3/34 – Runkel

Tradition schon seit Jahren,
es wird hingefahren,
dem Sieger winkt Wonne und Huld.
Bei Sonne, bei Regen,
in Gärten, auf Wegen,
wers Ziel nicht trifft, ist selber Schuld.

Erst Grillen, dann schießen,
den Glücksgott begießen,
es ist ja nur halbwegs ein Spiel.
Bei Kaffee und Kuchen
begann dann das Fluchen,
weil das Zielobjekt einfach nicht fiel.

Um fünf dann das Ende,
ein Traumschuss – behände –
der Seriensieger obenauf.
Als Außenseiter ganz achtbar,
2019 kein Stress mit dem Nachbar.
Auswärts nimmt es erneut seinen Lauf.

Was, Fußball war auch dran?
Parallel im Zeitplan?
Davon habe ich nichts gesehn.
Die Runkel war wichtig,
Rasenball nichtig.
Doch beim Glubb wird ein Wunder geschehn.

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2/34 – Kopfball

Das Alu als Retter,
am Tor und am Treter,
man danke dem Stoff aus Bauxit.
Ansonsten viel Leere,
Geschiebe, Gequere,
Pyrorauch, der umständlich verzieht.

Im Fokus ein Kopfball,
ganz abseits der Vorfall:
Ein viral folgenreiches Duell.
Wie Schmelzer und Maina,
der Gegner kaum einer,
zu langsam, nur einer war schnell.

Ein Schnitt auf die Tribüne
statt aufs welkende Grüne
und schon war das Wunder geschehn,
dass wir Bilder von dieser
Partie – ziemlich mieser –
noch im Spieltagsrückblicke sehn.

Nach der Länderspielpause,
vor der jeder sich grause,
ist Leipzig die nächste Station.
Profi Henne wird wirbeln,
Bälle in den Knick zwirbeln
und drei Punkte sind dafür der Lohn.

1/34 – Henne

Ein Märchen; ein Wunder;
„Das gibt’s nur im Fußball.“
Die Texte sind blitzschnell parat.
Die Hypegier braucht Zunder:
„Der Beste seit Urknall!“
So war er, der Erstligastart.

Alle Scoutrasterfahnder,
sie griffen ins Leere,
hatten sie in den Hörsaal geguckt?
Knipst der Steuerberater
statt der Star-Millionäre
schneller als mit der Wimper gezuckt.

Unverkrampft Richtung Heimspiel,
mit Stimmung im Rücken,
die Dortmunder kalt abservier’n.
Danach Länderspielpause,
die letzte Zuhause,
im Anschluss nie wieder verlier’n.

„Reicht ihm gleich alle Lorbeer’n,
Backsteine und Orden!“
Die Akademien liegen still.
Ein Lob den Amateuren,
die das Muster zerstören.
Denn Henne, der trifft, wie er will.

Türchen #3

Ein Torhüter und ein Verteidiger in der Liste. Was folgt dann am 3.12.?

Türchen #3: Henning Hauger

Ein Mittelfeldspieler, natürlich. Ein norwegischer noch dazu. Henning Hauger, Held der Europa-League-Saison 2011/12. Ein defensiver Mittelfeldspieler, der seine Erfahrung aus Jahren in der Tippeligaen einbringen sollte, um 96 bereit für Europa zu machen. Und das tat er. Mit drei Einsätzen in der Liga plus zwei Spielen in der Europa League.

Heimat

Hauger kommt aus Bærum, einem Vorort von Oslo. Hier wurde er 1985 geboren, hier wuchs er auf und lernte das Fußball spielen. Genauer gesagt bei Stabæk IF, dem lokalen Erstligisten. Hier blühte er auf, im defensiven Mittelfeld, Profifußball sowohl auf nationalem als auch auf internationalem Level. In Norwegen wird die Saison wegen der teils polaren Begebenheiten über das Kalenderjahr gespielt. In Oslo wirkt sich das weniger aus als im Norden des Landes, doch auch in der norwegischen Hauptstadt kann es sehr kalt werden. Stabæk qualifizierte sich regelmäßig international, 2004 durfte Hauger in der 1. Runde des Pokals gegen den FC Sochaux aus Frankreich antreten. Nach Hin- und Rückspiel stand ein sehr eindeutiges 0:9 zu Buche, welches den Norwegern durchaus aufzeigte, wo genau sie auf der Fußballlandkarte zu verorten waren. Zu dem Zeitpunkt war Hauger erst 19, früh hatte er den Durchbruch in den Profikader geschafft.

