Türchen #15

Gestern ging es um einen Spieler, der als Kind aus Afrika nach Europa kam. Heute behandelt der Blogpost einen jungen Mann, der aus einem europäischen Kriegsgebiet fliehen musste und in Deutschland eine neue Heimat fand.

 

Türchen #15: Valdet Rama

Valdet Rama stammt aus Mitrovica im Kosovo, welches zum Zeitpunkt seiner Geburt noch ein Teil des gesamten Staates Jugoslawien war. In den folgenden Jahren kam es in den Jugoslawienkriegen zu neuen Staaten, Teilstaaten, Massakern und viel Leid und Elend in den jugoslawischen Teilrepubliken. Im Jahr 1995 war der Bosnienkrieg endlich beigelegt worden, im Kosovo schwelte der Konflikt aber weiter, bis 1999 auch dort der Krieg ausbrach. Bis dahin war es aber trotzdem schon sehr unsicher im Norden Kosovos geworden, so dass sich die Familie Ramas im Jahr 1996 entschloss, nach Deutschland zu fliehen.

Wolfsburg und Ingolstadt

Rama kam zunächst in Hagen unter, dem „Tor zum Sauerland“. Dort spielte er Fußball in der Jugend und bewies sein Potential, spielte später in Iserlohn und dann in der Jugendabteilung von Rot-Weiß Essen. Dort beeindruckte der Albaner so sehr, dass die Amateurmannschaft vom VfL Wolfsburg auf ihn aufmerksam wurde und Trainer Uwe Erkenbrecher den 17-Jährigen verpflichtete. Bei seinem Debüt in der Oberliga Nord gegen Brinkum schoss er nach drei Minuten nach 1:0. In den beiden Jahren in der Oberliga schoss Rama in 30 Spielen zehn Treffer, zur Saison 2007/08 stieg die Wolfsburg-Reserve auf. In der letzten Saison der alten Regionalliga Nord konnte Wolfsburg II aber nicht mithalten und wurde Tabellenletzter, Rama konnte nicht ein Tor erzielen.

Der nun 20-Jährige wollte sich nun beweisen und unterschrieb einen Vertrag beim FC Ingolstadt, welcher gerade aus der Regionalliga Süd in die 2. Bundesliga aufgestiegen war. Seine Saison 2008/09 begann sehr stark mit einem Tor und zwei Vorlagen in den ersten drei Spielen, er erzielte wie den ersten Zweitligatreffer auch das zweite Saisontor gegen Greuther Fürth. Insgesamt reichte es für den Aufsteiger jedoch nicht und man rutschte im Laufe der Saison auf Rang 17 ab und stieg in die neuformierte 3. Liga ab.

15x 96

Der neue 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke holte den Albaner nach Hannover, um zur Saison 2009/10 die beiden Außenbahnen zu beleben. Sein Debüt für 96 war die 1:3-Pokalpleite gegen Mario Baslers Eintracht Trier, die in der Saison zum Pokalschreck avancierten. In der Liga machte Rama sein erstes Spiel gegen Mainz 05 und legte im Laufe der Saison noch 14 weitere Spiele nach, bei denen er auf beiden Außenbahnen zum Einsatz kam. Dabei machte er den Großteil seiner Spiele unter Andreas Bergmann, weil Dieter Hecking nach dem Mainz-Spiel seine Sachen packen musste. Unter Mirko Slomka hatte Rama nur noch wenige Einsätze, immer öfter spielte Rama in der zweiten Mannschaft.

In der Saison 2010/11 spielte er bis zum Winter unter Andreas Bergmann bei Hannover II in der Regionalliga Nord und schoss dort im Dezember 2010 auch sein einziges Tor in den Trikots der „Roten“. Es war aber abzusehen, dass er in der Bundesliga keine Chance mehr hatte und sah im Februar 2011 seine Chance, in der Allsvenskan bei Örebro SK durchzustarten.

