Türchen #6

Nikolaus ist ja immer ein besonderer Anlass, in vielen Haushalten stehen heute Stiefel voller Süßigkeiten vor der Tür. Ich nutze diesen Tag, um auf einen der ernsthaft talentiertesten Spieler zu blicken, der jedem Fan ein Begriff ist und zu dem jeder Bewohner der Stadt Hannover eine eigene Anekdote zu erzählen hat. Ein prall gefüllter Fußballstiefel, quasi.

Türchen #6: Jan Simak

Der 37-Jährige hat vermutlich die größte Differenz zwischen Talent und Ertrag in diesem Kalender vorzuweisen. Geboren in Tabor, einer Kleinstadt südlich von Prag, verlebte er dort seine Jugend bei Vereinen des Orts und bei České Budějovice. Mit 18 Jahren ging es zu Chmel Blšany, einem kleinen Verein im Westen Tschechiens. Zunächst spielte Simak dort in der 2. Liga, 1998 kam der Aufstieg. Im kommenden Jahr stand ein 17-jähriges Torwarttalent zwischen den Pfosten, ein gewisser Petr Cech.

Erstes Mal bei Hannover

Im Jahr 2000 kam der Wechsel nach Hannover, für 250.000 Euro holte sich 96 den 22-jährigen Simak. Zwar war seine Reputation eine voller rauschender Feiern und einer eher laxen Auslegung der Trainingsbeteiligung, aber auf dem Platz agierte er wie ein Weltklassespieler. Nachdem es in der Debütsaison zu neun Toren reichte, wurde in der Aufstiegssaison 01/02 noch einmal deutlich nachgelegt. 18 Tore und 19 Vorlagen beschreiben ganz gut, warum er sich in die Herzen der Fans spielte. Probleme abseits des Platzes wurden zwar adressiert, aber nicht konsequent unterbunden. Man gewährte Simak seine Freiheiten.

Ballack-Nachfolger

Bayer Leverkusen hatte sich vorgenommen, das Talent zu einem Topstar zu schmieden. Klaus Toppmöller wollte Simak formen, ihn zum Ballack-Nachfolger machen. Dieser war nach den drei zweiten Plätzen 2002 und dem verpassten WM-Finale zum FC Bayern gegangen. Simak spielte zu Saisonbeginn regelmäßig, allerdings nicht auf seiner gewohnten zentralen Mittelfeldposition, sondern auf dem linken Flügel. Trotzdem erwischte er einen Auftakt nach Maß: Gegen Cottbus und Bochum traf er am 1. und 3. Spieltag, wie man ihn kennt durch knallharte Schüsse mit seinem linken Schlappen. Danach wurden seine Einsatzzeiten jedoch weniger. Im Hintergrund hatte Leverkusen viel mit seinen Feiern und seinem Alkoholproblem zu tun. In der Rückrunde besuchte Bayer Hannover 96 am 22. Spieltag, Simak durfte mal wieder in der Startelf stehen. Das lag vor allem daran, dass Trainer Toppmöller entlassen worden war und sein Nachfolger Thomas Hörster sehen wollte, „auf wen er sich verlassen kann“. Klar, dass Jan Simak gegen seinen Ex-Klub in der 91. Minute den 2:1-Siegtreffer markierte.

Das zweite Mal 96

Das war sein letztes gutes Spiel für Leverkusen, danach kamen nur noch wenige Kurzeinsätze. Im Sommer 2003 präsentierte Hannover 96 die Rückkehr des verlorenen Sohns, der Rekordtransfer wurde vom Ligakonkurrenten ausgeliehen. Gegen den HSV dauerte es nur elf Minuten, bis sein erster Assist zu verzeichnen war und Jiri Stajner das 1:0 erzielte. Simak wirkte wie befreit und machte in den nächsten Spielen auch genauso weiter. Gegen Hansa Rostock netzte er am 4. Spieltag zum ersten Mal, im folgenden Spiel gegen die Hertha markierte er mit einem starken Drehschuss seinen zweiten Treffer.

Aber dann… Nach dem 2:0-Sieg gegen Mönchengladbach tauchte Simak ab. Er fuhr nach Tschechien, meldete sich nicht ab, galt als verschollen. In Hannover setzten sich die verschiedenen Verantwortlichen zusammen: Berater, Trainer, Manager von 96 und Bayer, alle versuchten, eine Lösung für das Problem zu finden. Simak redete derweil mit seinem Berater. Er könne nicht mehr, brauche eine Pause. Sein Kopf mache einfach nicht mehr mit. Berater Christoph Leutrum berichtete von depressiven Schüben, Sportdirektor Ricardo Moar offenbarte Ahnungslosigkeit, als er erwiderte, Simak habe gar keine Depressionen haben können, er habe doch jeden Tag Witze gemacht. Für Simak stand jedoch fest: Mehr als diese sechs Erstligapartien für Hannover 96 könne er nicht leisten.

Neuanfang in Prag

Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde bei Simak ein Erschöpfungssyndrom festgestellt und der Spieler auf unbestimmte Zeit krankgeschrieben. Zum Saisonende löste er seinen Vertrag bei Bayer Leverkusen auf und fing bei Sparta Prag einen neuen Abschnitt in seiner Karriere an. Gut war es aber noch längst nicht. 24 Einsätze in drei Spielzeiten zeugen von vielen Problemen auch abseits des Platzes. Auf Anraten des Klub-Präsidenten unterzog sich Simak einer Entzugskur. Aber zumindest der Versuch, Normalität zu erreichen, war da. Davon zeugte auch der Wechsel zu Carl Zeiss Jena im Sommer 2007. Simak war jetzt fast 29, er wollte es noch einmal wissen. Er unterschrieb einen Zweijahresvertrag und spielte regelmäßig und vor allem gut. Sieben Tore und acht Vorlagen lockten Begehrlichkeiten aus der Bundesliga, trotz eines Leistenbruchs zum Saisonende. Dabei musste er einige Provokationen aushalten: Gästefans verhöhnten ihn, Gegenspieler beleidigten ihn als „Alkoholiker“ auf dem Platz. Aber Simak riss sich zusammen – fast immer: Jena stand 2008 vollkommen überraschend im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund. Kurz nach der Pause lag der Außenseiter nur 0:1 zurück, als Simak in der 51. Minute Gelb wegen Meckerns erhielt, weitermeckerte und direkt mit Gelb/Rot vom Platz flog.