Stabæk

Stabæk ist ein Verein, bei dem es mehrere norwegische Talente bereits zu etwas gebracht haben. Als Beispiele seien hier nur Mix Diskerud und Mats Møller Dæhli erwähnt. Mix Diskerud wechselte nach einer erfolgreichen Laufbahn zu Rosenborg Trondheim und von dort zum neu gegründeten New York City FC. Als US-Nationalspieler hat er bislang 36 Länderspiele absolviert. Mats Møller Dæhli wechselte aus der Jugendabteilung zu Manchester United. Von dort ging es für den jungen Mittelfeldspieler über mehrere Stationen schließlich zum SC Freiburg, für die er wegen massiver Probleme mit der Patellasehne aber noch kaum auflaufen konnte. Jan Åge Fjørtoft (“Der Norweger”) kehrte nach seiner Zeit bei Frankfurt zurück nach Norwegen und spielte ebenfalls bei Stabæk.

Henning Hauger hatte beobachtet, wie Moa Abdellaoue im Sommer 2010 von Valerenga nach Hannover gewechselt war und dort mit dafür gesorgt hatte, dass 96 am Ende der Saison 10/11 Tabellenvierter war. Nachdem Hauger im Jahr 2009 in Champions-League- und Europa-League-Qualifikation weiter internationale Luft geschnuppert hatte, wurde er im Juli 2011 von Jörg Schmadtke und Mirko Slomka verpflichtet, um den Kader für die internationalen Aufgaben zu verbreitern.

Hannover

Er war 25 und damit im besten Fußballeralter. Klar, es war eine deutliche Steigerung zum norwegischen Fußball, aber er schien bereit, diese Aufgabe meistern zu wollen. Sein Debüt für 96 gab er gleich am 1. Spieltag der neuen Saison 2011/12, als Hannover gegen Hoffenheim antrat. Vielen wird das Spiel im Gedächtnis geblieben sein, weil Jan Schlaudraff einen Freistoß schnell ausführte und in den Winkel zirkelte. Den schnellen Ausgleich egalisierte Abdellaoue per Foulelfmeter. Knapp 20 Minuten vor dem Ende durfte Henning Hauger Bundesligaluft schnuppern. Er kam für Sergio da Silva Pinto ins Spiel und machte die drei Punkte sicher. Näher an einen Stammplatz brachte ihn das allerdings nicht. Sein zweiter Einsatz für Hannover dauerte eine ganze Minute, als er im Playoff-Hinspiel gegen Sevilla zum Zeit schinden für Manuel Schmiedebach eingewechselt wurde. Um es positiv zu formulieren: Hier spielte Hauger seine ganze internationale Erfahrung aus.

Einsätze waren weiter rar gesät: ein zweiter Einsatz in der Bundesliga kam am 4. Spieltag beim 1:1 gegen Mainz, diesmal waren es sogar 25 Minuten. Im ersten Heimspiel der Europa-League-Gruppenphase gegen Standard Lüttich kamen weitere 15 Minuten hinzu, das Spiel endete torlos. Ich erinnere mich daran, dass dies die einzigen Minuten waren, bei denen ich Hauger live im Stadion sah. Zwar war er drei Tage später gegen Borussia Dortmund wieder da, aber ich nicht. Erinnerungen hat fast jeder noch an dieses Spiel: Nach der Führung für den BVB gleicht 96 durch Haggui spät aus und Didier Ya Konan trifft Sekunden vor dem Abpfiff zum 2:1-Siegtreffer. Ich hörte das Spiel damals im Radio auf der A2 auf dem Weg nach Hause von einem Familientreffen, Henning Hauger saß da bereits auf der Bank, vielleicht war er schon duschen gegangen. Direkt nach dem 0:1 war er ausgewechselt worden, die Wende kam ohne ihn.

Nicht nur, dass er keinen Stich hatte, in die erste Elf vorzudringen. Jetzt plagten ihn auch noch Leistenprobleme, die ihn davon abhielten, überhaupt Chancen auf die Ersatzbank zu haben. Der Fokus galt der Rehabilitation, während 96 international weiter Meriten sammelte, sei es in Lüttich, Kopenhagen oder Poltava. In der Rückrunde half er einige Male bei Hannover II aus, sieben Mal um genau zu sein. Es stand jedoch fest, dass aus Henning Hauger kein Bundesligaspieler mehr werden würde.

