119

119. Keine besondere Zahl. 7 mal 17. Die Primfaktorzerlegung ist schnell gemacht. Und offenbart dabei das Besondere: 17 Wochen. 17 Wochen, in denen der Hannoversche Sportverein von 1896 keinen einzigen Pflichtspielsieg erringen konnte.

Am Freitagabend – Tag 115 – bestand zuletzt die Chance, diesen Zähler auf Null zurückzustellen. Der Verein hatte gegen Hertha BSC zu Stimmung auf den Rängen aufgerufen. Die ersten zehn Minuten begannen engagiert im 4-1-4-1. Dann folgten 65 Minuten Langeweile. Plötzlich stolperte Schulle einen Eckball ins Tor. Euphorie. Und der Beginn der Bettelei um den Ausgleich. Stocker bedankte sich in Minute 86 mit einem Schuss, der viel zu gut für das Spielniveau war. Ein qualitativer Ausreißer nach oben, unerhört. Und im Rund des Niedersachsenstadions sehnte man sich zurück in den Winter.

Es war der 16.12. Teile Deutschlands freuten sich über Schneefall, Kinder und Erwachsene sehnten gleichermaßen den Heiligen Tagen entgegen. An diesem kalten Dienstagabend sollte Hannover 96 etwas gelingen, was die nächsten vier Monate vollkommen in Vergessenheit geraten sollte: Ein Sieg in der höchsten deutschen Fußball-Spielklasse. Am 16. Spieltag, mitten in der „englischen Woche“ vor Weihnachten, sorgten Salif Sané und Joselu mit zwei Treffern für einen Erfolg gegen die Überraschungsmannschaft vom FC Augsburg. 2:0, mehr Tore geschossen als der Gegner: Im Jahr 2015 gelang das nur im Trainingslager in Belek und während der Länderspielpause gegen Erfurt.

In der Form-Tabelle am Boden, der Trainer schon mehrfach angezählt. Manager und Präsident werden von Teilen der Fans zum Rücktritt aufgefordert; die einzige Stimmung, die momentan durchdringt. Dass der Kapitän und beste Spieler im Sommer für 3 Mio. € nach Mönchengladbach geht, sorgt nicht für Entrüstung, sondern höchstens für ein leises Seufzen. Die einzige Chance, ihn zu halten, war ein Angriff auf die internationalen Plätze. Das ging relativ fix nach hinten los. Von Lars Stindl abgesehen, enden zehn Verträge bei Hannover 96 im Sommer. Bei manchen hat der Verein noch eine Option, bei anderen ist der Abschied klar. Robert Almer, Leon Andreasen, Jimmy Briand, Maurice Hirsch, Markus Miller, Christian Pander, Joao Pereira, Jan Schlaudraff, Marius Stankevicius, Didier Ya Konan. Die Zeichen stehen seit vergangenem Sommer auf Umbruch. Diesen Sommer wird ein gewaltiger Batzen hinzukommen. Und das sind nur die Spieler, von denen man es sicher weiß. Wie viele des restlichen Kaders bei einem immer noch möglichen Abstieg gehen könnten, entzieht sich meiner Kenntnis. Und bei der momentanen Ungewissheit über den Ligaverbleib kann man noch nicht einmal entsprechende Alternativen für den Kader 15/16 holen – ein Tanz auf der Rasierklinge.

Die nächste Chance zum Reset besteht am Tag 123 in Leverkusen. Es ist aber gut möglich, dass auch nach dem Tag 158 (Zuhause gegen Freiburg) der Zähler weitertickt. Dann ist die Saison vorbei, außer wir landen auf der 16. Momentan spricht nicht viel dafür, dass es aufhört, das Warten auf einen Sieg.

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