Türchen #24

Mit den zurückliegenden 23 Tagen habe ich zum einen probiert, die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen, zum anderen aber auch die Winterpause herbeizusehnen und vor dem Tagesgeschehen in Hannover ein wenig zu flüchten.

Ich fand die Arbeit an den jeweiligen Tagen richtig toll, weil sich die abstrusesten Karrierepfade aufgetan haben, jeder dieser Spieler aus unterschiedlichen Gründen im Gedächtnis haften geblieben bzw. komplett gelöscht wurde und weil man so eine Perspektive darauf bekommt, dass viele der vermutlich aktuellen Probleme seit doch 13 Jahren vorhanden sind.

Nun ist es so, dass ich für den 24. weder einen Spieler mit exakt 24 Bundesligaspielen noch mit exakt 24 Bundesligatoren gefunden habe. Ich hätte nun pfuschen können und Jacek Krzynówek mit 25 Spielen angucken können, aber das war mir dann doch etwas zu doof. Gleiches galt für Michael Delura, ebenfalls 25 Spiele für 96. Vielleicht tauchen die beiden in den nächsten Monaten hier mal auf.

Dann jedoch kam mir – komplett nüchtern – die Idee, dem Trainer noch ein Denkmal zu setzen. Ich meine, jeder kennt mein Retter-Shirt, aber das war ja letzte Rückrunde. Und nach dieser…. unfassbaren Hinrunde habe ich mir gedacht: Wer weiß, wie lange Michael Frontzeck noch im Amt ist, deswegen schustere ich ihm fix ein Lied zusammen und nehme es komplett improvisiert auf. Es ist also keine überragende Qualität, aber ganz ehrlich: Damit passe ich mich auch nur der Mannschaftsleistung an…

(Aufgenommen und vorbereitet habe ich das Ganze vor einer Woche, am 17.12. Konnte ja keiner ahnen, dass Frontzeck nun nicht mehr Trainer ist. Um ihn dennoch gebührend zu würdigen, habe ich jetzt nichts mehr verändert. Viel Spaß!)

Hier folgt nun der Song für Michael Frontzeck (Text hab ich drunter gestellt, falls jemand über Weihnachten den Ohrwurm perfektionieren möchte):

Frohe Weihnachten!

 

In einer Welt, in der man nur noch lebt,
damit man ständig zum Fußball geht,
ist die größte Aufregung, die es noch gibt,
das allwöchentliche Sportschaubild.

Jeder Mensch spielt wie ein Uhrwerk,
wie ein Computer programmiert.
Es gibt keinen, der sich dagegen wehrt,
nur ein paar Jugendspieler sind frustriert.

Wenn am Spieltag die Stimmung runtergeht,
beginnt für die Jungs der Tag.
In Formationen sammeln sie sich,
gehn gemeinsam auf den Platz.

Hey, hier kommt Frontzeck!
Vorhang auf – für seine Horrorshow.
Hey, hier kommt Frontzeck!
Vorhang auf – für 90 Minuten Horrorshow.

Auf dem Kreuzzug gegen die Ordnung
und die scheinbar heile Welt
zelebrieren sie lange Pässe,
Standards und Stupidität.

Erst wenn sie die Zuschauer leiden sehn,
spüren sie Verantwortung.
Es gibt kaum Hoffnung im Rest des Spiels
vielleicht gibt es noch nen Punkt.

Hey, hier kommt Frontzeck!
Vorhang auf – für seine Horrorshow.
Hey, hier kommt Frontzeck!
Vorhang auf – für 90 Minuten Horrorshow.

Siebzehn gegen einen
bis Käptn Schulz zum Vorschein kommt.
Ob mit Dribblings oder Flanken,
irgendwann trifft jeder Kopf.
Der nächste Abstieg ist schon dran,
wenn ihr den Kind im Ohr noch fragt:
„Warum hast du nichts getan,
nichts getan?“

Hey, hier kommt Frontzeck!
Vorhang auf – für seine Horrorshow.
Hey, hier kommt Frontzeck!
Vorhang auf – für 90 Minuten Horrorshow.
Hey, hey, hey, hier kommt Frontzeck!
Vorhang auf – für 17 Spiele Horrorshow.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)
Türchen #20 – Clint Mathis (20 Spiele, 5 Tore)
Türchen #21 – Benjamin Lauth (21 Spiele, 0 Tore)
Türchen #22 – Gerhard Tremmel (22 Spiele, 0 Tore)
Türchen #23 – Bastian Schulz (23 Spiele, 1 Tor)

Türchen #23

Beinahe am Abschluss des Kalenders steht die etwas ungewöhnliche Geschichte eines echten Hannoveraners, der den Sprung in die erste Mannschaft schaffte, dann eigene Wege ging und jetzt in der Nachbarschaft in der vierten Liga aufläuft und dort den Nachwuchsspielern mit seiner Erfahrung zur Seite steht.

