3/34 – Runkel

Tradition schon seit Jahren,
es wird hingefahren,
dem Sieger winkt Wonne und Huld.
Bei Sonne, bei Regen,
in Gärten, auf Wegen,
wers Ziel nicht trifft, ist selber Schuld.

Erst Grillen, dann schießen,
den Glücksgott begießen,
es ist ja nur halbwegs ein Spiel.
Bei Kaffee und Kuchen
begann dann das Fluchen,
weil das Zielobjekt einfach nicht fiel.

Um fünf dann das Ende,
ein Traumschuss – behände –
der Seriensieger obenauf.
Als Außenseiter ganz achtbar,
2019 kein Stress mit dem Nachbar.
Auswärts nimmt es erneut seinen Lauf.

Was, Fußball war auch dran?
Parallel im Zeitplan?
Davon habe ich nichts gesehn.
Die Runkel war wichtig,
Rasenball nichtig.
Doch beim Glubb wird ein Wunder geschehn.

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2/34 – Kopfball

Das Alu als Retter,
am Tor und am Treter,
man danke dem Stoff aus Bauxit.
Ansonsten viel Leere,
Geschiebe, Gequere,
Pyrorauch, der umständlich verzieht.

Im Fokus ein Kopfball,
ganz abseits der Vorfall:
Ein viral folgenreiches Duell.
Wie Schmelzer und Maina,
der Gegner kaum einer,
zu langsam, nur einer war schnell.

Ein Schnitt auf die Tribüne
statt aufs welkende Grüne
und schon war das Wunder geschehn,
dass wir Bilder von dieser
Partie – ziemlich mieser –
noch im Spieltagsrückblicke sehn.

Nach der Länderspielpause,
vor der jeder sich grause,
ist Leipzig die nächste Station.
Profi Henne wird wirbeln,
Bälle in den Knick zwirbeln
und drei Punkte sind dafür der Lohn.

Türchen #22

Es geht aufs Ende. Nur noch drei Türchen öffnen, dann ist Heiligabend. Apropos Türchen: Die Torhüter kamen in diesem Adventskalender etwas kurz, nur Daniel Haas war bislang vertreten, dafür prominent an erster Stelle. Heute ist dann der zweite Keeper des Kalenders dran. Der erste Sievers-Nachfolger, der 22-mal in der Bundesliga zwischen den Pfosten der 96er stand.

 

Türchen #22: Gerhard Tremmel

Ebenso wie gestern Benny Lauth ist auch Gerhard Tremmel Bayer, allerdings ist Tremmel knapp drei Jahre älter. Und während Lauth immer für 1860 in der Jugend spielte, probierte sich Tremmel als Münchener munter durch alle Jugendmannschaften. In ganz jungen Jahren beim FC Bayern, zwischendurch bei 1860 und dann schließlich als es ernst wurde bei der SpVgg Unterhaching, wo er auch in den Profifußball einstieg.

Der erste Einsatz kam völlig unerwartet am 28. Spieltag der Saison 1999/00 gegen 1860 München. Nach dem letzten Spiel hatte sich Stammtorhüter Jürgen Wittmann verletzt und Trainer Lorenz-Günther Köstner vertraute dem 21-Jährigen, der zuvor bei der zweiten Mannschaft in unterklassigen Ligen gespielt hatte. Zu dem Zeitpunkt stand Haching zwar auf Platz 11, aber nur vier Punkte vor den Abstiegsrängen. Mit elf Punkten aus den verbleibenden sieben Spielen hielt man aber locker die Klasse und sorgte mit einem 2:0-Sieg am letzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen sogar noch dafür, dass diese auf Platz 2 rutschten und die Bayern Meister wurden.

Die ersten beiden Spiele der Saison 2000/01 übernahm wieder Wittmann, allerdings war Tremmel in Unterhaching zum Liebling avanciert und beerbte den Veteranen am 3. Spieltag. Trotz acht Spielen ohne Gegentor musste Tremmel zum Saisonende als 16. mit Haching in die zweite Liga absteigen. Dort konnte der Verein den Abwärtstrend nicht aufhalten und während Hannover 96 als Tabellenerster aufstieg, musste Unterhaching nach nur einer Zweitligasaison den Weg in die Regionalliga Süd antreten.

96

Für Gerhard Tremmel ging es für eine Ablösesumme von 200.000 Euro zum Aufsteiger aus Hannover und sollte dort die Nummer 2 hinter Jörg Sievers sein, der zur Belohnung seiner langen und ruhmreichen Karriere noch Bundesligaluft schnappen durfte. Als 96 vor dem 17. Spieltag auf Platz 16 rangierte, entschloss sich Ralf Rangnick, dem jungen Gerhard Tremmel eine Chance in der Rückrunde zu geben. Dafür durfte Sievers am 34. Spieltag noch ein paar Sekunden zum Abschied spielen. Mit Tremmel im Tor kassierte Hannover nur 24 Tore in der Rückrunde und belegte am Ende einen guten 11. Rang.

Als Nummer 2 hinter Tremmel wurde Marc Ziegler vom BVB ausgeliehen, doch in den ersten vier Partien leistete sich Tremmel einige Patzer. Beim 3:3 gegen den FC Bayern ging mindestens ein Tor auf seine Kappe und auch gegen Leverkusen (0:4) und Rostock (3:3) wackelte er bedenklich, so dass von nun an Ziegler der Stammkeeper war und Tremmel auf die Bank musste.

