Türchen #20

Wenige Spieler kommen aus dem fußballerischen Nichts (relativ gesehen), hinterlassen einen ersten Eindruck, der sich so ins Gedächtnis brennt, und verschwinden dann wieder in die Heimat, wo sie weiterspielen und man sie dort aus den Augen verliert. Wie ein kurzer Flirt, aus dem mehr hätte werden können, es aber einfach nicht passte.

 

Türchen #20: Clint Mathis

Clint Mathis wurde 1976 in Georgia geboren und spielte dort in seiner Kindheit Fußball. Sein Jugendverein AFC Lightning in Fayetteville, etwas südlich von Atlanta, hat eine Reputation für gute Nachwuchsarbeit. Durch diese schaffte es Mathis, Mitte der 90er Jahre bei der University of South Carolina, welche ziemlich ums Eck von Atlanta liegt, Fuß zu fassen und dort bei der College-Mannschaft erfolgreich um Aufmerksamkeit zu werben.

Am 31. Januar 1998 fand die alljährliche College Draft statt, wo vielversprechende Jugendspieler von MLS-Vereinen ausgewählt werden. Clint Mathis als Offensivspieler wurde als insgesamt sechster Spieler von Los Angeles Galaxy ausgewählt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die MLS 12 Mannschaften, in dem Jahr waren zwei neue Teams hinzugekommen. Mit Los Angeles gewann Mathis die Western Conference und gewann den „Supporter’s Shield, die Auszeichnung für die beste Mannschaft der regulären Saison. In den Playoffs musste man sich aber im Halbfinale der neuen Mannschaft Chicago Fire beugen, welche am Ende auch den MLS Cup gewann.

Im November 1998 gab Nationaltrainer Bruce Arena dem 21-jährigen Mathis sein erstes Länderspiel im Freundschaftsspiel gegen Australien, welches 0:0 endete. Im Folgejahr gewann Los Angeles erneut die Western Conference und schaffte es dieses Mal sogar ins Playoff-Finale, verlor aber dort mit 2:0 gegen D.C. United. Im Sommer 2000 wechselte Mathis nach New York zu den damals noch MetroStars. Beziehungsweise wurde er gewechselt, es war noch nicht mal ein US-typischer Trade, sondern ein besonderer Draft, um die Kräfteverhältnisse auszugleichen, weil Los Angeles einen Mexikaner verpflichten wollte. Kein Wunder, dass das da alles nicht so ganz funktioniert.

From West To East

Zumindest nahm Mathis das mit Humor und überzeugte in New York mit guten Leistungen im Rest der Saison. Er war drittbester Torschütze mit 16 Treffern und markierte gegen Dallas Burn gar einen Fünferpack. Dazu kamen 14 Vorlagen und die Nominierung in die Elf des Jahres. Durch eine erneut reformierte Struktur der Liga wurden die MetroStars erster in einer von drei Conferences, schieden in den Playoffs aber im Halbfinale aus. 2001 befand sich Mathis erneut auf Torjägerkurs, als er sich im Juni das Kreuzband riss und infolgedessen nie wieder an seine beste Zeit anknüpfen konnte. Es reichte jedoch, um sich für den Kader der WM 2002 zu empfehlen. Im März des WM-Jahres spielte die USA ein Freundschaftsspiel in Rostock gegen Deutschland und Mathis schoss bei der 2:4-Niederlage beide Tore für die Amis.

Die WM selbst waren für die USA und Mathis selbst ein großer Erfolg. Die USA ließen in der Gruppe Portugal und Polen hinter sich und schlugen den Erzrivalen Mexiko im Achtelfinale mit 2:0, bevor man im Viertelfinale gegen Deutschland unter dubiosen Umständen mit 0:1 ausschied. Mathis hatte sich einen Iro schneiden lassen und war auch sonst auffällig. Gegen Gruppensieger Südkorea traf er beim 1:1, gegen Polen legte er beim 1:3 das Tor auf und gegen Deutschland beeindruckte er nach seiner Einwechslung so sehr, dass die Bayern ihn im Winter 2002 verpflichten wollten, jedoch stellte sich die MLS da quer. Nachdem im Jahr 2003 die Saison für die MetroStars relativ schnell vorbei war, holte sich Hannover 96 den Spieler im Winter für die Offensive.

