Türchen #15

Gestern ging es um einen Spieler, der als Kind aus Afrika nach Europa kam. Heute behandelt der Blogpost einen jungen Mann, der aus einem europäischen Kriegsgebiet fliehen musste und in Deutschland eine neue Heimat fand.

 

Türchen #15: Valdet Rama

Valdet Rama stammt aus Mitrovica im Kosovo, welches zum Zeitpunkt seiner Geburt noch ein Teil des gesamten Staates Jugoslawien war. In den folgenden Jahren kam es in den Jugoslawienkriegen zu neuen Staaten, Teilstaaten, Massakern und viel Leid und Elend in den jugoslawischen Teilrepubliken. Im Jahr 1995 war der Bosnienkrieg endlich beigelegt worden, im Kosovo schwelte der Konflikt aber weiter, bis 1999 auch dort der Krieg ausbrach. Bis dahin war es aber trotzdem schon sehr unsicher im Norden Kosovos geworden, so dass sich die Familie Ramas im Jahr 1996 entschloss, nach Deutschland zu fliehen.

Wolfsburg und Ingolstadt

Rama kam zunächst in Hagen unter, dem „Tor zum Sauerland“. Dort spielte er Fußball in der Jugend und bewies sein Potential, spielte später in Iserlohn und dann in der Jugendabteilung von Rot-Weiß Essen. Dort beeindruckte der Albaner so sehr, dass die Amateurmannschaft vom VfL Wolfsburg auf ihn aufmerksam wurde und Trainer Uwe Erkenbrecher den 17-Jährigen verpflichtete. Bei seinem Debüt in der Oberliga Nord gegen Brinkum schoss er nach drei Minuten nach 1:0. In den beiden Jahren in der Oberliga schoss Rama in 30 Spielen zehn Treffer, zur Saison 2007/08 stieg die Wolfsburg-Reserve auf. In der letzten Saison der alten Regionalliga Nord konnte Wolfsburg II aber nicht mithalten und wurde Tabellenletzter, Rama konnte nicht ein Tor erzielen.

Der nun 20-Jährige wollte sich nun beweisen und unterschrieb einen Vertrag beim FC Ingolstadt, welcher gerade aus der Regionalliga Süd in die 2. Bundesliga aufgestiegen war. Seine Saison 2008/09 begann sehr stark mit einem Tor und zwei Vorlagen in den ersten drei Spielen, er erzielte wie den ersten Zweitligatreffer auch das zweite Saisontor gegen Greuther Fürth. Insgesamt reichte es für den Aufsteiger jedoch nicht und man rutschte im Laufe der Saison auf Rang 17 ab und stieg in die neuformierte 3. Liga ab.

15x 96

Der neue 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke holte den Albaner nach Hannover, um zur Saison 2009/10 die beiden Außenbahnen zu beleben. Sein Debüt für 96 war die 1:3-Pokalpleite gegen Mario Baslers Eintracht Trier, die in der Saison zum Pokalschreck avancierten. In der Liga machte Rama sein erstes Spiel gegen Mainz 05 und legte im Laufe der Saison noch 14 weitere Spiele nach, bei denen er auf beiden Außenbahnen zum Einsatz kam. Dabei machte er den Großteil seiner Spiele unter Andreas Bergmann, weil Dieter Hecking nach dem Mainz-Spiel seine Sachen packen musste. Unter Mirko Slomka hatte Rama nur noch wenige Einsätze, immer öfter spielte Rama in der zweiten Mannschaft.

In der Saison 2010/11 spielte er bis zum Winter unter Andreas Bergmann bei Hannover II in der Regionalliga Nord und schoss dort im Dezember 2010 auch sein einziges Tor in den Trikots der „Roten“. Es war aber abzusehen, dass er in der Bundesliga keine Chance mehr hatte und sah im Februar 2011 seine Chance, in der Allsvenskan bei Örebro SK durchzustarten.

Europareise

Für zwei Jahre spielte Rama in Schweden und war dort Stammspieler in der ersten Saison, in der der Verein im unteren Mittelfeld landete, dabei erzielte er acht Tore. Im Sommer 2011 spielte Rama Europa-League-Qualifikation, schied aber gegen Sarajevo aus. In der zweiten Saison verringerten sich Einsatzzeiten und Tore und zum Saisonende stieg Örebro in die Superettan ab. Im Januar 2013 wechselte Rama mit nun 25 Jahren in die Primera Division zu Aufsteiger Real Valladolid. Nachdem er mit ein paar Kurzeinsätzen überzeugen konnte, spielte er in der Saison 2013/14 31-mal und schoss auch ein Tor gegen Athletic Bilbao. Zum Saisonende stand Valladolid aber dennoch auf Platz 19 der spanischen Liga und stieg ab.

Wichtiger war für den Kosovaren aber während seiner Zeit in Spanien seine Nominierung für die albanische Nationalmannschaft und seine ersten Länderspiele. Im Juni 2013 schoss er in seinem zweiten Länderspiel gegen Norwegen beim 1:1 sein erstes Tor für Albanien. In der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 wurde Albanien aber nur Vorletzter in der Gruppe. Insgesamt hat er bislang 15 Länderspiele gemacht und dabei drei Tore geschossen.

Zurück nach Deutschland

Nach dem Abstieg mit Valladolid wechselte Rama zu 1860 nach München. Mit drei Toren und vier Treffern in 26 Spielen half er 1860 zumindest auf den 16. Platz und damit rettete sich der Münchener Klub in die Relegation gegen Holstein Kiel. Nachdem es im Rückspiel kurz vor Schluss ganz schwarz aussah und der Abstieg fast beschlossen war, schloss Rama aus 25 Metern komplett verzweifelt ab, vom Pfosten prallte der Ball auf den Fuß von Innenverteidiger Kai Bülow und der verwandelte zum 2:1.

