1860 nach München. Mit drei Toren und vier Treffern in 26 Spielen half er 1860 zumindest auf den 16. Platz und damit rettete sich der Münchener Klub in die Relegation gegen Holstein Kiel. Nachdem es im Rückspiel kurz vor Schluss ganz schwarz aussah und der Abstieg fast beschlossen war, schloss Rama aus 25 Metern komplett verzweifelt ab, vom Pfosten prallte der Ball auf den Fuß von Innenverteidiger Kai Bülow und der verwandelte zum 2:1.

In der neuen Saison läuft es für 1860 nicht besonders besser, dazu hat Rama fast die komplette Hinrunde mit Adduktorenproblemen aussetzen müssen. Am Wochenende konnte der nun 28-Jährige aber ein kurzes Comeback bei der 1:3-Niederlage gegen Heidenheim feiern. Am kommenden Sonntag kann Rama beim SC Freiburg für einen Lichtblick vor dem Weihnachtsfest sorgen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Auch Innenverteidiger Carsten Linke hat genau 15 Erstligaspiele für Hannover gemacht, bevor er seine lange Karriere mit 37 Jahren beendete, in der er 96 aus der Regionalliga in die 1. Liga führte. Am 6. Spieltag köpfte Linke den Ball zum zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer gegen den VfL Bochum in die Maschen, bevor man das Spiel kurz vor Schluss noch abschenkte und 2:2 spielte.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)

Türchen #14

Nach den letzten Tagen, bei denen teilweise sogar verdiente Spieler im Adventskalender auftauchten, begeben wir uns in den folgenden Tagen wieder zurück auf den Pfad der Legenden mit Kurzeinsätzen. Heute also ein Schweizer mit genau 14 Bundesligaspielen für Hannover 96…

 

Türchen #14: Johan Djourou

Johan Djourou wurde in der Elfenbeinküste geboren, zog aber mit 17 Monaten mit seiner Familie in die Schweiz. Die ganze Geschichte ist etwas kompliziert, denn er ist das Ergebnis einer Affäre, aber die betrogene Ehefrau wurde später seine Adoptivmutter. So kommt Djourou an zwei Staatsangehörigkeiten, die schweizerische und die ivorische.

In seiner Jugend spielte er zuerst im Sturm und rückte dann immer weiter in der Aufstellung nach hinten – eine nicht ungewöhnliche Karriere von Verteidigern. Die Scouts des FC Arsenal treiben sich ja bekanntermaßen überall herum und wurden beim Beobachten von Schweizer Jugendspielen auf den hoch aufgeschossenen 16-jährigen Djourou im defensiven Mittelfeld aufmerksam und holten den Jungen in ihre Akademie nach London.

Versuche, sich zu etablieren

Die ersten Chancen auf Spielminuten ergeben sich bei Arsenal traditionell im League Cup, in dem öfter mal Nachwuchsspieler und Kaderspieler ihre Spielpraxis bekommen. In der Saison 2005/06 gab es die ersten Auftritte, als er gerade 19 geworden war, dazu kamen erste Einsatzzeiten in der Premier League. Auch die Schweizer Nationalmannschaft wusste um das Potential des Verteidigers und ermöglichte ihm im Frühjahr 2006 das Debüt in der Nationalmannschaft und nominierte ihn für die WM 2006, bei der er in zwei Gruppenspielen und dem verlorenen Achtelfinale gegen die Ukraine eingewechselt wurde.

In der Folgesaison machte er 21 Spiele für Arsenal in der Premier League und hatte seinen ersten Auftritte in der Champions League. Um ihm noch mehr Spielpraxis zu ermöglichen, wurde er zu Beginn der Saison 2007/08 an Birmingham City ausgeliehen. Nach 13 Spielen in der Innenverteidigung dort ging es zurück nach London, wo er den Rest der Saison mit großen Leistenproblemen aussetzen musste und erst zum Saisonende ein paar Mal spielen konnte. Die Heim-EM verfolgte er ausschließlich von der Ersatzbank und musste zusehen, wie die Schweiz in der Vorrunde ausschied.

In der Saison 2008/09 spielte er wieder regelmäßiger, musste aber zum Saisonende einen weiteren Rückschlag hinnehmen: In einem der letzten Saisonspiele erlitt er eine schwere Knieverletzung und ließ sich im September 2009 operieren. Damit fiel er fast die komplette Saison verletzt aus. Die Einsatzzeit belief sich auf ein Comeback über 28 Minuten am letzten Spieltag der Saison. Dadurch war er auch nicht in der Lage, an der WM 2010 in Südafrika teilzunehmen, ihm fehlte Spielpraxis und Fitness.