96

Ich gehe mal davon aus, dass Steve Cherundolo ein bisschen mit Mathis geschnackt hat und ihm von Hannover erzählt hat, bevor dieser sich für 96 entschied. Trainer war damals noch Ralf Rangnick und der stellte ihn auch direkt auf. Und Mathis startete sofort durch: In seinen ersten fünf Spielen im Februar 2004 traf der 27-Jährige viermal, gegen Hamburg, Leverkusen, Rostock und Berlin. Die Ergebnisse blieben aber aus, so dass im März Rangnick von Ewald Lienen abgelöst wurde. Unter dem neuen Trainer blieb Mathis auf dem Platz und 96 im unteren Mittelfeld.

Zur neuen Saison verkürzten sich Mathis‘ Einsatzzeiten nach einem Ereignis auf dem Platz radikal. An den ersten Spieltagen hatte er immer nur eine knappe Stunde Spielzeit bekommen und gegen Schalke 04 saß er am 6. Spieltag 80 Minuten lang nur auf der Bank, bis er beim Stand von 0:0 doch noch eingewechselt wurde. Sekunden später verwertete Mathis eine Hereingabe von Thomas Christiansen zum 1:0-Siegtreffer und bejubelte den Treffer damit, dass er in Richtung Lienen lief und demonstrativ auf eine imaginäre Armbanduhr zeigte.

Zwar taten alle Beteiligten nach dem ersten Saisonsieg dieses Ereignis als nicht so schlimm ab und scherzten darüber. Das Nachholspiel des 2. Spieltags ein paar Tage später stand Mathis zwar wieder in der Startelf, machte beim 0:1 aber sein 20. und letztes Bundesligaspiel für Hannover. Bis zur Winterpause stand er nicht mehr im Kader und kehrte im Januar 2005 zurück in die USA.

Back Home

Er kam zu den Liganeulingen Real Salt Lake aus Salt Lake City und spielte eine passable Saison, er schoss drei Tore und legte vier Tore auf, aber der Klub verpasste die Playoffs. Deswegen ging es nach Denver zu den Colorado Rapids, wo er nicht mehr viele Einsatzzeiten bekam, aber zumindest in den Playoffs noch einmal ein wichtiges Tor gegen FC Dallas in der Verlängerung schoss und auch im anschließenden Elfmeterschießen traf.

Danach ging es per Trade zurück nach New York, wo die MetroStars jetzt Red Bull hießen. Seine Saison 2007 dort mit 30 Jahren war noch einmal ein Blick zurück in alte Zeiten, mit sechs Toren und drei Vorlagen. Bevor die Playoffs begannen, begab er sich mit den Los Angeles Galaxy auf Down-Under-Tour und spielte in ein paar Freundschaftsspielen in Australien und Neuseeland. Als es jedoch wieder zurück nach Hause ging, bog Mathis kurz ab nach Kreta und spielte die Rückrunde für Ergotelis. Zwar waren es nur ein paar Minuten, aber am Ende stand der Nichtabstieg.

Im Sommer 2008 ging es wieder an den großen Salzsee in Utah und im Winter 2009 konnte Mathis mit Real Salt Lake endlich den MLS Cup feiern. Er wurde nach nur 22 Minuten eingewechselt, weil sich sein Teamkollege verletzt hatte. Mit 1:1 ging es ins Elfmeterschießen, wo der Veteran eiskalt blieb. Zwar ging es nach diesem Erfolg noch einmal zurück nach Los Angeles, dort spielte er aber nur noch sporadisch und verkündete im Sommer 2010 nach einem Kirmeskick gegen Real Madrid mit 33 sein Karriereende.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Ebenfalls auf 20 Spiele kommt Gaëtan Krebs, der Elsässer, der als junger Spieler von Racing Straßburg zu den Sportfreunden Siegen ausgeliehen war und dann von 96 an die Leine geholt wurde. Zwischen 2007 und 2009 bekam er keinen Stammplatz und ging zum Karlsruher SC, wo er mit nun 30 Jahren immer noch spielt.