Armin Veh holte Simak zum VfB Stuttgart, dort spielte er 20 Mal in der Saison 2008/09, in der Folgesaison bekam er aber kaum noch Einsätze. Im Januar 2010 heuerte er bei Mainz 05 an, gab sein Debüt gegen Hannover 96. Durchsetzen konnte er sich jedoch auch bei den Mainzern nicht. Als die „Bruchweg-Boys“ in der Saison 2010/11 durchstarteten und am Ende Tabellenfünfter wurden, saß Simak nur auf der Tribüne.

Zurück nach Jena, zurück nach Tschechien

Mit nun 33 lockte die Ruhe Jenas wieder, dort hatte er sich wohlgefühlt. Carl Zeiss spielte mittlerweile in der 3. Liga, aber Simak hängte sich rein. Acht Tore und sieben Vorlagen steuerte er bei, am Ende stieg Jena trotzdem in die Regionalliga ab. Da wollte Simak aber nicht spielen, er kehrte zurück in sein Heimatland und spielt seitdem in der zweiten tschechischen Liga. Zuerst bei Taborsko, läuft er seit diesem Sommer mit frischen 37 Lenzen für einen Klub seiner Jugend auf: České Budějovice. Und dort zeigt er, dass er durchaus wieder Lust hat, Fußball zu spielen.

Es ist einfach sehr schade, dass ihm dies während seiner Glanzzeit nicht vergönnt war. Gerade nach seiner Rückkehr zu 96 wäre mit ihm so viel möglich gewesen. Dabei stand er sich aber allzu oft selbst im Weg. Ein drittes Mal Simak bei 96 gab es aber dennoch: Im August 2014 lud Steven Cherundolo zum Abschiedsspiel. Natürlich stand da auch Jan Simak wieder auf dem Platz und half mit, „Dolo“ gebührend zu verabschieden.

Eine echte #h96legende.

Noch jemand?

Natürlich, ein echter Hannoveraner: Fabian Montabell. Fabian wer? Der Junge hat die Jugendabteilungen des Vereins durchlaufen, konnte als Stürmer aber nie Fuß in der Profimannschaft fassen. Es reichte in seiner Zeit zu sechs Kurzeinsätzen in vier verschiedenen Saisons über insgesamt 36 Minuten. Nach mehreren Stationen bei unterklassigen Vereinen ist Montabell mittlerweile in der fünften Liga namens Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar bei der TuS Koblenz angelangt und mimt dort den 30-jährigen Edeljoker.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)

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“Against All Odds” – Mit #frontswag zurück zum Graue-Maus-Dasein

Die Bundesliga-Saison startet am heutigen Freitagabend und für die meisten Fans und Experten stehen neben dem Meistertitel genau zwei Dinge fest:

1. Hannover 96 wird wenn überhaupt nur ganz knapp den Klassenerhalt schaffen, eigentlich wird es aber bestenfalls Platz 16.

2. Michael Frontzeck ist der erste Trainer, der fliegt.

Damit können wir ja dann auch mal entspannt in die Saisonvorschau starten. Wenn die Messlatte so niedrig liegt, kann der Verein nur positiv überraschen. Ein Abschneiden im vom Klub ausgegebenen Bereich von Platz 8-12 (Bonuspunkte für eine Spielzeit ohne Trainerwechsel) bringt uns für den Titel “Positive Überraschung der Saison” uneinholbar in Führung – ganz gleich welcher kleine Verein aus der zweiten Tabellenhälfte dieses Mal unerwartet an den europäischen Plätzen kratzt (Stuttgart, Mainz, HSV,…)

#frontswag-Faktor

Ja, die Vorbereitung war holprig. Die Tore der vergangenen Saison sind weg, die neuen Stürmer zünden noch nicht, hinten wackelts und vorne hoffen wir auf den lieben Gott und Standards. Aber sagen wir mal so: Das machen gefühlt knapp 60% der Liga so. Bockstarkes 4-2-3-1 mit schnellem Umschaltspiel über die Flügel. 1000-mal gesehen, 1000-mal erlebt. Das macht die Bundesliga zurecht zur coolsten Liga mit den geilsten taktischen Innovationen und besten Weltmeistern der Welt.

Aber anders als die anderen Graupenklubs der zweiten Tabellenhälfte hat Hannover 96 den #frontswag-Faktor. Als bescheidener Gründer der gleichlautenden Unterstützer-Kampagne kann ich gar nicht anders, als die Tipps auf seinen schnellen Rauswurf klar zurückzuweisen. Der “schlechteste Bundesliga-Trainer mit über 100 Spielen ever ever ever” hat es immerhin geschafft, in seinen bislang fünf Ligaspielen mit 96 acht Punkte zu holen. (Ja, das war fast alles Stindl/Briand, aber pssst.) Und diese acht Punkte waren bitter nötig, denn anders als in der Saison davor war der Abstiegskampf alles andere als ein Schneckenrennen.

Ich muss zugeben: Bei seinem Dienstbeginn war ich skeptisch. Und die Niederlage trug nicht zur Hoffnung auf den Nichtabstieg bei. Doch dann kam das Unentschieden gegen Wolfsburg und damit hatte der Klub wieder leichten Puls. Okay, vielleicht nur Kammerflimmern, aber der Defibrillator stand zumindest wieder in Reichweite. Und wurde dann gegen Bremen, in Augsburg und gegen Freiburg auch genutzt.

Fantakorn > Fantasie

Der Sommer war lang. Viele Spieler verließen den Verein, manche hochverdiente Stammspieler und Europapokalhelden, andere kurzfristig geholte Kaderspieler. Andere wurden vom britischen Pfund oder einer Stadt mit Dom weggelockt. Neu im Kader stehen jetzt jede Menge junge Spieler und ein paar Routiniers, die noch nicht ganz zu sich gefunden haben. Die Interviews hören sich zwar alle so an, als würden sich alle gut miteinander verstehen, aber auf dem Platz wird es durch diese vermaledeiten Gegenspieler immer wieder erschwert. Da muss man sich mal was einfallen lassen, das ist ziemlich nervig.