Europareise

Für zwei Jahre spielte Rama in Schweden und war dort Stammspieler in der ersten Saison, in der der Verein im unteren Mittelfeld landete, dabei erzielte er acht Tore. Im Sommer 2011 spielte Rama Europa-League-Qualifikation, schied aber gegen Sarajevo aus. In der zweiten Saison verringerten sich Einsatzzeiten und Tore und zum Saisonende stieg Örebro in die Superettan ab. Im Januar 2013 wechselte Rama mit nun 25 Jahren in die Primera Division zu Aufsteiger Real Valladolid. Nachdem er mit ein paar Kurzeinsätzen überzeugen konnte, spielte er in der Saison 2013/14 31-mal und schoss auch ein Tor gegen Athletic Bilbao. Zum Saisonende stand Valladolid aber dennoch auf Platz 19 der spanischen Liga und stieg ab.

Wichtiger war für den Kosovaren aber während seiner Zeit in Spanien seine Nominierung für die albanische Nationalmannschaft und seine ersten Länderspiele. Im Juni 2013 schoss er in seinem zweiten Länderspiel gegen Norwegen beim 1:1 sein erstes Tor für Albanien. In der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 wurde Albanien aber nur Vorletzter in der Gruppe. Insgesamt hat er bislang 15 Länderspiele gemacht und dabei drei Tore geschossen.

Zurück nach Deutschland

Nach dem Abstieg mit Valladolid wechselte Rama zu 1860 nach München. Mit drei Toren und vier Treffern in 26 Spielen half er 1860 zumindest auf den 16. Platz und damit rettete sich der Münchener Klub in die Relegation gegen Holstein Kiel. Nachdem es im Rückspiel kurz vor Schluss ganz schwarz aussah und der Abstieg fast beschlossen war, schloss Rama aus 25 Metern komplett verzweifelt ab, vom Pfosten prallte der Ball auf den Fuß von Innenverteidiger Kai Bülow und der verwandelte zum 2:1.

In der neuen Saison läuft es für 1860 nicht besonders besser, dazu hat Rama fast die komplette Hinrunde mit Adduktorenproblemen aussetzen müssen. Am Wochenende konnte der nun 28-Jährige aber ein kurzes Comeback bei der 1:3-Niederlage gegen Heidenheim feiern. Am kommenden Sonntag kann Rama beim SC Freiburg für einen Lichtblick vor dem Weihnachtsfest sorgen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Auch Innenverteidiger Carsten Linke hat genau 15 Erstligaspiele für Hannover gemacht, bevor er seine lange Karriere mit 37 Jahren beendete, in der er 96 aus der Regionalliga in die 1. Liga führte. Am 6. Spieltag köpfte Linke den Ball zum zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer gegen den VfL Bochum in die Maschen, bevor man das Spiel kurz vor Schluss noch abschenkte und 2:2 spielte.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)

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Türchen #7

Nach dem Highlight gestern geht es heute zurück in den vermeintlich grauen Alltag. Der heutige Spieler ist ein nordeuropäischer Nationalspieler, der mit 24 in die Bundesliga kam und dort… keinen Eindruck hinterließ.

 

Türchen #7: Gunnar Heidar Thorvaldsson

Momentan sind die isländischen Spieler ja in aller Munde. Eine goldene Generation voller technisch versierter junger Spieler hat sich für die EM 2016 qualifiziert, ein unfassbarer Erfolg für das Land mit 300.000 Einwohnern. Gunnar Heidar Thorvaldsson ist nun ein Spieler, der genau davor aktiv war und auch niemals die technischen Fertigkeiten hatte.

Thorvaldsson kommt von den Vestmannaeyjar, den sogenannten „Westmännerinseln“, die vor der Südküste Islands liegen. Auf den 14 Inseln leben knapp 4000 Menschen, die Verbindung zum Festland besteht per Fähre oder per Flugzeug. Auf diesen rauen Felsen lernte Thorvaldsson das Fußball spielen, natürlich beim Inselklub IBV. 2003 und 2004 wurde er als Nachwuchsstürmer zweimal Torschützenkönig und erweckte so das Interesse anderer Vereine aus der Region.