Dazu kommt Leandro Fonseca, der Anfang der 90er Jahre aus Brasilien nach Deutschland kam und danach vor allem in der Schweiz spielte, bis er 2004 von Young Boys nach Hannover wechselte. Der Flügelspieler schoss zwei Tore gegen Rostock und Bochum, bevor sich seine Einsatzzeiten aufgrund von Verletzungen dramatisch reduzierten. Mit 30 Jahren ging es zurück in die Schweiz und anschließend zurück nach Brasilien.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)

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Türchen #17

Ach, seit wie vielen Jahren klagen 96-Fans über Lücken auf der linken Abwehrseite? Sei es Miiko Albornoz, Edgar Prib oder Christian Pander… am Ende bleibt die Ernüchterung, dass es doch alles nicht funktioniert und man mal einen holen müsste, der es wirklich kann und der sich nicht sofort mit dem Coach überwirft (ja, das geht an dich, „Poco“!)… Aber da war doch mal einer? Ja, direkt nach der Ära „Tanne“ Tarnat, ein Junge aus der Region, hochdekoriert…

 

Türchen #17: Sören Halfar

Sören Halfar ist ein echter Hannoveraner. Geboren im Januar 1987, spielte er seinen ersten Fußball bei der DJK TuS Marathon Hannover. Es ging ziemlich schnell zu den größeren Vereinen, zunächst zum TSV Havelse, danach mit 16 Jahren zu Hannover 96. Dort spielte Halfar schon sehr früh in der A-Jugend und kam dort regelmäßig zum Einsatz, mit 17 spielte er gegen den FC Bayern im Halbfinale um die A-Jugend-Meisterschaft, unterlag jedoch.

Im Januar 2005 mit gerade 18 Jahren reiste Sören Halfar mit der Profi-Mannschaft unter Ewald Lienen ins Trainingslager, sein Mentor und Kollege Michael Tarnat wurde immer älter und verletzungsanfälliger. Deswegen gab Halfar in der Rückrunde 2004/05 sein Debüt für Hannover 96 auf der Linksverteidiger-Position. Insgesamt siebenmal stand er bis zum Sommer auf dem Platz, darunter viermal über die kompletten 90 Minuten.

In der kommenden Saison rückte der Youngster wieder hinter Michael Tarnat in die zweite Reihe zurück, um zu lernen, aber nach einigen längeren Einsätzen folgte eine elendig lange Zwangspause. Im Oktober 2005, kurz nachdem Halfar die erste Fritz-Walter-Medaille in Silber verliehen worden war, riss beim immer noch 18-Jährigen das Kreuzband und setzte ihn bis ins Frühjahr 2006 außer Gefecht. Aber damit nicht genug: Gerade genesen und zurück im Mannschaftstraining – neuer Trainingsleiter war mittlerweile Peter Neururer – verdrehte Halfar sich im April erneut das linke Knie und riss sich das Kreuzband erneut. Sein lang ersehntes Comeback gab Halfar – mittlerweile 20 Jahre alt – im Januar 2007 beim 5:0 gegen Hertha BSC. Der Trainer hieß nun Dieter Hecking.

Weg von Hannover

Bis zum Saisonende saß Halfar auf der Bank und kam noch zu zwei Kurzeinsätzen. Die Saison 2007/08 begann Halfar auf der Linksverteidiger-Position, bis Christian Schulz als Nachfolger für Michael Tarnat verpflichtet wurde. Daraufhin ging der 96er leihweise zum SC Paderborn in die 2. Liga und spielte dort entweder im linken Mittelfeld oder in der linken Verteidigung. Trotz seiner 17 Spiele stieg Paderborn zum Saisonende in die 3. Liga ab. Anstatt zu Hannover 96 zurückzukehren, löste er seinen Vertrag auf und wechselte fest nach Ostwestfalen. Dort fand er seinen Stammplatz in der Linksverteidigung und Paderborn führte die Liga souverän an, als Halfar zum Jahresende 2008 einen Knorpelschaden erlitt und so die komplette Rückrunde, den Aufstieg in die 2. Liga und fast die gesamte Hinrunde verpasste.

Das nächste große Comeback gab Sören Halfar, immer noch erst 22 Jahre jung, im November 2009 gegen Rot Weiss Ahlen. Insgesamt kam er in dieser Saison aber nur auf fünf Einsätze und so wechselte er nach Burghausen zurück in die 3. Liga. Dort überzeugte er als offensiver Linksverteidiger, der mit vier Tore und fünf Vorlagen die Wacker vor dem Abstieg bewahrte und am Saisonende auf Platz 17 landete. Im Sommer 2011 wechselte er zum Ligakonkurrenten nach Sandhausen, der in der Vorsaison noch im Mittelfeld der 3. Liga gelandet war. Nun führte der SV Sandhausen die 3. Liga souverän an, als im Winter 2011 erneut eine Operation anstand: Dieses Mal hatte Halfars Leiste ein Weiterspielen unmöglich gemacht.