Trotz all meines größtenteils unbegründeten Optimismus (oder zählt Fanta-Korn als ausreichende Begründung?) glaube ich nicht, dass ausgerechnet 96 einer dieser oben angesprochenen Vereine sein wird, die nach oben schießen. Dafür steht Hannover in der zweiten Runde des Pokals und wird mit der Taktik “gegen Viertligisten wacklig gewinnen und gegen die großen auf Ausrutscher am Elfmeterpunkt hoffen” natürlich ohne Probleme mindestens das Pokalfinale erreichen. Der Titel muss drin sein, der letzte ist dann auch schon 24 Jahre her. Also nur, wenn man den Lublin-Cup nicht mitrechnet. In der Liga werden wir richtig entspannt im Mittelfeld rumgammeln und nur bedingt sehenswert sein. 34 “Spiele für Taktikfreunde” (eine Formulierung, gegen die sich ebenjene glaube ich seit jeher wehren) erwarten uns und hoffentlich müssen sich nicht viele neutrale Bundesliga-Fans 96-Spiele angucken. Andererseits denke ich, dass gerade eine Rosskur mit Hannover 96 als internationalem Aushängeschild anstelle der AG aus München die vollkommen überblähte Hype-Blase der Liga in Asien und Nordamerika platzen lassen würde. Zumindest würde es die PR-Abteilung endlich einmal vor eine echte Aufgabe stellen, mit #frontswag die von der Premier League schon komplett abgegrasten Märkte zu erschließen.

Kleinere Brötchen backen, bitte

Seit dem Aufstieg 2002 hatte 96 keinen Stürmer mit mehr als 12 Saisontoren, nur zweimal erzielte der Verein nach Wiederaufstieg mehr als 49 Saisontore. Das konnten wir also eh noch nie, eine Verteufelung jenes Aspekts ist also nichts anderes als die Erkenntnis, dass wir seit 2002 keinen Schritt vorwärts gekommen sind. Weit nach hinten sind wir aber auch nicht durchgereicht worden. Ja, andere Vereine investieren mehr und streben schneller nach Europa. Andererseits sind für viele ehemalige Liga-Größen die Niederungen von Aalen/Sandhausen im besten Fall beziehungsweise die Dorfplätze der Regionalligen im schlechtesten Fall die Realität geworden. Manchmal möchte man es den Fans ins Gesicht brüllen, dass dieser Verein die ultimative graue Maus der Liga ist. Die Europa-League-Phase war toll und begeisternd, aber nie nachhaltig für den Verein unserer Größe. Und man tut gut daran, diese Episode im Herzen zu bewahren und davon zu träumen, bis man bald mal wieder dort auflaufen darf. In ein paar Jahren vielleicht. Mit #frontswag.

Und weil es dazu dieses Jahr natürlich nicht reicht, werden wir vielleicht 12. oder 13. Komplett entspannt. Mit #frontswag.

“Rückrunde war Fanta-Korn” – Das große 96-Abschlusszeugnis

Nach dieser spektakulärsten Spielzeit der besten Liga aller Zeiten ever and ever ist es Zeit, bei der grauesten der grauen Mäuse Bilanz zu ziehen. Im Anschluss an insgesamt 36 Spiele mit wenigen Höhen und vielen, vielen Tiefen folgt die spielfreie Zeit, die wir alle bitter nötig haben. Allen voran meine arme Leber. So here it comes, in all its glory, die komplett subjektive und trotzdem (andere würden sagen gerade deswegen) einzig wahre Saisonauswertung:

Tor

Ron-Robert Zieler: Irgendwo zwischen Weltmeister und Kreismeister. Teilweise überragende Paraden, andererseits hanebüchene Fehler bei Gegentoren. Darf im Sommer gerne mal mit Kiyotake Freistöße üben. Im Zweifel kann er dann auch auf Phrasendrescherei in Interviews verzichten. Kandidat für die Kapitänsbinde nächste Saison. Außer natürlich, jemand zieht seine Klausel im Sommer. Spielte jede Pflichtspielminute der Saison.
Note: 3

Robert Almer: Durfte auf der Bank sitzen und blieb trotzdem Österreichs Nationaltorhüter. Das ist auch schon bezeichnend. Weil nächstes EM-Jahr ist und Österreich immer noch Chancen auf eine Qualifikation hat, braucht er nun doch etwas Spielpraxis und geht zu Austria. Verständlich.
Note: n/a

Markus Miller: Nie im Kader, öfter verletzt. Hat seinen Vertrag erfüllt und beendet nun anscheinend seine Karriere. Schön, dass er mental zumindest wieder fit ist.
Note: n/a

Timo Königsmann: Der Nachwuchskeeper saß ab und zu auf der Bank. Könnte langsam mal einen neuen Vertrag unterschreiben.
Note: n/a

Abwehr

Marcelo: Unumstrittener Abwehrchef. Zwar immer noch für den ein oder anderen Schnitzer oder viel zu viele Eigentore gut, aber insgesamt ist er solide. Traf aber endlich auch mal ins richtige Tor, gegen Paderborn und Frankfurt. Durfte dank Schipplocks Verzicht auf eine nachträgliche Bestrafung jede Bundesligaminute absolvieren. Mit einem schnelleren Partner neben ihm steht die Abwehr gar nicht mal so schlecht.
Note: 2-

Christian Schulz: Der alte Mann hatte öfter mal Rücken, trotzdem war er unumstritten die #2 in der Innenverteidigung. Knipste gegen die Hertha, ansonsten offensiv unauffällig. Mit 32 wird Schulle nicht mehr schneller, das sah in der Verteidigung manchmal etwas sehr unglücklich aus. Hat noch ein Jahr Vertrag, fühlt sich in Hannover wohl.
Note: 4+

Miiko Albornoz: Stammkraft hinten links in seiner ersten Bundesliga-Saison. Man hat öfter gemerkt, dass der Schritt von der schwedischen Liga ein großer ist, teilweise waren echt schlechte Spiele dabei. Dazu fehlt ihm in der Offensive immer noch ein bisschen die Traute, den Ball mal vorbeizulegen und durchzuziehen, die Spritzigkeit hat er eigentlich. Die Flanken sind besser als der Durchschnitt, drei Torvorlagen sind sehr gut. Die Rettungsaktion auf der Linie gegen Paderborn ist Szene der Saison.
Note: 3

Hiroki Sakai: Hiroki, Hiroki… bei ihm weiß ich echt nicht. Engagement will ich ihm wirklich nicht absprechen, aber manchmal geht es einfach nach hinten los. Hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, sich als Stammkraft hinten rechts festzuspielen. Jeden Sommer (und Winter) wird ein neuer Rechtsverteidiger geholt, der aber auch nie was ist. Flanken sind nicht so wirklich sein Ding, andererseits ist er gerne vorne mit dabei, teilweise sogar viel zu weit. Mit etwas mehr Konzentration werden die Fehler hoffentlich weniger.
Note: 3-