Die bekam er in den nächsten beiden Jahren, als er wieder versuchte, endlich Stammspieler bei Arsenal zu werden. Zwar war er mit nun 23 immer noch sehr jung, hatte aber schon sowohl Spiele wie auch Verletzungen wie ein alter Hase gesammelt. Am 5. Februar 2011 schoss er sein einziges Liga-Tor für Arsenal, als man legendär eine 4:0-Führung bei Newcastle United verspielte und nach dem 4:4-Ausgleich fast sogar noch verloren hätte. Als er in der Saison 2012/13 gar nicht mehr spielte und seine Hauptaufgabe darin bestand, als Moderator bei Arsenal TV zu arbeiten, entschloss sich der Verein doch, den nun fast 26-Jährigen erneut zu verleihen.

14 Spiele bei 96

Er reiste ins Trainingslager nach Portugal und bereitete sich dort mit Hannover 96 auf die Rückrunde vor. Bei 96 waren Felipe und Andrööösen mal wieder verletzt und man brauchte etwas Hilfe in der Defensive. Gegen Schalke 04 – an seinem 26. Geburtstag – gab er sein Debüt an der Seite von Landsmann Mario Eggimann und das 4:5 wird man noch lange in Erinnerung behalten, allerdings weniger wegen defensiver Effektivität sondern mehr wegen Schnitzer und dem Fallrückzieher von Mame Diouf.

Wichtig für 96 war, dass Djourou auch in der Europa League mitwirken konnte und so stand er in beiden Sechzehntelfinal-Spielen gegen Anzhi Makhachkala auf dem Platz und kümmerte sich um Samuel Eto’o. Allerdings schied man nach großen Kampf und starkem Anrennen trotzdem aus, die Runde hatte man im Hinspiel in Moskau verloren. Trainer Mirko Slomka hielt aber große Stücke auf Djourou und ließ ihn jedes Spiel starten, musste nur dreimal auf den Schweizer verzichten, als dieser mit einem Muskelfaserriss ausfiel.

Weiter beim kleinen HSV

Eigentlich hatte man sich bei 96 schon vorstellen können, den Verteidiger auch weiter zu beschäftigen, vielleicht noch einmal auszuleihen oder zu kaufen. Nach der Rückrunde 2013 brauchte aber auch der Hamburger SV etwas Stabilität in der Abwehr und so überbot man Hannover und sicherte sich die Dienste des Schweizers. Dem FC Arsenal wird es herzlich egal gewesen sein, Hauptsache man war den Kaderspieler endlich los. Deswegen schrieb man auch eine automatische Kaufoption nach 20 Einsätzen in den Leihvertrag, die sich dann auch zum Saisonende erfüllte. Für knapp unter 3 Millionen Euro war Djourou nun ein Hamburger.

Durch die Spiele beim Hamburger SV, die er eigentlich alle bestritt, wenn er nicht gerade einen Muskelfaserriss hatte, spielte er sich auch wieder in den Fokus der Nationalmannschaft, die nach der verpassten EM 2012 sich nun für die WM in Brasilien qualifiziert hatte. Bevor Djourou nach Rio fliegen konnte, musste er aber zunächst ein Finale mit dem HSV spielen – die Relegation gegen Greuther Fürth. Nachdem dies vollkommen überzeugend gelang und man haushoch dank der Auswärtstorregel die Klasse hielt, ging es zur WM, in der Djourou über die komplette Distanz auf dem Platz stand und gegen den späteren deutschen Finalgegner Argentinien erst in der Verlängerung ausschied.

Nachdem Djourou in der Saison 2014/15 32 Ligaspiele machte und dabei auch öfter die Kapitänsbinde von Rafael van der Vaart übernahm, verteidigte er im Mai 2015 seinen Relegationstitel gegen den Karlsruher SC und wurde nach dem Abgang van der Vaarts auch offiziell Kapitän. Mit nun fast 29 Jahren hat der Schweizer seine Torgefährlichkeit entdeckt und in der laufenden Saison bereits gegen den VfB Stuttgart und Mainz 05 getroffen. Am vergangenen Wochenende lag er krank im Bett und konnte gegen den VfL Wolfsburg nicht mitspielen, gegen den FC Augsburg spielt er aber sicher wieder mit und im Sommer 2016 wird er – sofern er sich nicht verletzt – auch an der EM 2016 in Frankreich teilnehmen und dort ein besseres Ergebnis als das Vorrundenaus bei der Heim-EM erwarten.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)

Türchen #12

Die Kunstform des „Aggressive Leader“ ist in den vergangenen Jahren ja etwas aus dem Fokus der Bundesliga verschwunden. Zwar gibt es noch den einen oder anderen defensiven Mittelfeldspieler, der gerne einmal austeilt, aber im Mannschaftsgefüge spielt er eher eine untergeordnete Rolle. Hinter diesem Türchen steht nun ein solcher Anführer, der bei Hannover 96 Mannschaftskapitän wurde und sich im Laufe seiner Karriere mit eigentlich jedem Trainer überwarf.