In der neuen Saison läuft es für 1860 nicht besonders besser, dazu hat Rama fast die komplette Hinrunde mit Adduktorenproblemen aussetzen müssen. Am Wochenende konnte der nun 28-Jährige aber ein kurzes Comeback bei der 1:3-Niederlage gegen Heidenheim feiern. Am kommenden Sonntag kann Rama beim SC Freiburg für einen Lichtblick vor dem Weihnachtsfest sorgen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Auch Innenverteidiger Carsten Linke hat genau 15 Erstligaspiele für Hannover gemacht, bevor er seine lange Karriere mit 37 Jahren beendete, in der er 96 aus der Regionalliga in die 1. Liga führte. Am 6. Spieltag köpfte Linke den Ball zum zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer gegen den VfL Bochum in die Maschen, bevor man das Spiel kurz vor Schluss noch abschenkte und 2:2 spielte.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)

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Türchen #10

Österreicher und die Bundesliga – das funktioniert eigentlich immer ganz gut. Zwar hat es im kleinen Alpenland immer mal wieder komische Charaktere, die das Leben von Polizisten bei einer Geschwindigkeitskontrolle bezahlen wollen, aber im Großen und Ganzen sind die Fußballprofis des Landes leicht integrierbar und ein fester Bestandteil der Bundesligakader. Aber für jeden Robert Almer bekommt man einen…

 

Türchen #10: Roman Wallner

Geboren in Graz 1982 verlebte Roman Wallner eine ganz normale Kindheit und Jugend in seiner Heimatstadt. Also, so normal es eben geht, wenn man mit sechs Jahren beim Profiverein der Stadt in die Jugendabteilung geht und dort dermaßen beeindruckt, dass man mit 16 Jahren bei den Profis gegen Inter Mailand in der Champions League eingewechselt wird. Es zeichnet seine komplette Ungeduld aus, dass dieses „ins kalte Wasser schmeißen“ von ihm nicht gewürdigt wurde, sondern ihm mit 17 die Entwicklung zu langsam voran ging, weil er beim Meister und Pokalsieger aus Graz als Jugendlicher noch keine Einsatzzeiten bekam.

Rapider Aufstieg

Im Sommer 1999 ging es zu Rapid Wien, wo er in der ersten Saison noch mit kurzen Einwechslungen vorlieb nehmen musste, allerdings war er spätestens im Herbst 2000 Stammspieler im Wiener Sturm geworden und netzte dort mit fleißiger Regelmäßigkeit. Sein erstes Tor schoss er Im Mai 2000 gegen Bregenz, in den nächsten vier Saisons kamen 41 weitere hinzu. Die erfolgreichste Spielzeit war 2001/02 mit 15 Treffern.

Mit 19 gab er sein Debüt in der Nationalelf gegen Liechtenstein, sein erster Länderspieltreffer kam gegen Deutschland im Mai 2002, als sich die Deutschen vor der bevorstehenden WM 6:2 durchsetzten. Wallner hatte den 2:3-Anschlusstreffer markiert. Insgesamt machte er 29 Spiele für die Nationalmannschaft und traf siebenmal. Zwischen 2006 und 2009 pausierte die Karriere in der Nationalelf jedoch, bei der Europameisterschaft im eigenen Land war er nicht vertreten. Mehr dazu später.

Schon zu Rapid-Zeiten rankten sich jede Menge Geschichten um Wallner. Mehr als einmal sei er wegen Alkoholproblemen aus dem Training geflogen, sein fußballerisches Potential gehe Hand in Hand mit seinen Eskapaden und Exzessen. Befürworter eines solchen Verhaltens würden ihn als einen „lebensfrohen Spieler mit Ecken und Kanten“ bezeichnen, für andere war er sicherlich nur „unprofessionell und asozial“.

96 klingelt, Wallner kommt

Als in der Saison 2003/04 die Leistungen etwas nachließen, entschloss sich Rapid, den erst 22-Jährigen im Sommer auszuleihen. Der neue 96-Manager Ilja Kaenzig fand, dass durch das Vertragsende von Jan Šimák eine große Lücke in das Feiergefüge des Vereins gerissen worden war und machte die Leihe klar, vermutlich in der Hoffnung, dass Trainerfuchs Ewald Lienen den Heißsporn noch formen könne.

Sein erstes Spiel für Hannover absolvierte er am 4. Spieltag gegen den SC Freiburg, blieb jedoch blass und wurde beim Stand von 2:1 für Thomas Christiansen ausgewechselt, das Spiel endete 2:2. Zwei Spiele später kam es zu seinem ersten Joker-Einsatz gegen Schalke 04, allerdings auch ohne nachhaltigen Eindruck.

His life – summed up in a day

Dies sollte sich jedoch am 3. Oktober 2004 ändern: Einen Tag nach dem 3:1-Auswärtserfolg bei Hansa Rostock, bei dem Wallner auf der Bank geblieben war, wollte er die Länderspielpause nutzen, um nach Hause zu fliegen. Für die Nationalelf und die WM-Qualifikation war er erneut nicht nominiert worden. Am frühen Sonntagabend wurde er vor seiner Haustür von der Polizei angehalten. Als bescheidener Mensch und harter Arbeiter, der sich eher wenig aus Alkohol macht, hatte er sich ein Haus in der direkten Nachbarschaft von Gerhard Schröder zugelegt. Nachdem er mit Mitspielern lange im Lokal gesessen hatte, kehrte er nach Hause zurück und wollte sein Auto nur schnell umparken. Blöd, dass um das Haus des amtierenden Bundeskanzlers ständig Polizeiautos patrouillieren. Er wurde sofort kontrolliert und beim Pusten schaffte er 1,8 Promille. Seine bislang beste Saisonleistung.

Aber der Abend war ja noch lang und nach Wien wollte er noch: So machte er sich – hoffentlich mit einem Taxi – auf den Weg zum Flughafen Langenhagen und stellte sich zum Check-In. Dort angekommen, fiel der Stewardess auf, dass Wallner gar keinen Ausweis dabei hatte. Als kühler, durchdachter Charakterkopf, der er ist, versuchte er seinen versoffenen Kopf nach einer enttäuschten, flehenden Aussage abzusuchen, fand aber nur das Wort: „Drecksschlampe“. Dass er danach den Flieger dank seines Charmes auch nicht betreten durfte, versteht sich von selbst. Stattdessen gab es eine Anzeige wegen Beleidigung, Wallner versprach der Frau, nachdem er wieder ausgenüchtert war, ein Ticket zu einem 96-Spiel.

Das Ganze half der Karriere bei 96 nur so mittel, bis zum Saisonende blieben zwar die Schlagzeilen aus, allerdings beschränkten sich die Einsätze auch auf minimale Einwechslungen. Nach insgesamt zehn Saisonspielen war die Spielzeit auch vorbei.

Die Odyssee beginnt

Im Sommer 2005 lieh 96 den Österreicher zurück in die Heimat aus. Zunächst ging es zu Admira Wacker Mödling, einem Klub, der einen investitionsfreudigen iranischen Präsidenten geangelt hatte und nun Richtung Tabellenspitze schielte. Am Ende stieg man jedoch ziemlich deutlich ab und die Disziplin wurde in diesem Verein sehr vernachlässigt. Wallner hatte Probleme mit Mannschaftskollegen und dem Trainer, dazu wurden Gehälter nicht rechtzeitig gezahlt, so dass Wallner die Leihe im Januar 2006 beendete.