 

Türchen #23: Bastian Schulz

Auch Bastian Schulz kommt aus Isernhagen, seine Kindheit verbrachte er in den frühen 90er Jahren beim TuS Altwarmbüchen, bis er im Jahr 1997 mit knapp 12 Jahren zu Hannover 96 in die Jugendabteilung wechselte. Dort spielte er in allen Mannschaften und ab 2004 auch in der zweiten Mannschaft. Zwar war er durchaus talentiert und wurde mit 20 Jahren von Ewald Lienen in den Kader berufen, als der erste Spieltag der Saison 2005/06 anstand, aber eigentlich spielte Schulz immer in der Oberliga Nord im Mittelfeld, sei es links, rechts oder zentral. In vier Saisons dort schoss Schulz 16 Tore und half mit, dass Hannover II immer im oberen Tabellendrittel landete.

Bei den Profis

Sein Debüt für die Profimannschaft gab Schulz am 15. März 2008 mit 22 am 24. Spieltag gegen Arminia Bielefeld, als er in der Halbzeit für Altin Lala eingewechselt wurde. Eine Woche später wurde er gegen den MSV Duisburg erneut eingewechselt und stand für den Rest der Saison im Kader. Das Startelfdebüt kam am 3. Spieltag der Saison 2008/09, als er zusammen mit Altin Lala das defensive Mittelfeld gegen den VfB Stuttgart besetzte und man trotzdem 0:2 verlor.

In Erinnerung geblieben ist vor allem der 11. Spieltag dieser Saison gegen den Hamburger SV. Bereits nach fünf Minuten konterte 96 im eigenen Stadion, der Ball kam zu Schulz, der aus 20 Metern einfach mal draufhielt. Der Schuss flatterte und senkte sich über Frank Rost zum 1:0 ins Netz – ein Traumtor. Am Ende stand es 3:0 und Bastian Schulz war der frühe Matchwinner. Der Rest der Saison war eine Mischung aus Startelf, Kurzeinsätzen und raus aus dem Kader. Zu 100% konnte er sich nicht etablieren, war aber immer eine Bereicherung für das Spiel. Am Ende der Saison wollte Schulz, der ansonsten ein bescheidener Spieler war, der nebenbei eine Ausbildung gemacht hatte, zumindest anerkannt haben, dass sein Vertrag nicht mehr ein reiner Vertrag für die zweite Mannschaft war. Immerhin hatte er jetzt schon 23 Bundesligaspiele und ein Tor gemacht. Hannover 96 wollte dem Wunsch aber nicht entsprechen und so suchte sich Bastian Schulz einen neuen Verein.

Auf eigenen Beinen

Beim 1. FC Kaiserslautern hatte der neue Trainer Marco Kurz das Potential des Hannoveraners erkannt und verpflichtete ihn für 100.000 Euro in die 2. Liga. Dort wird Schulz sofort zum Stammspieler und sorgt mit dafür, dass Lautern fast vom Start weg die 2. Liga dominiert und Richtung Bundesliga schielen kann. Kurz vor der Winterpause kommt dann der Schock: Bastian Schulz erleidet einen Kreuzbandanriss, fällt bis fast zum Saisonende aus. Während der Mittelfeldspieler an seiner Rückkehr an den Geräten arbeitet, macht Lautern ohne ihn genauso weiter wie mit ihm. Sie können seinen Ausfall kompensieren und bei seiner Rückkehr am 30. Spieltag steht der Aufstieg so gut wie fest und er muss feststellen: Vermisst hat mich die Mannschaft nicht so wirklich.