 

Türchen #12: Hanno Balitsch

Hanno Balitsch kommt aus Alsbach in Hessen, etwas südlich von Darmstadt und auf dem Weg Richtung Mannheim. In der Jugend war er ein komplettes sportliches Multitalent: Mit fünf Jahren begann er das Fußballspielen im Dorfverein, im Gymnasium in Bensheim trat er der Leichtathletik-Leistungsgruppe bei und durchlief alle Wettkampfmannschaften bei „Jugend trainiert für Olympia“. Als dreimaliger Hessenmeister fuhr er mit der Mannschaft zum Bundesfinale nach Berlin, lief die Staffel und schleuderte den Speer. Bis zur B-Jugend blieb er Leichtathlet, qualifizierte sich für die 300-Meter-Hürden bei den deutschen Jugendmeisterschaften und wurde Hessenmeister im Hochsprung. Fußball war zu dem Zeitpunkt zunächst noch Ausgleich, als Balitsch jedoch merkte, dass ihn das Leichtathletik-Training im Fußball weiterbrachte, blieb er beim Ballsport.

1998 wechselte er zu Waldhof Mannheim, weil es dort im Vergleich zum näher gelegenen Darmstadt die bessere fußballerische Weiterentwicklung gab. Er debütierte in der U16-Nationalmannschaft und durchlief auch die weiteren Jugendnationalteams, teils als Kapitän. Bei Waldhof Mannheim debütierte er als 19-Jähriger in der 2. Liga gegen den VfL Bochum im April 2000, kurz vor seinem Abitur. In der darauf folgenden Saison 2000/01 spielte der Youngster in 25 Zweitligaspielen und verpasste mit Waldhof den Aufstieg in das Bundesliga-Oberhaus nur um einen Punkt.

Sprung in die 1. Liga

Mit 20 Jahren wechselte Balitsch zum 1. FC Köln um Erstligaluft zu schnuppern und die Karriere nach vorne zu befördern. Hier machte er 24 Spiele, zum Saisonende stand der Effzeh aber auf Platz 17, welcher den Abstieg in die 2. Liga bedeutete. Da meldete sich der Nachbar aus Leverkusen, der gerade die Vizekusen-Saison hinter sich hatte und neues Spielermaterial brauchte. Trotz der großen Konkurrenz im Leverkusener Kader wurde Balitsch Stammspieler, auch wenn er immer häufiger als Innenverteidiger eingesetzt wurde. In der ersten Saison wäre man sogar beinahe abgestiegen, konnte das Ruder gerade noch herumreißen. Die Saison 2003/04 verlief da schon erfolgreicher, ohne die internationale Doppelbelastung wurde man Tabellendritter. Mit Leverkusen spielte Balitsch in der ersten und dritten Saison Champions League, spielte in Haupt- und Zwischenrunden gegen Manchester United, FC Barcelona, Real Madrid und einige mehr. Im März 2003 machte Balitsch sein einziges Länderspiel für Deutschland, als er bei einem Freundschaftsspiel gegen Spanien auf Mallorca eingewechselt wurde.

Als er in der Hinrunde 2004/05 aber kaum noch eingesetzt wurde, wechselte er in der Winterpause zu Mainz 05, wo er unter Jürgen Klopp seine Spielzeiten wieder zurückerlangte und Stammspieler wurde. Dazu spielte er wieder konstant im defensiven Mittelfeld und konnte so seine Qualitäten als harter und konsequenter Abräumer unter Beweis stellen.

96

Im Sommer 2005 holte Ewald Lienen den nun 24-Jährigen  Hessen nach Hannover, Lienen hatte ihn schon aus Mannheim nach Köln gelotst. In den fünf Saisons an der Leine war Balitsch fast immer Stammspieler, dabei war er nur nominell defensiver Mittelfeldspieler. Bis auf Torhüter hatte er in der Zeit fast alle Positionen schon gespielt, von Linksaußen bis rechter Verteidiger. Sein Standing in der Mannschaft änderte sich auch unter den verschiedenen Trainern nicht, seien es Lienen, Peter Neururer, Dieter Hecking oder Mirko Slomka. Mit Hecking geriet Balitsch aber in der Saison 2008/09 in einer Halbzeitpause richtig aneinander, so dass der Trainer den dann schon Kapitän für ein Spiel suspendierte. Nach einem klärenden Gespräch in der Winterpause wurde das Thema jedoch ausgeräumt.