Felipe: Wer hätte gedacht, dass Felipe gesund sein kann? Das ewige Lazarett brachte es tatsächlich auf 11 Liga-Einsätze und das Pokalspiel in Aalen (Aleschia? Isch kenne dieschesch Aleschia nischt!). Kam öfter mal, wenn ein knapper Vorsprung gehalten werden musste. Dazu ein klasse Spiel gegen Dortmund in der Hinrunde. Bessere Haare als Dante.
Note 4

Christian Pander: Es gab anscheinend Momente in der Hinrunde, in der Pander nicht verletzt war. Wurde öfter mal für Miiko eingewechselt, als der noch nicht die Luft für 90 Minuten hatte. 8 Ligaeinsätze und das Pokalspiel gegen Walldorf. Wird den Verein wohl nach 4 Jahren verlassen, der Vertrag läuft aus und er ist 31. Ich erinnere mich noch an sein erstes Pflichtspiel für 96, das Pokalspiel an der Lohmühle gegen Anker Wismar. Konnte in dieser Saison keine Akzente setzen. Vielleicht macht „Funky Pee“ jetzt wieder Musik.
Note: 4

Joao Pereira: Der Backup im Winter, als der Stojanovic-Deal leider scheiterte. 6 Monate Vertrag, das reicht dann auch. Auf Instagram besser als auf dem Platz. 5 Einsätze, einmal gelb/rot beim Topspiel in Köln. So long.
Note: 5

Marius Stankevicius: Notlösung nach Hoffmanns Verletzung. 2 Einsätze: 70 Minuten gegen Dortmund und 10 gegen Freiburg. Ein-Jahres-Vertrag voll erfüllt. Mit mein Lieblingstransfer diese Saison. Ein alter Mann mit Einwürfen wie ein Katapult. Durfte nie einen Freistoß schießen, sonst wäre klar gewesen, ob es nicht doch ein verkleideter Michael Tarnat war. Wird wieder gehen, hat 80 Minuten lang alles gegeben.
Note: 3+

Stefan Thesker: Im Sommer ablösefrei geholt, Ende der Hinrunde zwei Einsätze gemacht und sich ins Schaufenster gestellt. Im Winter war er auf einmal in Fürth, und das nicht mal ausgeliehen. Zweite Liga ist wohl eher seins. Gab ein paar Euros.
Note: n/a

Florian Ballas: Durfte in Aalen mitspielen. Dann war er im Winter zum FSV Frankfurt verschwunden.
Note: n/a

André Hoffmann: Kreuzbandriss am 2. Trainingstag. Comeback nach 10 Monaten in der Reserve. Greift hoffentlich im Sommer neu an. Ihn würde ich gerne neben Marcelo in der Innenverteidigung sehen.
Note: n/a

Niklas Teichgräber: Nachwuchs ohne Einsatzzeit.
Note: n/a

Mittelfeld

Hiroshi Kiyotake: 4,3 Millionen waren ganz schönes Ballast, dazu musste er sich mit Stindl ein bisschen über die Rollenverteilung klar werden, das wurde am Ende immer besser. Auf der 10 fühlt er sich wohl, wurde letzten Sommer ja sicher schon als Nachfolger verpflichtet. Ein bisschen Vorausschauen kann der Verein ja auch. 5 Tore, 5 Vorlagen. Der Freistoß gegen Dortmund und der Kopfball gegen Freiburg sind Zucker. War immer der erste Offensivspieler, der ausgewechselt wurde. Lag vielleicht ein bisschen an der mangelnden Kondition. Ansonsten bin ich mit ihm zufrieden.
Note: 2-

Leonardo Bittencourt: Ach, Leo… Nach dieser Saison holt Dortmund dich sicher nicht für 5 Millionen wieder zurück. Jetzt hängst du hier fest. Stammplatz auf dem Flügel an Briand verloren, danach Kurzeinsätze und Muskelfaserrisse. Spricht gerne in ihm nahestehenden Mikrofone, auf dem Platz reichte es zu einem Tor, drei Vorlagen und fünf gelben Karten. Nicht genug.
Note: 4-

Manuel Schmiedebach: Ist langsam in die Pinto-Rolle reingewachsen, mit all den positiven und negativen Begleiterscheinungen. Stammkraft im defensiven Mittelfeld (hoffentlich nie wieder rechts hinten!), das ist aber relativ wacklig, wenn andere Spieler mal aus dem Quark kämen. Offensiv war nie seins, wird’s auch nicht mehr. Teil 1 der komischen Frisuren-Wette.
Note: 3-

Edgar Prib: Erstes Tor der Saison geschossen, damals gegen Schalke. Ewigkeiten her. Hat nur wenige Spiele durchspielen dürfen, klassischer Kaderspieler, der zwar viel arbeitet, aber von dem man eigentlich immer etwas mehr erwartet, als er dann tatsächlich bringt. Wird auch in der kommenden Saison eher kein Stammspieler im linken Mittelfeld.
Note: 4

Lars Stindl: Nu isser weg, der Held von Kopenhagen. Hat sich reingekniet wie kein Zweiter, als Kapitän immer vorweg gegangen und gefightet. In der Rückrunde im Grunde fast alleine torgefährlich gewesen, hat den Verein am Schopf in der ersten Liga gehalten. Jetzt darf er zur Belohnung Champions League spielen und keine Sau ist böse über seinen Abgang. Großartiger Mensch, vielleicht ein kleines bisschen zu aufbrausend gewesen und unnötige Karten gesammelt.
Note: 1-

Ceyhun Gülselam: Der Buhmann der Hinrunde. Da durfte jeder Fan mal. Kein guter Fußballer, aber eine Kante. Bleibt Kaderspieler, für ablösefrei nicht schlecht. Gegen Dortmund ein großartiges Spiel abgeliefert.
Note: 4

Leon Andreasen: Verletzungsfreie Saisons wird Andrööösen nicht mehr spielen, aber immerhin schafft er es immer wieder zurück. Hat gegen Hamburg getroffen, als Slomka noch Trainer dort war… Vertrag läuft aus, vielleicht gibt es ja noch einen neuen. Wäre für den Kader nicht verkehrt, dann wäre er auch Anwärter auf die Binde. Teil 2 der komischen Frisuren-Wette.
Note: 3

