Preview Mainz – Erster Test für die Kadertiefe

Da guckt man einmal nicht auf die Uhr und schon ist Freitagabend. Also Wochenende. Ein letztes Mal Bundesliga, bevor endlich wieder Weltmeister-Nostalgie einsetzen kann und die schönsten Bilder der WM über die Bildschirme flimmern, weil die EM-Quali und das Testspiel gegen (ausgerechnet!) Argentinien anstehen. Einige 96er dürfen auch zu ihren Nationalmannschaften, der Rest genießt die Pause nach dem Sechs-Punkte-Start.

In weiser Voraussicht hat die DFL das Mainz-Spiel auf einen Sonntag gelegt, damit die Ruhepause nach dem Erreichen der Europa-League-Gruppenphase….. ja gut. So steht am Sonntag um 15:30 das erste Auswärtsspiel in der Liga an. Die Gastgeber sind insgesamt so mittelgut in die Saison gestartet, konzentrieren sich jetzt zu 100% auf die Bundesliga, in der bei Aufsteiger Paderborn gerade so ein 2:2 heraus sprang.

 

Hannover reist mit einem gewissen Maß an Selbstvertrauen nach Rheinland-Pfalz, noch ist man in Pflichtspielen ungeschlagen und das soll auch vor der ersten Länderspielpause so bleiben. Personell ist man in der Offensive eingeschränkt, Kapitän Lars Stindl und Edgar Prib fallen ja bekanntermaßen einen knappen Monat aus. Die 10er-Position wird deswegen wahrscheinlich auch die einzige Veränderung sein, auf der ich mir sowohl Hiroshi Kiyotake als auch Kenan Karaman vorstellen kann. Kiyo war noch nicht wieder bei 100% nach der Muskelzerrung, deswegen kam er gegen Schalke nach einer Stunde. Karaman hat seine Mandelentzündung sicherlich gut überstanden und ist nach den Eindrücken aus der Vorbereitung ebenfalls ein geeigneter Kandidat, Sorge bereitet mir das nicht.

Sofern sich bis Sonntag nichts mehr tut, stehen meiner Meinung nach folgende Elf auf dem Platz: Zieler – Pander, Schulz, Marcelo, Sakai – Andreasen, Schmiedebach – Albornoz, Kiyotake, Bittencourt – Joselu.

Die Defensive stand ganz ordentlich gegen Schalke, auch wenn das Umschaltspiel zunächst noch hakte. Solange sich die hoch stehende Abwehrkette vermeiden lässt, ist das hinten eingespielt und solide. Als Auswärtsteam wird zum Glück nicht von uns erwartet, so hoch zu stehen, ganz im Gegenteil: Auch Mainz war bei einer solchen Formation sehr anfällig in den Pokalwettbewerben und das können die flinken Flügelspieler der Roten sicher ausnutzen, gerade Leo auf rechts.

 

Miiko Albornoz wurde zurecht von verschiedenen Medien für seine Leistung in der ersten Stunde gegen Schalke gelobt. Wenn Pander gesund bleibt (toi, toi, toi) und sich vorne kein weiterer Spieler aufdrängt, hat er seinen Platz links außen erstmal sicher. Und wenn das Akklimatisieren so funktioniert, dass er jedes Spiel so fünf Minuten mehr schafft, dann kann er auch gerne nach 65 Minuten ausgepumpt vom Platz kommen. Einsatz und Qualität hat er schon gezeigt.

Diese konnte ebenfalls Jimmy Briand zeigen, der logischerweise noch was braucht, bis er matchfit ist. Glücklicherweise liegt die Länderspielpause so günstig, dass er jetzt am Wochenende noch nicht gebraucht wird und bis Mitte September mit dem Rest der Mannschaft trainieren kann, dass er zumindest als Alternative auf der Bank Platz nehmen könnte. Die Eindrücke vom Training ließen aber gutes von ihm hoffen, er hat anscheinend Bock auf Fußball. Sowas war bei uns ja auch nicht immer selbstverständlich.

