Türchen #4

Spieltag. Am 4.12. spielt Hannover 96 bei Schalke 04. Und wie es der Zufall so will, steht Schalke im Fokus des nächsten 96-Spielers…

Türchen #4: Adrian Nikci

Es war Sonntag, der 26. August 2012, kurz nach 19 Uhr. Im Niedersachsenstadion stand am 1. Spieltag der Saison 2012/13 der 23-jährige Adrian Nikci an der Seitenlinie. Trainer Mirko Slomka nahm seinen letzten Wechsel vor, sein letzter Trumpf. Nach einem guten Start in das Spiel – Neuzugang Felipe hatte die Führung erzielt – hatte der Gast aus Gelsenkirchen in der zweiten Halbzeit durch Huntelaar und Holtby das Spiel gedreht. Direkt im Anschluss waren Sobiech und Huszti für die Belebung der Offensive in die Partie gekommen, jetzt in der 77. Minute stand der Schweizer mit kosovarischen Wurzeln bereit, dem Spiel die erneute Wendung zu geben.

Er klatschte mit dem Torschützen Felipe ab und betrat das Feld. Knapp drei Minuten später feierte Nikci vor der Nordkurve den Ausgleich. Seinen Ausgleich. Was für ein Start in die Bundesligazeit bei 96. Jan Schlaudraff hatte sich auf der Außenbahn durchgetankt, auf der Grundlinie den Ball flach und scharf in den Strafraum gespielt und der Joker aus der Schweiz stach sofort. Der Punkt war zurückerobert und konnte bis zum Spielende gehalten werden.

Seine ersten Minuten für 96 waren das aber nicht: Nur ein paar Tage zuvor war das Europa-League-Playoff-Hinspiel gegen Slask Wroclaw gespielt worden, ein komplett beklopptes 5:3 in Polen, welches die Weichen für die erneute Gruppenphase in der Europa League gestellt hatte, aber dank zahlreicher defensiver Schnitzer genug Fragezeichen offen ließ. Nikci hatte nach dem fünften Treffer Spielminuten zum Vertrödeln bekommen.

Der Weg für eine legendäre Zeit bei Hannover 96 war auf jeden Fall geebnet, am 2. Spieltag in Wolfsburg – Szabis Vier-Vorlagen-Gala – durfte er eine Viertelstunde mitwirken, am 4. Spieltag in Hoffenheim stand er sogar in der Startelf, wurde erst nach dem 1:2 kurz vor Schluss ausgewechselt. Alles hätte gut sein können…

Beginn der Leidenszeit

Dann erkrankte Nikci Ende September an Meningitis. Zwei Wochen lag der Schweizer im Krankenhaus, bis er von den Ärzten das Okay bekam, wieder nach Hause zurückzukehren. Er begann von da an wieder von null. Er kämpfte sich aber wieder heran, im November wurde Nikci im Spiel bei Bayern München – am 13. Spieltag – als Comebacker eingewechselt, als es bereits 0:5 stand. Nach seiner Zeit bei 96 beklagte Nikci sich, er sein von den Vereinsärzten dazu gedrängt worden, schnell wieder fit zu werden. Ein Vorgehen, welches ihm andere Ärzte im Nachhinein als gefährlich bescheinigt hatten.

In der Gruppenphase der Europa League durfte er ebenfalls noch zweimal als Joker mitmachen, um die „Roten“ in die Zwischenrunde zu führen, das letzte Spiel für 96 machte er im Dezember 2012 beim 2:2 gegen UD Levante, als er für den verletzten Lars Stindl einspringen musste.

Es folgten weitere Verletzungen und Rückschläge. In der Rückrunde schaffte er es ein paar Mal auf die Ersatzbank, aber mehr als Warmlaufen durfte er sich nicht. Auch in der kommenden Saison 13/14 wurde es nicht besser. Statt als Kaderspieler zu versauern, durfte er zumindest bei der zweiten Mannschaft aushelfen. Dass sich die Wege trennen würden, war aber klar. Im Januar 2014 wurde er an den FC Thun verliehen, zurück in die Schweizer Heimat.

Adoptierte Schweizer Heimat

Geboren in Sarajevo, war Nikci in seiner Kindheit in den frühen 90ern durch die Kriege auf dem Balkan in die Schweiz gekommen. In seiner Jugend schloss er sich dem FC Zürich an und durchlief alle Altersstufen, bis er 18 Jahren sein Ligadebüt gab. In den folgenden Jahren wurde er Stammspieler in Zürich und spielte Champions League gegen Bayern, Milan und Marseille und hatte sich so bereits viel Erfahrung erarbeitet, bevor er mit Anfang 20 Richtung Deutschland aufbrach.