Richtung Osten

Nachdem für Tremmel die Zukunft dadurch verbaut wurde, dass man nun Robert Enke holte, ging der 25-Jährige in die Hauptstadt zu Hertha BSC. Dort war er aber hinter Christian Fiedler ebenfalls die klare Vertretung auf der Bank und durfte erst in der Saison 2005/06 fünf Saisonspiele machen, darunter ein 2:2 am 1. Spieltag gegen Hannover 96. Trotzdem verbrachte er zu viel Zeit auf der Bank und langsam kam er in das „beste Torwartalter“. Da meldete sich Energie Cottbus.

Gerade aufgestiegen wollte man sich in der Lausitz den Kader verstärken und den Nachfolger von Tomislav Piplica in Stellung bringen. Diese Situation war im Grunde dieselbe wie damals in Hannover, nur war Tremmel jetzt vier Jahre älter. Während er zum Start nur einmal in der Rückrunde im Tor stehen durfte, übernahm er die Rolle des Stammtorhüters ab dem 11. Spieltag der Saison 2007/08 komplett und spielte ab da jedes Spiel im Cottbusser Tor.

Mit dem Verein ging es aber in den Jahren insgesamt bergab. 2008 konnte man die Klasse noch knapp halten, aber im Jahr 2009 reichte auch die Rettung auf den Relegationsplatz 16 nichts mehr, weil man nach zwei Niederlagen gegen den 1. FC Nürnberg absteigen musste. Tremmel suchte sich einen neuen Verein und bekam auch von Cottbus das Einverständnis. Allerdings fand Tremmel keinen und entschied sich deshalb, in Cottbus zu bleiben. Der Nachfolgekeeper, den Energie schon mal verpflichtet hatte, wurde auf die kommende Saison vertröstet. Nach einer ruhigen Saison, die Cottbus im Mittelfeld der Tabelle beendete, wurde Gerhard Tremmel am letzten Spieltag in der 54. Minute ausgewechselt und er ließ sich ein letztes Mal von den Fans feiern.

Ins Ausland

Denn jetzt zog es den Bayern nach Österreich. Der Meister Red Bull Salzburg mit Trainer Huub Stevens sicherte sich die Dienste des nun 31-Jährigen, der mit Salzburg Europa League gegen Lech Poznań, Juventus und Manchester City spielte. Dazu wurde er mit Red Bull Vizemeister in Österreich hinter Sturm Graz. Nachdem er aber nur einen Ein-Jahres-Vertrag in Salzburg unterschrieben hatte und ihn die Premier League immer gelockt hatte, unterschrieb er im Sommer 2011 bei Swansea City.

Unter Brendan Rodgers spielte Tremmel im FA Cup, wie es auf der Insel bei vielen Vereinen Tradition ist, dass der Ersatztorhüter die Pokalwettbewerbe bekommt. Dies zog sich durch seine Zeit bei Swansea auch unter Nachfolger Michael Laudrup, dazu kam im Februar 2013 sein größter Erfolg als Spieler: Als Überraschungsmannschaft im League Cup besiegte man im Endspiel den Viertligisten Bradford City und so konnte Tremmel mit 34 seinen bislang einzigen Pokal in die Luft strecken.

Ansonsten half er aus, wenn sich Stammkeeper Michael Vorm verletzte und konnte so einige Premier-League-Spiele absolvieren. Nachdem er kurz vor dem Pokalsieg 2013 seinen Vertrag verlängert hatte, rechneten im Sommer 2015 alle Beteiligten mit einem Wechsel innerhalb der Liga oder zurück nach Deutschland. Tremmel erwies sich jedoch als knallharter Pokerspieler und handelte einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag bei Swansea heraus, an dessen Ende er 38 sein wird. Und dafür ist er nun dritter Torhüter und sitzt auf der Tribüne und bleibt natürlich Held in Swansea, weil er der Keeper war, der den Ligapokal nach Wales brachte.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)
Türchen #20 – Clint Mathis (20 Spiele, 5 Tore)
Türchen #21 – Benjamin Lauth (21 Spiele, 0 Tore)

Türchen #21

Die Liste von Stürmern, die Hannover 96 verpflichtet hat, um endlich mal einen Torjäger zu haben und die dann doch nie was wurden, ist lang. Die letzten Namen auf der Liste sind Mevlut Erdinç und Charlison Benschop. Guckt man auf der Liste ein paar Jahre nach oben, so findet man einen Bayern, der im Nachhinein lieber gar nicht erst zu Hannover gekommen wäre.