 

Der Nachwuchs

Die U23 empfängt am Samstag Cloppenburg, der Gast steht zur Zeit ohne Saisonsieg auf einem Abstiegsplatz. Er ist also der perfekte Gegner, um die erste Saisonniederlage gegen Bremen II vergessen zu machen und weiter im oberen Tabellendrittel zu bleiben.

 

Und sonst?

Am vergangenen Montag war ich bei den Jungs von 19uhr4.de im Hangout, um das Schalke-Spiel “Paroli laufen zu lassen”. Das Ergebnis findet man hier.

Am kommenden Montagabend bin ich beim englischsprachigen “Dreierpack Podcast” zu Gast, dort wird unter anderem das Mainz-Spiel Thema sein. Der Podcast sollte am Dienstag abrufbar sein.

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Hannover 2:1 Schalke – Bittersweet Victory

Ich glaube, so knapp 20 Minuten lang war ich am Samstag schlecht gelaunt. Die Zeitspanne begann mit einem Stellungsfehler von Marcelo und endete mit einer Grätsche von Edgar Prib. Davor war ich angespannt bis zufrieden, danach zufrieden bis glücklich.

Vor dem Spiel hatten fast alle, ich eingeschlossen, mit dem Startelf-Debüt von Hiroshi Kiyotake anstelle des verletzten Lars Stindl gerechnet. Tayfun Korkut entschied sich aber stattdessen für Miiko Albornoz, der auf die linke offensive Seite rückte, Edgar Prib übernahm die Zentrale. Auf der Bank nahm erstmals Kenan Karaman Platz, Maurice Hirsch spielte dafür bei der U23 mit.

 

Meiner Meinung nach kam es der Mannschaft sehr entgegen, dass sie sich zunächst einmal defensiv aufstellen konnte. Zwar entwickelte sich daraus kein spannendes Spiel (es war ehrlicherweise ziemlich schlecht), aber zumindest vermied man so defensive Aussetzer wie noch in der Woche zuvor im Pokal. Die Bemühungen der Gäste bestanden zumeist aus langen Diagonalbällen und Standards, ansonsten war der Raum gut zugestellt und es wurde mit allen Mannschaftsteilen verteidigt. Selber nach vorne entwickelte sich allerdings auch nicht viel, wobei Joselu, Prib und Albornoz in einigen Situationen gute Ansätze zeigten. Die einzige echte Chance vergab Joselu. An dieser Stelle noch einmal gute Besserung an Sead Kolasinac, der sich nach 15 Minuten bei seiner Grätsche einen Kreuzbandriss zuzog.

In der Halbzeit schrieb ich kurz mit Tobias Escher von Spielverlagerung, der ebenfalls die Langweiligkeit des Spiels aufgrund der ähnlichen Systeme monierte. Da sagte ich ihm noch, dass ich soweit erstmal ganz zufrieden sei, der Gegner heiße immerhin Schalke 04, wobei er meinte, dass da noch mehr ginge, wenn man sich traute. Tja, und dann sah es direkt nach Wiederanpfiff so aus wie in Minute 40 in Walldorf. Die hochstehende Abwehrkette mit einem Pass zerlegt, Marcelo setzt hinterher, aber weil Choupo-Moting schneller ist als ein Regionalliga-Stürmer, kommt es nicht zur Notbremse, sondern zum Querpass. 1:0, Huntelaar.

 

Ja, da war die Laune erstmal weg. Hannover machte aber auch nicht den Eindruck, sofort etwas am Ergebnis ändern zu können. Stattdessen versuchte Schalke es noch 1-2mal, Zieler konnte sich aber mit einem schönen Reflex auszeichnen. Korkut brachte Kiyotake für Albornoz, der bis dahin für mich der beste 96er auf dem Platz war. Aber nur kurze Zeit später kam der erste erfolgreiche Konter. Bittencourts zeigte mit seiner ersten gelungenen Aktion des Spiels Boateng auf der rechten Außenbahn die Rücklichter und servierte Eddi den Ball auf dem Silbertablett. 1:1. Drei Minuten später holte man sich den Ball auf der linken Abwehrseite, Eddi sprintete nach vorne und legte den Ball auf Joselu quer. 25 Meter, abgefälscht, 2:1. Spiel gedreht, keiner wusste wie oder warum. Zwei Konter, die einfach saßen.