Bei Thun spielte er nun wieder regelmäßig und traf in 16 Ligaspielen dreimal, das reichte am Saisonende zu Platz 6. In Hannover stand seit der Winterpause Tayfun Korkut an der Seitenlinie, aber auch bei diesem Trainer war klar, dass Nikci weiter bei anderen Vereinen spielen würde. Sein Vertrag lief noch ein weiteres Jahr, deswegen wurde er wieder verliehen, dieses Mal für zunächst ein halbes Jahr zu den Young Boys aus Bern, eine größere Hausnummer als noch Thun. Bei den Young Boys spielte Nikci vor allem als Joker in der Liga und in der Europa League. Damit war er der letzte 96-Spieler, der international spielte, während er offiziell noch Spieler bei Hannover war. Gegen Slovan Bratislava wiederholte er seine gegen Schalke präsentierten Joker-Qualitäten, als er eine Minute nach seiner Einwechslung am ersten Gruppenspieltag zum 4:0 traf.

Nächster Halt: Liga 2

Durch die Formalitäten ist es so, dass ein Spieler nicht bis zu seinem Vertragsende verliehen werden darf, Nikci kehrte also mit nun 25 Jahren zurück nach Hannover. Theoretisch hätte Nikci jetzt eine Halbserie auf der Tribüne im Niedersachsenstadion verbringen können. Er entschied sich aber dafür, den Vertrag aufzulösen.

Zurück in die Schweiz ging es aber nicht: so dringend wollte in Young Boys nun auch nicht haben. Stattdessen ging der Blick Nikcis Richtung Franken, er heuerte beim „Glubb“ in Nürnberg an. Hier traten aber wieder seine auch schon vorher bekannten Probleme mit Adduktoren und Leisten auf, es reichte insgesamt nur für fünf Kurzeinsätze für die Nürnberger.

Im Sommer 2015 ging es schon wieder weiter: Beim FC Union trainierte Norbert Düwel, ein ehemaliger Co-Trainer von Mirko Slomka, unter dem Nikci ja seine erfolgreichste Zeit verbracht hatte. Ohne viel Risiko zu gehen, verpflichtete Union den Schweizer. Besser lief es für ihn dort aber auch nicht. Bislang stehen ganze zwei Minuten Einsatzzeit gegen 1860 München am 4. Spieltag auf der Uhr. Seitdem hat es entweder leistungs- oder leistentechnisch nicht gereicht. Momentan fällt er zunächst einmal bis zum Ende der Hinrunde aus. Es wird aber auch gemunkelt, dass seine Profikarriere schon bald beendet sein könnte, weil er einfach nicht mehr fit werde. Zu wünschen wäre ihm, dass ihm noch ein Comeback gelänge. Im Zweifel ein Einsatz ab der 77. Minute, der nur wenige Minuten später torjubelnd abdrehend gefeiert wird.

Wie eine echte #h96legende.

Noch jemand?

Zu all jenen, die mal transferiert wurden, um einen internationalen Lauf zu ermöglichen, kommen ja auch solche Spieler, die heldenhaft mit der Mannschaft aufgestiegen sind, danach jedoch in der ersten Liga keinen Fuß fassen konnten. Ein erstes Beispiel dafür ist Conor Casey, der 2001 von Borussia Dortmund als Sturmtalent aus den USA geholt wurde. Hannover 96 lieh den US-Boy aus und er half mit sieben Tore in 19 Spielen zum Aufstieg in die Bundesliga mit. Dort waren seine Einsatzminuten dann sehr limitiert, jedoch war sein letztes Spiel für Hannover sein wichtigstes: Am 34. Spieltag wurde Casey eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt und köpfte zehn Minuten später zum 1:0-Siegtreffer ein, der Hannovers Saison auf Platz 11 beenden ließ und Bielefelds sofortigen Wiederabstieg besiegelte. Nach Aufenthalten bei Karlsruhe und Mainz ging Casey wieder in die MLS, nach Toronto FC und den Colorado Rapids spielt Casey mit 34 jetzt bei Philadelphia Union.

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)

Advertisements

Preview Schalke – Endlich wieder Bundesliga

Es ist soweit. Morgen ist endlich wieder Bundesliga. Also der wichtige Teil, das komische Brimborium heute Abend braucht ja im Grunde niemand. Also außer die ARD, seit der WM wahrscheinlich auf Quoten-Entzug. Nun gut, sollen die Radkappen und Bayern das nachher mal in Ruhe auskaspern.

 

Hannover darf dann morgen ran. Gegen Schalke, die seit Montagabend mitten in der schlimmsten Krise seit Monaten stecken. Dabei ist in der ersten Pokalrunde ausscheiden etwas völlig Normales, das weiß in Hannover ja auch jedes Kind. Trier und Elversberg lassen schön grüßen… Jedenfalls ist die erste Keller-Diskussion in voller Fahrt und wird wohl nur durch einen Auftakterfolg in der niedersächsischen Landeshauptstadt vorerst gestoppt.