Rückkehr nach Skandinavien

Wie man es mit Spielern macht, die man mehrere Jahre verpflichtet hat, wurde Hauger zunächst einmal verliehen. Es ging zurück nach Norwegen, Lillestrøm war das Ziel. Mit dem Klub erreichte Hauger einen gesicherten Mittelfeldplatz. Schlechter erging es seinem ehemaligen Verein Stabæk, dieser stieg sang- und klanglos ab. Die Leihe von Hauger lief aber nur bis zum Jahresende 2012, er kehrte wieder nach Hannover zurück. Dort war den Verantwortlichen aber klar, dass der Norweger keine Chance auf einen Kadereinsatz hatte, deswegen nahm man ein Angebot vom IF Elfsborg wahr und ließ den nun 27-Jährigen endgültig gehen. Hier, im Südwesten Schwedens, in der Nähe von Göteborg, wusste man die Leistungen des Norwegers zu schätzen und gab ihm relativ bald einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld. Mit Elfsborg gab es immer wieder Möglichkeiten, sich in den frühen Qualifikationsrunden der Europa League zu messen, aber man musste eingestehen, dass Elfsborg für diesen Wettbewerb etwas zu klein ist.

Die Saison im Jahr 2014 war für alle Beteiligten eine sehr schwierige. Zwar qualifizierte man sich für die Ausscheidungsrunden in der Europa League im Sommer 2015, jedoch wurde dies im Oktober 2014 in ein besonderes Verhältnis gesetzt. Trainer Klas Ingesson hatte bereits seit dem Jahr 2009 mit Knochenmarkskrebs gekämpft, ihn aber im Jahr 2010 das erste Mal besiegt und danach seine Trainertätigkeit wieder aufgenommen. Im Jahr 2013 war der Krebs zurückgekehrt und auch eine Stammzellentransplantation konnte nicht helfen. Im Mai 2014 gewann das Team um Henning Hauger mit Ingesson im Rollstuhl an der Seitenlinie den schwedischen Landespokal, bis in den Oktober hinein war Ingesson an der Seitenlinie präsent. Kurz nachdem er verkündet hatte, dass er zum Saisonende das Traineramt niederlegen wolle, starb Ingesson an den Folgen des Krebsleidens am 29. Oktober, wenige Tage vor dem letzten Saisonspiel.

Unter seinem Nachfolger Magnus Haglund blieb Hauger 2015 Stammspieler im defensiven Mittelfeld und sorgte so für einen guten vierten Platz, mit dem die internationalen Plätze jedoch knapp verfehlt wurden. In der gesamten Saison verpasste Hauger nur ein einziges Spiel wegen einer Grippe. Und auch in der kommenden Spielzeit wird Hauger mit nun 30 Jahren für Elfsborg auflaufen und die Mannschaft mit seiner Erfahrung leiten und lenken.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Zeitgleich mit Henning Hauger brachte Jörg Schmadtke auch Daniel Royer vom SV Ried an die Leine. Ein junger Außenspieler, der der Mannschaft vielleicht die nötige Spritzigkeit geben könnte. Zu drei Einsätzen in der Saison 11/12, in denen er nicht überzeugte, kamen elf Spiele mit der zweiten Mannschaft. Er wurde 2012 an den 1. FC Köln verliehen, bei dem er zwar Stammspieler war, jedoch den Aufstieg nicht schaffte. Und so kehrte er 2013 nach Österreich zu Austria Wien zurück. Dort begeisterte er aber so sehr, dass man in Dänemark auf ihn aufmerksam wurde und den mittlerweile 25-Jährigen im Sommer 2015 zum FC Midtjylland holte, bei dem Royer nun auf der Außenbahn wuselt und in der Europa League ebenfalls einen guten Eindruck hinterlässt.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)

“Was gibt’s an Bord, dass noch funktioniert?” – Ein Kadercheck, knappe 4 Monate zu spät

Ach, man müsste ja eigentlich viel mehr schreiben. Es gibt ja auch genug Themen, die sich anbieten bei Hannover. Der Verein dümpelt kurz über dem Strich, die rote Laterne ist auch schon durch die Hände der “Roten” gegangen. Und dennoch fühlt es sich alles ziemlich lethargisch an. Es ist halt nicht so, dass der Verein mitreißende Spiele bietet, man unverdient dort steht, wo man steht, irgendjemand vom Saisonverlauf überrascht wäre.