In den exakt 150 Bundesligaspielen für Hannover 96 kam Hanno Balitsch auf 12 Treffer, im Gegensatz dazu stehen 44 gelbe Karten und ein Platzverweis. Sein erstes Tor erzielte er am 30. Spieltag der Saison 2005/06 gegen den VfB Stuttgart, als er bei einem 3:3 nach nur 90 Sekunden das 1:0 formvollendet in die Maschen grätschte. Der zweite Treffer kam ein halbes Jahr später und war ein Siegtreffer zum 1:0 gegen Mönchengladbach.

Seine erfolgreichste Saison in offensiver Hinsicht war die Saison 2007/08, als er gleich viermal traf und dazu noch zwei Tore auflegte. Im Frühjahr 2008 verlängerte er seinen auslaufenden Vertrag mit 96, avancierte im Herbst in Abwesenheit eines erkrankten Robert Enke kurzzeitig zum Kapitän der „Roten“. Nachdem dieser im November 2009 verstorben war, begann die bekannte Negativspirale der Mannschaft und die Rettung passierte in letzter Sekunde. Balitsch erklärte nach dem Suizid, Enke habe sich ihm anvertraut

Am 30. Spieltag der Saison 2009/10 schoss Balitsch das vielleicht wichtigste Tor seiner 96-Zeit, als der Verein als Vorletzter den Tabellenzweiten Schalke 04 empfing. Balitsch saß auf der Bank und sah, wie 96 2:0 in Führung ging. Als sich Manuel Schmiedebach verletzte, wurde der 29-Jährige nach nur 36 Minuten eingewechselt. Die zweite Halbzeit begann wie ein Albtraum, als Schale mit zwei schnellen Toren ausglich. Es lief die 80. Minute, als 96 die kopflosen Bemühungen der Schalker bestrafte und konterte. Steve Cherundolo legte den Ball an die Strafraumkante zurück, Balitsch legte all seine Wut in den Schuss und erzielte das 3:2, in der Nachspielzeit erhöhte man gar noch auf 4:2.

Zurück nach Leverkusen

Einen neuen Vertrag unterschrieb Balitsch in Hannover nicht, kehrte lieber zurück zu Bayer, konnte sich dort aber den Stammplatz nicht wieder erarbeiten, weder unter Jupp Heynckes noch unter Robin Dutt. Im Grunde wurde er immer in den letzten Minuten eingewechselt, durfte noch einmal Champions League spielen und wurde Vizemeister, wohl fühlte er sich aber nicht. Als ihm im November 2011 nahegelegt wurde, sich einen neuen Verein zu suchen, meldete sich im Januar 2012 sein alter Trainer Dieter Hecking, der jetzt beim 1. FC Nürnberg angestellt war. Balitsch half dort als Rechtsverteidiger aus und war wieder Stammspieler, bis er sich erneut mit den Trainern überwarf. Mittlerweile hieß der Coach Michael Wiesinger und dieser suspendierte ihn im Grunde für die gesamte Hinrunde 2013/14, auch wenn Wiesinger selbst nach dem achten Spieltag entlassen worden war. In der Rückrunde spielte Balitsch unter Gertjan Verbeek und Roger Prinzen noch neun Spiele, der Glubb stieg aber trotzdem ab.

Zurück in die Heimat

Mit mittlerweile 33 Jahren hatte Hanno Balitsch mit seiner Familie das Nomadenleben satt und zog zurück nach Bensheim, wo er ja schon sein Abitur gemacht hatte. Trotzdem reizte ihn das Fußballspielen immer noch und so spielte er für ein Jahr beim FSV Frankfurt, pendelte regelmäßig in die Großstadt. Für die Bornheimer stand er ab dem 3. Spieltag als Innenverteidiger auf dem Platz, das Debüt war ausgerechnet gegen den Glubb aus Nürnberg und natürlich schoss er den 1:0-Siegtreffer. Mit seiner Hilfe verhinderte der FSV den Abstieg, für Balitsch ging es aber nun noch einmal zurück zum Klub seiner Jugend.