Salif Sané: Im Winter schon fast weg, dann doch begnadigt. Hat gezeigt, dass er – wenn er Bock hat – einer für die Startelf ist. Und momentan hat er Bock. Besserer Kicker als Gülselam, deutlich. 8 gelbe Karten in 18 Spielen sind vielleicht etwas viel, da könnte er was dran schrauben. Apropos schrauben: Was für ein geiler Fallrückzieher gegen Wolfsburg!
Note: 2

Maurice Hirsch: In der Hinrunde der groß gefeierte Mann, der die 6er-Position revolutionieren sollte. Konnte ein kleines bisschen kicken. Insgesamt 7 Einsätze, Vertrag läuft auch aus.
Note: 4

Sebastian Ernst: Nachwuchsmann. Schnupperte gegen Aalen kurz Luft in der ersten Mannschaft.
Note: n/a

Tim Dierßen: Talent. Vielleicht nächste Saison.
Note: n/a

Sturm

Joselu: Königstransfer und Buhmann der Rückrunde. 8 Tore sind trotzdem okay, auch wenn es eindeutig mehr hätten werden können und müssen. Greift im Sommer hoffentlich nochmal neu an, um den Starterplatz zurückzuerobern. In der Hinrunde war er wirklich schwer in Ordnung. Und ich habe 3x lieber Lu als Vereinstransferrekord als Mike Hanke.
Note: 3+

Jimmy Briand: Der Bulle. Sah im rechten Mittelfeld immer so aus, als würden ihn mit dem ersten Ballkontakt acht Gegenspieler mit Kettensägen jagen. Hatte da keine Ruhe im Spiel, es war zum Verzweifeln. Umso besser der Einsatz vorne drin: 3 Tore und 6 Vorlagen sind famos. Wenn sich kein französischer Verein findet, der ihn nehmen will, behalte ich ihn gerne als Option vorne noch ein weiteres Jahr.
Note: 2-

Artur Sobiech: Joker. Tore gegen Hamburg in Hin- und Rückspiel. Danach war das Knie kaputt. Greift hoffentlich im Sommer neu an, mehr als Kaderspieler wird er aber glaube ich nie werden. Dafür kam bislang zu wenig, auch wenn er mal starten durfte.
Note: 4

Kenan Karaman: Joker. 11 Einsätze, alle von der Bank. Dabei kam offensiv nur wenig auf die Kette. Die einzige erwähnenswerte Aktion ist das Dribbling vor dem 2:0 gegen Freiburg. Zu wenig.
Note: 4-

Jan Schlaudraff: Hauptberuflich als Babysitter in Trainingslagern unterwegs, im Nebenberuf Bundesliga-Profi. Schlaufi ist nun einfach zu alt. Wenn er clever ist, geht er eine Liga runter und stellt sich als Ballverteiler auf die Sechs. Durfte in beiden Pokalspielen mitwirken und wurde dazu fünfmal eingewechselt. Vertrag läuft aus. Danke für alles, besonders das Spiel gegen Sevilla!
Note: 4-

Didier Ya Konan: Merchandise-Transfer für die Fanherzen im Winter. Ist glaub ich immer noch nicht fit. Das Tor gegen Frankfurt war Zucker. Glaube nicht, dass er noch einen neuen Vertrag bekommt.
Note: 4-

Trainer

Tayfun Korkut: Er war stets bemüht. Kein schlechter Trainer, aber sicher keiner für die erste Reihe. Arbeitet bestimmt lieber irgendwo im Hintergrund.
Note: 4-

Michael Frontzeck: #frontswag. Was habe ich mich mit Hartalk bewaffnet, um mich auf die Spiele und den unvermeidlichen Abstieg vorzubereiten. Und dann wurde es doch die Rettung. Danke dafür! In der neuen Saison darf trotzdem jemand anders an der Seitenlinie stehen.
Note: 3

Leihspieler

Adrian Nikci: Spielte in der Hinrunde als einziger 96er Europapokal. War auch für Young Boys nicht gut genug. Dann ging er ganz zu Nürnberg, ist da auch nur Joker. Sagt alles.

Samuel Radlinger: War mal kurzzeitig #2 in Nürnberg. Gespielt hat er nicht. Kommt wieder, auch wenn er hier eher keine Zukunft hat.

Vladimir Rankovic: Das bajuwarische Juwel. War in Aue erst Stamm, dann Bank, dann Tribüne. Dann stieg Aue ab. Kommt wieder.

Valmir Sulejmani: Ist ein Talent. Konnte sich bei Union ein paar Mal auf der Bank präsentieren. Gelegentlich gab es Kurzeinsätze. Braucht noch Zeit. Kommt wieder.

Fazit

Gesamte Saison: Hinrunde war von der Tabelle besser als es spielerisch war. Rückrunde war Fanta-Korn. Note 3- für die ersten 17, Note 5 für die zweiten 17 Spiele. Macht zusammen…
Note: 4-

Alles muss man selber machen… Von einem der auszog, das Auswärtssiegen zu lernen

Das letzte Mal, dass ich im Westfalenstadion war, ist genau 14 Jahre und eine Woche her. Damals stand ich mit sieben Jahren auf der Südtribüne. Bekannte hatten Tickets organisiert und so stand ich mit meiner Familie in der gelben Wand und sah ein 2:0 des BVB gegen Hansa Rostock, durch Tore von Andreas Möller und Sergej Barbarez. (Danke an fussballdaten.de für die Hilfestellung.)

Dieses Mal sollte es also der Gästeblock sein. Das Ticket hatte ich mir als Belohnung für den Umzug innerhalb Berlins besorgt. Eigentlich hatte ich zum Zeitpunkt des Ticketkaufs erwartet, dass der Auswärtsblock schon ausverkauft sei, aber es waren noch zahlreiche Tickets im Stehplatzbereich zu haben und so griff ich spontan zu. Als in der Woche vor der Partie der Bahnstreik alle Auswärtsfans händeringend nach alternativen Anreisemöglichkeiten gucken ließ, war ich froh, bereits die Fahrkarten in Fernbussen geordert zu haben.