Für Prib kam kurz vor Schluss Gülselam zu seinem Debüt. Und nachdem Hiroki Sakai den Raum vor ihm nutzte und nach einem 50m-Lauf den Ball auf den Kopf von Joselu legte, der aber mit seinem Aufsetzer-Kopfball nur die Latte traf, durfte der Spanier mit Beifall vom Platz und für die letzten Minuten schnupperte Artur Sobiech seine ersten Bundesligaminuten seit langer Zeit. Dann war Schluss, vom Gast kam nichts mehr.

 

Wie bereits erwähnt, für die ersten 60 Minuten war Miiko Albornoz der beste Spieler für mich. Er passte in das System und konnte mehr Akzente setzen als Leo auf der anderen Außenbahn. Nach einer Stunde war die Luft wahrscheinlich ein bisschen weg, glücklicherweise schlugen dann Eddis 30 Minuten. Ein Tor und eine Vorlage lassen ihn natürlich zum Spieler des Spiels werden, insgesamt war das am Samstag seine bis dato beste Leistung in einem 96-Trikot, ohne Frage. Wer mir auch noch sehr gut gefiel, war Joselu. Der Junge war überall. Vorne, auf dem Flügel, am eigenen Sechzehner. So einen Arbeitseinsatz nach hinten verbunden mit der Torgefahr vorne habe ich von einem Stürmer bei Hannover 96 seit Jahren nicht gesehen. Das war toll.

 

Weniger toll – und hier reiht der Blog sich ein in die lange Liste der grandiosen Überleitungen unserer Zeit – war die unerwartete Diagnose bei Edgar Prib am Sonntag. Meniskus im Knie kaputt, OP benötigt. Richtig bitter für Eddi, der gerade richtig Werbung für sich gemacht hatte. Ohne ihn und Stindl werden wir mal sehen, wer am Sonntag in Mainz offensiv starten kann.

In other news: Hannover hat die Arbeit auf dem Transfermarkt eingestellt. Voraussichtlich letzter Neuzugang ist Jimmy Briand, 29-jähriger französischer Stürmer, der ablösefrei für zunächst einmal ein Jahr an die Leine wechselt. Briand kann vorne und auf dem rechten Flügel spielen, wird also, nachdem er den Trainingsrückstand aufgeholt hat, Leo auf dem Flügel etwas Konkurrenz machen. Insgesamt ein Transfer ohne viel Risiko, das passt.

 

Der Nachwuchs

In Bremen kam die U23 mit 0:3 (0:0) unter die Räder und kassierte damit die erste Niederlage der Saison. Dabei spielte Marius Stankevicius zum ersten Mal im Trikot der Roten, Seite an Seite mit Salif Sané. Ob der in den verbleibenden Tagen noch einen Klub findet, der ihn (zur Leihe) aufnimmt, warten wir mal ab. Ich denke aber nicht, dass er sich mit einem ganzen Jahr Regionalliga die Karriere ganz stark verbauen will.

 

Und sonst?

  • Mame Diouf wartet weiter auf sein erstes Tor bei Stoke. Obwohl man gegen Hull lange in Überzahl war, agierte der Stürmer sehr glücklos und konnte sich immerhin über das späte 1:1 mitfreuen.
  • Szabi hat in China mal wieder verloren, 1:3 beim Tabellenvierten. Die Abwehr seines Vereins müssen sie auf irgendeiner Kreisliga-Koppel eingesammelt und nach China geflogen haben, das ist schlimm…
  • Poco ist bei West Brom Stammspieler, jetzt anscheinend etwas verletzt. In den Highlights zeigt er sich aber sehr engagiert nach vorne mit präzisen Flanken und defensiv stark.