Auch ohne Halfars Mithilfe gelang der Aufstieg und das dritte Comeback seiner Karriere mit nun 25 Jahren fand in der 2. Liga beim 1. FC Köln statt. Es reichte für sieben Einsätze in der Liga, bis die Leistenverletzung wieder aufbrach und eine weitere OP fällig wurde. Irgendwann dann muss es Sören Halfar zu blöd geworden sein, ständig OPs, Reha und Einzeltraining zu absolvieren, nur um dann nach wenigen Spielen wieder von Null anzufangen.

Zurück nach Hannover

Und so entschloss sich Sören Halfar, als der SV Sandhausen wegen der Insolvenz des MSV Duisburg wochenlang nicht wusste, ob man nun abgestiegen war oder nicht, mit 26 Jahren seine Profikarriere zu beenden. Sein letzter Profieinsatz war am 29. September 2012 bei 1860 München, seitdem war viel Zeit zum Nachdenken vergangen.

Die Zeit hatte er wohl gut genutzt, denn nicht nur zog er zurück nach Hannover, der Niedersächsische Fußballverband konnte im November 2013 auch verkünden, dass Halfar die erste Stufe der Trainerlaufbahn, den C-Schein, bestanden hatte. Nach weiteren Praktika und Lehrgängen war im Februar 2015 die Elite-Jugend-Lizenz erreicht, mit der man alle Jugendmannschaften außer denen in A- und B-Jugendbundesliga trainieren darf.

Trainerlaufbahn

Nachdem Havelse-Trainer Christian Benbennek im Sommer 2015 zu Alemannia Aachen gewechselt war, übernahm der bisherige A-Jugend-Trainer Stefan Gehrke. Dessen Co-Trainer konnte aber aus familiären Gründen den Job nicht annehmen und so trat Sören Halfar das Amt des Assistenten im Juli an. Als nach neun Spieltagen Gehrke wegen zweier schwerer Niederlagen von seinen Chefaufgaben entbunden wurde, übernahm Halfar für drei Ligaspiele in der Regionalliga Nord das Amt des Interimstrainers und schaffte dort einen Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage, bis Havelse Alexander Kiene vom Konkurrenten BSV Rehden loseisen konnte. Gehrke wurde wieder U19-Trainer, Halfar blieb Co-Trainer.

Mittlerweile steht Havelse auf einem ordentlichen 6. Tabellenplatz in der 4. Liga, der Aufstiegsrundenrang ist allerdings schon zu weit entfernt, um dort noch eingreifen zu können. Für Sören Halfar wird es darum gehen, bei Havelse weiter Erfahrung zu sammeln und zeitnah den A-Schein und vielleicht sogar den Fußballlehrer-Schein zu machen, um wenigstens an der Seitenlinie öfter Bundesligaluft zu schnuppern.

Es ist auf der einen Seite schade zu sehen, dass eine potentiell weite Karriere durch viele frühe Verletzungen so schwer unterbunden wurde, andererseits freut es mich sehr, dass Halfar in so jungen Jahren einen wichtigen Schritt gemacht hat und sich nun an der Seitenlinie sichtlich wohlfühlt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Um beim Thema Ex-Spieler und Jetzt-Trainer zu bleiben, kommt man heute nicht um Jörg Sievers herum. Ich habe ihn trotzdem nicht zum Hauptthema gemacht, weil er das seit 1992 (zurecht) immer wieder war und seine Geschichte weit bekannt ist. Nach der Jugend in Lüneburg und einem Irrweg in Wolfsburg kam die Zeit in Hannover mit dem Pokalsieg und dem Abstieg und dem Aufstieg und dem Weg zurück in die Bundesliga. Mit 37 durfte er endlich Bundesligaluft schnuppern, zumindest 16 Spiele in der Hinrunde und in der letzten Minute des 34. Spieltags, bevor er den Job des Torwarttrainers übernahm. Am letzten Spieltag der Saison 2005/06 war die Not im Tor sogar so groß, dass er mit nun 40 Jahren noch einmal auf der Bank im Torwarttrikot Platz nahm, aber nicht mehr zum Einsatz kommen musste.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)

Türchen #8

Eine der tragischsten Geschichten verbirgt sich hinter dem heutigen Türchen. Ein Portugiese, der international bei 96 spielen wollte und dann doch nur zwei Jahre lang Reha-Training machte, bevor es zurück in die Heimat ging. Eine Geschichte rund um ein kaputtes Knie und ein Happy End bei einem früheren Klub.