Anreise

Freitagsabends ging es also in Berlin los. Also, das sollte es zumindest. Aber der gute OneBus tauchte einfach nicht auf und die Anzeige wechselte von “23:00: Köln (via Magdeburg, Dortmund, Hagen, Wuppertal, Düsseldorf)” zu “00:15: Gdansk”. Hm, das war nicht ganz die präferierte Richtung und auch die zwei Dutzend anderen wartenden Fahrgäste guckten komisch und am Info-Schalter sagte der freundliche Mann: “Achso, ich dachte, der wäre schon hier gewesen. Nee, wir wissen auch nicht, wo der Bus ist.” Freundlicherweise schaltete er die Anzeige wieder zurück, “unbestimmt verzögert”. Immerhin. Und mit nur einer Stunde Verspätung kam der Bus dann auch an. Und an Bord begrüßte uns auch die kölsche Frohnatur Pino, der uns auf eine Reise zur schönsten Stadt der Welt, seiner Heimatstadt “Kölle am Rhing” einlud. Er selber sollte sich aber am Autohof Lauenau verabschieden und in den Bus in Gegenrichtung einsteigen.

Ich hatte tatsächlich gedacht, ich würde mehr schlafen können in diesem Bus, aber es war mehr ein Dösen. Kurz vor 6 Uhr erreichte der Bus den ZOB Dortmund, am Hauptbahnhof gab es glücklicherweise einen großen Kaffee. Wenig später holte mich meine Tante ab und ich legte mich nochmal kurz hin. Nach kurzem Nickerchen wurde ich um 11:30 Uhr freundlich gefragt, ob ich nicht doch frühstücken wolle. Joa, lief.

Per Telefon wurde sich wenig später mit der kleinen Pfeife kurzgeschlossen und am Bahnhof auf eine Handvoll Bier getroffen. Ich wollte ja eigentlich mit den versammelten Fans ein kleines Tippspiel starten, wann es denn das erste Gegentor gebe. Fand aber nicht so viele Teilnehmer, obwohl die Stimmung keinesfalls positiv war. Auch ich schwankte (nein, nicht pegelbedingt, ich hatte alles im Griff) zwischen relativer Hoffnungslosigkeit und unbegründetem Optimismus. Eine 96-Niederlage hatte ich ja noch nie im Stadion gesehen.

Zum Stadion

Die Kneipe leerte sich und auch unsere kleine Gruppe entschloss sich, Richtung Stadion aufzubrechen. Mit der U-Bahn gelang die Anreise sehr problemlos, die große Masse an Fans war um 15 Uhr auch schon am und im Stadion. Vor den Toren wurde noch ein Bierchen getrunken. Irgendein BVB-Fan schien eine Wette verloren zu haben – oder es war ein Junggesellenabschied – denn er hatte ein Schalke-Wappen auf dem Hintern kleben und bereitwillige Fans durften für einen Euro mit einem Fußball draufschießen. Für einen Treffer winkte ein Kurzer als Belohnung.

Ins Stadion ging es fix, die Schlange war schon kurz und die Kontrolle relativ lax. Die Stehblöcke waren schon gut gefüllt, ich stand im Block 61 auf der zehnten Treppenstufe oder so, also sehr weit unten. Die Sicht war aber dennoch sehr gut. Die Kulisse war dazu sehr beeindruckend, eine gespannte Atmosphäre auf den Rängen und gegenüber die Südtribüne, das hatte schon was. Besonders positiv waren auf jeden Fall die Anti-Rassismus-Banner, die von den Heimfans ausgerollt wurden.

Dann kam das Spiel. Zunächst schien die Reinkarnation von Michael Tarnat als Rechtsverteidiger aufgelaufen zu sein, denn was der Stankevicius da an Einwürfen quer über den Rasen schleuderte, war sensationell und wäre auch beinahe sofort belohnt worden. Schade, dass er in der zweiten Halbzeit verletzt rausmusste. Klar sah er defensiv nicht immer gut aus, aber ich war positiv überrascht. Selbiges kann man auch von Felipe sagen. Über den Mann wurde ja viel gesagt im Laufe der letzten Jahre, das Wort “solide” fiel eigentlich nie. Klar, Marcelo und ihm kamen die vielen Dortmunder Flanken entgegen, da beide kopfballstark sind, aber Felipe agierte so ziemlich fehlerlos. Chapeau!

Apropos gescholtene Spieler: In den letzten Tagen und Wochen kristallisiert sich ja unter den 96-Fans Ceyhun Gülselam als Sündenbock der Mannschaft heraus. Zugegeben, er hatte manch schwächeres Spiel, aber gegen den BVB war er für mich der beste Feldspieler der Gäste. Eine großartige Leistung im defensiven Mittelfeld, viele wichtige Balleroberungen und Tacklings, auch wenn es am Ende eins zu viel war. Nach dem verletzungsbedingten Wechsel nahm er den jungen Maurice Hirsch an die Hand, der sich nahtlos in die tolle Defensivarbeit einfügte. Dass im Endeffekt Keeper Zieler (kickers Spieler des Tages) und Siegtorschütze Kiyotake (wunderschöner Freistoß) die Schlagzeilen für sich beanspruchten, war verständlich. Immerhin war es der erste Auswärtssieg, ja sogar das erste Auswärtstor der Saison.

Fans

Wirklich unzufrieden war ich mit keiner Leistung, das war geschlossen gut und machte Mut auf mehr. Dass nur ein paar Tage später dieses Pokalspiel war…. joah, Schwamm drüber. Achso, der Auswärtsblock war insgesamt stimmungsmäßig eher enttäuschend. Ja, ist nicht überraschend, aber man muss es ja erlebt haben. Zwar waren alle Tickets ausverkauft, trotzdem kam kaum Stimmung auf. In der ersten Halbzeit beschränkte es sich darauf, bei BVB-Wechselgesängen den Bastian-Schweinsteiger-Gesang reinzubrüllen. Oder eine kleine Gruppe Fans stimmte ein halbherziges “Kind muss weg!” an, konnte aber den Rest der Kurve nicht animieren, mitzumachen. Erst zur zweiten Halbzeit und mit dem Tor kamen eigene Wechselgesänge auf. Insgesamt war die Kurve komatös.

Schräg hinter mir verwirrte mich eine kleine Gruppe Jugendliche, die während des Spiels nicht wirklich zu erkennen gaben, ob sie BVB- oder Hannover-Fans waren. Das Hauptgesprächsthema waren die Schuhe der 22 Spieler und in der Schlussphase wurden gutgemeinte “FIFA-Controller-Aktionen” Richtung Spielfeld gerufen: “Jetzt Kreis, Kreis, Kreis, Kreis, Kreis!” Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Hinweise werden gerne entgegen genommen. Auch, ob das ein Einzelfall oder generell ein Trend in Fankurven ist…

Dritte Halbzeit

Nach dem Spiel war ich zum Abendessen beim guten Stefan eingeladen, wo das Spiel natürlich noch einmal seziert wurde. Der Abend endete irgendwann spät mit meiner Cousine in der “Großmarktschänke”. Der Laden kann was, sei es preislich, atmosphärisch oder musikalisch.