Man ist schlicht und ergreifend genau dort, wo man mit Kader und Trainer hingehört.  Continue reading

Vor dem Dortmund-Spiel – Quo vadis, 96?

Na das hat ja super geklappt.

Eine entspannte Saison, ein Herumdümpeln im Mittelfeld, keine nervigen Diskussionen… es klang zu schön um wahr zu sein. Aber andererseits, dann hätte man ja auch Mainz-Fan werden können.

Apropos Mainz: Das war vielleicht ein Grottenkick. Holla… schnell wieder vergessen. Defensive Nicht-Leistung gepaart mit offensiver Harmlosigkeit. Puhhh.

Rückblick

Mal davon ab: Der Saisonstart war jetzt eher so mittel. Ein Punkt aus drei Spielen – dieser auch noch gegen einen Aufsteiger, der es bislang geschickt verstand, seine #h96legende Kocka Rausch wie Messi aussehen zu lassen Gegner auf das eigene Spielniveau herunterzuziehen (mal mehr, mal weniger tief) und dann mit unterschiedlichen Mitteln zu bislang drei Punkten zu kommen. Respekt. In dem Spiel sah Erdinc (bis auf den Elfmeter) ganz okay aus. Wenn etwas in dieser Mannschaft momentan etwas funktioniert, dann die Harmonie zwischen Erdinc und Benschop. Charlie sieht überhaupt sehr engagiert aus (was ihn vom Rest der Mannschaft bislang positiv hervorstechen lässt).

Dahinter das Mittelfeld ist dann eher Kategorie “Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht”. Wobei sich bei vielen die Anstrengungen noch in Grenzen halten. Viele 96-Fans sind nach drei Spielen bereits derart konsterniert, es könnte auch wieder April sein. Was festzuhalten ist: Wenn es spielerisch nicht läuft, will man eben Kampf und Einsatz sehen (dafür werfe ich gleich ein paar Euro in die Trinkspiel-Kasse). Und das gibt es bis auf wenige Ausnahmen nicht. So viele Techniker laufen auf dem Platz gar nicht rum – Karaman kann es auf dem Level nicht zeigen, Klaus sieht nicht fit aus, Bech hatte bislang nur eine Halbzeit, Saint-Maximin probierts immerhin. Der Rest – hier seien Schmiedebach, Sané und Prib hervorgehoben – müsste jetzt wenigstens mit Grätschen, Sprints oder harten Zweikämpfen glänzen. Tun sie aber nicht. Salif ist immerhin in der Luft der King und probiert im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber vom Rest kommt erschreckend wenig. Vielleicht bringt die Rückkehr von Kiyo ja etwas. Zwar liegen gerade alle Hoffnungen auf ihm, aber vielleicht reicht es ja, wenn er ein kleines bisschen Spielintelligenz und Kreativität auf die Zehner-Position zurückbringt. Sie fehlt dort seit Mai.

In der Zeit zwischen Leverkusen- und Mainz-Spiel bin ich ein bisschen durch die Podcast-Landschaft getourt und habe dort zu unser aller Lieblingsverein und den ersten Spielen meine paar Cents hinterlassen (zum Leverkusen-Spiel im Rasenfunk hier, bei Hannoverliebt auf MeinSportradio hier und im Neverkusenpod auf Englisch hier).

Ausblick

Jetzt kommt also der BVB. Von denen habe ich die Europa-League-Spiele gegen Odds gesehen und mir dazwischen das Ingolstadt-Spiel gegeben. Die sind schon gar nicht so schlecht. Odds hat vom schlechteren Keeper, der traditionellen Schlafmützigkeit sowie vom Schlendrian vor dem Tor zunächst profitiert. Auch Ingolstadt konnte die Dortmunder mit Härte und Glück für ein Weilchen bei 0:0 halten.

Wenn ich sage, dass wir Außenseiter sind, erzähle ich ja nichts Neues. So ist es ja schon seit Jahren gegen die Borussen. Einen Punkt zuhause behalten ist ein harter Job, den ersten Saison-Sieg zu holen quasi ein kleines Wunder. Leider bin ich immer wieder ein komplett grundloser Optimist, dass es nicht mehr feierlich ist. Und deshalb schwingt auch für das Spiel morgen immer noch eine Portion “Na, was wäre denn, wenn es irgendwie doch funktioniert und sich alle am Riemen reißen?”