In der Rückrunde wurde er von Austria Wien neu ausgeliehen und dort fühlte er sich deutlich wohler als in Hannover, wo er ziemlich verbrannte Erde hinterlassen hatte. Beim Hauptstadtklub war sein Vertrag extrem leistungsbezogen und sein Trainer wollte dem schwierigen Spielertypen eine Chance geben, da er selber so eine Person gewesen sei. Mit Austria wurde er 2006 direkt Doublesieger, auch wenn er nur Kaderspieler war. Im Sommer 2006 sorgte er mit seinem Treffer im Rückspiel gegen Legia Warschau für das Erreichen der Gruppenphase im UEFA-Pokal, was jedoch nicht so gut für Austria lief. Der Verein konnte seinen Erfolg aus der Vorsaison nur teilweise wiederholen, zwar wurde der ÖFB-Pokal verteidigt, in der Liga wurde man aber nur Sechster. Wallner hatte fünfmal getroffen, sein Vertrag wurde aber nicht mehr verlängert.

Schottland und Griechenland

Mit 25 Jahren schaute sich Wallner nun in der großen weiten Welt um. Fündig wurde er zur Saison 2007/08 beim FC Falkirk in der schottischen Liga, bei denen er einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieb. Am ersten und am achten Spieltag durfte er kurz mitkicken, ansonsten war die Tribüne sein Platz. Unzufrieden damit wurde er an Hamilton Academical in der zweiten schottischen Liga ausgeliehen. Dort spielte er dreimal und traf einmal, er wurde aber nur unzufriedener. Dass seine Nationalmannschaftskarriere seit September 2006 ruhte und die Europameisterschaft in Österreich näher rückte, kam noch dazu.

In einem letzten Versuch, die Saison zu retten, unterschrieb er im Januar 2008 einen Vertrag beim stark abstiegsgefährdeten Apollon Kalamarias. Der Aufenthalt dort entwickelte sich zur Farce. Nachdem er im ersten Spiel gegen Olympiakos Piräus gespielt hatte, meldete sich die FIFA und erklärte, durch die vorherige Ausleihe bei Hamilton sei eine regelkonforme Spielberechtigung bei einem weiteren Verein zumindest fragwürdig. Der griechische Verband hatte das 1:0 von Apollon in ein 0:3 gewandelt, dagegen zogen die Vereine AEK und Panathinaikos vor Gericht, sogar vor das CAS, das höchste Sportgericht, weil durch diese Umwertung Olympiakos noch an AEK vorbeigezogen und Meister geworden war.

Während die griechischen Vereine dies alles vor Gericht austrugen, sah Wallner seine letzte Chance für die Euro davonschwimmen und suchte während seiner Spielsperre einen neuen Verein. Apollon war ohne ihn abgestiegen, er probierte es noch einmal bei Skoda Xanthi, mehr als fit halten konnte er sich dort aber nicht.

Zurück nach Österreich

Im Januar 2009, mittlerweile war Wallner fast 27, kehrte er zurück in die Bundesliga. Bei LASK Linz startete er seine Karriere neu und drehte zur neuen Saison richtig auf: In der Hinrunde 09/10 schoss er 14 Tore und legte elf auf, weswegen er im Januar 2010 zu Red Bull Salzburg wechselte und dort fünf weitere Tore schoss. Damit reichte es zu seinem zweiten Meistertitel, den Titel des Torschützenkönigs verpasste er nur um einen Treffer. 2010/11 spielte er in der Europa League unter anderem gegen Juventus und Manchester City, traf in 32 Ligaspielen 18-mal. Nach einer ordentlichen Hinrunde ging es im Januar 2012 unbürokratisch in die 4. Deutsche Liga zu RB Leipzig, wo er sechsmal traf, den Aufstieg in die 3. Liga aber verpasste.

Mittlerweile 30 Jahre alt, wollte Wallner nun wirklich nicht 4. Deutsche Liga spielen und ging zu Wacker Innsbruck, wo er in zwei Spielzeiten 14-mal traf. Das reichte aber nicht, um in der Saison 2013/14 die Innsbrucker vor dem Abstieg zu bewahren. Zufälligerweise war Aufsteiger SV Grödig unerwartet Tabellendritter geworden und brauchte erfahrene Spieler für die Europa League. Zwar konnte Wallner das Ausscheiden in der 3. Runde gegen Zimbru Chișinău nicht verhindern, aber er hatte sich wieder gefangen. Glaubte man. Denn nach zehn Spielen verfiel er wieder in alte Muster und wurde in die zweite Mannschaft verbannt.

Unter dem neuen Trainer Peter Schöttel zeigte Wallner sich zum Start dieser Saison aber reumütig. Schöttel ist ein alter Weggefährte von Wallner und beschrieb ihn treffend als „echten Instinktfußballer“. Wallner wollte sich nun endlich mal mit 33 auf den Fußball konzentrieren. Mittlerweile sind die Beine auch schwerer geworden und die Leichtigkeit des „schlampigen Genies“ ist etwas verloren gegangen, aber es hat in der Hinrunde zu drei Treffern gereicht.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Nur kurz sei hier noch Marc van Hintum erwähnt, der als Linksverteidiger in der Aufstiegssaison aus der Niederlande kam und bei der Rückkehr in die Bundesliga aushalf. Dort durfte der damals schon 35-Jährige noch zehnmal auflaufen. Mittlerweile ist van Hintum Chefscout bei seinem alten Klub Vitesse Arnheim.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)

Türchen #9

Das heutige Türchen befasst sich mit einem hochtalentierten Nachwuchsstürmer, der den Sprung in das kalte Wasser wagte, sein Level in Deutschland fand und später in die Heimat zurückkehrte, um dort weiter zu netzen.

 

Türchen #9: Erik Jendrišek

Erik Jendrišek stammt gebürtig aus der Tschechoslowakei, jedoch wurde die Heimat nur wenige Jahre nach seiner Geburt unabhängig. Seine Geburtsstadt Trstená liegt unweit der polnischen Grenze in den Ausläufern der Karpaten. In der Nähe der Stadt befindet sich der Orava-Stausee, das größte Gewässer der Slowakei, welches viele Touristen anlockt.

Fußballerisch wurde der Stürmer jedoch nicht am Stausee groß, sondern landeinwärts in Ružomberok beim MFK, wo er sein großes Potential schnell und häufig zeigte. Er spielte schnell in den Jugend-Nationalmannschaften und gab sein Liga-Debüt mit 17 Jahren für die Profis. Mit dem MFK wurde er 2006 Doublesieger, dabei war Jendrišek mit 19 Jahren bereits Torschützenkönig geworden. Insgesamt erzielte er 30 Tore in 56 Spielen und seinem Klub wird klar gewesen sein, dass dieses Juwel nicht zu halten wäre.