Preview Schalke – Endlich wieder Bundesliga

Es ist soweit. Morgen ist endlich wieder Bundesliga. Also der wichtige Teil, das komische Brimborium heute Abend braucht ja im Grunde niemand. Also außer die ARD, seit der WM wahrscheinlich auf Quoten-Entzug. Nun gut, sollen die Radkappen und Bayern das nachher mal in Ruhe auskaspern.

 

Hannover darf dann morgen ran. Gegen Schalke, die seit Montagabend mitten in der schlimmsten Krise seit Monaten stecken. Dabei ist in der ersten Pokalrunde ausscheiden etwas völlig Normales, das weiß in Hannover ja auch jedes Kind. Trier und Elversberg lassen schön grüßen… Jedenfalls ist die erste Keller-Diskussion in voller Fahrt und wird wohl nur durch einen Auftakterfolg in der niedersächsischen Landeshauptstadt vorerst gestoppt.

Im Vergleich zur Vorsaison hat sich Schalke mit Leverkusens Sidney Sam und dem Mainzer Eric-Maxim Choupo-Moting verstärkt. An letzterem war ja auch Hannover im Sommer gerüchteweise interessiert. Dafür gegangen sind vor allem Adam Szalai (zu Hoffenheim), Tim Hoogland (zu Magath, also Fulham) und Lars Unnerstall (zu Düsseldorf). Dazu ist Papadopoulos in einer eher überraschenden Aktion an Leverkusen ausgeliehen worden. Im Vergleich zu 96 ist der Austausch an Spielern dort also ziemlich gering, was aber im Pokal auch nicht besonders überzeugend oder eingespielt aussah.

 

Mit Ruhm bekleckert haben wir uns natürlich auch nicht, dafür liegen in der Lostrommel, aus der Samstagabend der Gegner gezogen wird. Wobei eigentlich bei unserem Losglück auch gleich eine Münze zwischen Bayern und Dortmund auswärts geworfen werden könnte.

Weiter ist weiter. Und trotz der Pokalsperre rechneten bis gestern eigentlich alle mit derselben Aufstellung wie gegen Astoria Walldorf. Doch dann kam der Schock! Reaktionen reichten von “schlechte Nachrichten” über “Rückschlag” bis “der absolute Super-Gau für 96”!!!!einself!

Lars Stindl hat eine Außenbandzerrung.

 

Eine Verletzung, einfach so, ohne Gegner. Wie perfide. Und noch nie zuvor gesehen im Fußball. Dass wir überhaupt antreten am Samstag…. Natürlich wünsch ich Lars gute Besserung und ich bin mir sicher, er kriegt das fix auskuriert. Aber ehrlicherweise muss man ja sagen, dass wir für einen solchen Fall ja Neuzugänge wie Hiroshi Kiyotake verpflichtet haben. Alles andere als ein Debüt des Japaners wäre eine faustdicke Überraschung von Seiten Korkuts. Ansonsten bleibe ich bei meiner Meinung, dass Albornoz und Gülselam ganz nah an der Startelf sind, da müssen also vor allem Pander und Schmiedebach mit Leistungen aufwarten, um sich nicht in naher Zukunft auf der Bank wiederzufinden.

Damit spielen: Zieler – Pander, Schulz, Marcelo, Sakai – Andreasen, Schmiedebach – Prib, Kiyotake, Bittencourt – Joselu. Die Bank werden wohl Almer, Albornoz, Felipe, Gülselam, Hirsch, Schlaudraff und Sobiech besetzen. Wobei vielleicht auch Sulejmani oder Karaman einen Kaderplatz bekommen könnten.