 

Türchen #21: Benjamin Lauth

Benjamin Lauth ist ein Sechzger durch und durch. Geboren wurde er zwar 1981 in der Nähe des Tegernsees in Oberbayern, aber ab der D-Jugend spielte der Stürmer bei 1860 und durchlief dort alle Jugendmannschaften, bis er mit 19 zunächst bei der zweiten Mannschaft auflief und dort in zwei Saisons in Regionalliga Süd und Oberliga Bayern regelmäßige Einsatzzeiten erhielt. Zwar hatte er in Juniorenzeiten auch immer mal Anfragen von den großen Bayern erhalten, diese aber immer ignoriert oder abgelehnt. Sein Debüt in der Bundesliga gab er am 34. Spieltag der Saison 2001/02 in Mönchengladbach, als er beim 4:2-Sieg für Markus Weissenberger kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Sein erstes Tor schoss er kurz nach seinem 21. Geburtstag am 2. Spieltag der folgenden Saison bei Hannover 96, wo er als Joker das 3:1 in der Schlussminute besorgte. Bis zum ersten Spiel von Beginn an musste er aber noch bis zum 6. Spieltag warten, danach war er aus dem Angriff der „Löwen“ nicht mehr wegzudenken.

Zwischen 2003 und 2004 durfte Benjamin Lauth als Nachwuchsspieler auch fünfmal in der Nationalmannschaft bei Freundschaftsspielen mitspielen. Er stand bei diesen Testspielen aber nie in der Startelf und traf in dieser düsteren Nationalelfzeit auch kein Tor.

In seiner ersten kompletten Bundesligasaison schoss er 13 Tore und legte sieben weitere vor, dazu kamen in der Saison 2003/04 noch einmal neun Tore und zwei Assists. Diese reichten aber nicht, um den Abstieg zu verhindern. Lauth wäre gerne länger bei 1860 geblieben, sah aber ein, dass der Verein ihn nicht halten konnte und deswegen wechselte der Stürmer für über 4 Millionen Euro zum Hamburger SV.

Im Norden

Sein erster Einsatz für den HSV kam im Pokalspiel gegen den SC Paderborn, Schiedsrichter war ein gewisser Robert Hoyzer. In der Liga kam er die Woche darauf am 3. Spieltag von der Bank zu seinem Heimdebüt und schoss gleich den 4:3-Siegtreffer gegen den 1. FC Nürnberg. Danach war Lauth wegen einer Knöchelverletzung jedoch zu einer Zwangspause gezwungen und konnte erst zur Rückrunde wieder auflaufen. In dieser traf er noch drei weitere Male und hoffte auf eine bessere zweite Saison. Trainer Thomas Doll vertraute dem Stürmer in der Saison 2005/06 regelmäßig, im UEFA-Cup schoss Lauth zwei Tore, darunter auch beim Achtelfinal-Aus gegen Rapid Bukarest. In der Liga stand er 31-mal auf dem Rasen, konnte aber nur sechs Tore erzielen. Hamburg wurde Dritter in der Liga und qualifizierte sich gegen Osasuna für die Gruppenphase der Champions League. Dort reichte es für Lauth gegen ZSKA Moskau und den FC Arsenal für zwei Kurzeinsätze.

In der Liga wurden die Einsatzzeiten immer geringer, nur zweimal durfte er von Beginn an spielen, weitere viermal kam er von der Bank. Zum Jahresende 2006 stand der HSV im Tabellenkeller und Thomas Doll vor der Entlassung. Der HSV verlieh den mittlerweile 26-jährigen Angreifer zum VfB Stuttgart, der zur Winterpause auf Platz 4 stand, vier Punkte hinter Tabellenführer Werder Bremen. Zwar würde niemand behaupten wollen, dass Benny Lauth entscheidenden Anteil am Meistertitel der Stuttgarter 2007 hatte, aber er kam auf elf Kurzeinsätze und traf gegen Alemannia Aachen. Im DFB-Pokal-Finale saß er 120 Minuten auf der Bank und der VfB verlor gegen Nürnberg im Elfmeterschießen.

96

Die Kaufoption wollte Stuttgart nicht ziehen, der HSV den Stürmer aber auch nicht unbedingt behalten, weil sie sich von Lauth mehr erhofft hatten. Und so sprang Hannover 96 ein und überwies 800.000 Euro an die Elbe. Sein erstes Spiel war direkt gegen den HSV, in dem er kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Gegen Karlsruhe am 2. Spieltag stellte ihn Trainer Dieter Hecking in die Startelf. Das war aber einer der wenigen Spieltage, wo Lauth das vergönnt war. Eigentlich saß er nur viel auf der Bank und spielte gelegentlich kurz vor Schluss mit, wie auch am 22. Spieltag, als ihm die Vorlage zum 2:1-Siegtreffer von Szabolcs Huszti gegen Nürnberg gelang.

Lauth sagt selbst, dass er sich die Station in Hannover hätte sparen können, weil einfach nicht viel zusammenpasste. Um der ganzen Geschichte noch einen positiven Spin zu geben, könnte man vielleicht sagen, dass dieses Kapitel ein weiterer Anreiz war, nach Hause zurückzukehren.

Heimwärts

Zur Saison 2008/09 unterschrieb Lauth nämlich wieder beim Kindheitsklub 1860, wo es ihm spürbar besser ging. Zwar spielten die „Löwen“ jetzt 2. Liga, aber Lauth war zuhause. Gleich im ersten Spiel gegen den SC Freiburg traf er, bis zum Saisonende kamen 14 weitere Tore hinzu. Nach einer etwas schwächeren zweiten Saison mit nur sechs Treffern drehte er 2010/11 wieder auf und schoss 16 Tore in 33 Saisonspielen. In all der Zeit bewegte sich der Klub im Mittelfeld der Tabelle, es reichte weder nach oben noch nach unten.

