“Rückrunde war Fanta-Korn” – Das große 96-Abschlusszeugnis

Nach dieser spektakulärsten Spielzeit der besten Liga aller Zeiten ever and ever ist es Zeit, bei der grauesten der grauen Mäuse Bilanz zu ziehen. Im Anschluss an insgesamt 36 Spiele mit wenigen Höhen und vielen, vielen Tiefen folgt die spielfreie Zeit, die wir alle bitter nötig haben. Allen voran meine arme Leber. So here it comes, in all its glory, die komplett subjektive und trotzdem (andere würden sagen gerade deswegen) einzig wahre Saisonauswertung:

Tor

Ron-Robert Zieler: Irgendwo zwischen Weltmeister und Kreismeister. Teilweise überragende Paraden, andererseits hanebüchene Fehler bei Gegentoren. Darf im Sommer gerne mal mit Kiyotake Freistöße üben. Im Zweifel kann er dann auch auf Phrasendrescherei in Interviews verzichten. Kandidat für die Kapitänsbinde nächste Saison. Außer natürlich, jemand zieht seine Klausel im Sommer. Spielte jede Pflichtspielminute der Saison.
Note: 3

Robert Almer: Durfte auf der Bank sitzen und blieb trotzdem Österreichs Nationaltorhüter. Das ist auch schon bezeichnend. Weil nächstes EM-Jahr ist und Österreich immer noch Chancen auf eine Qualifikation hat, braucht er nun doch etwas Spielpraxis und geht zu Austria. Verständlich.
Note: n/a

Markus Miller: Nie im Kader, öfter verletzt. Hat seinen Vertrag erfüllt und beendet nun anscheinend seine Karriere. Schön, dass er mental zumindest wieder fit ist.
Note: n/a

Timo Königsmann: Der Nachwuchskeeper saß ab und zu auf der Bank. Könnte langsam mal einen neuen Vertrag unterschreiben.
Note: n/a

Abwehr

Marcelo: Unumstrittener Abwehrchef. Zwar immer noch für den ein oder anderen Schnitzer oder viel zu viele Eigentore gut, aber insgesamt ist er solide. Traf aber endlich auch mal ins richtige Tor, gegen Paderborn und Frankfurt. Durfte dank Schipplocks Verzicht auf eine nachträgliche Bestrafung jede Bundesligaminute absolvieren. Mit einem schnelleren Partner neben ihm steht die Abwehr gar nicht mal so schlecht.
Note: 2-

Christian Schulz: Der alte Mann hatte öfter mal Rücken, trotzdem war er unumstritten die #2 in der Innenverteidigung. Knipste gegen die Hertha, ansonsten offensiv unauffällig. Mit 32 wird Schulle nicht mehr schneller, das sah in der Verteidigung manchmal etwas sehr unglücklich aus. Hat noch ein Jahr Vertrag, fühlt sich in Hannover wohl.
Note: 4+

Miiko Albornoz: Stammkraft hinten links in seiner ersten Bundesliga-Saison. Man hat öfter gemerkt, dass der Schritt von der schwedischen Liga ein großer ist, teilweise waren echt schlechte Spiele dabei. Dazu fehlt ihm in der Offensive immer noch ein bisschen die Traute, den Ball mal vorbeizulegen und durchzuziehen, die Spritzigkeit hat er eigentlich. Die Flanken sind besser als der Durchschnitt, drei Torvorlagen sind sehr gut. Die Rettungsaktion auf der Linie gegen Paderborn ist Szene der Saison.
Note: 3

Hiroki Sakai: Hiroki, Hiroki… bei ihm weiß ich echt nicht. Engagement will ich ihm wirklich nicht absprechen, aber manchmal geht es einfach nach hinten los. Hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, sich als Stammkraft hinten rechts festzuspielen. Jeden Sommer (und Winter) wird ein neuer Rechtsverteidiger geholt, der aber auch nie was ist. Flanken sind nicht so wirklich sein Ding, andererseits ist er gerne vorne mit dabei, teilweise sogar viel zu weit. Mit etwas mehr Konzentration werden die Fehler hoffentlich weniger.
Note: 3-

Felipe: Wer hätte gedacht, dass Felipe gesund sein kann? Das ewige Lazarett brachte es tatsächlich auf 11 Liga-Einsätze und das Pokalspiel in Aalen (Aleschia? Isch kenne dieschesch Aleschia nischt!). Kam öfter mal, wenn ein knapper Vorsprung gehalten werden musste. Dazu ein klasse Spiel gegen Dortmund in der Hinrunde. Bessere Haare als Dante.
Note 4

Christian Pander: Es gab anscheinend Momente in der Hinrunde, in der Pander nicht verletzt war. Wurde öfter mal für Miiko eingewechselt, als der noch nicht die Luft für 90 Minuten hatte. 8 Ligaeinsätze und das Pokalspiel gegen Walldorf. Wird den Verein wohl nach 4 Jahren verlassen, der Vertrag läuft aus und er ist 31. Ich erinnere mich noch an sein erstes Pflichtspiel für 96, das Pokalspiel an der Lohmühle gegen Anker Wismar. Konnte in dieser Saison keine Akzente setzen. Vielleicht macht „Funky Pee“ jetzt wieder Musik.
Note: 4