 

Im Gegensatz zum Pokalspiel dürfte Hannover nicht mit der Prämisse ins Spiel gehen, den Ballbesitz zu beherrschen und die Schalker Verteidigung zu knacken. Dadurch relativiert sich auch die Anfälligkeit der Viererkette, weil sie nicht so hoch stehen wird. Stattdessen dürfte das “schnelle Umschaltspiel” (vermutlich mein Lieblingstrinkspiel bei Kommentatoren diese Saison) greifen, so dass die vier Offensiven auf die nicht sehr sattelfeste Schalke-Verteidigung zulaufen kann. Zumindest war das das Dresdener Konzept am Montag und dabei sah Schalkes Viererkette wenn dann so mittelgut aus.

Was vermutlich besser aussehen wird, ist die Unterstützung der Schalker Auswärts-Fans. Wie zu lesen war, werden Schalke 04 und die Ultras Gelsenkirchen beim Spiel eine gemeinsam geplante Choreographie durchführen. Aus Hannoveraner Sicht aktuell ein unglaublich utopisches Unterfangen. Es wird also zumindest keine Stimmung wie in Walldorf werden, eher wird es stimmungsmäßig ein Schalker Heimspiel. Es würde mich sehr wundern, wenn die Heim-Fans da etwas entgegenstellen können.

 

Der Nachwuchs

Dort werden wahrscheinlich unsere Ultras sein. Auf Auswärtsfahrt nach Bremen, zu Werders zweiter Mannschaft. Nach den Meldungen und Sommerloch-Vorstößen des Bremer Senats zu Polizeieinsätzen bei Fußballeinsätzen bin ich mir sicher, dass ein paar hundert 96-Ultras in der Regionalliga in Bremen nicht mit komplett offenen Armen empfangen werden. Es war vom Bus-Shuttle ab Hauptbahnhof zu lesen, überraschen würde es nicht. Das Team selbst möchte den guten Saisonstart natürlich fortsetzen und den Kontakt zur Spitze halten. Es wird eine enge Partie, die morgen Mittag um 13h angepfiffen wird.

 

Und sonst?

Adrian Nikci International! Europapokal!

Joseluuuu!

Joseluuuuu…

Jaja, ich weiß schon. Eigentlich ging die meiste Zeit heute morgen dabei verloren, irgendeine Knaller-Überschrift mit “5-Sterne-Performance” und “Walldorf Astoria” zu finden. Aber das wäre ja nicht nur zu bemüht, sondern auch noch schlichtweg gelogen. Das Spiel war… puh… sagen wir mal so souverän wie letztes Jahr in Hamburg. Deswegen stattdessen mein neuer Ohrwurm.

 

Aber der Reihe nach: Die Mannschaft stellte sich auf wie vermutet:

Zieler – Pander, Schulz, Marcelo, Sakai – Andreasen, Schmiedebach – Prib, Stindl, Bittencourt – Joselu.

Bei der Bank lag ich auch nur einmal daneben: Statt Valmir Sulejmani war Maurice Hirsch mit dabei. Trotzdem wurde es kein so unterhaltsames 3:1 wie gegen Lazio. Insbesondere die sehr hoch stehende Abwehrkette war äußerst anfällig, wenn das Mittelfeld im Aufbauspiel den Ball verlor. Walldorfs schnelle Angreifer konnten die Schnittstellen gut nutzen, daraus entstanden zunächst der Pfostenschuss beim Stand von 0:0 und dann Marcelos Platzverweis kurz vor der Halbzeit. Ich hatte mich bereits während des Spiels gefragt, ob es so sinnig ist, bei einer solchen Taktik die langsamsten Spieler in der Innenverteidigung stehen zu haben. Zwar ist davon auszugehen, dass wir nicht die Mehrheit der Bundesliga-Spiele so beginnen werden, aber Sorgen macht es schon.