Die gute Form konnte er auch trotz des fortschreitenden Alters weiter halten, in den beiden folgenden Saisons kamen noch einmal elf beziehungsweise zwölf Treffer hinzu. Mittlerweile war Lauth auch fast 32 und so kam es nicht überraschend, dass sich in seiner letzten Saison bei den „Löwen“ 2013/14 die Einsätze verringerten und nach nur drei Treffern der auslaufende Vertrag nicht verlängert wurde.

Ungarn

Für Lauth war das aber noch zu früh zum Aufhören, deswegen wurde er hellhörig, als er einen Anruf von Ferencváros aus Budapest bekam. Sein alter Trainer aus Hamburger Tagen Thomas Doll war dort neuer Coach geworden und suchte ein paar Mitstreiter für das Abenteuer Ungarn. Nachdem sich Lauth mit Gábor Király beraten hatte, konnte dieser ihm Budapest schmackhaft machen. Dazu hatte Doll eine kleine Schar von Bundesligaspielern um sich gesammelt.

In der Saison spielte Lauth noch einmal international, schied aber gegen Rijeka in der Europa-League-Qualifikation aus. In der Liga schoss er sechs Treffer und damit den Verein zum Vizemeistertitel hinter Videoton. Bei den Pokalen wurde aber ordentlich abgesahnt: Ferencváros holte den ungarischen Pokal, den Superpokal und den Ligapokal 2015.

Nach diesem Jahr wartete Lauth mit nun 34 Jahren noch einmal darauf, dass sich ein Verein bei ihm meldete und bei dem er sich vielleicht noch einmal zeigen könnte. Aber auch 1860 wollte ihn nicht ein drittes Mal als Spieler zurückholen und so beendete der Stürmer still und heimlich seine Profikarriere. Er hat genug Pläne, sich als Trainer oder Manager zu probieren, diese wird er jetzt aber langsam und ganz in Ruhe angehen. Er hat ja noch Zeit, bis sein Sohn mit den Sechzgern Champions League spielt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)
Türchen #20 – Clint Mathis (20 Spiele, 5 Tore)

Türchen #18

Wo krankt es wirklich im 96-Spiel? In der Abwehr mit der fehlenden Stabilität? Im Sturm mit der mangelnden Torgefahr? Im Mittelfeld mit der nicht existenten Kreativität? Überall? Nun, im Sommer 2004 hatte Hannover 96 eine grandiose Idee, wie man sich endlich südeuropäische Spielkultur und Spielwitz aneignen könne. Gerade war die EM 2004 in Portugal Geschichte, da zog 96 einen Portugiesen an Land.

 

Türchen #18: Ricardo Sousa

Ricardo André de Pinho Sousa kommt aus einer hochdekorierten Familie. Sein Vater António war in den 80er Jahren mit einer kurzen Unterbrechung Spieler beim FC Porto und stand im Kader, als der Verein im Jahr 1987 den Pokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München errang. Zu dem Zeitpunkt war Sohnemann Ricardo acht Jahre alt und begann gerade in einem Vorort Portos das Fußballspielen.

Als Sohn eines Profis eiferte er es natürlich dem Vater nach und wechselte in der A-Jugend zum großen FC Porto, konnte sich dort aber nicht wirklich durchsetzen. Neben einem Einsatz in der Liga gab es zwei Jokereinsätze in der Gruppenphase der Champions League 1999/00 gegen Molde und Piräus. Stattdessen wurde er öfter mal ausgeliehen, am liebsten zu Beira-Mar südlich von Porto, wo Papa António Trainer war. Dorthin ging es in jungen Jahren gleich dreimal, bevor es im Jahr 2002 endgültig dorthin ging. Als Stammspieler mit elf Treffern überzeugte der nun 24-Jährige, so dass es zurück nach Porto zu Boavista ging. Mit 14 Toren in 32 Spielen beendete Boavista die Saison auf Platz acht. Nachträglich wurde Boavista wegen Schiedsrichterbeeinflussungen in dieser Saison 2003/04 mit einem Zwangsabstieg zur Saison 2008/09 bestraft. Der Rechtsstreit darum zog sich noch über Jahre hin und zur Saison 2014/15 wurde der Zwangsabstieg zurückgenommen und Boavista war wieder erstklassig.

96

Aber zurück zu Ricardo: Zu dieser Zeit war alles noch rosig und Ilja Kaenzig holte den Spieler für 750.000 Euro nach Hannover, um das offensive Mittelfeld zu verstärken. Sein Debüt gab er zum Saisonauftakt 2004/05 bei der 1:2-Niederlage in Leverkusen, konnte in dieser ersten Saison aber nur fünfmal spielen. Nach dem September ging es für Sousa aber sportlich nicht mehr voran, Trainer Ewald Lienen verließ sich auf andere Kräfte.

Deswegen wurde Ricardo Sousa in die Niederlande an den Tabellenletzen De Graafschap an der deutschen Grenze ausgeliehen. Für zehn Spiele versuchte Sousa, den Abstieg zu vermeiden, aber dieser ließ sich nicht mehr aufhalten. Zur neuen Saison 2005/06 versuchte Sousa neu anzugreifen, im Oktober hatte er es fast geschafft, als er am 9. Spieltag gegen den 1. FC Köln bei 4:1 ein Tor per Elfmeter schoss und ein weiteres auflegte. Es gab große Hoffnungen für das anstehende Derby gegen Werder Bremen. Der Auftritt dort dauerte ganze 12 Minuten, dann humpelte Sousa mit einem Muskelbündelriss vom Platz.

