Türchen #3

Ein Torhüter und ein Verteidiger in der Liste. Was folgt dann am 3.12.?

Türchen #3: Henning Hauger

Ein Mittelfeldspieler, natürlich. Ein norwegischer noch dazu. Henning Hauger, Held der Europa-League-Saison 2011/12. Ein defensiver Mittelfeldspieler, der seine Erfahrung aus Jahren in der Tippeligaen einbringen sollte, um 96 bereit für Europa zu machen. Und das tat er. Mit drei Einsätzen in der Liga plus zwei Spielen in der Europa League.

Heimat

Hauger kommt aus Bærum, einem Vorort von Oslo. Hier wurde er 1985 geboren, hier wuchs er auf und lernte das Fußball spielen. Genauer gesagt bei Stabæk IF, dem lokalen Erstligisten. Hier blühte er auf, im defensiven Mittelfeld, Profifußball sowohl auf nationalem als auch auf internationalem Level. In Norwegen wird die Saison wegen der teils polaren Begebenheiten über das Kalenderjahr gespielt. In Oslo wirkt sich das weniger aus als im Norden des Landes, doch auch in der norwegischen Hauptstadt kann es sehr kalt werden. Stabæk qualifizierte sich regelmäßig international, 2004 durfte Hauger in der 1. Runde des Pokals gegen den FC Sochaux aus Frankreich antreten. Nach Hin- und Rückspiel stand ein sehr eindeutiges 0:9 zu Buche, welches den Norwegern durchaus aufzeigte, wo genau sie auf der Fußballlandkarte zu verorten waren. Zu dem Zeitpunkt war Hauger erst 19, früh hatte er den Durchbruch in den Profikader geschafft.

Stabæk

Stabæk ist ein Verein, bei dem es mehrere norwegische Talente bereits zu etwas gebracht haben. Als Beispiele seien hier nur Mix Diskerud und Mats Møller Dæhli erwähnt. Mix Diskerud wechselte nach einer erfolgreichen Laufbahn zu Rosenborg Trondheim und von dort zum neu gegründeten New York City FC. Als US-Nationalspieler hat er bislang 36 Länderspiele absolviert. Mats Møller Dæhli wechselte aus der Jugendabteilung zu Manchester United. Von dort ging es für den jungen Mittelfeldspieler über mehrere Stationen schließlich zum SC Freiburg, für die er wegen massiver Probleme mit der Patellasehne aber noch kaum auflaufen konnte. Jan Åge Fjørtoft (“Der Norweger”) kehrte nach seiner Zeit bei Frankfurt zurück nach Norwegen und spielte ebenfalls bei Stabæk.

Henning Hauger hatte beobachtet, wie Moa Abdellaoue im Sommer 2010 von Valerenga nach Hannover gewechselt war und dort mit dafür gesorgt hatte, dass 96 am Ende der Saison 10/11 Tabellenvierter war. Nachdem Hauger im Jahr 2009 in Champions-League- und Europa-League-Qualifikation weiter internationale Luft geschnuppert hatte, wurde er im Juli 2011 von Jörg Schmadtke und Mirko Slomka verpflichtet, um den Kader für die internationalen Aufgaben zu verbreitern.

Hannover

Er war 25 und damit im besten Fußballeralter. Klar, es war eine deutliche Steigerung zum norwegischen Fußball, aber er schien bereit, diese Aufgabe meistern zu wollen. Sein Debüt für 96 gab er gleich am 1. Spieltag der neuen Saison 2011/12, als Hannover gegen Hoffenheim antrat. Vielen wird das Spiel im Gedächtnis geblieben sein, weil Jan Schlaudraff einen Freistoß schnell ausführte und in den Winkel zirkelte. Den schnellen Ausgleich egalisierte Abdellaoue per Foulelfmeter. Knapp 20 Minuten vor dem Ende durfte Henning Hauger Bundesligaluft schnuppern. Er kam für Sergio da Silva Pinto ins Spiel und machte die drei Punkte sicher. Näher an einen Stammplatz brachte ihn das allerdings nicht. Sein zweiter Einsatz für Hannover dauerte eine ganze Minute, als er im Playoff-Hinspiel gegen Sevilla zum Zeit schinden für Manuel Schmiedebach eingewechselt wurde. Um es positiv zu formulieren: Hier spielte Hauger seine ganze internationale Erfahrung aus.

