Türchen #11

Zum ersten Mal in diesem Adventskalender muss ich nun vom gewählten Pfad abweichen, denn es ließ sich einfach kein ehemaliger Spieler finden, der genau elf Bundesligaspiele für 96 seit 2002 gemacht hat. Um nicht komplett willkürlich einen Spieler herauszugreifen, verbirgt sich hinter dem heutigen Türchen jemand mit genau elf Bundesligatoren für 96….

 

Türchen #11: Jan Rosenthal

„Rosi“ stammt aus Sulingen im Landkreis Diepholz, auf halbem Weg zwischen Bremen und Hannover. Beim SV Staffhorst lernte Rosenthal das Fußballspielen und glücklicherweise entschied der Offensivspieler sich für Hannover 96, als der Zweitligist im Jahr 2000 beim 14-Jährigen vorstellig wurde. In Hannover durchlief Rosenthal die Jugendabteilungen von der C-Jugend bis zur A-Jugend und wollte mit 18 Jahren sofort durchstarten, als ihn ein Kreuzbandriss in einem Testspiel zum Ende der Saison 2004/05 zurückwarf.

So begann seine 96-Karriere erst mit der Saison 2006/07, sein Debüt kam am 1. Spieltag, als er gegen Werder Bremen eingewechselt wurde. Zum 8. Spieltag hatte er sich einen Stammplatz im offensiven Mittelfeld erarbeitet und zahlte das Vertrauen sofort mit seinem ersten Treffer für 96 gegen Schalke 04 bei der 1:2-Niederlage zurück. Natürlich musste es für das erste Tor sofort ein Dropkick von der Strafraumkante in den Winkel sein. Bis zum Ende der Saison blieb es bei regelmäßigen Einsätzen, allerdings weniger in der Zentrale sondern auf dem Flügel, mit Arnold Bruggink im Zentrum und Szabolcs Huszti auf dem anderen Flügel. Am Saisonende standen sechs Treffer und drei Vorlagen.

In der Folgesaison hielt Rosenthals gute Form zunächst an, in 23 Spielen erzielte er vier Tore, darunter ein Doppelpack gegen Rostock. Den Großteil der Rückrunde verpasste „Rosi“ jedoch wegen einer langwierigen Schambeinentzündung. In Sachen Verletzungen wurde es danach aber nur noch schlimmer. Mehrere Muskelfaserrisse reduzierten seine Einsatzzeiten in der Saison 2008/09 auf nur 12 Spiele, in denen ihm auch kein Tor gelang. Trotzdem wird ein Spiel dieser Saison immer in der Erinnerung von 96-Fans bleiben:

Der gehaltene Elfmeter

Am 16. Spieltag war 96 beim VfL Wolfsburg zu Gast, Rosenthal war gerade wieder genesen und stand in der Startelf. Hannover hatte die Wolfsburger Führung durch Jiří Štajner ausgeglichen, kurz hatte Wolfsburg das 2:1 erzielt. Trainer Dieter Hecking hatte bereits zur Halbzeit schon zweimal gewechselt und brachte nun noch Bruggink für Huszti. Zwei Minuten später fiel Edin Džeko im Zweikampf mit Torhüter Florian Fromlowitz und der 96-Keeper sah eine viel zu harte rote Karte. Morten Jensen war auf der 96-Bank zum Zusehen verdammt, als sich der 22-jährige Rosenthal das Trikot und die Handschuhe von Fromlowitz besorgte und sich zwischen die Pfosten stellte. Džeko schoss selbst und „Rosi“ lenkte den Ball unter „Rosenthal, Rosenthal“-Gesängen an den Pfosten und konnte auch den Nachschuss mit seinen Kollegen entschärfen. Das Spiel ging zwar trotzdem 1:2 verloren, der wahre Sieger des Spiels war aber gefunden.