Als Sousa wieder fit war, stand mit Peter Neururer ein neuer Trainer an der Seitenlinie und unter ihm gab es neue Einsatzchancen, konnte diese teilweise sehr kurzen Spielzeiten aber nicht entscheidend nutzen. Seinen größten Erfolg schaffte Sousa bei einem Sponsorentermin bei Continental, als er mit Thomas Brdarić und Jiří Štajner ein Kart-Turnier gewann.

Weg von 96

Als klar wurde, dass man ohne ihn plante, ging Sousa mit nun 27 Jahren zunächst leihweise zur Saison 2006/07 zurück zu Boavista, wo er in 16 Spielen zwei Treffer erzielte. Obwohl er noch ein Jahr Vertrag in Hannover hatte, wurde dieser im Einvernehmen mit dem neuen Manager Christian Hochstätter aufgelöst und Sousa machte sich auf nach Nikosia zum AC Omonia. Viele Spiele machte er dort aber nicht, ein paar UEFA-Pokal-Spiele in der Qualifikation aber ansonsten in der Liga eher wenig. Umso erstaunlicher war es, dass Jörn Andersen, Trainer von Kickers Offenbach, im Januar 2008 von einem „echten Wunschspieler“ sprach, der dem Team im Abstiegskampf der 2. Bundesliga helfen sollte. Das gelang eigentlich ganz gut, in 16 Spielen traf er einmal und bereitete fünf Tore vor und alles sah gut aus für Offenbach, bis man am letzten Spieltag 0:3 gegen den Konkurrenten VfL Osnabrück verlor und noch von Platz 12 auf Platz 16 stürzte und direkt abstieg.

Es ging zurück nach Portugal in deren zweite Liga, natürlich zu Papa António, der mal wieder den Job in Beira-Mar übernommen hatte. Nach sechs Spielen dort in der Hinrunde ging es zu União de Leiria, mit denen er in die 1. Liga wieder aufstieg. Sein Anteil darf mit vier Kurzeinsätzen aber als gering eingestuft werden.

Mit 30 Jahren zog es ihn kurioserweise in die Slowakei zum NK Drava Ptuj, wo er es bis zum Ende Oktober 2009 aushielt, aber nach sechs Spielen war ihm dieses Abenteuer auch genug. Er blieb bis zum Saisonende 2010 vereinslos, bevor er sich noch einmal in der zweiten portugiesischen Liga die Schuhe für UD Oliveirense schnürte. Nach ein paar Spielen bei unterklassigen Vereinen beendete er seine Spielerkarriere und übernahm das Traineramt bei seinem Jugendverein A.D. Sanjoanense in der dritten Liga.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Ab Januar 2008 probierte sich Sportinvalide Valérien Ismaël in 18 Spielen noch einmal als Fußballer in der 96-Innenverteidigung, nachdem er mit Bremen und Bayern Doublesieger geworden war. Nachdem im September 2008 er aber wieder verletzt war, beendete er seine Karriere und wurde dann Trainer: Erst von Hannover II, dann von Wolfsburg II. Beim 1. FC Nürnberg scheiterte seine erste große Trainerchance sehr schnell, deswegen ist er nun wieder Trainer bei Wolfsburg II.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)

Türchen #16

Wäre das nicht toll, im Winter einen Stürmer zu verpflichten, der in der Rückrunde mit ein paar Toren dafür sorgen könnte, dass man nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hat? Der eine kurzfristige Lösung ist, dann aber zurück zum Ligakonkurrenten geht und dort in der zweiten Mannschaft rumgurkt? Gibt’s nicht? Gibt’s wohl! Vorhang auf für…

 

Türchen #16: Artjoms Rudņevs

Geboren zu Zeiten der Sowjetunion war Rudņevs Familie Teil der russischstämmigen Bevölkerung in Lettland. Seine Heimatstadt Daugavpils (auf Deutsch „Schloss an der Daugava“) ist die zweitgrößte Stadt Lettlands, von den knapp 100.000 Einwohnern sind die Hälfte der Einwohner Russen. Dort, im Süden des Landes kurz vor den Grenzen Weißrusslands und Litauens, wuchs Artjoms auf und spielte bei seinem Heimatverein in der Jugend.

In Lettlands Virslīga gilt auch der Spielplan nach der kalendarischen Saison. Mit 18 Jahren gab Rudņevs dort sein Debüt bei damals noch Ditton Daugavpils. Ende 2006 stieg ein russischer Investor ein, benannte den Verein in Daugava Daugavpils um. Dazu baute er ein neues Stadion. Sein erstes Tor schoss Rudņevs in der ersten Saison im Derby gegen Dinaburg Daugavpils beim 3:1-Sieg.

Nachdem es in der Liga dreimal zu fünften Plätzen reichte konnte Rudņevs mit 20 Jahren das erste Mal einen Pokal in den Himmel strecken, als Daugava im Finale des Lettischen Pokals den FK Ventspils mit 3:0 im Elfmeterschießen schlug. Den entscheidenden Elfmeter versenkte Rudņevs.