Nach dem Spiel steht man leider höchstwahrscheinlich mit einem Punkt aus den ersten vier Partien irgendwo am Tabellenende und muss sich fragen, wie es weitergehen soll. Klar, das Dortmund-Spiel ist kein Gradmesser für die Saison und sollte bei der Bewertung der ersten Spiele vom Ergebnis her eher eine untergeordnete Rolle spielen, doch wie man sich verkauft, kann durchaus eine Rolle für die weiteren Wochen spielen. Nach diesem in die Hose gegangenen Start geht es auf einem Sonntagabend nach Augsburg – Ort der (halben) Rettung aus dem Mai. Ich kann dieses Mal leider nicht in den Süden reisen, sondern muss das Ganze ziemlich regungslos von der Couch verfolgen. Augsburg hat dann sein erstes EL-Spiel und einen ebenso missglückten Liga-Start in den Schuhen. Da kann sich viel entscheiden. Vor allem, weil dann die englische Woche mit Stuttgart am Mittwoch und Wolfsburg am darauf folgenden Wochenende beginnt. Dann sind wir bei Spieltag 7 und dann sollten die nächsten Punkte eingefahren sein. Sonst wird es für #frontswag sehr ungemütlich und die erste Aufgabe vom neuen Superduper-Sportdirektor (wer auch immer das sein wird) darin besteht, einen neuen Trainer zu finden. Vielleicht wartet man auch noch das Spiel gegen Bremen ab. Danach ist die nächste Länderspielpause.

Ich sag mal so: Das Vertrauen in #frontswag ist in den letzten Wochen nicht gerade gestiegen. Aber wer bin ich, dass ich ihn jetzt bei dem ersten echten Gegenwind fallen lasse. Er predigt das Mantra der Geduld und von der Frisur her ist er für mich jetzt schon Pep und Dalai Lama in einem. Seine aktuellen Interviews lassen die Trinkspiel-Kasse zwar klingeln, aber man muss das Positive sehen. Mehr Fanta-Korn für alle!

Den größten Optimismus ziehe ich dann dennoch aus der Statistik: Seit Dienstbeginn hat #frontswag eine Bilanz von 2-3-3. Das Saisonende bestand aus 2-2-1. Im Stadion war ich für die letzten drei Spiele, das macht 7/9 Punkten in meiner Anwesenheit. Ohne mich sind es nur 2/15 Punkte. Was gibt es da Besseres, als zum Dortmund-Spiel wieder ins Stadion zu gehen?

“Against All Odds” – Mit #frontswag zurück zum Graue-Maus-Dasein

Die Bundesliga-Saison startet am heutigen Freitagabend und für die meisten Fans und Experten stehen neben dem Meistertitel genau zwei Dinge fest:

1. Hannover 96 wird wenn überhaupt nur ganz knapp den Klassenerhalt schaffen, eigentlich wird es aber bestenfalls Platz 16.

2. Michael Frontzeck ist der erste Trainer, der fliegt.

Damit können wir ja dann auch mal entspannt in die Saisonvorschau starten. Wenn die Messlatte so niedrig liegt, kann der Verein nur positiv überraschen. Ein Abschneiden im vom Klub ausgegebenen Bereich von Platz 8-12 (Bonuspunkte für eine Spielzeit ohne Trainerwechsel) bringt uns für den Titel “Positive Überraschung der Saison” uneinholbar in Führung – ganz gleich welcher kleine Verein aus der zweiten Tabellenhälfte dieses Mal unerwartet an den europäischen Plätzen kratzt (Stuttgart, Mainz, HSV,…)

#frontswag-Faktor

Ja, die Vorbereitung war holprig. Die Tore der vergangenen Saison sind weg, die neuen Stürmer zünden noch nicht, hinten wackelts und vorne hoffen wir auf den lieben Gott und Standards. Aber sagen wir mal so: Das machen gefühlt knapp 60% der Liga so. Bockstarkes 4-2-3-1 mit schnellem Umschaltspiel über die Flügel. 1000-mal gesehen, 1000-mal erlebt. Das macht die Bundesliga zurecht zur coolsten Liga mit den geilsten taktischen Innovationen und besten Weltmeistern der Welt.