Der Weg nach Süden

Es ging zu Halmstads BK, in Süden Schwedens. Zum Saisonende im Herbst 2004 musste Thorvaldsson mitansehen, wie sein neuer Klub die sicher geglaubte Meisterschaft noch verspielte. Trotzdem hatte man sich als Vizemeister für den UEFA-Cup qualifiziert. In der KO-Runde vor der Gruppenphase schlug man sensationell Sporting CP, Thorvaldsson steuerte zwei Treffer bei. In der Gruppe war man gegen Hertha, Lens, Sampdoria Genua und Steaua Bukarest aber chancenlos.

Die Auftritte in der Heimatliga und in der Allsvenskan hatten seinen Nationaltrainer aber überzeugt und 2005 durfte Thorvaldsson gegen Italien sein Debüt geben. Insgesamt machte er 24 Länderspiele für sein Land und traf fünfmal.

Hannover

Auch in der Allsvenskan 2005 war Thorvaldsson ein guter Torschütze und wurde auch hier Torschützenkönig. Kein Wunder, dass Ilja Kaenzig von Hannover 96 hier ein Juwel vermutete. Dazu verließen mit Thomas Christiansen und Mohamadou Idrissou zwei Stürmer den Verein. Im Angriff musste Thorvaldsson sich nun gegen Jiri Stajner und Vahid Hashemian behaupten, allerdings hatte er unter Trainer Peter Neururer nicht den besten Stand. Sein erster Einsatz kam am 3. Spieltag von der Bank, als man mit 0:3 gegen Aachen unter die Räder geriet. Wenige Tage später war Peter Neururer entlassen worden, weil 96 mit null Punkten und 3:11 Toren Tabellenletzter war.

In der Hinrunde reichte es nur noch zu einem Kurzeinsatz gegen den VfB. Die beste Chance bekam Thorvaldsson unter dem neuen Trainer Dieter Hecking zu Beginn der Rückrunde. Nach weiteren Joker-Einsätzen gegen Aachen, Wolfsburg und Frankfurt stellte Hecking den Isländer in die Startelf. Gegen Schalke durfte er 72 Minuten spielen, gegen den HSV eine knappe Stunde. In beiden Spielen waren seine Aktionen eher unglücklich, verstolperte aussichtsreiche Situationen und bewarb sich nicht für weitere Spiele. Gerade das HSV-Spiel – ein 0:0 – bleibt hauptsächlich wegen der Dreifachparade von Robert Enke kurz vor Schluss in Erinnerung, statt einer besonderen Aktion eines Angreifers.

Skandinavien

Den Rest der Saison verbrachte Thorvaldsson auf der Tribüne und wurde nach sieben Bundesligaspielen im Sommer nach Vålerenga verliehen. In der 2. Hälfte der Tippeligaen-Saison 2007 traf er zweimal, dazu kamen zwei weitere Tore in der ersten Saisonhälfte 2008 in Norwegen. Er spielte regelmäßig und hatte eher sein Niveau gefunden, im Anschluss an diese Leihe ging es aber in das nächste skandinavische Land, nach Dänemark. Hannover 96 konnte knapp 150.000 Euro der investierten 500.000 Euro Ablöse von Esbjerg fB wieder reinholen. Bei Esbjerg lief es ganz okay für ihn, er bekam ordentliche Einsatzminuten, traf aber das Tor viel zu selten. Deswegen wurde Thorvaldsson im Januar 2010 in die englische 2. Liga zum FC Reading ausgeliehen. Das war aber auch kein großer Erfolg, er kam nur zu vier Einsätzen. Nach seiner Rückkehr nach Dänemark ging es direkt wieder weiter zu Frederikstad, zurück nach Norwegen, um dort beim Rest der Saison auszuhelfen. Beim Zweitligisten traf er bei den restlichen Ligaspielen und in der Relegation, um dem Verein aus dem Süden Norwegens den direkten Wiederaufstieg zu ermöglichen.

Ausflug in die Türkei

Im Januar 2011 wurde sein Vertrag in Dänemark aufgelöst und Thorvaldsson begann sich umzusehen. Mit Ende 20 war die große Karriere in den großen Ligen Europas nicht mehr möglich, aber in den Ligen Schwedens und Norwegens war er begehrt. Der Aufsteiger IFK Norrköping sicherte sich seine Dienste für mehrere Jahre. In der ersten Saison schoss Thorvaldsson acht Tore, 2012 waren es sogar 17 Treffer für die Schweden. Als er in der Hinrunde 2013 in 15 Spielen neun weitere Tore erzielt hatte, wurde Konyaspor hellhörig und unterbreitete dem nun 31-Jährigen ein Angebot. Für zwei Jahre sollte er in der Süper Lig für den Aufsteiger knipsen. Es reichte aber nur zu einem einzigen Tor gegen Gençlerbirliği und zum Saisonende kehrte er zurück in die skandinavische Heimat.