Nachdem vor der Saison 2009 große finanzielle Probleme bei Daugava auftauchten und man sich gezwungen sah, mit dem Stadtrivalen Dinaburg zu fusionieren und unter deren Namen weiterzuspielen. Rudņevs nahm jedoch den nächsten Schritt und spielte ab dem Winter 2009 in Ungarn.

Osteuropatournee

In der Nemzeti Bajnokság (NB I.) spielte Rudņevs nach einer gewissen Eingewöhungszeit die letzten vier Spiele für den Tabellenvierten Zalaegerszegi aus dem Westen Ungarns. In den vier Spielen knipste er aber direkt zweimal gegen Siófok. In der Saison 2009/10 legte er noch einmal nach und schoss 16 Tore in 25 Partien, legte dazu noch sechs Tore auf. Damit wurde „ZTE“ Tabellenfünfter konnte aber dennoch den europäischen Wettbewerb erreichen, weil man im Pokalfinale gegen Meister Debreceni verlor.

In der Qualifikation für die Europa League ging es im Sommer 2010 gegen KF Tirana, Rudņevs spielte das zweite Spiel komplett, musste aber nach 120 Minuten durch ein Tor in der Verlängerung die Segel streichen. Nur wenige Tage später verließ Rudņevs Ungarn und wechselte nach Polen zu Lech Poznań. Der polnische Meister suchte noch Spieler für den Sturm, dazu war er trotz des Spiels für „ZTE“ in Europa spielberechtigt.

Sein Auftakt verlief komplett nach Maß, traf beim Debüt von der Bank, insgesamt schoss er in seiner ersten Saison elf Treffer. Am Ende stand Poznań auf Platz 5 und verlor das Pokalfinale im Elfmeterschießen – Rudņevs traf seinen jedoch. Noch besser lief es in Europa: Im ersten Gruppenspiel gegen Juventus Turin schoss der Lette einen Hattrick und war damit für das 3:3-Endergebnis im Grunde alleine verantwortlich. Ein weiteres Tor gegen Juve im 1:1 im Rückspiel und ein Tor im Sechzehntelfinale gegen Braga zeigten nur auf, wie gut die kommende Saison werden würde.

Nach ersten Nominierungen schon während seiner frühen Zeit in Lettland häuften sich Rudņevs Auftritte für die Nationalmannschaft während der Zeit in Polen. Im Jahr 2011 schoss Rudņevs in der EM-Qualifikation gegen Malta seinen bislang einzigen Treffer für Lettland. Durch Interviews in der Heimat machte er sich als russischstämmiger Spieler unbeliebt, als er behauptete, man müsse nicht besonders gut Lettisch sprechen um für Lettland zu spielen. Später revidierte er das, aber der Schaden war angerichtete.

In der Saison 2011/12 landete Poznań zwar nur auf Platz 4, aber Rudņevs lief richtig heiß. 22 Treffer in 29 Spielen bedeutete ein einsames Rennen in der Torjägerliste, insgesamt schoss er in dieser Saison vier Hattricks. Klar, dass da auch die deutschen Vereine auf ihn aufmerksam wurden, nachdem vor ihm ein gewisser Robert Lewandowski Torschützenkönig geworden war.

Deutschland

Für 3,5 Millionen Euro holte der Hamburger SV den „nächsten Lewandowski“ an die Elbe und Rudņevs machte in seiner Startsaison in der Bundesliga keinen schlechten Eindruck. Mit 12 Treffern in der Saison 2012/13 schickte er den HSV auf Platz 7, nur knapp an der Europa League vorbei. Als der HSV in der Folgesaison zur Überraschung aller die erste Pokalrunde überstand, hatte „Rudi“ zwei Treffer gegen Schott Jena erzielt. In der Liga tauchte Rudņevs nun aber immer seltener auf. Das hatte natürlich auch mit den dann wieder öfter wechselnden Trainern zu tun. Unter Thorsten Fink hatte er noch gespielt, unter van Marwijk war er dann zu Kurzeinsätzen gezwungen. Klar, dass er dann zur Leihe nach Hannover kommen wollte.

Leihzeit

Für den neuen Trainer Tayfun Korkut hatte sich Dirk Dufner ein neues Präsent überlegt, um den Nichtabstieg in der Saison 2013/14 zu schaffen. Mit 18 Punkten in der Hinrunde – alle im Niedersachsenstadion geholt – hatte Mirko Slomka die Interviews von Martin Kind nicht überlebt und musste zum Jahresende gehen.

Rudņevs schlug ein wie eine Bombe, schoss in den ersten beiden Rückrundenpartien gegen Wolfsburg und Gladbach Tore, dazu kamen noch Treffer gegen Leverkusen und Freiburg am letzten Spieltag. Viel wichtiger war aber vielleicht seine Leistung gegen den HSV, als er einen Treffer auflegte und mit dem 2:1-Sieg Korkuts Job vorerst rettete. Trotz der vier Tore und insgesamt vier Vorlagen wurde die Kaufoption nicht gezogen und er kehrte mit nun 26 Jahren zurück nach Hamburg.