In die Bundesliga

Im Sommer 2006 meldete sich 96-Manager Ilja Kaenzig und fragte wegen einer Leihe des Spielers an. Es war derselbe Sommer, in dem auch Gunnar Heidar Thorvaldsson den Weg an die Leine fand. Für ein Jahr mit Kaufoption wurde Jendrišek in die Liga geholt, sollte sich dort einen Platz in der Startelf erarbeiten und den nächsten Schritt machen.

Sein erster Einsatz kam am 5. Spieltag unter dem neuen Trainer Dieter Hecking für eine knappe Viertelstunde gegen den VfL Bochum. Ansonsten saß der Slowake zwar öfter auf der Bank, zu mehr als Einsätzen für die letzten Minuten reichte es aber nicht. Insgesamt neunmal wurde Jendrišek eingewechselt und zeigte sich auf der Bundesliga-Bühne. Als das Saisonende kam, beschloss der Verein und damit der neue Sportdirektor Christian Hochstätter, die Kaufoption nicht zu ziehen und ihn zurück in die Slowakei zu schicken.

Die beste Zeit in Deutschland

Dorthin sollte es aber zunächst nicht gehen. Zweitligist 1. FC Kaiserslautern überwies eine halbe Million Euro in die Slowakei und sicherte sich die Dienste des jungen Stürmers für die nächsten drei Jahre. Während es in der ersten Saison mit fünf Toren und vier Vorlagen noch nicht so grandios lief, wurde es in den nächsten beiden Jahren immer besser. 2008/09 erzielte Jendrišek 14 Tore und legte acht auf, ein Jahr später waren es 15 Tore und drei Vorlagen. Gerade mit der letzten Saison war er maßgeblich daran beteiligt, dass Lautern nach Jahren der Zweitklassigkeit wieder in das Oberhaus aufsteigen konnte. Eine Möglichkeit, für die Pfälzer in der Bundesliga aufzulaufen, ergab sich aber nicht.

Die Leistungen des Jungen blieben in der Heimat nicht unbeobachtet und so kam es, dass er im Oktober 2008 zum ersten Mal zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, um der Slowakei bei der WM-Qualifikation für Südafrika zu helfen. Dies gelang auch auf spektakuläre Art und Weise, man gewann die Gruppe C und ließ die größeren Nachbarländer Tschechien und Polen deutlich hinter sich. Jendrišek befand sich deswegen auch im Kader für die WM und reiste im Sommer 2010 mit der „Repre“ zu deren ersten großen Turnier der Geschichte. In der Gruppenphase durfte er beim Unentschieden gegen Neuseeland und dem historischen Sieg über Italien über die volle Zeit mitspielen und stand auch im Achtelfinale gegen die Niederlande in der Startelf, wurde aber beim Stand von 0:1 ausgewechselt und erlebte das Ausscheiden von der Bank.

Rumgetingel

In Gelsenkirchen hatte Felix Magath das Ruder übernommen und verpflichtete jeden Spieler, der nicht direkt nein sagen konnte. Jendrišek, mittlerweile 23, sah gerade nach der erfolgreichen WM der Slowaken die Chance, bei einem Champions-League-Klub anzuheuern und ordentliches Geld zu verdienen. Für Schalke durfte der Slowake in der Hinrunde dreimal in der Bundesliga spielen, darunter auch bei der Heimniederlage gegen Hannover 96 am 2. Spieltag. Dazu gab es ein paar Minuten Champions-League-Luft bei Benfica und ein kompletter Einsatz in der ersten Pokalrunde in Aalen.

Im Januar 2011 war das Abenteuer Schalke schon wieder vorbei und der SC Freiburg sprang ein, um dem Mann eine neue Chance zu geben. In zweieinhalb Spielzeiten durfte Jendrišek nun öfter auf den Rasen und seine Fähigkeiten zeigen, so torgefährlich wie zu Lauterer Zeiten war er im Breisgau aber nicht, immerhin legte er einige Tore auf.

Nachdem der Vertrag in Freiburg 2013 ausgelaufen war, wechselte Jendrišek in die 2. Liga zu Energie Cottbus, vermutlich mit dem Gedanken, so etwas wie mit Kaiserslautern noch einmal zu erleben. Die Zeit in der Lausitz begann auch grandios: In der 1. Runde des DFB-Pokals spielte man beim 1. FC Magdeburg und es war Jendrišek vergönnt, in der 84. Minute das Tor des Tages zu erzielen.

In der Liga ging für Cottbus aber alles schief. Jendrišek traf nur ein einziges Mal, am Ende der Saison 2013/14 war Energie abgeschlagen Tabellenletzter und damit begann dort ein großer Umbruch. Der betraf auch Jendrišek, denn er hatte nur einen Vertrag für die 2. Liga. Und so wandte er sich – mit nunmehr 27 Jahren – der Heimat zu.

Zurück nach Hause

Spartak Trnava hatte sich als Tabellendritter für die Europa League qualifiziert und holte Jendrišek an Bord, um den Einzug in die Hauptrunde zu schaffen. Zwar scheiterte man in den Playoffs am FC Zürich, aber der Stürmer blühte in der Fortuna liga wieder auf und schoss fünf Treffer in 13 Partien, bis er im Winter ein Angebot aus Polen erhielt. Cracovia steckte in großen Abstiegssorgen und so guckte der Klub aus Krakau im Süden Polens über die Grenze und verpflichtete den Offensivspieler. Zwar kam er in der Rückrunde nur auch vier Treffer, aber es reichte, um Cracovia über dem Strich zu halten.

In der laufenden Saison läuft es nun deutlich besser mit Cracovia. Jendrišek ist mittlerweile 29 und ein fester Bestandteil der Offensivreihe, die mit dem Polen Mateusz Cetnarski und dem Letten Deniss Rakeļs komplettiert wird. Die drei ergänzen sich gut und haben großen Anteil, dass Cracovia nach 19 Spieltagen Tabellendritter ist. Jendrišek hat bislang sieben Treffer erzielt und hofft darauf, am Montagabend gegen Korona nachzulegen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Viele Spieler tauchen hier auf, die 2010 vorbeikamen, um die Saison kurzfristig zu retten. Ein weiterer kam auf neun Spiele und wird noch schnell präsentiert: Ján Ďurica, ebenfalls slowakischer Nationalspieler wie Jendrišek, wurde für die Innenverteidigung von Lokomotive Moskau ausgeliehen. Acht Spiele machte er über 90 Minuten, gegen den HSV wurde er zum 0:0 halten eingewechselt. Der heute 34-Jährige ist weiterhin Stammkraft bei Loko und fühlt sich dort sicherlich wohl.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)

Türchen #7

Nach dem Highlight gestern geht es heute zurück in den vermeintlich grauen Alltag. Der heutige Spieler ist ein nordeuropäischer Nationalspieler, der mit 24 in die Bundesliga kam und dort… keinen Eindruck hinterließ.