Einsätze waren weiter rar gesät: ein zweiter Einsatz in der Bundesliga kam am 4. Spieltag beim 1:1 gegen Mainz, diesmal waren es sogar 25 Minuten. Im ersten Heimspiel der Europa-League-Gruppenphase gegen Standard Lüttich kamen weitere 15 Minuten hinzu, das Spiel endete torlos. Ich erinnere mich daran, dass dies die einzigen Minuten waren, bei denen ich Hauger live im Stadion sah. Zwar war er drei Tage später gegen Borussia Dortmund wieder da, aber ich nicht. Erinnerungen hat fast jeder noch an dieses Spiel: Nach der Führung für den BVB gleicht 96 durch Haggui spät aus und Didier Ya Konan trifft Sekunden vor dem Abpfiff zum 2:1-Siegtreffer. Ich hörte das Spiel damals im Radio auf der A2 auf dem Weg nach Hause von einem Familientreffen, Henning Hauger saß da bereits auf der Bank, vielleicht war er schon duschen gegangen. Direkt nach dem 0:1 war er ausgewechselt worden, die Wende kam ohne ihn.

Nicht nur, dass er keinen Stich hatte, in die erste Elf vorzudringen. Jetzt plagten ihn auch noch Leistenprobleme, die ihn davon abhielten, überhaupt Chancen auf die Ersatzbank zu haben. Der Fokus galt der Rehabilitation, während 96 international weiter Meriten sammelte, sei es in Lüttich, Kopenhagen oder Poltava. In der Rückrunde half er einige Male bei Hannover II aus, sieben Mal um genau zu sein. Es stand jedoch fest, dass aus Henning Hauger kein Bundesligaspieler mehr werden würde.

Rückkehr nach Skandinavien

Wie man es mit Spielern macht, die man mehrere Jahre verpflichtet hat, wurde Hauger zunächst einmal verliehen. Es ging zurück nach Norwegen, Lillestrøm war das Ziel. Mit dem Klub erreichte Hauger einen gesicherten Mittelfeldplatz. Schlechter erging es seinem ehemaligen Verein Stabæk, dieser stieg sang- und klanglos ab. Die Leihe von Hauger lief aber nur bis zum Jahresende 2012, er kehrte wieder nach Hannover zurück. Dort war den Verantwortlichen aber klar, dass der Norweger keine Chance auf einen Kadereinsatz hatte, deswegen nahm man ein Angebot vom IF Elfsborg wahr und ließ den nun 27-Jährigen endgültig gehen. Hier, im Südwesten Schwedens, in der Nähe von Göteborg, wusste man die Leistungen des Norwegers zu schätzen und gab ihm relativ bald einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld. Mit Elfsborg gab es immer wieder Möglichkeiten, sich in den frühen Qualifikationsrunden der Europa League zu messen, aber man musste eingestehen, dass Elfsborg für diesen Wettbewerb etwas zu klein ist.

Die Saison im Jahr 2014 war für alle Beteiligten eine sehr schwierige. Zwar qualifizierte man sich für die Ausscheidungsrunden in der Europa League im Sommer 2015, jedoch wurde dies im Oktober 2014 in ein besonderes Verhältnis gesetzt. Trainer Klas Ingesson hatte bereits seit dem Jahr 2009 mit Knochenmarkskrebs gekämpft, ihn aber im Jahr 2010 das erste Mal besiegt und danach seine Trainertätigkeit wieder aufgenommen. Im Jahr 2013 war der Krebs zurückgekehrt und auch eine Stammzellentransplantation konnte nicht helfen. Im Mai 2014 gewann das Team um Henning Hauger mit Ingesson im Rollstuhl an der Seitenlinie den schwedischen Landespokal, bis in den Oktober hinein war Ingesson an der Seitenlinie präsent. Kurz nachdem er verkündet hatte, dass er zum Saisonende das Traineramt niederlegen wolle, starb Ingesson an den Folgen des Krebsleidens am 29. Oktober, wenige Tage vor dem letzten Saisonspiel.

Unter seinem Nachfolger Magnus Haglund blieb Hauger 2015 Stammspieler im defensiven Mittelfeld und sorgte so für einen guten vierten Platz, mit dem die internationalen Plätze jedoch knapp verfehlt wurden. In der gesamten Saison verpasste Hauger nur ein einziges Spiel wegen einer Grippe. Und auch in der kommenden Spielzeit wird Hauger mit nun 30 Jahren für Elfsborg auflaufen und die Mannschaft mit seiner Erfahrung leiten und lenken.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Zeitgleich mit Henning Hauger brachte Jörg Schmadtke auch Daniel Royer vom SV Ried an die Leine. Ein junger Außenspieler, der der Mannschaft vielleicht die nötige Spritzigkeit geben könnte. Zu drei Einsätzen in der Saison 11/12, in denen er nicht überzeugte, kamen elf Spiele mit der zweiten Mannschaft. Er wurde 2012 an den 1. FC Köln verliehen, bei dem er zwar Stammspieler war, jedoch den Aufstieg nicht schaffte. Und so kehrte er 2013 nach Österreich zu Austria Wien zurück. Dort begeisterte er aber so sehr, dass man in Dänemark auf ihn aufmerksam wurde und den mittlerweile 25-Jährigen im Sommer 2015 zum FC Midtjylland holte, bei dem Royer nun auf der Außenbahn wuselt und in der Europa League ebenfalls einen guten Eindruck hinterlässt.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)

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