Im Sommer 2015 wurde Balitsch immer mehr zum Teilzeitfußballer, er hatte einen Job beim ZDF angenommen, plante seinen Trainerschein und dazu ein Aufbaustudium in Richtung Sportmanagement, nachdem er nach dem Abitur bereits ein Fernstudium in der Richtung gemacht hatte. Für ihn war klar, dass man damit nicht mehr in der 2. oder 3. Liga spielen könne, deswegen wechselte er zurück zu Waldhof Mannheim in die Regionalliga Südwest. Dort ist der Routinier Kapitän und wie gewohnt Abräumer im defensiven Mittelfeld. Was nach dieser Saison passiert, steht noch nicht fest, vielleicht hängt er die Treter komplett an den Nagel, vielleicht spielt er noch ein Jahr. Er wird dem Fußball aber immer verbunden bleiben, die entsprechenden Weichen hat er vor Jahren gestellt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)

Türchen #8

Eine der tragischsten Geschichten verbirgt sich hinter dem heutigen Türchen. Ein Portugiese, der international bei 96 spielen wollte und dann doch nur zwei Jahre lang Reha-Training machte, bevor es zurück in die Heimat ging. Eine Geschichte rund um ein kaputtes Knie und ein Happy End bei einem früheren Klub.

Türchen #8: Carlitos

21. August 2010, 15:30. Die Mannschaft von Hannover 96 steht vor dem Anstoß gegen Eintracht Frankfurt gehörig unter Druck. Die letzte Saison wurde am letzten Spieltag in Bochum gerettet, die Vorbereitung war so lala, dann ging in der vorigen Woche auch noch der Saisonauftakt im DFB-Pokal komplett in die Hose, als man in Elversberg im Elfmeterschießen scheiterte. Trainer Mirko Slomka ist leicht angezählt. Dann rollt der Ball.

Knapp eine Minute später muss Schiedsrichter Deniz Aytekin das Spiel unterbrechen. Carlitos liegt am Boden, dass Gesicht schmerzverzerrt und voller Enttäuschung. Im ersten Duell hat er sich ohne Gegnereinwirkung das Knie verdreht, die Diagnose Kreuzbandriss folgt schnell. Unter Tränen wird der Portugiese vom Platz getragen. Die Hinrunde ist für ihn beendet.

Der Weg zu 96

Carlos Alberto Alves Garcia wurde am 6. September 1982 in Lissabon geboren. Seine Jugend verbrachte er aber nicht bei einem der ortsansässigen Schwergewichte wie Sporting oder Benfica, sondern in Amora, einer Kleinstadt auf der gegenüberliegenden Seite der Tajo-Mündung, etwas südlich von Lissabon. Dort reifte er heran und spielte zunächst einmal bei diesem kleinen Amateurverein, bis GB Estoril auf den 19-Jährigen aufmerksam wurde. Im Jahr 2002 war Estoril noch ein kleiner Drittligist von der Atlantikküste im Speckgürtel Lissabons. Dort schaffte er nicht nur den Durchbruch, sondern half dem Verein zum Durchmarsch in die erste Liga. Zu dem Zeitpunkt war Benfica auf den Jungen aufmerksam geworden. Für 500.000 Euro wurde er verpflichtet, konnte sich aber nicht in die erste oder zweite Reihe spielen, es reichte nur für wenige Kurzeinsätze.

Im Januar 2006 wurde ihm Spielpraxis gewährt und er wurde zum Ligakonkurrenten Vitória Setúbal, für den er in 15 Rückrundenspielen vier Treffer beisteuerte. Um noch mehr Spielpraxis zu bekommen, meldete sich im Sommer der Schweizer Aufsteiger FC Sion. In der Saison 06/07 erzielte Carlitos neun Tore in 27 Spielen und fand sich mit dem Aufsteiger zum Saisonende plötzlich auf dem 3. Tabellenplatz endete. Da guckte der Primus FC Basel verblüfft, der diese Saison Zweiter geworden war und sprach bei Benfica vor und verpflichtete den 24-jährigen Portugiesen.

Mit dem FC Basel wurde Carlitos 2008 und 2010 Doublesieger. Er staubte Meisterschaft und Pokal ab. Dabei war er Stammspieler, schoss in der Liga in den drei Spielzeiten elf Tore und legte 24 weitere auf. Mit Basel spielte er Champions League und Europa League in Barcelona, Rom und Hamburg. Nach diesen drei Jahren sollte Carlitos von Basel aber keinen neuen Vertrag mehr erhalten. 96-Manager Jörg Schmadtke sah die Chance und griff zu. Carlitos war selbstbewusst: „Mit mir bekommt die Liga einen weiteren guten Spieler hinzu.“

Auf dem Weg zum Comeback

Nach der Diagnose Kreuzbandriss begann für den nun 28-Jährigen eine lange Zeit der Rehabilitation und dem Herantasten an den Profi-Kader. Er war erst relativ spät zur Mannschaft gestoßen, hatte das Pokalspiel in Elversberg durchgespielt, aber richtig ins Team hinein hatte er sich noch nicht gespielt.