 

Türchen #7: Gunnar Heidar Thorvaldsson

Momentan sind die isländischen Spieler ja in aller Munde. Eine goldene Generation voller technisch versierter junger Spieler hat sich für die EM 2016 qualifiziert, ein unfassbarer Erfolg für das Land mit 300.000 Einwohnern. Gunnar Heidar Thorvaldsson ist nun ein Spieler, der genau davor aktiv war und auch niemals die technischen Fertigkeiten hatte.

Thorvaldsson kommt von den Vestmannaeyjar, den sogenannten „Westmännerinseln“, die vor der Südküste Islands liegen. Auf den 14 Inseln leben knapp 4000 Menschen, die Verbindung zum Festland besteht per Fähre oder per Flugzeug. Auf diesen rauen Felsen lernte Thorvaldsson das Fußball spielen, natürlich beim Inselklub IBV. 2003 und 2004 wurde er als Nachwuchsstürmer zweimal Torschützenkönig und erweckte so das Interesse anderer Vereine aus der Region.

Der Weg nach Süden

Es ging zu Halmstads BK, in Süden Schwedens. Zum Saisonende im Herbst 2004 musste Thorvaldsson mitansehen, wie sein neuer Klub die sicher geglaubte Meisterschaft noch verspielte. Trotzdem hatte man sich als Vizemeister für den UEFA-Cup qualifiziert. In der KO-Runde vor der Gruppenphase schlug man sensationell Sporting CP, Thorvaldsson steuerte zwei Treffer bei. In der Gruppe war man gegen Hertha, Lens, Sampdoria Genua und Steaua Bukarest aber chancenlos.

Die Auftritte in der Heimatliga und in der Allsvenskan hatten seinen Nationaltrainer aber überzeugt und 2005 durfte Thorvaldsson gegen Italien sein Debüt geben. Insgesamt machte er 24 Länderspiele für sein Land und traf fünfmal.

Hannover

Auch in der Allsvenskan 2005 war Thorvaldsson ein guter Torschütze und wurde auch hier Torschützenkönig. Kein Wunder, dass Ilja Kaenzig von Hannover 96 hier ein Juwel vermutete. Dazu verließen mit Thomas Christiansen und Mohamadou Idrissou zwei Stürmer den Verein. Im Angriff musste Thorvaldsson sich nun gegen Jiri Stajner und Vahid Hashemian behaupten, allerdings hatte er unter Trainer Peter Neururer nicht den besten Stand. Sein erster Einsatz kam am 3. Spieltag von der Bank, als man mit 0:3 gegen Aachen unter die Räder geriet. Wenige Tage später war Peter Neururer entlassen worden, weil 96 mit null Punkten und 3:11 Toren Tabellenletzter war.

In der Hinrunde reichte es nur noch zu einem Kurzeinsatz gegen den VfB. Die beste Chance bekam Thorvaldsson unter dem neuen Trainer Dieter Hecking zu Beginn der Rückrunde. Nach weiteren Joker-Einsätzen gegen Aachen, Wolfsburg und Frankfurt stellte Hecking den Isländer in die Startelf. Gegen Schalke durfte er 72 Minuten spielen, gegen den HSV eine knappe Stunde. In beiden Spielen waren seine Aktionen eher unglücklich, verstolperte aussichtsreiche Situationen und bewarb sich nicht für weitere Spiele. Gerade das HSV-Spiel – ein 0:0 – bleibt hauptsächlich wegen der Dreifachparade von Robert Enke kurz vor Schluss in Erinnerung, statt einer besonderen Aktion eines Angreifers.

Skandinavien

Den Rest der Saison verbrachte Thorvaldsson auf der Tribüne und wurde nach sieben Bundesligaspielen im Sommer nach Vålerenga verliehen. In der 2. Hälfte der Tippeligaen-Saison 2007 traf er zweimal, dazu kamen zwei weitere Tore in der ersten Saisonhälfte 2008 in Norwegen. Er spielte regelmäßig und hatte eher sein Niveau gefunden, im Anschluss an diese Leihe ging es aber in das nächste skandinavische Land, nach Dänemark. Hannover 96 konnte knapp 150.000 Euro der investierten 500.000 Euro Ablöse von Esbjerg fB wieder reinholen. Bei Esbjerg lief es ganz okay für ihn, er bekam ordentliche Einsatzminuten, traf aber das Tor viel zu selten. Deswegen wurde Thorvaldsson im Januar 2010 in die englische 2. Liga zum FC Reading ausgeliehen. Das war aber auch kein großer Erfolg, er kam nur zu vier Einsätzen. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark ging es direkt wieder weiter zu Frederikstad, zurück nach Norwegen, um dort beim Rest der Saison auszuhelfen. Beim Zweitligisten traf er bei den restlichen Ligaspielen und in der Relegation, um dem Verein aus dem Süden Norwegens den direkten Wiederaufstieg zu ermöglichen.

Ausflug in die Türkei

Im Januar 2011 wurde sein Vertrag in Dänemark aufgelöst und Thorvaldsson begann sich umzusehen. Mit Ende 20 war die große Karriere in den großen Ligen Europas nicht mehr möglich, aber in den Ligen Schwedens und Norwegens war er begehrt. Der Aufsteiger IFK Norrköping sicherte sich seine Dienste für mehrere Jahre. In der ersten Saison schoss Thorvaldsson acht Tore, 2012 waren es sogar 17 Treffer für die Schweden. Als er in der Hinrunde 2013 in 15 Spielen neun weitere Tore erzielt hatte, wurde Konyaspor hellhörig und unterbreitete dem nun 31-Jährigen ein Angebot. Für zwei Jahre sollte er in der Süper Lig für den Aufsteiger knipsen. Es reichte aber nur zu einem einzigen Tor gegen Gençlerbirliği und zum Saisonende kehrte er zurück in die skandinavische Heimat.