Er will es aber wissen und hängt sich im Sommer nach dem Aufstieg rein, möchte wieder Teil der Mannschaft werden. Das geht aber nicht gut, in der Bundesliga erhält er nur drei Einsätze, davon einer von Anfang an, bei dem er beim Stand von 0:3 gegen Stuttgart früh ausgewechselt wird (Endstand 3:3). Deswegen schaut sich Schulz erneut um und unterschreibt bei RB Leipzig in der Regionalliga Nord, wo Schulz wieder Stammspieler ist und mit Leipzig auf Rang 3 landet. Eine Saison später ist es die Regionalliga Nordost nach der Strukturreform des DFB. Das bedeutet teilweise neue Gegner und einen Durchmarsch zum Regionalligatitel für Leipzig. Dank des DFB steigt ein Meister aber nicht sofort auf, sondern muss durch Aufstiegsspiele. Für Leipzig bedeutet das ein Playoff gegen die Sportfreunde Lotte, den Meister der Regionalliga West. Nach einem 2:0-Hinspielsieg stehen alle Zeichen auf 3. Liga, bis Lotte in der 94. Minute das 2:0 schafft und in letzter Sekunde die Verlängerung erzwingt. Dort erweist sich Tobias Willers – Torschütze zum 1:0 und ehemaliger Spieler in Hannovers 2. Mannschaft – als Helfer für Leipzig, indem er ein Eigentor erzielt und so die Weichen auf Aufstieg für RB stellt. In der 110. Minute kommt Bastian Schulz im Lotter Strafraum zu Fall und nach dem erzielten 2:2 per Elfmeter steht der Aufstieg fest. In der 3. Liga ist Schulz mit nun 28 Jahren eigentlich wieder Stammspieler, jedoch setzt Trainer Alexander Zorniger nun vermehrt auf den Youngster Joshua Kimmich. So wird im Winter 2013 der Vertrag aufgelöst und Bastian Schulz zieht zurück nach Niedersachsen.

Wolfsburg

Sein alter Teamkollege Valérien Ismaël ist Trainer von Wolfsburgs Reserve und braucht noch einen erfahrenen Mann, der die ganzen Toptalente mitbeaufsichtigt. Schulz ist sofort dabei und am Ende der Saison 2013/14 ist der Tabellenführer Wolfsburg in den Aufstiegsspielen. Schulz Erfahrung ist dort aber nicht genug, gegen den Underdog Sonnenhof-Großaspach verliert man nach Hin- und Rückspiel 0:1 und muss in der Regionalliga Nord bleiben. Ismaël geht zur neuen Saison nach Nürnberg und Thomas Brdarić übernimmt. Unter ihm wird man aber nur Tabellenzweiter, Schulz trifft immerhin achtmal. Ismaël kommt nach dem gescheiterten Versuch in Nürnberg zum Sommer 2015 zurück und steht zur Winterpause hinter dem VfB Oldenburg auf Platz 2. Schulz hat mit 30 Jahren 15 von bislang 20 Spielen gemacht und bleibt ein Einfluss auf die jungen Spieler. Er träumt immer noch vom Aufstieg in die 3. Liga.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Zur Saison 2003/04 hatte 96 Kléber aus Brasilien ausgeliehen, um in der linken Verteidigung mehr Stabilität zu haben. Er machte 23 Spiele, dabei ein Tor und vier Vorlagen. Nach dem Ende der Leihe ging es für ihn zum FC Basel, wo er aber nur ein Jahr blieb und direkt danach wieder nach Brasilien zurückging und dort im Sommer 2014 seine Karriere beendete.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)
Türchen #20 – Clint Mathis (20 Spiele, 5 Tore)
Türchen #21 – Benjamin Lauth (21 Spiele, 0 Tore)
Türchen #22 – Gerhard Tremmel (22 Spiele, 0 Tore)

Türchen #22

Es geht aufs Ende. Nur noch drei Türchen öffnen, dann ist Heiligabend. Apropos Türchen: Die Torhüter kamen in diesem Adventskalender etwas kurz, nur Daniel Haas war bislang vertreten, dafür prominent an erster Stelle. Heute ist dann der zweite Keeper des Kalenders dran. Der erste Sievers-Nachfolger, der 22-mal in der Bundesliga zwischen den Pfosten der 96er stand.

 

Türchen #22: Gerhard Tremmel

Ebenso wie gestern Benny Lauth ist auch Gerhard Tremmel Bayer, allerdings ist Tremmel knapp drei Jahre älter. Und während Lauth immer für 1860 in der Jugend spielte, probierte sich Tremmel als Münchener munter durch alle Jugendmannschaften. In ganz jungen Jahren beim FC Bayern, zwischendurch bei 1860 und dann schließlich als es ernst wurde bei der SpVgg Unterhaching, wo er auch in den Profifußball einstieg.