Für BK Häcken absolvierte er 12 Spiele im Rest der Allsvenskan 2014 und schoss zwei Tore, 2015 erreichte er mit dem Göteborger Klub das Pokalhalbfinale, schied dort aber gegen den Lokalrivalen IFK aus. Im Sommer 2015 zog es den mittlerweile 33-Jährigen zurück zu seinem Heimatverein IBV, zurück auf die Felseninseln. Mit vier Treffern in den letzten Monaten konnte er den Nichtabstieg sicherstellen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Dieses Mal sind noch einige andere Kollegen da. Als erstes wäre František Rajtoral zu nennen, der im Januar 2014 Hiroki Sakai auf der Rechtsverteidigerposition Konkurrenz machen sollte. Nach einem starken Spiel gegen Gladbach nahm die Leistung mit den nächsten Spielen spürbar ab, so dass er meist wieder auf der Bank Platz nahm. Er spielt jetzt wieder für Viktoria Plzeň, momentan auch nur auf der Bank, aber immerhin noch international in der Europa League.

Ein weiterer Wintertransfer war Élson, der Brasilianer aus Stuttgart. Nachdem die Stuttgarter ihn schon überall in Brasilien verliehen hatten, griff Jörg Schmadtke im Januar 2010 zu, um die Horror-Saison zu retten. Er schoss ein Tor gegen den SC Freiburg und hätte auch noch mehr Einsätze gehabt, aber nach seinem siebten Spiel, dem 4:2 gegen Schalke, riss er sich das Innenband im Knie und sah die Rettung von der Tribüne aus, bevor es wieder zum VfB ging. Von da ging es über Rostov zurück nach Brasilien, wo er jetzt im Ruhestand ist.

Nicht vergessen werden soll Jonas Troest, ein junger Verteidiger, der im Januar 2006 aus Dänemark zum Klub kam. Nach zwei kompletten Spielen in der Rückrunde 05/06 kamen noch fünf Kurzeinsätze. Im Januar 2007 ging er wieder zurück nach Dänemark, wo er durch mehrere Vereine tingelte und jetzt mit 30 Jahren bei AB in der 2. dänischen Liga spielt.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)

Türchen #3

Ein Torhüter und ein Verteidiger in der Liste. Was folgt dann am 3.12.?

Türchen #3: Henning Hauger

Ein Mittelfeldspieler, natürlich. Ein norwegischer noch dazu. Henning Hauger, Held der Europa-League-Saison 2011/12. Ein defensiver Mittelfeldspieler, der seine Erfahrung aus Jahren in der Tippeligaen einbringen sollte, um 96 bereit für Europa zu machen. Und das tat er. Mit drei Einsätzen in der Liga plus zwei Spielen in der Europa League.

Heimat

Hauger kommt aus Bærum, einem Vorort von Oslo. Hier wurde er 1985 geboren, hier wuchs er auf und lernte das Fußball spielen. Genauer gesagt bei Stabæk IF, dem lokalen Erstligisten. Hier blühte er auf, im defensiven Mittelfeld, Profifußball sowohl auf nationalem als auch auf internationalem Level. In Norwegen wird die Saison wegen der teils polaren Begebenheiten über das Kalenderjahr gespielt. In Oslo wirkt sich das weniger aus als im Norden des Landes, doch auch in der norwegischen Hauptstadt kann es sehr kalt werden. Stabæk qualifizierte sich regelmäßig international, 2004 durfte Hauger in der 1. Runde des Pokals gegen den FC Sochaux aus Frankreich antreten. Nach Hin- und Rückspiel stand ein sehr eindeutiges 0:9 zu Buche, welches den Norwegern durchaus aufzeigte, wo genau sie auf der Fußballlandkarte zu verorten waren. Zu dem Zeitpunkt war Hauger erst 19, früh hatte er den Durchbruch in den Profikader geschafft.