Joao Pereira: Der Backup im Winter, als der Stojanovic-Deal leider scheiterte. 6 Monate Vertrag, das reicht dann auch. Auf Instagram besser als auf dem Platz. 5 Einsätze, einmal gelb/rot beim Topspiel in Köln. So long.
Note: 5

Marius Stankevicius: Notlösung nach Hoffmanns Verletzung. 2 Einsätze: 70 Minuten gegen Dortmund und 10 gegen Freiburg. Ein-Jahres-Vertrag voll erfüllt. Mit mein Lieblingstransfer diese Saison. Ein alter Mann mit Einwürfen wie ein Katapult. Durfte nie einen Freistoß schießen, sonst wäre klar gewesen, ob es nicht doch ein verkleideter Michael Tarnat war. Wird wieder gehen, hat 80 Minuten lang alles gegeben.
Note: 3+

Stefan Thesker: Im Sommer ablösefrei geholt, Ende der Hinrunde zwei Einsätze gemacht und sich ins Schaufenster gestellt. Im Winter war er auf einmal in Fürth, und das nicht mal ausgeliehen. Zweite Liga ist wohl eher seins. Gab ein paar Euros.
Note: n/a

Florian Ballas: Durfte in Aalen mitspielen. Dann war er im Winter zum FSV Frankfurt verschwunden.
Note: n/a

André Hoffmann: Kreuzbandriss am 2. Trainingstag. Comeback nach 10 Monaten in der Reserve. Greift hoffentlich im Sommer neu an. Ihn würde ich gerne neben Marcelo in der Innenverteidigung sehen.
Note: n/a

Niklas Teichgräber: Nachwuchs ohne Einsatzzeit.
Note: n/a

Mittelfeld

Hiroshi Kiyotake: 4,3 Millionen waren ganz schönes Ballast, dazu musste er sich mit Stindl ein bisschen über die Rollenverteilung klar werden, das wurde am Ende immer besser. Auf der 10 fühlt er sich wohl, wurde letzten Sommer ja sicher schon als Nachfolger verpflichtet. Ein bisschen Vorausschauen kann der Verein ja auch. 5 Tore, 5 Vorlagen. Der Freistoß gegen Dortmund und der Kopfball gegen Freiburg sind Zucker. War immer der erste Offensivspieler, der ausgewechselt wurde. Lag vielleicht ein bisschen an der mangelnden Kondition. Ansonsten bin ich mit ihm zufrieden.
Note: 2-

Leonardo Bittencourt: Ach, Leo… Nach dieser Saison holt Dortmund dich sicher nicht für 5 Millionen wieder zurück. Jetzt hängst du hier fest. Stammplatz auf dem Flügel an Briand verloren, danach Kurzeinsätze und Muskelfaserrisse. Spricht gerne in ihm nahestehenden Mikrofone, auf dem Platz reichte es zu einem Tor, drei Vorlagen und fünf gelben Karten. Nicht genug.
Note: 4-

Manuel Schmiedebach: Ist langsam in die Pinto-Rolle reingewachsen, mit all den positiven und negativen Begleiterscheinungen. Stammkraft im defensiven Mittelfeld (hoffentlich nie wieder rechts hinten!), das ist aber relativ wacklig, wenn andere Spieler mal aus dem Quark kämen. Offensiv war nie seins, wird’s auch nicht mehr. Teil 1 der komischen Frisuren-Wette.
Note: 3-

Edgar Prib: Erstes Tor der Saison geschossen, damals gegen Schalke. Ewigkeiten her. Hat nur wenige Spiele durchspielen dürfen, klassischer Kaderspieler, der zwar viel arbeitet, aber von dem man eigentlich immer etwas mehr erwartet, als er dann tatsächlich bringt. Wird auch in der kommenden Saison eher kein Stammspieler im linken Mittelfeld.
Note: 4

Lars Stindl: Nu isser weg, der Held von Kopenhagen. Hat sich reingekniet wie kein Zweiter, als Kapitän immer vorweg gegangen und gefightet. In der Rückrunde im Grunde fast alleine torgefährlich gewesen, hat den Verein am Schopf in der ersten Liga gehalten. Jetzt darf er zur Belohnung Champions League spielen und keine Sau ist böse über seinen Abgang. Großartiger Mensch, vielleicht ein kleines bisschen zu aufbrausend gewesen und unnötige Karten gesammelt.
Note: 1-

Ceyhun Gülselam: Der Buhmann der Hinrunde. Da durfte jeder Fan mal. Kein guter Fußballer, aber eine Kante. Bleibt Kaderspieler, für ablösefrei nicht schlecht. Gegen Dortmund ein großartiges Spiel abgeliefert.
Note: 4

Leon Andreasen: Verletzungsfreie Saisons wird Andrööösen nicht mehr spielen, aber immerhin schafft er es immer wieder zurück. Hat gegen Hamburg getroffen, als Slomka noch Trainer dort war… Vertrag läuft aus, vielleicht gibt es ja noch einen neuen. Wäre für den Kader nicht verkehrt, dann wäre er auch Anwärter auf die Binde. Teil 2 der komischen Frisuren-Wette.
Note: 3