Für BK Häcken absolvierte er 12 Spiele im Rest der Allsvenskan 2014 und schoss zwei Tore, 2015 erreichte er mit dem Göteborger Klub das Pokalhalbfinale, schied dort aber gegen den Lokalrivalen IFK aus. Im Sommer 2015 zog es den mittlerweile 33-Jährigen zurück zu seinem Heimatverein IBV, zurück auf die Felseninseln. Mit vier Treffern in den letzten Monaten konnte er den Nichtabstieg sicherstellen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Dieses Mal sind noch einige andere Kollegen da. Als erstes wäre František Rajtoral zu nennen, der im Januar 2014 Hiroki Sakai auf der Rechtsverteidigerposition Konkurrenz machen sollte. Nach einem starken Spiel gegen Gladbach nahm die Leistung mit den nächsten Spielen spürbar ab, so dass er meist wieder auf der Bank Platz nahm. Er spielt jetzt wieder für Viktoria Plzeň, momentan auch nur auf der Bank, aber immerhin noch international in der Europa League.

Ein weiterer Wintertransfer war Élson, der Brasilianer aus Stuttgart. Nachdem die Stuttgarter ihn schon überall in Brasilien verliehen hatten, griff Jörg Schmadtke im Januar 2010 zu, um die Horror-Saison zu retten. Er schoss ein Tor gegen den SC Freiburg und hätte auch noch mehr Einsätze gehabt, aber nach seinem siebten Spiel, dem 4:2 gegen Schalke, riss er sich das Innenband im Knie und sah die Rettung von der Tribüne aus, bevor es wieder zum VfB ging. Von da ging es über Rostov zurück nach Brasilien, wo er jetzt im Ruhestand ist.

Nicht vergessen werden soll Jonas Troest, ein junger Verteidiger, der im Januar 2006 aus Dänemark zum Klub kam. Nach zwei kompletten Spielen in der Rückrunde 05/06 kamen noch fünf Kurzeinsätze. Im Januar 2007 ging er wieder zurück nach Dänemark, wo er durch mehrere Vereine tingelte und jetzt mit 30 Jahren bei AB in der 2. dänischen Liga spielt.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)

Türchen #2

Nachdem der Auftakt gestern so gut geklappt hat, geht es gleich weiter mit…

Türchen #2: Marius Stankevicius

Marius Stankevicius ist wahrscheinlich der erfolgreichste 96er der jüngeren Geschichte. Zwei Einsätze, 80 Minuten Gesamtspielzeit: 6 Punkte. Volle Ausbeute. Damit ist Stankevicius vermutlich Tayfun Korkuts Königstransfer.

Stankevicius kommt aus Kaunas, einer Stadt, welche Anfang der 80er Jahre noch Teil der UdSSR war. 1990 – als Stankevicius neun Jahre alt war – erklärte Litauen im Zuge der Perestroika nach den ersten freien Wahlen die Unabhängigkeit. Kaunas, damals wie heute zweitgrößte Stadt des Landes, war aber nicht der Ort, an dem Stankevicius das Fußball spielen lernte. Er zog dafür nach Panevėžys, zum FK Ekranas, und durchlief dort in den 90er Jahren die Jugendabteilung und stieß schnell in die erste Mannschaft. Als junger, großer Innenverteidiger erweckte er die Aufmerksamkeit italienischer Vereine und zog in die große Fußballwelt, um in der Serie A seinen Weg zu gehen.

Brescia und Nationalmannschaft

Mit 20 Jahren landete er in der Lombardei bei Brescia Calcio, einem Verein, der mit ziemlicher Regelmäßigkeit zwischen Serie A und Serie B pendelt. Stankevicius wurde zunächst verliehen, schaffte es dann aber, sich einen Stammplatz zu ergattern und spielte über 170 Mal für die „Biancazzurri“, natürlich in beiden Ligen. Zur gleichen Zeit wurde er auch Nationalspieler. Insgesamt 67 Spiele bestritt er für Litauen, schoss dabei vier Tore. Gleich sein viertes Länderspiel war ein EM-Qualifikationsspiel zuhause in Vilnius gegen die deutsche Nationalmannschaft, welche frisch gebackener Vizeweltmeister war. Er spielte als Rechtsverteidiger und sorgte mit einem Eigentor für den 0:2-Endstand.

Sampdoria, Sevilla, Valencia – die Glanzzeit

2008 spielte Brescia in der zweiten Liga, Stankevicius aber überzeugte. Der Nationalspieler wurde in diesem und dem nachfolgendem Jahr “Litauens Fußballer des Jahres”, traf dreimal in der WM-Qualifikation 2010, trotzdem reichte es in der Gruppe nur zu Platz 4. Er spielte aber nicht mehr in Brescia. Sampdoria Genua hatte im Sommer 2008 3 Millionen Euro auf den Tisch gelegt und sich die Dienste des nun 27-Jährigen gesichert. Er war zu einer sicheren Bank in der Defensive geworden, sei es als Innenverteidiger oder als rechter Außenverteidiger. Sampdoria hatte große Hoffnungen, spielte als Tabellensechster international. Zum Ende der Saison 08/09 stand der Klub mit dem Litauer in der Startelf aber nur auf Platz 13. Im Winter der kommenden Saison wurde Stankevicius zum ersten Mal nach Spanien verliehen, zum FC Sevilla. Dort half er als Stammspieler mit, dass Sevilla Tabellenvierter wurde und sich erneut für die Champions League qualifizierte. Er kehrte jedoch nur kurz zum Koffer tauschen nach Genua zurück, 10/11 spielte er die komplette Saison in Spanien – allerdings beim FC Valencia. Er konnte also nicht mit Sevilla gegen Hannover 96 antreten, die durch Jan Schlaudraff gegen jene Mannschaft den Grundstein für den größten europäischen Erfolg legten.

Rom und die Türkei

Bei Valencia machte er 21 Spiele und kehrte mit nun 30 Jahren zurück nach Genua. Dort ging gerade die Welt unter. Genua war abgestiegen, nur wenige Jahre nach Europapokalgenüssen. Stankevicius hatte durchaus berechtigte Ansprüche, erstklassig zu spielen und so ging er für 800.000 Euro nach Rom zu Lazio. Während der zwei Jahre lief aber wenig richtig für ihn. Das Alter holte auf, immer öfter hatte er wegen muskulärer Probleme und vor allem Schmerzen in der Achillessehne sorgten dafür, dass er nur wenige Einsätze erhielt und sich nach Vertragsende eine neue Herausforderung in der Türkei suchte.