Sonntagnachmittag die Rückreise im Bus, deutlich voller und etwas unbequemer als auf der Hinreise. Abends wieder in Berlin, die Stimme deutlich angeschlagen, im Rucksack die ersten drei Auswärtspunkte der Saison. Insgesamt eine tolle Auswärtsreise, das kann man mal wieder machen. Die nächste Auswärtsreise steht ja auch schon vor der Tür. Mit der U2 zum Olympiastadion.

Und sonst?

Wie gesagt, das Pokalspiel war eher so mittelgut. Wird hier professionell unter den Teppich gekehrt. Glückwunsch an Florian Ballas und Sebastian Ernst zu ihren ersten Pflichtspielminuten, beide haben einen ordentlichen Job abgeliefert. Gegen Frankfurt werden die beiden aber wahrscheinlich nicht in der Startelf stehen, bei der momentanen Verletzungsseuche könnten aber beide auf der Bank sitzen. Christian Pander ist ja mal wieder verletzt, Überraschung, Schulle macht also weiter den Linksverteidiger. Was die restliche Mannschaft angeht, hoffe ich mal, dass sich Jimmy Briand langsam fängt. Der Jung ist so hypernervös in seinen Aktionen, überhastet in fast allen Situationen. Ich glaube, der kann viel mehr, zeigt es aber einfach nicht. Hoffentlich kann er gegen Frankfurt zeigen, was er kann.

Ansonsten? Adrian Nikci International. Der Schweizer spielt weiter Europa League, wenn auch immer nur als Edeljoker in der Nachspielzeit. Europapokal ist Europapokal.
Poco ist Stammkraft hinten links bei West Brom und alle sind von ihm begeistert.
Szabi kann mich Changchun am Sonntag theoretisch noch in die zweite chinesische Liga absteigen. Wahrscheinlich wird es aber mit einem unteren Mittelfeldplatz enden. Das hat sich für ihn richtig gelohnt, nach China zu gehen…
Didi Ya Konan scheint mal wieder verletzt zu sein, denn momentan ist er auf Deutschlandbesuch und nicht im Mannschaftskader in Saudi-Arabien.
Die U23 von Hannover hat in den letzten Wochen eher stagniert, die Mannschaft von Coach Osterland steht auf Platz 7 der Regionalliga Nord, Samstag geht es gegen den Sechsten aus Lübeck.

Joseluuuu!

Joseluuuuu…

Jaja, ich weiß schon. Eigentlich ging die meiste Zeit heute morgen dabei verloren, irgendeine Knaller-Überschrift mit “5-Sterne-Performance” und “Walldorf Astoria” zu finden. Aber das wäre ja nicht nur zu bemüht, sondern auch noch schlichtweg gelogen. Das Spiel war… puh… sagen wir mal so souverän wie letztes Jahr in Hamburg. Deswegen stattdessen mein neuer Ohrwurm.

 

Aber der Reihe nach: Die Mannschaft stellte sich auf wie vermutet:

Zieler – Pander, Schulz, Marcelo, Sakai – Andreasen, Schmiedebach – Prib, Stindl, Bittencourt – Joselu.

Bei der Bank lag ich auch nur einmal daneben: Statt Valmir Sulejmani war Maurice Hirsch mit dabei. Trotzdem wurde es kein so unterhaltsames 3:1 wie gegen Lazio. Insbesondere die sehr hoch stehende Abwehrkette war äußerst anfällig, wenn das Mittelfeld im Aufbauspiel den Ball verlor. Walldorfs schnelle Angreifer konnten die Schnittstellen gut nutzen, daraus entstanden zunächst der Pfostenschuss beim Stand von 0:0 und dann Marcelos Platzverweis kurz vor der Halbzeit. Ich hatte mich bereits während des Spiels gefragt, ob es so sinnig ist, bei einer solchen Taktik die langsamsten Spieler in der Innenverteidigung stehen zu haben. Zwar ist davon auszugehen, dass wir nicht die Mehrheit der Bundesliga-Spiele so beginnen werden, aber Sorgen macht es schon.

Nach vorne ging es zunächst nicht schlecht, nur die Präzision im Abschluss ließ zunächst auf sich warten. Auch Christian Panders oft hoch gelobten Hereingaben erinnerten mehr an Kocka Rauschs Glanzzeiten und der Streuweite einer Schrotflinte. Immerhin fand eine Freistoßflanke den Kopf von Joselu zum 1:0. Das erste von hoffentlich zahlreichen Pflichtspieltoren für Hannover 96. Eigentlich hatte er vor der Pause schon das 2:0 nachgelegt, doch das Schiedsrichtergespann fällte seine erste Fehlentscheidung und gab den Treffer wegen Abseits nicht.

Im Gegenzug gab Marcelo dann alles daran, seinen Kritikern Feuer zu geben. Zwar war er an dieser Situation nicht allein schuldig, aber wie er sie dann versuchte zu lösen, war durchaus zweifelhaft. Rot war 100% korrekt für diese amateurhafte Grätsche 20m vor dem eigenen Kasten. Die Befürchtung, Korkut könnte nun Felipe einwechseln, zerstreute der Trainer glücklicherweise, indem er Andreasen in die Viererkette zurückzog. Stindl ließ sich ebenfalls etwas weiter zurückfallen.

 

Nach der Pause kam es zum verdienten Ausgleich. Erst streckte Christian Schulz mit einer Grätsche zwei Angreifer nieder, wofür ich ihm noch sehr dankbar war. Als beim anschließenden Freistoß aber die ganze Abwehr pennte, stand das Erreichen von Runde 2 auf einmal auf wackligen Füßen. Das Selbstvertrauen der Mannschaft war angeknackst und wenn 96 mal in den gegnerischen Strafraum kam und gefoult wurde, entschied der Schiedsrichter auf weiterspielen. Zweimal.

Als Walldorf die Kräfte ausgingen, drosch “local hero” Lars Stindl den Ball erst volley in den Winkel, dann legte Joselu seinen zweiten Treffer nach. Ab dann durften auch Albornoz und Gülselam ihre ersten 96-Pflichtspielminuten ableisten und Schlaudraff kam zum Zeit schinden.