Türchen #8: Carlitos

21. August 2010, 15:30. Die Mannschaft von Hannover 96 steht vor dem Anstoß gegen Eintracht Frankfurt gehörig unter Druck. Die letzte Saison wurde am letzten Spieltag in Bochum gerettet, die Vorbereitung war so lala, dann ging in der vorigen Woche auch noch der Saisonauftakt im DFB-Pokal komplett in die Hose, als man in Elversberg im Elfmeterschießen scheiterte. Trainer Mirko Slomka ist leicht angezählt. Dann rollt der Ball.

Knapp eine Minute später muss Schiedsrichter Deniz Aytekin das Spiel unterbrechen. Carlitos liegt am Boden, dass Gesicht schmerzverzerrt und voller Enttäuschung. Im ersten Duell hat er sich ohne Gegnereinwirkung das Knie verdreht, die Diagnose Kreuzbandriss folgt schnell. Unter Tränen wird der Portugiese vom Platz getragen. Die Hinrunde ist für ihn beendet.

Der Weg zu 96

Carlos Alberto Alves Garcia wurde am 6. September 1982 in Lissabon geboren. Seine Jugend verbrachte er aber nicht bei einem der ortsansässigen Schwergewichte wie Sporting oder Benfica, sondern in Amora, einer Kleinstadt auf der gegenüberliegenden Seite der Tajo-Mündung, etwas südlich von Lissabon. Dort reifte er heran und spielte zunächst einmal bei diesem kleinen Amateurverein, bis GB Estoril auf den 19-Jährigen aufmerksam wurde. Im Jahr 2002 war Estoril noch ein kleiner Drittligist von der Atlantikküste im Speckgürtel Lissabons. Dort schaffte er nicht nur den Durchbruch, sondern half dem Verein zum Durchmarsch in die erste Liga. Zu dem Zeitpunkt war Benfica auf den Jungen aufmerksam geworden. Für 500.000 Euro wurde er verpflichtet, konnte sich aber nicht in die erste oder zweite Reihe spielen, es reichte nur für wenige Kurzeinsätze.

Im Januar 2006 wurde ihm Spielpraxis gewährt und er wurde zum Ligakonkurrenten Vitória Setúbal, für den er in 15 Rückrundenspielen vier Treffer beisteuerte. Um noch mehr Spielpraxis zu bekommen, meldete sich im Sommer der Schweizer Aufsteiger FC Sion. In der Saison 06/07 erzielte Carlitos neun Tore in 27 Spielen und fand sich mit dem Aufsteiger zum Saisonende plötzlich auf dem 3. Tabellenplatz endete. Da guckte der Primus FC Basel verblüfft, der diese Saison Zweiter geworden war und sprach bei Benfica vor und verpflichtete den 24-jährigen Portugiesen.

Mit dem FC Basel wurde Carlitos 2008 und 2010 Doublesieger. Er staubte Meisterschaft und Pokal ab. Dabei war er Stammspieler, schoss in der Liga in den drei Spielzeiten elf Tore und legte 24 weitere auf. Mit Basel spielte er Champions League und Europa League in Barcelona, Rom und Hamburg. Nach diesen drei Jahren sollte Carlitos von Basel aber keinen neuen Vertrag mehr erhalten. 96-Manager Jörg Schmadtke sah die Chance und griff zu. Carlitos war selbstbewusst: „Mit mir bekommt die Liga einen weiteren guten Spieler hinzu.“

Auf dem Weg zum Comeback

Nach der Diagnose Kreuzbandriss begann für den nun 28-Jährigen eine lange Zeit der Rehabilitation und dem Herantasten an den Profi-Kader. Er war erst relativ spät zur Mannschaft gestoßen, hatte das Pokalspiel in Elversberg durchgespielt, aber richtig ins Team hinein hatte er sich noch nicht gespielt.

Sein Comeback kam am 26. Spieltag am Freitagabendspiel beim 1. FC Köln. Carlitos rutschte kurzfristig ins Team, weil Sergio da Silva Pinto eine Mandelentzündung hatte. Das Spiel ging 0:4 verloren, Carlitos musste nach einer knappen Stunde Moritz Stoppelkamp Platz machen. Bis zum 31. Spieltag gab es noch vier weitere Kurzeinsätze für den Portugiesen, bis ihn Knieprobleme erneut stoppten. Er ließ sich im Sommer 2011 in Lissabon erneut operieren, stand aber nicht wie geplant zum Trainingsauftakt wieder auf dem Platz. Die Reha war langwierig und im Januar 2012, als er im Wintertrainingslager wieder angreifen wollte, musste er direkt wieder abreisen, weil eine Zyste im Knie diagnostiziert worden war. Sein Vertrag lief im Sommer aus und es war klar, dass er bei 96 keine Zukunft haben würde. Zumindest wurden ihm am 32. und 33. Spieltag noch zwei Kurzeinsätze gegen Freiburg und Leverkusen für die Bundesligaspiele sieben und acht in seiner Karriere gewährt.

