Mainz 0:0 Hannover – Wenn Mainzer tief fliegen, gibt es Regen

Als der beste Mann auf dem Platz – Bundesliga-Neuling Sascha Stegemann – das Spiel nach 91 Minuten abpfiff, waren die allermeisten Beteiligten froh, dass es vorbei war. Die Spieler waren platt, die Zuschauer durchnässt, neutrale Zuschauer vor dem Fernseher weggedöst. Wer konnte es ihnen verdenken? Die hohe Fußballkunst war es nicht, was Mainz und Hannover am Sonntagnachmittag ablieferten. Und doch war die Gastmannschaft am Ende mit dem Ergebnis ziemlich zufrieden. Das hatte unterschiedliche Gründe:

Die Serie bleibt.

  • Das 0:0 bedeutete das siebte Bundesliga-Spiel in Folge ohne Niederlage, eine Serie, die nach der Derbyniederlage in der Rückrunde 13/14 begann. Seitdem konnten Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Nürnberg, Freiburg, Schalke und nun Mainz die Roten, dieses mal ganz in schwarz gekleidet, nicht besiegen.

Auswärts auf Augenhöhe.

  • Die weiße Weste von Ron-Robert Zieler beschert 96 bereits am zweiten Spieltag eine bessere Auswärtsbilanz als nach der Hinrunde der letzten Saison. Vorbei ist die Zeit, in der es unter Slomka in ein Auswärtsspiel ging und die einzigen Fragen waren: “Holen wir einen Punkt?” oder “Wie viele kassieren wir diesmal?”. Jetzt kann man bei einem (zugegebenermaßen sehr kurzzeitigen) Europa-League-Teilnehmer mithalten und die besseren Chancen herausspielen. Im Februar verlor man dort noch mit 0:2 und sah relativ chancenlos aus, auch wenn der Trainer damals bereits Tayfun Korkut hieß.

Der Kader ist tief genug.

  • Mit Lars Stindl und Edgar Prib fehlen zentrale Spieler in der Offensive. Leo Bittencourt grätschte sich quer über den Platz und zeigte die schönste Flanke der Partie, die Joselu fast verwertet hätte und die Neuzugänge Hiroshi Kiyotake und Miiko Albornoz zeigten, dass sie mehr sind als Ergänzungsspieler. Miiko zeigte ein paar Mal seine Torgefährlichkeit, was spannend werden kann, wenn er auf die Linksverteidigerposition rückt und von dort aus Flankenläufe startet und sich einschaltet. Von Kiyo kam die gefährlichste Chance des Spiels, als sein Schuss in Richtung Toreck unterwegs war, den Torwart bezwang und nur von einem Mainzer Verteidiger auf der Linie noch abgewehrt werden konnte. Kiyos Luft reichte zwar nur 70 Minuten, aber nun ist ja Länderspielpause.

Mainzer Schwalben werden nicht belohnt.

  • Puh, das war echt nicht mehr feierlich. Zugegeben, in der zweiten Halbzeit versuchten es Schmiedebach und Joselu auch mal mit plumpen Fallern, aber was Koo und vor allem Okazaki über 90 Minuten an Flugeinlagen abgeliefert haben, war schon dreist. Getreu dem Sprichwort fing es in der zweiten Halbzeit an zu schütten wie aus Eimern. Meinen Respekt an Schiedsrichter Stegemann, dass er sich bei seinem Debüt davon nicht provozieren ließ, sondern die Mainzer immer wieder aufmunterte, doch im Stehen weiterzuspielen.

 

Natürlich war nicht alles so prall, immerhin sind wir nicht mit einem 5:0-Sieg und der Tabellenführung nach Hause gefahren, sondern mit einem 0:0. Was noch besser werden sollte, ist die Verbindung zwischen defensivem und offensivem Mittelfeld. Da war vor allem in der ersten Halbzeit relativ wenig zu sehen, die Räume zu groß und nicht leicht zu überbrücken. Deswegen hing auch Joselu dieses Spiel öfter in der Luft. In Torjägermanier hätte er zwar beinahe aus der einen Chance das Tor gemacht (oder aus der anderen kurz vor Schluss nach Flanke Sobiech), aber im Zusammenspiel war auch er weniger eingebunden.

Die Abwehr wackelte in der druckvollsten Phase der Mainzer rund um die 30. Minute ziemlich, weil Sakai die Angriffe über seine Seite zunächst nicht ordentlich unterdrückt bekam und generell der Ball nach der Eroberung zu schnell wieder bei den Mainzern war. Allerdings konnte selbst in dieser Phase Zieler nicht zu einer Parade gezwungen werden. Zwar bin ich mir immer noch nicht sicher, ob eine Abseitsfalle mit Marcelo und Schulz eine tolle Idee ist, aber der Erfolg gibt dem Trainer recht. Bislang haben wir uns erst ein Gegentor gefangen.

 

Jetzt geht es in die Länderspielpause, auf Platz 7, ungeschlagen und als Nummer 1 des Nordens. Wollen wir hoffen, dass alle, die nominiert wurden, gesund und mit genügend Einsatzminuten wieder zurückkommen.

  • Zieler wird gegen Argentinien und Schottland wohl nicht zum Zuge kommen, Bittencourt dürfte bei der U21 gegen Irland und Rumänien aber seine Minuten kriegen.
  • Miiko ist im Kader gegen Mexiko und Haiti, vielleicht lässt ihn der chilenische Nationaltrainer da auflaufen.
  • Ersatzkeeper Robert Almer wird höchstwahrscheinlich gegen Schweden zwischen den Pfosten stehen.
  • Hiroki ist gegen Uruguay und Venezuela im japanischen Kader, anders als Hiroshi.
  • Leon Andreasen hat Spiele gegen die Türkei und Armenien vor sich.
  • Und da Salif Sané auch noch zum Kader gehört, sei er der Vollständigkeit halber erwähnt: Er spielt gegen Ägypten und Botsuana.

 

Der Nachwuchs

Am Samstag wurde Cloppenburg 2:1 (1:0) geschlagen, dadurch kehrt die U23 auf Platz 5 der Regionalliga Nord zurück. Für die zweite Mannschaft ist nun auch erstmal “Länderspielpause”, am kommenden Wochenende hat sie spielfrei.

 

Und sonst?

Mame Diouf hat sein erstes Tor für Stoke City geschossen, und es war gleich eins gegen Meister Manchester City. Er startete den Konter in der eigenen Hälfte und lief dann in Forrest-Gump-Manier immer weiter, bis er im Strafraum abschloss und Joe Hart überwand. Weil sonst kein Tor im Spiel fiel, war Mame auch sofort der Matchwinner.

Szabi hat im Spiel der 96-Legenden gegen Mike Hanke und dessen Klub Guizhou Renhe 1:0 gewonnen. Husztis Rechtsschuss traf seinen Mitspieler und ging von dort ins Tor, das notiere ich mal als Assist.

Ach ja: Adrian Nikci International gibt es auch bis zur Winterpause weiter. Young Boys qualifizierte sich für die Gruppenphase und darf nun gegen Neapel, Sparta Prag und Slovan Bratislava spielen.

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