In Anatolien bei Gaziantepspor spielte er regelmäßig, die Knochen hielten wieder ganz ordentlich. Um ihn herum war es aber ganz und gar nicht ruhig. Gaziantepspor spielte von Beginn der Saison bis zum letzten Spieltag um den Abstieg, in der Saison hatte Stankevicius drei Trainer, die Rettung geschah erst in letzter Minute. Mit nun knapp 33 Jahren schaute der Litauer sich noch einmal um, ob ein Klub dem vereinslosen Verteidiger nicht eine neue Heimat geben wollte. Und als er schon dachte, “die Spielzeiten in Europa beginnen ohne mich”, kam…

Hannover 96

Am 11. August 2014 wurde Stankevicius präsentiert – als Backup für den Backup – weil sich André Hoffmann das Kreuzband gerissen hatte. Für Stankevicius gab es die Rückennummer 18, einen Vertrag bis Saisonende und zunächst einmal zwei Spiele für Hannover II – gegen Werder II und Cloppenburg. Danach wurde er direkt in den Kader berufen und schaute sich die ordentliche Hinrunde unter Tayfun Korkut auf der Bank an. Doch dann – ausgerechnet vor dem Spiel bei Borussia Dortmund – meldete sich Hiroki Sakai ab und der Posten auf der rechten Abwehrseite musste gefüllt werden. Stankevicius stellte sich der Herausforderung und lief am 9. Spieltag als Rechtsverteidiger auf.

Groß war die Hoffnung unter 96-Fans bei dem Spiel nicht: Erst musste Christian Schulz Linksverteidiger spielen, Felipe begann ein Spiel in der Innenverteidigung, und dann musste auch noch Sakai durch den Backup ersetzt werden, der kurz vor dem Karriereende zu sein schien. Ich stand an dem Tag im Auswärtsblock im Westfalenstadion und hoffte zumindest auf ein schönes Spiel. Und das sollte ich bekommen: Es waren wenige Sekunden gespielt, da holte Stankevicius Einwürfe aus seinen Oberarmen, wie sie zuletzt Michael Tarnat durch 96-Spiele geschleudert hatte. Halbfeldflanken von außerhalb des Spielfelds, punktgenau auf Leo Bittencourt. Ein Traum. Defensiv hatte der 33-Jährige natürlich wenig gegen einen gewissen Marco Reus entgegenzusetzen und er versuchte es auch gar nicht über Manndeckung, sondern versuchte die Passwege zuzustellen, vor allem ging es darum, die Diagonalbälle abzufangen. Das ging einige Male ordentlich schief und alleine der Verfassung des BVB in der Hinrunde war es zu verdanken, dass es glimpflich ausging. Nach 72 Minuten, Hiroshi Kiyotake hatte gerade für die Führung gesorgt, da meldete sich Stankevicius Oberschenkel. Reus hatte ihn deutlich über die Belastungsgrenze gebracht. Korkut brachte Maurice Hirsch und Manuel Schmiedebach durfte das Spiel als Rechtsverteidiger über die Runden bringen.

Stankevicius war nun erst einmal außer Gefecht, stand aber dennoch über den weiteren Saisonverlauf regelmäßig als Alternative auf der Bank zur Verfügung. Die ersten Spiele der Ära Frontzeck verpasste er mit Rückenproblemen, doch am letzten Spieltag, als es um alles ging, und der SC Freiburg alles in Bewegung setzte, um nicht doch noch den Ausgleich zu schaffen, war der Litauer da. Nachdem nur noch zehn Minuten zu spielen waren und die Mannschaft 1:0 führte, beschloss Frontzeck, alle Verteidiger einzuwechseln. So machten Kiyotake und Andrööösen Platz für Felipe und Stankevicius und ein Raunen ging durch das Niedersachsenstadion. Es war doch noch viel zu viel Zeit zum Mauern. Und das konnten wir doch eh nicht. Es spielten jetzt Zieler – Albornoz, Schulz, Felipe, Marcelo, Stankevicius, Sané, Schmiedebach, Stindl – Karaman, Briand in einem 5-3-2 gegen Freiburg und vor allem gegen die Zeit. Natürlich hatte der Trainergott vorausgesehen, dass nur 100 Sekunden später Pavel Krmas das dümmste Eigentor des Jahrzehnts schießen sollte und man nun ein 2:0 verteidigen konnte. Und Gott sei es gedankt, denn Nils Petersen machte ja noch das 2:1 in der Nachspielzeit. So war es aber, dass der Vorsprung hielt und der Abstieg abgewendet worden war. Die Ehrenrunde glich einem kollektiven Ausatmen.

Zurück nach Spanien

Und Stankevicius? Der wusste, dass seine Zeit in der Bundesliga vorbei war. Nie hatte er gemeckert, das wäre auch gar nicht seine Art gewesen. Aber so ganz mit Fußball aufhören wollte er auch noch nicht. Zum Glück hatte er sich in seinen zwei Jahren ein paar Kontakte in Spanien erarbeitet. Der FC Cordoba war desaströs aus der ersten Liga abgestiegen und brauchte nun ein paar neue Kräfte, die beim Wiederaufstieg helfen konnten. Und so spielt Marius Stankevicius nun seit dem Sommer in Cordoba und lässt es sich gut gehen. Wenn er nicht gerade muskuläre Probleme hat – wie seit vergangenem Wochenende mal wieder – bespielt er die Rechtsverteidigerposition seit eh und je.

Eine echte #h96legende.

Noch jemand?

Gestern tauchte der Name Morten Jensen hier auf, der das Spiel nach Daniel Haas bestritt. In seiner Zeit bei 96 machte er noch ein zweites Spiel, am 17. Spieltag der Saison 08/09 gegen Arminia Bielefeld. Ein nicht weiter erwähnenswertes 1:1. 2010 ging der Husumer, der seit der B-Jugend 96er war, nach Kassel. Von da aus transferierte er weiter über Holstein Kiel nach Elversberg. Dort, in der Regionalliga Südwest, spielt der heute 28-Jährige als Stammtorhüter in der 4. Liga.

In der Saison 14/15 tauchte auch Stefan Thesker kurz bei Hannover 96 auf. Im Sommer von Korkut aus Hoffenheim geholt, machte der Verteidiger als Ersatz für Prib und Albornoz links hinten gegen Frankfurt und vor allem gegen Hertha keine schlechte Figur, war in der Winterpause aber schon wieder verschwunden. Ablösefrei geholt, wurde er für 100.000 Euro an Greuther Fürth abgegeben. Dufners Meisterstück. Mittlerweile spielt der 24-Jährige dort relativ regelmäßig. Entweder als Innen- oder als Linksverteidiger.

 

Morgen wird das dritte Türchen geöffnet. Gespannt?

Mainz 0:0 Hannover – Wenn Mainzer tief fliegen, gibt es Regen

Als der beste Mann auf dem Platz – Bundesliga-Neuling Sascha Stegemann – das Spiel nach 91 Minuten abpfiff, waren die allermeisten Beteiligten froh, dass es vorbei war. Die Spieler waren platt, die Zuschauer durchnässt, neutrale Zuschauer vor dem Fernseher weggedöst. Wer konnte es ihnen verdenken? Die hohe Fußballkunst war es nicht, was Mainz und Hannover am Sonntagnachmittag ablieferten. Und doch war die Gastmannschaft am Ende mit dem Ergebnis ziemlich zufrieden. Das hatte unterschiedliche Gründe:

Die Serie bleibt.