Zurück

In der letzten Chaos-Saison 2014/15 hatte Rudņevs beinahe mehr Trainer als Spiele. Unter Slomka gab es Kurzeinsätze, Josef Zinnbauer gab dem Letten ein paar mehr Chancen – unter ihm schoss er auch sein einziges Saisontor beim Derby-Sieg gegen Werder Bremen. Unter Peter Knäbel stand Rudņevs gar nicht im Kader, aber zum Saisonende unter Bruno Labbadia hatte er wieder Einsatzzeiten.

Die hat er in dieser Saison aber nur noch in der 2. Mannschaft des HSV. In fünf Partien in der Regionalliga Nord traf er dreimal und wartet darauf, dass der Vertrag im Sommer 2016 ausläuft und er bei einem neuen Verein wieder knipsen kann.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)

Türchen #12

Die Kunstform des „Aggressive Leader“ ist in den vergangenen Jahren ja etwas aus dem Fokus der Bundesliga verschwunden. Zwar gibt es noch den einen oder anderen defensiven Mittelfeldspieler, der gerne einmal austeilt, aber im Mannschaftsgefüge spielt er eher eine untergeordnete Rolle. Hinter diesem Türchen steht nun ein solcher Anführer, der bei Hannover 96 Mannschaftskapitän wurde und sich im Laufe seiner Karriere mit eigentlich jedem Trainer überwarf.

 

Türchen #12: Hanno Balitsch

Hanno Balitsch kommt aus Alsbach in Hessen, etwas südlich von Darmstadt und auf dem Weg Richtung Mannheim. In der Jugend war er ein komplettes sportliches Multitalent: Mit fünf Jahren begann er das Fußballspielen im Dorfverein, im Gymnasium in Bensheim trat er der Leichtathletik-Leistungsgruppe bei und durchlief alle Wettkampfmannschaften bei „Jugend trainiert für Olympia“. Als dreimaliger Hessenmeister fuhr er mit der Mannschaft zum Bundesfinale nach Berlin, lief die Staffel und schleuderte den Speer. Bis zur B-Jugend blieb er Leichtathlet, qualifizierte sich für die 300-Meter-Hürden bei den deutschen Jugendmeisterschaften und wurde Hessenmeister im Hochsprung. Fußball war zu dem Zeitpunkt zunächst noch Ausgleich, als Balitsch jedoch merkte, dass ihn das Leichtathletik-Training im Fußball weiterbrachte, blieb er beim Ballsport.

1998 wechselte er zu Waldhof Mannheim, weil es dort im Vergleich zum näher gelegenen Darmstadt die bessere fußballerische Weiterentwicklung gab. Er debütierte in der U16-Nationalmannschaft und durchlief auch die weiteren Jugendnationalteams, teils als Kapitän. Bei Waldhof Mannheim debütierte er als 19-Jähriger in der 2. Liga gegen den VfL Bochum im April 2000, kurz vor seinem Abitur. In der darauf folgenden Saison 2000/01 spielte der Youngster in 25 Zweitligaspielen und verpasste mit Waldhof den Aufstieg in das Bundesliga-Oberhaus nur um einen Punkt.

Sprung in die 1. Liga

Mit 20 Jahren wechselte Balitsch zum 1. FC Köln um Erstligaluft zu schnuppern und die Karriere nach vorne zu befördern. Hier machte er 24 Spiele, zum Saisonende stand der Effzeh aber auf Platz 17, welcher den Abstieg in die 2. Liga bedeutete. Da meldete sich der Nachbar aus Leverkusen, der gerade die Vizekusen-Saison hinter sich hatte und neues Spielermaterial brauchte. Trotz der großen Konkurrenz im Leverkusener Kader wurde Balitsch Stammspieler, auch wenn er immer häufiger als Innenverteidiger eingesetzt wurde. In der ersten Saison wäre man sogar beinahe abgestiegen, konnte das Ruder gerade noch herumreißen. Die Saison 2003/04 verlief da schon erfolgreicher, ohne die internationale Doppelbelastung wurde man Tabellendritter. Mit Leverkusen spielte Balitsch in der ersten und dritten Saison Champions League, spielte in Haupt- und Zwischenrunden gegen Manchester United, FC Barcelona, Real Madrid und einige mehr. Im März 2003 machte Balitsch sein einziges Länderspiel für Deutschland, als er bei einem Freundschaftsspiel gegen Spanien auf Mallorca eingewechselt wurde.

Als er in der Hinrunde 2004/05 aber kaum noch eingesetzt wurde, wechselte er in der Winterpause zu Mainz 05, wo er unter Jürgen Klopp seine Spielzeiten wieder zurückerlangte und Stammspieler wurde. Dazu spielte er wieder konstant im defensiven Mittelfeld und konnte so seine Qualitäten als harter und konsequenter Abräumer unter Beweis stellen.

96

Im Sommer 2005 holte Ewald Lienen den nun 24-Jährigen  Hessen nach Hannover, Lienen hatte ihn schon aus Mannheim nach Köln gelotst. In den fünf Saisons an der Leine war Balitsch fast immer Stammspieler, dabei war er nur nominell defensiver Mittelfeldspieler. Bis auf Torhüter hatte er in der Zeit fast alle Positionen schon gespielt, von Linksaußen bis rechter Verteidiger. Sein Standing in der Mannschaft änderte sich auch unter den verschiedenen Trainern nicht, seien es Lienen, Peter Neururer, Dieter Hecking oder Mirko Slomka. Mit Hecking geriet Balitsch aber in der Saison 2008/09 in einer Halbzeitpause richtig aneinander, so dass der Trainer den dann schon Kapitän für ein Spiel suspendierte. Nach einem klärenden Gespräch in der Winterpause wurde das Thema jedoch ausgeräumt.