Zurück zu alten Vereinen

Ablösefrei ging es zu Estoril, dem Verein, mit dem er in die 1. Portugiesische Liga aufgestiegen war, aber nie für sie dort gespielt hatte. Nun war Estoril erneut aufgestiegen und Carlitos konnte mit nun 30 Jahren zumindest wieder Fuß fassen und spielte regelmäßig, wenn auch nicht immer für 90 Minuten. 2013 qualifizierte sich der Aufsteiger für die Europa League und schaffte auch die beiden Qualifikationsrunden für die Gruppenphase, nur um hinter dem FC Sevilla, Slovan Liberec und dem SC Freiburg Tabellenletzter zu werden. Trotzdem sollte es für den Portugiesen nicht der Karriereausklang sein.

Der FC Sion meldete sich in Portugal: Zu gut war Carlitos den Schweizern in Erinnerung geblieben, als er den Aufsteiger in den europäischen Wettbewerb schoss. Im Sommer 2014 wechselte Carlitos wieder ins Wallis und drehte dort trotz seines Alters noch einmal richtig auf. Zwar lief es in der vergangenen Saison nicht großartig und man beendete die Saison auf Platz 7, aber Carlitos steuerte fünf Tore und zehn Vorlagen bei. Und im Pokalfinale 2015 gegen den Ex-Klub FC Basel machte er im Mai das Spiel seines Lebens: Nicht nur, dass er das 1:0 und das 2:0 fein vorbereitete, er erzielte auch noch das 3:0 per Kopf zum Endstand.

Endspiel am Donnerstag

In dieser Saison steht man momentan wieder im Tabellenmittelfeld – aber am Donnerstag steht ein echtes Highlight in der Europa League an. Der FC Sion steht auf dem 2. Platz, drei Punkte vor Rubin Kasan, hat aber den direkten Vergleich verloren. Ein Punkt reicht also für die Zwischenrunde, dieser muss aber ausgerechnet gegen den Tabellenführer FC Liverpool geholt werden. Das Hinspiel an der Anfield Road endete 1:1, das würde auch übermorgen reichen. Schlägt Sion Liverpool, ist man gar Tabellenführer. Ich würde es Carlitos so sehr gönnen, dass er mit 33 Jahren den Siegtreffer im Stade de Tourbillon gegen die „Reds“ erzielt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Wieder einmal gibt es zwei Jungs, die in dieser Rubrik auftauchen. Der erste ist Salvatore „Sal“ Zizzo, der allererste „neue Cherundolo“. 2007 von einem amerikanischen College geholt, Hauptsächlich in der zweiten Mannschaft aktiv, reichte es zwischen 2007 und 2009 für achte Ligaspiele, zum Ende seiner Zeit machte dem Außenspieler, mal rechts vorne, mal rechts hinten, ein Außenbandriss im Knie das Leben schwer. 2010 ging er zurück in die USA und spielte bei verschiedenen Teams in der MLS. Diese Saison schaffte er – mittlerweile 28 – mit den New York Red Bulls als Stammspieler in der rechten Verteidigung den Einzug in das Playoff-Halbfinale, scheiterte dort aber an Columbus Crew.

Der andere Spieler ist Arouna Koné, mittlerweile 32 und beim FC Everton. Ein weiterer Stürmer, der im Januar 2010 geholt wurde, um den Abstieg zu vermeiden. Nach Treffern gegen Hoffenheim und Dortmund ging nach acht Spielen auch sein Knie kaputt und er kehrte nach Sevilla zurück, als seine Leihe endete. Der Ivorer war über Roda und PSV für viel Geld zu Sevilla gewechselt, nach der 96-Leihe ging es für ihn noch zu weiteren spanischen Klubs, bevor Roberto Martinez den Stürmer nach England zu Wigan Athletic holte. 2013 wechselte er schließlich zum FC Everton.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidur Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)