Stabæk

Stabæk ist ein Verein, bei dem es mehrere norwegische Talente bereits zu etwas gebracht haben. Als Beispiele seien hier nur Mix Diskerud und Mats Møller Dæhli erwähnt. Mix Diskerud wechselte nach einer erfolgreichen Laufbahn zu Rosenborg Trondheim und von dort zum neu gegründeten New York City FC. Als US-Nationalspieler hat er bislang 36 Länderspiele absolviert. Mats Møller Dæhli wechselte aus der Jugendabteilung zu Manchester United. Von dort ging es für den jungen Mittelfeldspieler über mehrere Stationen schließlich zum SC Freiburg, für die er wegen massiver Probleme mit der Patellasehne aber noch kaum auflaufen konnte. Jan Åge Fjørtoft (“Der Norweger”) kehrte nach seiner Zeit bei Frankfurt zurück nach Norwegen und spielte ebenfalls bei Stabæk.

Henning Hauger hatte beobachtet, wie Moa Abdellaoue im Sommer 2010 von Valerenga nach Hannover gewechselt war und dort mit dafür gesorgt hatte, dass 96 am Ende der Saison 10/11 Tabellenvierter war. Nachdem Hauger im Jahr 2009 in Champions-League- und Europa-League-Qualifikation weiter internationale Luft geschnuppert hatte, wurde er im Juli 2011 von Jörg Schmadtke und Mirko Slomka verpflichtet, um den Kader für die internationalen Aufgaben zu verbreitern.

Hannover

Er war 25 und damit im besten Fußballeralter. Klar, es war eine deutliche Steigerung zum norwegischen Fußball, aber er schien bereit, diese Aufgabe meistern zu wollen. Sein Debüt für 96 gab er gleich am 1. Spieltag der neuen Saison 2011/12, als Hannover gegen Hoffenheim antrat. Vielen wird das Spiel im Gedächtnis geblieben sein, weil Jan Schlaudraff einen Freistoß schnell ausführte und in den Winkel zirkelte. Den schnellen Ausgleich egalisierte Abdellaoue per Foulelfmeter. Knapp 20 Minuten vor dem Ende durfte Henning Hauger Bundesligaluft schnuppern. Er kam für Sergio da Silva Pinto ins Spiel und machte die drei Punkte sicher. Näher an einen Stammplatz brachte ihn das allerdings nicht. Sein zweiter Einsatz für Hannover dauerte eine ganze Minute, als er im Playoff-Hinspiel gegen Sevilla zum Zeit schinden für Manuel Schmiedebach eingewechselt wurde. Um es positiv zu formulieren: Hier spielte Hauger seine ganze internationale Erfahrung aus.

Einsätze waren weiter rar gesät: ein zweiter Einsatz in der Bundesliga kam am 4. Spieltag beim 1:1 gegen Mainz, diesmal waren es sogar 25 Minuten. Im ersten Heimspiel der Europa-League-Gruppenphase gegen Standard Lüttich kamen weitere 15 Minuten hinzu, das Spiel endete torlos. Ich erinnere mich daran, dass dies die einzigen Minuten waren, bei denen ich Hauger live im Stadion sah. Zwar war er drei Tage später gegen Borussia Dortmund wieder da, aber ich nicht. Erinnerungen hat fast jeder noch an dieses Spiel: Nach der Führung für den BVB gleicht 96 durch Haggui spät aus und Didier Ya Konan trifft Sekunden vor dem Abpfiff zum 2:1-Siegtreffer. Ich hörte das Spiel damals im Radio auf der A2 auf dem Weg nach Hause von einem Familientreffen, Henning Hauger saß da bereits auf der Bank, vielleicht war er schon duschen gegangen. Direkt nach dem 0:1 war er ausgewechselt worden, die Wende kam ohne ihn.