Nach vorne ging es zunächst nicht schlecht, nur die Präzision im Abschluss ließ zunächst auf sich warten. Auch Christian Panders oft hoch gelobten Hereingaben erinnerten mehr an Kocka Rauschs Glanzzeiten und der Streuweite einer Schrotflinte. Immerhin fand eine Freistoßflanke den Kopf von Joselu zum 1:0. Das erste von hoffentlich zahlreichen Pflichtspieltoren für Hannover 96. Eigentlich hatte er vor der Pause schon das 2:0 nachgelegt, doch das Schiedsrichtergespann fällte seine erste Fehlentscheidung und gab den Treffer wegen Abseits nicht.

Im Gegenzug gab Marcelo dann alles daran, seinen Kritikern Feuer zu geben. Zwar war er an dieser Situation nicht allein schuldig, aber wie er sie dann versuchte zu lösen, war durchaus zweifelhaft. Rot war 100% korrekt für diese amateurhafte Grätsche 20m vor dem eigenen Kasten. Die Befürchtung, Korkut könnte nun Felipe einwechseln, zerstreute der Trainer glücklicherweise, indem er Andreasen in die Viererkette zurückzog. Stindl ließ sich ebenfalls etwas weiter zurückfallen.

 

Nach der Pause kam es zum verdienten Ausgleich. Erst streckte Christian Schulz mit einer Grätsche zwei Angreifer nieder, wofür ich ihm noch sehr dankbar war. Als beim anschließenden Freistoß aber die ganze Abwehr pennte, stand das Erreichen von Runde 2 auf einmal auf wackligen Füßen. Das Selbstvertrauen der Mannschaft war angeknackst und wenn 96 mal in den gegnerischen Strafraum kam und gefoult wurde, entschied der Schiedsrichter auf weiterspielen. Zweimal.

Als Walldorf die Kräfte ausgingen, drosch “local hero” Lars Stindl den Ball erst volley in den Winkel, dann legte Joselu seinen zweiten Treffer nach. Ab dann durften auch Albornoz und Gülselam ihre ersten 96-Pflichtspielminuten ableisten und Schlaudraff kam zum Zeit schinden.

Insgesamt keinesfalls eine überzeugende Leistung. Sowohl auf als auch neben dem Platz. Ein Hauch von Kreisliga wehte durch Walldorf. 500 96-Fans sollen dagewesen sein, gehört habe ich ungefähr 15. Während die Ultras im Beekestadion waren, herrschte im Auswärtsblock von Walldorf friedliche Stille. Selbst nach den erlösenden Toren wurde nichts angestimmt, das war traurig.

 

Im angesprochenen Beekestadion spielte mittags die U23 und gewann ungefährdet mit 3:0 (2:0) gegen den Lüneburger SK. Bähre, Ernst und Sané trafen für die Reserve, die sich damit auf Rang 4 der Regionalliga Nord verbessert.

 

Was machen die Ehemaligen?

West-Brom-Fans sind schwer beeindruckt mit Sebastien Pocognoli. Der Belgier zeigte beim 2:2 zum Auftakt gegen Sunderland eine ansprechende Leistung, den Stammplatz scheint er sicher zu haben. Das freut mich sehr für ihn, ich denke der englische Fußball passt zu ihm.

Mame Diouf durfte 70 Minuten für Stoke gegen Aston Villa spielen und trat bei der 0:1-Niederlage nicht weiter in Erscheinung.

Szabi holte gegen Shanghai einen Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen Shanghai heraus. Durch schlechte Abwehrleistungen wurde es ein 1:2.

Pflichtspielstart

Es kann losgehen! Morgen beginnt endlich wieder der Ernst des Lebens. Oder so. Leider am komplett falschen Ende der Republik. Nun gut, die erste Pokalrunde ist ja eigentlich keine große Hürde. Selbst 96 hat es geschafft, Wismar, Nöttingen und Victoria Hamburg in aufeinanderfolgenden Jahren ohne größere Mühe zu schlagen. Und das war bei der generellen Auswärts…”anfälligkeit” beileibe keine Selbstverständlichkeit. (Letzten Sommer in Hamburg war tolles Wetter, aber das Spiel? Puh…)

Auf der gestrigen PK vor der Partie ging es eigentlich kaum um das bevorstehende Aufeinandertreffen mit Walldorf. Das lag vor allem daran, dass Haudegen Marius Stankevicius vorgestellt wurde und pflichtbewusst seine drei Fragen beantwortete. Andererseits ging es auch viel um den neuen Mannschaftsrat um Kapitän Stindl, Vertreter Schulz und Andreasen, sowie Schlaudraff und Zieler.