Aber anders als die anderen Graupenklubs der zweiten Tabellenhälfte hat Hannover 96 den #frontswag-Faktor. Als bescheidener Gründer der gleichlautenden Unterstützer-Kampagne kann ich gar nicht anders, als die Tipps auf seinen schnellen Rauswurf klar zurückzuweisen. Der “schlechteste Bundesliga-Trainer mit über 100 Spielen ever ever ever” hat es immerhin geschafft, in seinen bislang fünf Ligaspielen mit 96 acht Punkte zu holen. (Ja, das war fast alles Stindl/Briand, aber pssst.) Und diese acht Punkte waren bitter nötig, denn anders als in der Saison davor war der Abstiegskampf alles andere als ein Schneckenrennen.

Ich muss zugeben: Bei seinem Dienstbeginn war ich skeptisch. Und die Niederlage trug nicht zur Hoffnung auf den Nichtabstieg bei. Doch dann kam das Unentschieden gegen Wolfsburg und damit hatte der Klub wieder leichten Puls. Okay, vielleicht nur Kammerflimmern, aber der Defibrillator stand zumindest wieder in Reichweite. Und wurde dann gegen Bremen, in Augsburg und gegen Freiburg auch genutzt.

Fantakorn > Fantasie

Der Sommer war lang. Viele Spieler verließen den Verein, manche hochverdiente Stammspieler und Europapokalhelden, andere kurzfristig geholte Kaderspieler. Andere wurden vom britischen Pfund oder einer Stadt mit Dom weggelockt. Neu im Kader stehen jetzt jede Menge junge Spieler und ein paar Routiniers, die noch nicht ganz zu sich gefunden haben. Die Interviews hören sich zwar alle so an, als würden sich alle gut miteinander verstehen, aber auf dem Platz wird es durch diese vermaledeiten Gegenspieler immer wieder erschwert. Da muss man sich mal was einfallen lassen, das ist ziemlich nervig.

Trotz all meines größtenteils unbegründeten Optimismus (oder zählt Fanta-Korn als ausreichende Begründung?) glaube ich nicht, dass ausgerechnet 96 einer dieser oben angesprochenen Vereine sein wird, die nach oben schießen. Dafür steht Hannover in der zweiten Runde des Pokals und wird mit der Taktik “gegen Viertligisten wacklig gewinnen und gegen die großen auf Ausrutscher am Elfmeterpunkt hoffen” natürlich ohne Probleme mindestens das Pokalfinale erreichen. Der Titel muss drin sein, der letzte ist dann auch schon 24 Jahre her. Also nur, wenn man den Lublin-Cup nicht mitrechnet. In der Liga werden wir richtig entspannt im Mittelfeld rumgammeln und nur bedingt sehenswert sein. 34 “Spiele für Taktikfreunde” (eine Formulierung, gegen die sich ebenjene glaube ich seit jeher wehren) erwarten uns und hoffentlich müssen sich nicht viele neutrale Bundesliga-Fans 96-Spiele angucken. Andererseits denke ich, dass gerade eine Rosskur mit Hannover 96 als internationalem Aushängeschild anstelle der AG aus München die vollkommen überblähte Hype-Blase der Liga in Asien und Nordamerika platzen lassen würde. Zumindest würde es die PR-Abteilung endlich einmal vor eine echte Aufgabe stellen, mit #frontswag die von der Premier League schon komplett abgegrasten Märkte zu erschließen.

Kleinere Brötchen backen, bitte

Seit dem Aufstieg 2002 hatte 96 keinen Stürmer mit mehr als 12 Saisontoren, nur zweimal erzielte der Verein nach Wiederaufstieg mehr als 49 Saisontore. Das konnten wir also eh noch nie, eine Verteufelung jenes Aspekts ist also nichts anderes als die Erkenntnis, dass wir seit 2002 keinen Schritt vorwärts gekommen sind. Weit nach hinten sind wir aber auch nicht durchgereicht worden. Ja, andere Vereine investieren mehr und streben schneller nach Europa. Andererseits sind für viele ehemalige Liga-Größen die Niederungen von Aalen/Sandhausen im besten Fall beziehungsweise die Dorfplätze der Regionalligen im schlechtesten Fall die Realität geworden. Manchmal möchte man es den Fans ins Gesicht brüllen, dass dieser Verein die ultimative graue Maus der Liga ist. Die Europa-League-Phase war toll und begeisternd, aber nie nachhaltig für den Verein unserer Größe. Und man tut gut daran, diese Episode im Herzen zu bewahren und davon zu träumen, bis man bald mal wieder dort auflaufen darf. In ein paar Jahren vielleicht. Mit #frontswag.

Und weil es dazu dieses Jahr natürlich nicht reicht, werden wir vielleicht 12. oder 13. Komplett entspannt. Mit #frontswag.