Sein Comeback kam am 26. Spieltag am Freitagabendspiel beim 1. FC Köln. Carlitos rutschte kurzfristig ins Team, weil Sergio da Silva Pinto eine Mandelentzündung hatte. Das Spiel ging 0:4 verloren, Carlitos musste nach einer knappen Stunde Moritz Stoppelkamp Platz machen. Bis zum 31. Spieltag gab es noch vier weitere Kurzeinsätze für den Portugiesen, bis ihn Knieprobleme erneut stoppten. Er ließ sich im Sommer 2011 in Lissabon erneut operieren, stand aber nicht wie geplant zum Trainingsauftakt wieder auf dem Platz. Die Reha war langwierig und im Januar 2012, als er im Wintertrainingslager wieder angreifen wollte, musste er direkt wieder abreisen, weil eine Zyste im Knie diagnostiziert worden war. Sein Vertrag lief im Sommer aus und es war klar, dass er bei 96 keine Zukunft haben würde. Zumindest wurden ihm am 32. und 33. Spieltag noch zwei Kurzeinsätze gegen Freiburg und Leverkusen für die Bundesligaspiele sieben und acht in seiner Karriere gewährt.

Zurück zu alten Vereinen

Ablösefrei ging es zu Estoril, dem Verein, mit dem er in die 1. Portugiesische Liga aufgestiegen war, aber nie für sie dort gespielt hatte. Nun war Estoril erneut aufgestiegen und Carlitos konnte mit nun 30 Jahren zumindest wieder Fuß fassen und spielte regelmäßig, wenn auch nicht immer für 90 Minuten. 2013 qualifizierte sich der Aufsteiger für die Europa League und schaffte auch die beiden Qualifikationsrunden für die Gruppenphase, nur um hinter dem FC Sevilla, Slovan Liberec und dem SC Freiburg Tabellenletzter zu werden. Trotzdem sollte es für den Portugiesen nicht der Karriereausklang sein.

Der FC Sion meldete sich in Portugal: Zu gut war Carlitos den Schweizern in Erinnerung geblieben, als er den Aufsteiger in den europäischen Wettbewerb schoss. Im Sommer 2014 wechselte Carlitos wieder ins Wallis und drehte dort trotz seines Alters noch einmal richtig auf. Zwar lief es in der vergangenen Saison nicht großartig und man beendete die Saison auf Platz 7, aber Carlitos steuerte fünf Tore und zehn Vorlagen bei. Und im Pokalfinale 2015 gegen den Ex-Klub FC Basel machte er im Mai das Spiel seines Lebens: Nicht nur, dass er das 1:0 und das 2:0 fein vorbereitete, er erzielte auch noch das 3:0 per Kopf zum Endstand.

Endspiel am Donnerstag

In dieser Saison steht man momentan wieder im Tabellenmittelfeld – aber am Donnerstag steht ein echtes Highlight in der Europa League an. Der FC Sion steht auf dem 2. Platz, drei Punkte vor Rubin Kasan, hat aber den direkten Vergleich verloren. Ein Punkt reicht also für die Zwischenrunde, dieser muss aber ausgerechnet gegen den Tabellenführer FC Liverpool geholt werden. Das Hinspiel an der Anfield Road endete 1:1, das würde auch übermorgen reichen. Schlägt Sion Liverpool, ist man gar Tabellenführer. Ich würde es Carlitos so sehr gönnen, dass er mit 33 Jahren den Siegtreffer im Stade de Tourbillon gegen die „Reds“ erzielt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Wieder einmal gibt es zwei Jungs, die in dieser Rubrik auftauchen. Der erste ist Salvatore „Sal“ Zizzo, der allererste „neue Cherundolo“. 2007 von einem amerikanischen College geholt, Hauptsächlich in der zweiten Mannschaft aktiv, reichte es zwischen 2007 und 2009 für achte Ligaspiele, zum Ende seiner Zeit machte dem Außenspieler, mal rechts vorne, mal rechts hinten, ein Außenbandriss im Knie das Leben schwer. 2010 ging er zurück in die USA und spielte bei verschiedenen Teams in der MLS. Diese Saison schaffte er – mittlerweile 28 – mit den New York Red Bulls als Stammspieler in der rechten Verteidigung den Einzug in das Playoff-Halbfinale, scheiterte dort aber an Columbus Crew.