Zum morgigen Spiel gab es dann eigentlich nur die Routine-Geschichten abzuklappern, die man halt so fragt, wenn man einen unterklassigen Gegner besucht und der eigene Trainer aus der Ecke kommt. Große Sensation: Korkut nimmt das Spiel ernst und will gewinnen! Und weil er den gegnerischen Trainer kennt, hat er sogar mal mit ihm gesprochen! Sachen gibts…

Wer genau im Kader steht, ist noch ein bisschen unklar. Die Woche über gab es ein paar Krankmeldungen und Verletzungssorgen, von denen die meisten aber nicht so schlimm waren. Auch der vermutete Muskelfaserriss bei Hiroshi Kiyotake stellte sich als Zerrung heraus. Am Wochenende fällt er damit aber trotzdem aus. Karaman hat dicke Mandeln und wird das zuhause auskurieren, Sobiech schafft es mit gereizten Bauchmuskeln vermutlich auf die Bank. Kapitän Stindl hat einen Schlag im Training abbekommen, aber Lars wird es sich am Samstag nicht nehmen lassen, das Team aufs Feld zu führen.

Nimmt man das Team von der Saisoneröffnung gegen Lazio als Gradmesser, stellt sich 96 wie folgt auf: Zieler – Pander, Schulz, Marcelo, Sakai – Andreasen, Schmiedebach – Prib, Stindl, Bittencourt – Joselu. Zwar steht in dieser Aufstellung mit Joselu nur einer der zahlreichen Neuzugänge, aber mehrere sind in harter Konkurrenz. Albornoz liegt meiner Meinung nach mit Pander gleichauf, Gülselam ist eine einsatzbereite Alternative auf der 6er-Position, Kiyotake ist (wenn er wieder fit ist) auf allen Positionen der offensiven Dreier-Reihe einsetzbar und dazu zeigte auch Routinier Schlaudraff Anzeichen von Form. So tippe ich bei der Bank auf Almer, Albornoz, Felipe, Gülselam, Schlaudraff, Sulejmani und Sobiech.

Über Walldorf weiß ich ziemlich wenig, außer dass Bekannte in der Nähe wohnen und Hoffenheim anderthalb Dörfer weiter ist. Den Rest findet jeder bei Wikipedia, sollte man einen Ausflug planen. Das Stadion scheint für die Regionalliga-Bedürfnisse des Vereins zu reichen, in der Tabelle steht der Klub nach drei Spieltagen bei vier Punkten auf Platz sieben. Ich denke man tritt dem Verein nicht zu nahe, wenn man ihn jetzt nicht überanalysiert.

Die Jungs in der zweiten Mannschaft waren ja am Montag Nachmittag bei der Wolfsburger Reserve zu Gast und wurden dort von zahlreichen Fans unterstützt. Am Ende stand es gegen den Vorjahresmeister nach Rückstand 1:1, was laut Berichten ein glücklicher Punkt für den Gastgeber war. Somit geht es morgen um 13:00 weiterhin ungeschlagen gegen den Lüneburger SK, der seinerseits noch ohne Sieg ist. Besonders interessiert mich dabei, wie viele Fans das Spiel anlockt, wenn kurz danach im Südwesten das Pokalspiel angepfiffen wird. Da wird sich zeigen, wie viele Fans tatsächlich zuhause bleiben um die U23 anzufeuern. Ein erster Gradmesser für das abgegebene “Versprechen”.

Und sonst?