In der Saison 2009/10 schoss er sein letztes Tor für 96 bei einem 1:0-Erfolg in Köln am 31. Oktober. Nur zwei Wochen später verlor Jan Rosenthal mit Robert Enke sowohl Freund, Vorbild als auch Stütze im Profifußball. Der Suizid Enkes hatte einen starken Einfluss auf jeden Fan und Verantwortlichen von Hannover 96, aber kaum jemanden traf der Tod bei 96 so hart wie die Kollegen in der Kabine. Rosenthal spricht selbst von einem Wegweiser, der im November 2009 einfach nicht mehr da war. In der Rückrunde fiel Rosenthal wegen starker Hüftprobleme aus, sein letztes Spiel machte er Anfang Februar.

Neubeginn

Für Rosenthal stand fest, dass nach dieser Saison ein Umbruch anstand. Ein ruhigeres Umfeld sollte dazu führen, dass man all das Erlebte der letzten Monate in Hannover hinter sich lassen, die Vielzahl an Verletzungen endlich überwinden und so zu alter Stärke zurückfinden könnte.

Zumindest Punkt eins und drei wurden erreicht, Verletzungen blieben weiterhin ein Bestandteil seiner Karriere. Einige Muskelfaserrisse und ein Sehnenanriss reduzierten seine Spielzeiten zu durchschnittlich 20 Partien in den drei Saisons im Breisgau. Natürlich hatte er das Tore schießen nicht verlernt und so netzte er auch gegen Hannover 96 im Rückspiel der Saison 2010/11, als Hannover 3:1 gewann. In der Saison 2012/13 erreichte der SC Freiburg unter Christian Streich einen beeindruckenden 5. Tabellenplatz und erreichte die Europa League. Selbstredend musste „Rosi“ auch in dieser Saison gegen Hannover treffen, dieses Mal gewann Freiburg mit 2:1.

Aus Baden nach Hessen

Nach eigenen Angaben fühlte sich Rosenthal nun aber wieder gefestigt genug, um aus der Beschaulichkeit Freiburgs herauszukommen und sich auf einer etwas größeren Bühne erneut zu messen. Mittlerweile war er auch 27 und konnte auch mit anderen Vereinen international spielen. Bereits im März 2013 verkündete Eintracht Frankfurt die Verpflichtung des Niedersachsen, weil Rosenthal seinen Vertrag in Freiburg nicht verlängern wollte.

Die Zeit in Frankfurt verlief aber sehr unglücklich: Zunächst hatte er immer noch Probleme mit seinen Oberschenkeln, dann schaffte er es nicht mehr, einen Stammplatz dauerhaft zu erobern. Dafür ging ein Traum in Erfüllung, als er während der Saison dreimal in der Europa League auf dem Rasen stand. Gegen Qarabağ Ağdam legte er in der Qualifikation ein Tor auf, während der Gruppenphase spielte er gegen APOEL Nikosia und in der KO-Runde konnte er gegen den FC Porto das Aus nicht verhindern.

In der Saison 2014/15 plagte „Rosi“ zunächst ein langwieriger Infekt, danach kam er nicht mehr auf den Leistungsstand des Kaders, deswegen wurde er im Januar 2015 nach Darmstadt ausgeliehen. Während der Rückrunde spielte er verständlicherweise nicht besonders viel, machte als echter 96er aber alles richtig und schoss den 1:0-Siegtreffer gegen Eintracht Braunschweig. Als Darmstadt zum Saisonende völlig überraschend aufgestiegen war, konnte so ein erfahrener Spieler den „Lilien“ nur helfen und so löste Rosenthal seinen Vertrag in Frankfurt auf und wechselte fest nach Darmstadt.

Zurück in der Bundesliga

Bei Darmstadt steht Rosenthal eigentlich immer in der Startelf, auch wenn er einer der ersten Spieler ist, die immer ausgewechselt werden. Mit mittlerweile 29 ist „Rosi“ zum Führungsspieler gereift und sorgt mit seinen Leistungen als hängende Spitze auch mit dafür, dass man völlig unerwartet relativ sicher auf Platz 12 steht. Letztes Wochenende gab es den Derbysieg gegen die Eintracht, morgen Nachmittag hofft „Rosi“ auf seinen ersten Saisontreffer gegen die Hertha.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)

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