Der andere Spieler ist Arouna Koné, mittlerweile 32 und beim FC Everton. Ein weiterer Stürmer, der im Januar 2010 geholt wurde, um den Abstieg zu vermeiden. Nach Treffern gegen Hoffenheim und Dortmund ging nach acht Spielen auch sein Knie kaputt und er kehrte nach Sevilla zurück, als seine Leihe endete. Der Ivorer war über Roda und PSV für viel Geld zu Sevilla gewechselt, nach der 96-Leihe ging es für ihn noch zu weiteren spanischen Klubs, bevor Roberto Martinez den Stürmer nach England zu Wigan Athletic holte. 2013 wechselte er schließlich zum FC Everton.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidur Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)

Türchen #4

Spieltag. Am 4.12. spielt Hannover 96 bei Schalke 04. Und wie es der Zufall so will, steht Schalke im Fokus des nächsten 96-Spielers…

Türchen #4: Adrian Nikci

Es war Sonntag, der 26. August 2012, kurz nach 19 Uhr. Im Niedersachsenstadion stand am 1. Spieltag der Saison 2012/13 der 23-jährige Adrian Nikci an der Seitenlinie. Trainer Mirko Slomka nahm seinen letzten Wechsel vor, sein letzter Trumpf. Nach einem guten Start in das Spiel – Neuzugang Felipe hatte die Führung erzielt – hatte der Gast aus Gelsenkirchen in der zweiten Halbzeit durch Huntelaar und Holtby das Spiel gedreht. Direkt im Anschluss waren Sobiech und Huszti für die Belebung der Offensive in die Partie gekommen, jetzt in der 77. Minute stand der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln bereit, dem Spiel die erneute Wendung zu geben.

Er klatschte mit dem Torschützen Felipe ab und betrat das Feld. Knapp drei Minuten später feierte Nikci vor der Nordkurve den Ausgleich. Seinen Ausgleich. Was für ein Start in die Bundesligazeit bei 96. Jan Schlaudraff hatte sich auf der Außenbahn durchgetankt, auf der Grundlinie den Ball flach und scharf in den Strafraum gespielt und der Joker aus der Schweiz stach sofort. Der Punkt war zurückerobert und konnte bis zum Spielende gehalten werden.

Seine ersten Minuten für 96 waren das aber nicht: Nur ein paar Tage zuvor war das Europa-League-Playoff-Hinspiel gegen Slask Wroclaw gespielt worden, ein komplett beklopptes 5:3 in Polen, welches die Weichen für die erneute Gruppenphase in der Europa League gestellt hatte, aber dank zahlreicher defensiver Schnitzer genug Fragezeichen offen ließ. Nikci hatte nach dem fünften Treffer Spielminuten zum Vertrödeln bekommen.

Der Weg für eine legendäre Zeit bei Hannover 96 war auf jeden Fall geebnet, am 2. Spieltag in Wolfsburg – Szabis Vier-Vorlagen-Gala – durfte er eine Viertelstunde mitwirken, am 4. Spieltag in Hoffenheim stand er sogar in der Startelf, wurde erst nach dem 1:2 kurz vor Schluss ausgewechselt. Alles hätte gut sein können…

Beginn der Leidenszeit

Dann erkrankte Nikci Ende September an Meningitis. Zwei Wochen lag der Schweizer im Krankenhaus, bis er von den Ärzten das Okay bekam, wieder nach Hause zurückzukehren. Er begann von da an wieder von null. Er kämpfte sich aber wieder heran, im November wurde Nikci im Spiel bei Bayern München – am 13. Spieltag – als Comebacker eingewechselt, als es bereits 0:5 stand. Nach seiner Zeit bei 96 beklagte Nikci sich, er sein von den Vereinsärzten dazu gedrängt worden, schnell wieder fit zu werden. Ein Vorgehen, welches ihm andere Ärzte im Nachhinein als gefährlich bescheinigt hatten.

In der Gruppenphase der Europa League durfte er ebenfalls noch zweimal als Joker mitmachen, um die „Roten“ in die Zwischenrunde zu führen, das letzte Spiel für 96 machte er im Dezember 2012 beim 2:2 gegen UD Levante, als er für den verletzten Lars Stindl einspringen musste.

Es folgten weitere Verletzungen und Rückschläge. In der Rückrunde schaffte er es ein paar Mal auf die Ersatzbank, aber mehr als Warmlaufen durfte er sich nicht. Auch in der kommenden Saison 13/14 wurde es nicht besser. Statt als Kaderspieler zu versauern, durfte er zumindest bei der zweiten Mannschaft aushelfen. Dass sich die Wege trennen würden, war aber klar. Im Januar 2014 wurde er an den FC Thun verliehen, zurück in die Schweizer Heimat.