  • Das 0:0 bedeutete das siebte Bundesliga-Spiel in Folge ohne Niederlage, eine Serie, die nach der Derbyniederlage in der Rückrunde 13/14 begann. Seitdem konnten Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg, Freiburg, Schalke und nun Mainz die Roten, dieses mal ganz in schwarz gekleidet, nicht besiegen.

Auswärts auf Augenhöhe.

  • Die weiße Weste von Ron-Robert Zieler beschert 96 bereits am zweiten Spieltag eine bessere Auswärtsbilanz als nach der Hinrunde der letzten Saison. Vorbei ist die Zeit, in der es unter Slomka in ein Auswärtsspiel ging und die einzigen Fragen waren: “Holen wir einen Punkt?” oder “Wie viele kassieren wir diesmal?”. Jetzt kann man bei einem (zugegebenermaßen sehr kurzzeitigen) Europa-League-Teilnehmer mithalten und die besseren Chancen herausspielen. Im Februar verlor man dort noch mit 0:2 und sah relativ chancenlos aus, auch wenn der Trainer damals bereits Tayfun Korkut hieß.

Der Kader ist tief genug.

  • Mit Lars Stindl und Edgar Prib fehlen zentrale Spieler in der Offensive. Leo Bittencourt grätschte sich quer über den Platz und zeigte die schönste Flanke der Partie, die Joselu fast verwertet hätte und die Neuzugänge Hiroshi Kiyotake und Miiko Albornoz zeigten, dass sie mehr sind als Ergänzungsspieler. Miiko zeigte ein paar Mal seine Torgefährlichkeit, was spannend werden kann, wenn er auf die Linksverteidigerposition rückt und von dort aus Flankenläufe startet und sich einschaltet. Von Kiyo kam die gefährlichste Chance des Spiels, als sein Schuss in Richtung Toreck unterwegs war, den Torwart bezwang und nur von einem Mainzer Verteidiger auf der Linie noch abgewehrt werden konnte. Kiyos Luft reichte zwar nur 70 Minuten, aber nun ist ja Länderspielpause.

Mainzer Schwalben werden nicht belohnt.

  • Puh, das war echt nicht mehr feierlich. Zugegeben, in der zweiten Halbzeit versuchten es Schmiedebach und Joselu auch mal mit plumpen Fallern, aber was Koo und vor allem Okazaki über 90 Minuten an Flugeinlagen abgeliefert haben, war schon dreist. Getreu dem Sprichwort fing es in der zweiten Halbzeit an zu schütten wie aus Eimern. Meinen Respekt an Schiedsrichter Stegemann, dass er sich bei seinem Debüt davon nicht provozieren ließ, sondern die Mainzer immer wieder aufmunterte, doch im Stehen weiterzuspielen.

 

Natürlich war nicht alles so prall, immerhin sind wir nicht mit einem 5:0-Sieg und der Tabellenführung nach Hause gefahren, sondern mit einem 0:0. Was noch besser werden sollte, ist die Verbindung zwischen defensivem und offensivem Mittelfeld. Da war vor allem in der ersten Halbzeit relativ wenig zu sehen, die Räume zu groß und nicht leicht zu überbrücken. Deswegen hing auch Joselu dieses Spiel öfter in der Luft. In Torjägermanier hätte er zwar beinahe aus der einen Chance das Tor gemacht (oder aus der anderen kurz vor Schluss nach Flanke Sobiech), aber im Zusammenspiel war auch er weniger eingebunden.

Die Abwehr wackelte in der druckvollsten Phase der Mainzer rund um die 30. Minute ziemlich, weil Sakai die Angriffe über seine Seite zunächst nicht ordentlich unterdrückt bekam und generell der Ball nach der Eroberung zu schnell wieder bei den Mainzern war. Allerdings konnte selbst in dieser Phase Zieler nicht zu einer Parade gezwungen werden. Zwar bin ich mir immer noch nicht sicher, ob eine Abseitsfalle mit Marcelo und Schulz eine tolle Idee ist, aber der Erfolg gibt dem Trainer recht. Bislang haben wir uns erst ein Gegentor gefangen.

 

Jetzt geht es in die Länderspielpause, auf Platz 7, ungeschlagen und als Nummer 1 des Nordens. Wollen wir hoffen, dass alle, die nominiert wurden, gesund und mit genügend Einsatzminuten wieder zurückkommen.

  • Zieler wird gegen Argentinien und Schottland wohl nicht zum Zuge kommen, Bittencourt dürfte bei der U21 gegen Irland und Rumänien aber seine Minuten kriegen.
  • Miiko ist im Kader gegen Mexiko und Haiti, vielleicht lässt ihn der chilenische Nationaltrainer da auflaufen.
  • Ersatzkeeper Robert Almer wird höchstwahrscheinlich gegen Schweden zwischen den Pfosten stehen.
  • Hiroki ist gegen Uruguay und Venezuela im japanischen Kader, anders als Hiroshi.
  • Leon Andreasen hat Spiele gegen die Türkei und Armenien vor sich.
  • Und da Salif Sané auch noch zum Kader gehört, sei er der Vollständigkeit halber erwähnt: Er spielt gegen Ägypten und Botsuana.

 

Der Nachwuchs

Am Samstag wurde Cloppenburg 2:1 (1:0) geschlagen, dadurch kehrt die U23 auf Platz 5 der Regionalliga Nord zurück. Für die zweite Mannschaft ist nun auch erstmal “Länderspielpause”, am kommenden Wochenende hat sie spielfrei.

 

Und sonst?

Mame Diouf hat sein erstes Tor für Stoke City geschossen, und es war gleich eins gegen Meister Manchester City. Er startete den Konter in der eigenen Hälfte und lief dann in Forrest-Gump-Manier immer weiter, bis er im Strafraum abschloss und Joe Hart überwand. Weil sonst kein Tor im Spiel fiel, war Mame auch sofort der Matchwinner.

Szabi hat im Spiel der 96-Legenden gegen Mike Hanke und dessen Klub Guizhou Renhe 1:0 gewonnen. Husztis Rechtsschuss traf seinen Mitspieler und ging von dort ins Tor, das notiere ich mal als Assist.

Ach ja: Adrian Nikci International gibt es auch bis zur Winterpause weiter. Young Boys qualifizierte sich für die Gruppenphase und darf nun gegen Neapel, Sparta Prag und Slovan Bratislava spielen.