Nicht nur, dass er keinen Stich hatte, in die erste Elf vorzudringen. Jetzt plagten ihn auch noch Leistenprobleme, die ihn davon abhielten, überhaupt Chancen auf die Ersatzbank zu haben. Der Fokus galt der Rehabilitation, während 96 international weiter Meriten sammelte, sei es in Lüttich, Kopenhagen oder Poltava. In der Rückrunde half er einige Male bei Hannover II aus, sieben Mal um genau zu sein. Es stand jedoch fest, dass aus Henning Hauger kein Bundesligaspieler mehr werden würde.

Rückkehr nach Skandinavien

Wie man es mit Spielern macht, die man mehrere Jahre verpflichtet hat, wurde Hauger zunächst einmal verliehen. Es ging zurück nach Norwegen, Lillestrøm war das Ziel. Mit dem Klub erreichte Hauger einen gesicherten Mittelfeldplatz. Schlechter erging es seinem ehemaligen Verein Stabæk, dieser stieg sang- und klanglos ab. Die Leihe von Hauger lief aber nur bis zum Jahresende 2012, er kehrte wieder nach Hannover zurück. Dort war den Verantwortlichen aber klar, dass der Norweger keine Chance auf einen Kadereinsatz hatte, deswegen nahm man ein Angebot vom IF Elfsborg wahr und ließ den nun 27-Jährigen endgültig gehen. Hier, im Südwesten Schwedens, in der Nähe von Göteborg, wusste man die Leistungen des Norwegers zu schätzen und gab ihm relativ bald einen Stammplatz im defensiven Mittelfeld. Mit Elfsborg gab es immer wieder Möglichkeiten, sich in den frühen Qualifikationsrunden der Europa League zu messen, aber man musste eingestehen, dass Elfsborg für diesen Wettbewerb etwas zu klein ist.

Die Saison im Jahr 2014 war für alle Beteiligten eine sehr schwierige. Zwar qualifizierte man sich für die Ausscheidungsrunden in der Europa League im Sommer 2015, jedoch wurde dies im Oktober 2014 in ein besonderes Verhältnis gesetzt. Trainer Klas Ingesson hatte bereits seit dem Jahr 2009 mit Knochenmarkskrebs gekämpft, ihn aber im Jahr 2010 das erste Mal besiegt und danach seine Trainertätigkeit wieder aufgenommen. Im Jahr 2013 war der Krebs zurückgekehrt und auch eine Stammzellentransplantation konnte nicht helfen. Im Mai 2014 gewann das Team um Henning Hauger mit Ingesson im Rollstuhl an der Seitenlinie den schwedischen Landespokal, bis in den Oktober hinein war Ingesson an der Seitenlinie präsent. Kurz nachdem er verkündet hatte, dass er zum Saisonende das Traineramt niederlegen wolle, starb Ingesson an den Folgen des Krebsleidens am 29. Oktober, wenige Tage vor dem letzten Saisonspiel.

Unter seinem Nachfolger Magnus Haglund blieb Hauger 2015 Stammspieler im defensiven Mittelfeld und sorgte so für einen guten vierten Platz, mit dem die internationalen Plätze jedoch knapp verfehlt wurden. In der gesamten Saison verpasste Hauger nur ein einziges Spiel wegen einer Grippe. Und auch in der kommenden Spielzeit wird Hauger mit nun 30 Jahren für Elfsborg auflaufen und die Mannschaft mit seiner Erfahrung leiten und lenken.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Zeitgleich mit Henning Hauger brachte Jörg Schmadtke auch Daniel Royer vom SV Ried an die Leine. Ein junger Außenspieler, der der Mannschaft vielleicht die nötige Spritzigkeit geben könnte. Zu drei Einsätzen in der Saison 11/12, in denen er nicht überzeugte, kamen elf Spiele mit der zweiten Mannschaft. Er wurde 2012 an den 1. FC Köln verliehen, bei dem er zwar Stammspieler war, jedoch den Aufstieg nicht schaffte. Und so kehrte er 2013 nach Österreich zu Austria Wien zurück. Dort begeisterte er aber so sehr, dass man in Dänemark auf ihn aufmerksam wurde und den mittlerweile 25-Jährigen im Sommer 2015 zum FC Midtjylland holte, bei dem Royer nun auf der Außenbahn wuselt und in der Europa League ebenfalls einen guten Eindruck hinterlässt.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)