Salif Sané: Im Winter schon fast weg, dann doch begnadigt. Hat gezeigt, dass er – wenn er Bock hat – einer für die Startelf ist. Und momentan hat er Bock. Besserer Kicker als Gülselam, deutlich. 8 gelbe Karten in 18 Spielen sind vielleicht etwas viel, da könnte er was dran schrauben. Apropos schrauben: Was für ein geiler Fallrückzieher gegen Wolfsburg!
Note: 2

Maurice Hirsch: In der Hinrunde der groß gefeierte Mann, der die 6er-Position revolutionieren sollte. Konnte ein kleines bisschen kicken. Insgesamt 7 Einsätze, Vertrag läuft auch aus.
Note: 4

Sebastian Ernst: Nachwuchsmann. Schnupperte gegen Aalen kurz Luft in der ersten Mannschaft.
Note: n/a

Tim Dierßen: Talent. Vielleicht nächste Saison.
Note: n/a

Sturm

Joselu: Königstransfer und Buhmann der Rückrunde. 8 Tore sind trotzdem okay, auch wenn es eindeutig mehr hätten werden können und müssen. Greift im Sommer hoffentlich nochmal neu an, um den Starterplatz zurückzuerobern. In der Hinrunde war er wirklich schwer in Ordnung. Und ich habe 3x lieber Lu als Vereinstransferrekord als Mike Hanke.
Note: 3+

Jimmy Briand: Der Bulle. Sah im rechten Mittelfeld immer so aus, als würden ihn mit dem ersten Ballkontakt acht Gegenspieler mit Kettensägen jagen. Hatte da keine Ruhe im Spiel, es war zum Verzweifeln. Umso besser der Einsatz vorne drin: 3 Tore und 6 Vorlagen sind famos. Wenn sich kein französischer Verein findet, der ihn nehmen will, behalte ich ihn gerne als Option vorne noch ein weiteres Jahr.
Note: 2-

Artur Sobiech: Joker. Tore gegen Hamburg in Hin- und Rückspiel. Danach war das Knie kaputt. Greift hoffentlich im Sommer neu an, mehr als Kaderspieler wird er aber glaube ich nie werden. Dafür kam bislang zu wenig, auch wenn er mal starten durfte.
Note: 4

Kenan Karaman: Joker. 11 Einsätze, alle von der Bank. Dabei kam offensiv nur wenig auf die Kette. Die einzige erwähnenswerte Aktion ist das Dribbling vor dem 2:0 gegen Freiburg. Zu wenig.
Note: 4-

Jan Schlaudraff: Hauptberuflich als Babysitter in Trainingslagern unterwegs, im Nebenberuf Bundesliga-Profi. Schlaufi ist nun einfach zu alt. Wenn er clever ist, geht er eine Liga runter und stellt sich als Ballverteiler auf die Sechs. Durfte in beiden Pokalspielen mitwirken und wurde dazu fünfmal eingewechselt. Vertrag läuft aus. Danke für alles, besonders das Spiel gegen Sevilla!
Note: 4-

Didier Ya Konan: Merchandise-Transfer für die Fanherzen im Winter. Ist glaub ich immer noch nicht fit. Das Tor gegen Frankfurt war Zucker. Glaube nicht, dass er noch einen neuen Vertrag bekommt.
Note: 4-

Trainer

Tayfun Korkut: Er war stets bemüht. Kein schlechter Trainer, aber sicher keiner für die erste Reihe. Arbeitet bestimmt lieber irgendwo im Hintergrund.
Note: 4-

Michael Frontzeck: #frontswag. Was habe ich mich mit Hartalk bewaffnet, um mich auf die Spiele und den unvermeidlichen Abstieg vorzubereiten. Und dann wurde es doch die Rettung. Danke dafür! In der neuen Saison darf trotzdem jemand anders an der Seitenlinie stehen.
Note: 3

Leihspieler

Adrian Nikci: Spielte in der Hinrunde als einziger 96er Europapokal. War auch für Young Boys nicht gut genug. Dann ging er ganz zu Nürnberg, ist da auch nur Joker. Sagt alles.

Samuel Radlinger: War mal kurzzeitig #2 in Nürnberg. Gespielt hat er nicht. Kommt wieder, auch wenn er hier eher keine Zukunft hat.

Vladimir Rankovic: Das bajuwarische Juwel. War in Aue erst Stamm, dann Bank, dann Tribüne. Dann stieg Aue ab. Kommt wieder.

Valmir Sulejmani: Ist ein Talent. Konnte sich bei Union ein paar Mal auf der Bank präsentieren. Gelegentlich gab es Kurzeinsätze. Braucht noch Zeit. Kommt wieder.

Fazit

Gesamte Saison: Hinrunde war von der Tabelle besser als es spielerisch war. Rückrunde war Fanta-Korn. Note 3- für die ersten 17, Note 5 für die zweiten 17 Spiele. Macht zusammen…
Note: 4-

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