Insgesamt keinesfalls eine überzeugende Leistung. Sowohl auf als auch neben dem Platz. Ein Hauch von Kreisliga wehte durch Walldorf. 500 96-Fans sollen dagewesen sein, gehört habe ich ungefähr 15. Während die Ultras im Beekestadion waren, herrschte im Auswärtsblock von Walldorf friedliche Stille. Selbst nach den erlösenden Toren wurde nichts angestimmt, das war traurig.

 

Im angesprochenen Beekestadion spielte mittags die U23 und gewann ungefährdet mit 3:0 (2:0) gegen den Lüneburger SK. Bähre, Ernst und Sané trafen für die Reserve, die sich damit auf Rang 4 der Regionalliga Nord verbessert.

 

Was machen die Ehemaligen?

West-Brom-Fans sind schwer beeindruckt mit Sebastien Pocognoli. Der Belgier zeigte beim 2:2 zum Auftakt gegen Sunderland eine ansprechende Leistung, den Stammplatz scheint er sicher zu haben. Das freut mich sehr für ihn, ich denke der englische Fußball passt zu ihm.

Mame Diouf durfte 70 Minuten für Stoke gegen Aston Villa spielen und trat bei der 0:1-Niederlage nicht weiter in Erscheinung.

Szabi holte gegen Shanghai einen Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 gegen Shanghai heraus. Durch schlechte Abwehrleistungen wurde es ein 1:2.

Pflichtspielstart

Es kann losgehen! Morgen beginnt endlich wieder der Ernst des Lebens. Oder so. Leider am komplett falschen Ende der Republik. Nun gut, die erste Pokalrunde ist ja eigentlich keine große Hürde. Selbst 96 hat es geschafft, Wismar, Nöttingen und Victoria Hamburg in aufeinanderfolgenden Jahren ohne größere Mühe zu schlagen. Und das war bei der generellen Auswärts…”anfälligkeit” beileibe keine Selbstverständlichkeit. (Letzten Sommer in Hamburg war tolles Wetter, aber das Spiel? Puh…)

Auf der gestrigen PK vor der Partie ging es eigentlich kaum um das bevorstehende Aufeinandertreffen mit Walldorf. Das lag vor allem daran, dass Haudegen Marius Stankevicius vorgestellt wurde und pflichtbewusst seine drei Fragen beantwortete. Andererseits ging es auch viel um den neuen Mannschaftsrat um Kapitän Stindl, Vertreter Schulz und Andreasen, sowie Schlaudraff und Zieler.

Zum morgigen Spiel gab es dann eigentlich nur die Routine-Geschichten abzuklappern, die man halt so fragt, wenn man einen unterklassigen Gegner besucht und der eigene Trainer aus der Ecke kommt. Große Sensation: Korkut nimmt das Spiel ernst und will gewinnen! Und weil er den gegnerischen Trainer kennt, hat er sogar mal mit ihm gesprochen! Sachen gibts…

Wer genau im Kader steht, ist noch ein bisschen unklar. Die Woche über gab es ein paar Krankmeldungen und Verletzungssorgen, von denen die meisten aber nicht so schlimm waren. Auch der vermutete Muskelfaserriss bei Hiroshi Kiyotake stellte sich als Zerrung heraus. Am Wochenende fällt er damit aber trotzdem aus. Karaman hat dicke Mandeln und wird das zuhause auskurieren, Sobiech schafft es mit gereizten Bauchmuskeln vermutlich auf die Bank. Kapitän Stindl hat einen Schlag im Training abbekommen, aber Lars wird es sich am Samstag nicht nehmen lassen, das Team aufs Feld zu führen.

Nimmt man das Team von der Saisoneröffnung gegen Lazio als Gradmesser, stellt sich 96 wie folgt auf: Zieler – Pander, Schulz, Marcelo, Sakai – Andreasen, Schmiedebach – Prib, Stindl, Bittencourt – Joselu. Zwar steht in dieser Aufstellung mit Joselu nur einer der zahlreichen Neuzugänge, aber mehrere sind in harter Konkurrenz. Albornoz liegt meiner Meinung nach mit Pander gleichauf, Gülselam ist eine einsatzbereite Alternative auf der 6er-Position, Kiyotake ist (wenn er wieder fit ist) auf allen Positionen der offensiven Dreier-Reihe einsetzbar und dazu zeigte auch Routinier Schlaudraff Anzeichen von Form. So tippe ich bei der Bank auf Almer, Albornoz, Felipe, Gülselam, Schlaudraff, Sulejmani und Sobiech.

Über Walldorf weiß ich ziemlich wenig, außer dass Bekannte in der Nähe wohnen und Hoffenheim anderthalb Dörfer weiter ist. Den Rest findet jeder bei Wikipedia, sollte man einen Ausflug planen. Das Stadion scheint für die Regionalliga-Bedürfnisse des Vereins zu reichen, in der Tabelle steht der Klub nach drei Spieltagen bei vier Punkten auf Platz sieben. Ich denke man tritt dem Verein nicht zu nahe, wenn man ihn jetzt nicht überanalysiert.

Die Jungs in der zweiten Mannschaft waren ja am Montag Nachmittag bei der Wolfsburger Reserve zu Gast und wurden dort von zahlreichen Fans unterstützt. Am Ende stand es gegen den Vorjahresmeister nach Rückstand 1:1, was laut Berichten ein glücklicher Punkt für den Gastgeber war. Somit geht es morgen um 13:00 weiterhin ungeschlagen gegen den Lüneburger SK, der seinerseits noch ohne Sieg ist. Besonders interessiert mich dabei, wie viele Fans das Spiel anlockt, wenn kurz danach im Südwesten das Pokalspiel angepfiffen wird. Da wird sich zeigen, wie viele Fans tatsächlich zuhause bleiben um die U23 anzufeuern. Ein erster Gradmesser für das abgegebene “Versprechen”.

Und sonst?

Szabi hat schon wieder getroffen. Er schoss das 2:1 beim 3:2-Auswärtserfolg bei Shanghai Shenhua und damit spielt er nun auch in Chinas Super League im namenlosen Tabellenmittelfeld. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Junge da nicht glücklich wird, aber ein Auge drauf werfen kann man ja immer wieder mal.

Ach ja: Adrian Nikci spielt immer noch Europa League. Ab kommender Woche in den Playoffs gegen Debrecen aus Ungarn. Er kommt rum in der Welt.