In den exakt 150 Bundesligaspielen für Hannover 96 kam Hanno Balitsch auf 12 Treffer, im Gegensatz dazu stehen 44 gelbe Karten und ein Platzverweis. Sein erstes Tor erzielte er am 30. Spieltag der Saison 2005/06 gegen den VfB Stuttgart, als er bei einem 3:3 nach nur 90 Sekunden das 1:0 formvollendet in die Maschen grätschte. Der zweite Treffer kam ein halbes Jahr später und war ein Siegtreffer zum 1:0 gegen Mönchengladbach.

Seine erfolgreichste Saison in offensiver Hinsicht war die Saison 2007/08, als er gleich viermal traf und dazu noch zwei Tore auflegte. Im Frühjahr 2008 verlängerte er seinen auslaufenden Vertrag mit 96, avancierte im Herbst in Abwesenheit eines erkrankten Robert Enke kurzzeitig zum Kapitän der „Roten“. Nachdem dieser im November 2009 verstorben war, begann die bekannte Negativspirale der Mannschaft und die Rettung passierte in letzter Sekunde. Balitsch erklärte nach dem Suizid, Enke habe sich ihm anvertraut

Am 30. Spieltag der Saison 2009/10 schoss Balitsch das vielleicht wichtigste Tor seiner 96-Zeit, als der Verein als Vorletzter den Tabellenzweiten Schalke 04 empfing. Balitsch saß auf der Bank und sah, wie 96 2:0 in Führung ging. Als sich Manuel Schmiedebach verletzte, wurde der 29-Jährige nach nur 36 Minuten eingewechselt. Die zweite Halbzeit begann wie ein Albtraum, als Schale mit zwei schnellen Toren ausglich. Es lief die 80. Minute, als 96 die kopflosen Bemühungen der Schalker bestrafte und konterte. Steve Cherundolo legte den Ball an die Strafraumkante zurück, Balitsch legte all seine Wut in den Schuss und erzielte das 3:2, in der Nachspielzeit erhöhte man gar noch auf 4:2.

Zurück nach Leverkusen

Einen neuen Vertrag unterschrieb Balitsch in Hannover nicht, kehrte lieber zurück zu Bayer, konnte sich dort aber den Stammplatz nicht wieder erarbeiten, weder unter Jupp Heynckes noch unter Robin Dutt. Im Grunde wurde er immer in den letzten Minuten eingewechselt, durfte noch einmal Champions League spielen und wurde Vizemeister, wohl fühlte er sich aber nicht. Als ihm im November 2011 nahegelegt wurde, sich einen neuen Verein zu suchen, meldete sich im Januar 2012 sein alter Trainer Dieter Hecking, der jetzt beim 1. FC Nürnberg angestellt war. Balitsch half dort als Rechtsverteidiger aus und war wieder Stammspieler, bis er sich erneut mit den Trainern überwarf. Mittlerweile hieß der Coach Michael Wiesinger und dieser suspendierte ihn im Grunde für die gesamte Hinrunde 2013/14, auch wenn Wiesinger selbst nach dem achten Spieltag entlassen worden war. In der Rückrunde spielte Balitsch unter Gertjan Verbeek und Roger Prinzen noch neun Spiele, der Glubb stieg aber trotzdem ab.

Zurück in die Heimat

Mit mittlerweile 33 Jahren hatte Hanno Balitsch mit seiner Familie das Nomadenleben satt und zog zurück nach Bensheim, wo er ja schon sein Abitur gemacht hatte. Trotzdem reizte ihn das Fußballspielen immer noch und so spielte er für ein Jahr beim FSV Frankfurt, pendelte regelmäßig in die Großstadt. Für die Bornheimer stand er ab dem 3. Spieltag als Innenverteidiger auf dem Platz, das Debüt war ausgerechnet gegen den Glubb aus Nürnberg und natürlich schoss er den 1:0-Siegtreffer. Mit seiner Hilfe verhinderte der FSV den Abstieg, für Balitsch ging es aber nun noch einmal zurück zum Klub seiner Jugend.

Im Sommer 2015 wurde Balitsch immer mehr zum Teilzeitfußballer, er hatte einen Job beim ZDF angenommen, plante seinen Trainerschein und dazu ein Aufbaustudium in Richtung Sportmanagement, nachdem er nach dem Abitur bereits ein Fernstudium in der Richtung gemacht hatte. Für ihn war klar, dass man damit nicht mehr in der 2. oder 3. Liga spielen könne, deswegen wechselte er zurück zu Waldhof Mannheim in die Regionalliga Südwest. Dort ist der Routinier Kapitän und wie gewohnt Abräumer im defensiven Mittelfeld. Was nach dieser Saison passiert, steht noch nicht fest, vielleicht hängt er die Treter komplett an den Nagel, vielleicht spielt er noch ein Jahr. Er wird dem Fußball aber immer verbunden bleiben, die entsprechenden Weichen hat er vor Jahren gestellt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)