Im Vergleich zur Vorsaison hat sich Schalke mit Leverkusens Sidney Sam und dem Mainzer Eric-Maxim Choupo-Moting verstärkt. An letzterem war ja auch Hannover im Sommer gerüchteweise interessiert. Dafür gegangen sind vor allem Adam Szalai (zu Hoffenheim), Tim Hoogland (zu Magath, also Fulham) und Lars Unnerstall (zu Düsseldorf). Dazu ist Papadopoulos in einer eher überraschenden Aktion an Leverkusen ausgeliehen worden. Im Vergleich zu 96 ist der Austausch an Spielern dort also ziemlich gering, was aber im Pokal auch nicht besonders überzeugend oder eingespielt aussah.

 

Mit Ruhm bekleckert haben wir uns natürlich auch nicht, dafür liegen in der Lostrommel, aus der Samstagabend der Gegner gezogen wird. Wobei eigentlich bei unserem Losglück auch gleich eine Münze zwischen Bayern und Dortmund auswärts geworfen werden könnte.

Weiter ist weiter. Und trotz der Pokalsperre rechneten bis gestern eigentlich alle mit derselben Aufstellung wie gegen Astoria Walldorf. Doch dann kam der Schock! Reaktionen reichten von “schlechte Nachrichten” über “Rückschlag” bis “der absolute Super-Gau für 96”!!!!einself!

Lars Stindl hat eine Außenbandzerrung.

 

Eine Verletzung, einfach so, ohne Gegner. Wie perfide. Und noch nie zuvor gesehen im Fußball. Dass wir überhaupt antreten am Samstag…. Natürlich wünsch ich Lars gute Besserung und ich bin mir sicher, er kriegt das fix auskuriert. Aber ehrlicherweise muss man ja sagen, dass wir für einen solchen Fall ja Neuzugänge wie Hiroshi Kiyotake verpflichtet haben. Alles andere als ein Debüt des Japaners wäre eine faustdicke Überraschung von Seiten Korkuts. Ansonsten bleibe ich bei meiner Meinung, dass Albornoz und Gülselam ganz nah an der Startelf sind, da müssen also vor allem Pander und Schmiedebach mit Leistungen aufwarten, um sich nicht in naher Zukunft auf der Bank wiederzufinden.

Damit spielen: Zieler – Pander, Schulz, Marcelo, Sakai – Andreasen, Schmiedebach – Prib, Kiyotake, Bittencourt – Joselu. Die Bank werden wohl Almer, Albornoz, Felipe, Gülselam, Hirsch, Schlaudraff und Sobiech besetzen. Wobei vielleicht auch Sulejmani oder Karaman einen Kaderplatz bekommen könnten.

 

Im Gegensatz zum Pokalspiel dürfte Hannover nicht mit der Prämisse ins Spiel gehen, den Ballbesitz zu beherrschen und die Schalker Verteidigung zu knacken. Dadurch relativiert sich auch die Anfälligkeit der Viererkette, weil sie nicht so hoch stehen wird. Stattdessen dürfte das “schnelle Umschaltspiel” (vermutlich mein Lieblingstrinkspiel bei Kommentatoren diese Saison) greifen, so dass die vier Offensiven auf die nicht sehr sattelfeste Schalke-Verteidigung zulaufen kann. Zumindest war das das Dresdener Konzept am Montag und dabei sah Schalkes Viererkette wenn dann so mittelgut aus.

Was vermutlich besser aussehen wird, ist die Unterstützung der Schalker Auswärts-Fans. Wie zu lesen war, werden Schalke 04 und die Ultras Gelsenkirchen beim Spiel eine gemeinsam geplante Choreographie durchführen. Aus Hannoveraner Sicht aktuell ein unglaublich utopisches Unterfangen. Es wird also zumindest keine Stimmung wie in Walldorf werden, eher wird es stimmungsmäßig ein Schalker Heimspiel. Es würde mich sehr wundern, wenn die Heim-Fans da etwas entgegenstellen können.

 

Der Nachwuchs

Dort werden wahrscheinlich unsere Ultras sein. Auf Auswärtsfahrt nach Bremen, zu Werders zweiter Mannschaft. Nach den Meldungen und Sommerloch-Vorstößen des Bremer Senats zu Polizeieinsätzen bei Fußballeinsätzen bin ich mir sicher, dass ein paar hundert 96-Ultras in der Regionalliga in Bremen nicht mit komplett offenen Armen empfangen werden. Es war vom Bus-Shuttle ab Hauptbahnhof zu lesen, überraschen würde es nicht. Das Team selbst möchte den guten Saisonstart natürlich fortsetzen und den Kontakt zur Spitze halten. Es wird eine enge Partie, die morgen Mittag um 13h angepfiffen wird.

 

Und sonst?

Adrian Nikci International! Europapokal!