Adoptierte Schweizer Heimat

Geboren in Sarajevo, war Nikci in seiner Kindheit in den frühen 90ern durch die Kriege auf dem Balkan in die Schweiz gekommen. In seiner Jugend schloss er sich dem FC Zürich an und durchlief alle Altersstufen, bis er 18 Jahren sein Ligadebüt gab. In den folgenden Jahren wurde er Stammspieler in Zürich und spielte Champions League gegen Bayern, Milan und Marseille und hatte sich so bereits viel Erfahrung erarbeitet, bevor er mit Anfang 20 Richtung Deutschland aufbrach.

Bei Thun spielte er nun wieder regelmäßig und traf in 16 Ligaspielen dreimal, das reichte am Saisonende zu Platz 6. In Hannover stand seit der Winterpause Tayfun Korkut an der Seitenlinie, aber auch bei diesem Trainer war klar, dass Nikci weiter bei anderen Vereinen spielen würde. Sein Vertrag lief noch ein weiteres Jahr, deswegen wurde er wieder verliehen, dieses Mal für zunächst ein halbes Jahr zu den Young Boys aus Bern, eine größere Hausnummer als noch Thun. Bei den Young Boys spielte Nikci vor allem als Joker in der Liga und in der Europa League. Damit war er der letzte 96-Spieler, der international spielte, während er offiziell noch Spieler bei Hannover war. Gegen Slovan Bratislava wiederholte er seine gegen Schalke präsentierten Joker-Qualitäten, als er eine Minute nach seiner Einwechslung am ersten Gruppenspieltag zum 4:0 traf.

Nächster Halt: Liga 2

Durch die Formalitäten ist es so, dass ein Spieler nicht bis zu seinem Vertragsende verliehen werden darf, Nikci kehrte also mit nun 25 Jahren zurück nach Hannover. Theoretisch hätte Nikci jetzt eine Halbserie auf der Tribüne im Niedersachsenstadion verbringen können. Er entschied sich aber dafür, den Vertrag aufzulösen.

Zurück in die Schweiz ging es aber nicht: so dringend wollte in Young Boys nun auch nicht haben. Stattdessen ging der Blick Nikcis Richtung Franken, er heuerte beim „Glubb“ in Nürnberg an. Hier traten aber wieder seine auch schon vorher bekannten Probleme mit Adduktoren und Leisten auf, es reichte insgesamt nur für fünf Kurzeinsätze für die Nürnberger.

Im Sommer 2015 ging es schon wieder weiter: Beim FC Union trainierte Norbert Düwel, ein ehemaliger Co-Trainer von Mirko Slomka, unter dem Nikci ja seine erfolgreichste Zeit verbracht hatte. Ohne viel Risiko zu gehen, verpflichtete Union den Schweizer. Besser lief es für ihn dort aber auch nicht. Bislang stehen ganze zwei Minuten Einsatzzeit gegen 1860 München am 4. Spieltag auf der Uhr. Seitdem hat es entweder leistungs- oder leistentechnisch nicht gereicht. Momentan fällt er zunächst einmal bis zum Ende der Hinrunde aus. Es wird aber auch gemunkelt, dass seine Profikarriere schon bald beendet sein könnte, weil er einfach nicht mehr fit werde. Zu wünschen wäre ihm, dass ihm noch ein Comeback gelänge. Im Zweifel ein Einsatz ab der 77. Minute, der nur wenige Minuten später torjubelnd abdrehend gefeiert wird.

Wie eine echte #h96legende.

Noch jemand?

Zu all jenen, die mal transferiert wurden, um einen internationalen Lauf zu ermöglichen, kommen ja auch solche Spieler, die heldenhaft mit der Mannschaft aufgestiegen sind, danach jedoch in der ersten Liga keinen Fuß fassen konnten. Ein erstes Beispiel dafür ist Conor Casey, der 2001 von Borussia Dortmund als Sturmtalent aus den USA geholt wurde. Hannover 96 lieh den US-Boy aus und er half mit sieben Tore in 19 Spielen zum Aufstieg in die Bundesliga mit. Dort waren seine Einsatzminuten dann sehr limitiert, jedoch war sein letztes Spiel für Hannover sein wichtigstes: Am 34. Spieltag wurde Casey eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt und köpfte zehn Minuten später zum 1:0-Siegtreffer ein, der Hannovers Saison auf Platz 11 beenden ließ und Bielefelds sofortigen Wiederabstieg besiegelte. Nach Aufenthalten bei Karlsruhe und Mainz ging Casey wieder in die MLS, nach Toronto FC und den Colorado Rapids spielt Casey mit 34 jetzt bei Philadelphia Union.

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)