Szabi hat schon wieder getroffen. Er schoss das 2:1 beim 3:2-Auswärtserfolg bei Shanghai Shenhua und damit spielt er nun auch in Chinas Super League im namenlosen Tabellenmittelfeld. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Junge da nicht glücklich wird, aber ein Auge drauf werfen kann man ja immer wieder mal.

Ach ja: Adrian Nikci spielt immer noch Europa League. Ab kommender Woche in den Playoffs gegen Debrecen aus Ungarn. Er kommt rum in der Welt.

Vorbereitung – no news are good news

Die Vorbereitung läuft, das erste Trainingslager ist vorbei und man hört so gut wie nichts vom Verein. Nun gut, das Übliche gibt es natürlich: Jede Menge Testspiele, deren Ergebnisse sofort über-, unter- oder sonstwie bewertet werden müssen, Interviews auf dem Vereinschannel bei YouTube, ein paar lauwarme Gerüchte über weitere Verstärkungen.

 

Aber ansonsten?

Mit Grausen denkt man an die letzte Sommer-Vorbereitung zurück. Damals gab es teilweise stündlich eine neue Meldung, dass ein weiterer Spieler nun mit Muskelfaserriss vorerst pausieren müsse. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger scheint Korkut mit seinem Trainerteam das Ganze ausgewogener zu gestalten. Bis auf André Hoffmann und ein paar Ersatzkeeper können alle mittrainieren, auch der Weltmeister ist wieder an Bord.

Weltmeister Ron-Robert Zieler.

Klingt immer noch komisch, wird es wohl immer bleiben. Mal sehen, ob er mit dem neuen Kader was anfangen kann, immerhin sind seit seinem letzten Arbeitstag beim Verein genug Kollegen gegangen und neue dazugekommen. Die Hoffenheimer Fraktion, die Jungs aus der A-Jugend, dazu Gülselam, Rankovic, Albornoz, Kiyotake und natürlich der neue Vertreter Almer. Die haben sich in Österreich wohl schon gut zusammengefunden, aber stimmungstechnisch ist RRZ ja nun spätestens seit dem Campo Bahia Experte. Daran wird es nicht scheitern.

Stindl ist jetzt offiziell Kapitän und hat Szabis Nummer 10 übernommen. Bei den Testspielen ist es durchaus ungewohnt, Kiyotake mit der 28 zu sehen, aber das wird sicherlich noch. Insgesamt ist der Eindruck aus diesen ganz gut. Unsere Elfmeter haben wir zwar fast alle grausam verschossen, die Chancenverwertung war stellenweise auch nur so mittel, aber insgesamt sahen die Erst-, Zweit- und Drittbesetzungen positiv aus.

 

Der Nachwuchs

Die U23 ist ganz ordentlich in die Regionalliga-Saison gestartet. Erst ein 1:1 bei Oldenburg, dann ein 1:0 gegen Weiche Flensburg bedeuten vier Punkte und Platz 5. Kommenden Montag geht es dann gleich zum Titelverteidiger und Aufstiegsspielverlierer aus Wolfsburg. Mal sehen, wie die Kids weitermachen und inwieweit die Unterstützung von den Rängen im Laufe der Saison so bleibt wie vor dem Bundesligastart. Lautstark und bunt war es dem Vernehmen nach ja durchaus.

 

Was fehlt?

Szabi turnt in China auf den schlimmsten Dorfäckern rum. Ich hab mir die ersten drei Spiele angesehen, die Fußballsucht schlägt einfach immer wieder zu, da kann man nichts machen. In den ersten beiden Spielen eingewechselt und ohne große Wirkung, durfte er im Einsatz am Wochenende zu Matchwinner gegen Tabellenführer Guangzhou Evergrande avancieren, als er in der 81. Minute frei vor dem Keeper cool blieb und zum 2:1 abschloss. Angesichts der Gesamtqualität des Teams bin ich mir aber nicht sicher, wie lange er sich die Liga antut. Vielleicht geht’s ja auch noch mal in die Golfregion…

Ach ja:

Adrian Nikci spielt Europa League. Mit Young Boys Bern. Immerhin einer.