Der erste Einsatz kam völlig unerwartet am 28. Spieltag der Saison 1999/00 gegen 1860 München. Nach dem letzten Spiel hatte sich Stammtorhüter Jürgen Wittmann verletzt und Trainer Lorenz-Günther Köstner vertraute dem 21-Jährigen, der zuvor bei der zweiten Mannschaft in unterklassigen Ligen gespielt hatte. Zu dem Zeitpunkt stand Haching zwar auf Platz 11, aber nur vier Punkte vor den Abstiegsrängen. Mit elf Punkten aus den verbleibenden sieben Spielen hielt man aber locker die Klasse und sorgte mit einem 2:0-Sieg am letzten Spieltag gegen Bayer Leverkusen sogar noch dafür, dass diese auf Platz 2 rutschten und die Bayern Meister wurden.

Die ersten beiden Spiele der Saison 2000/01 übernahm wieder Wittmann, allerdings war Tremmel in Unterhaching zum Liebling avanciert und beerbte den Veteranen am 3. Spieltag. Trotz acht Spielen ohne Gegentor musste Tremmel zum Saisonende als 16. mit Haching in die zweite Liga absteigen. Dort konnte der Verein den Abwärtstrend nicht aufhalten und während Hannover 96 als Tabellenerster aufstieg, musste Unterhaching nach nur einer Zweitligasaison den Weg in die Regionalliga Süd antreten.

96

Für Gerhard Tremmel ging es für eine Ablösesumme von 200.000 Euro zum Aufsteiger aus Hannover und sollte dort die Nummer 2 hinter Jörg Sievers sein, der zur Belohnung seiner langen und ruhmreichen Karriere noch Bundesligaluft schnappen durfte. Als 96 vor dem 17. Spieltag auf Platz 16 rangierte, entschloss sich Ralf Rangnick, dem jungen Gerhard Tremmel eine Chance in der Rückrunde zu geben. Dafür durfte Sievers am 34. Spieltag noch ein paar Sekunden zum Abschied spielen. Mit Tremmel im Tor kassierte Hannover nur 24 Tore in der Rückrunde und belegte am Ende einen guten 11. Rang.

Als Nummer 2 hinter Tremmel wurde Marc Ziegler vom BVB ausgeliehen, doch in den ersten vier Partien leistete sich Tremmel einige Patzer. Beim 3:3 gegen den FC Bayern ging mindestens ein Tor auf seine Kappe und auch gegen Leverkusen (0:4) und Rostock (3:3) wackelte er bedenklich, so dass von nun an Ziegler der Stammkeeper war und Tremmel auf die Bank musste.

Richtung Osten

Nachdem für Tremmel die Zukunft dadurch verbaut wurde, dass man nun Robert Enke holte, ging der 25-Jährige in die Hauptstadt zu Hertha BSC. Dort war er aber hinter Christian Fiedler ebenfalls die klare Vertretung auf der Bank und durfte erst in der Saison 2005/06 fünf Saisonspiele machen, darunter ein 2:2 am 1. Spieltag gegen Hannover 96. Trotzdem verbrachte er zu viel Zeit auf der Bank und langsam kam er in das „beste Torwartalter“. Da meldete sich Energie Cottbus.

Gerade aufgestiegen wollte man sich in der Lausitz den Kader verstärken und den Nachfolger von Tomislav Piplica in Stellung bringen. Diese Situation war im Grunde dieselbe wie damals in Hannover, nur war Tremmel jetzt vier Jahre älter. Während er zum Start nur einmal in der Rückrunde im Tor stehen durfte, übernahm er die Rolle des Stammtorhüters ab dem 11. Spieltag der Saison 2007/08 komplett und spielte ab da jedes Spiel im Cottbusser Tor.

Mit dem Verein ging es aber in den Jahren insgesamt bergab. 2008 konnte man die Klasse noch knapp halten, aber im Jahr 2009 reichte auch die Rettung auf den Relegationsplatz 16 nichts mehr, weil man nach zwei Niederlagen gegen den 1. FC Nürnberg absteigen musste. Tremmel suchte sich einen neuen Verein und bekam auch von Cottbus das Einverständnis. Allerdings fand Tremmel keinen und entschied sich deshalb, in Cottbus zu bleiben. Der Nachfolgekeeper, den Energie schon mal verpflichtet hatte, wurde auf die kommende Saison vertröstet. Nach einer ruhigen Saison, die Cottbus im Mittelfeld der Tabelle beendete, wurde Gerhard Tremmel am letzten Spieltag in der 54. Minute ausgewechselt und er ließ sich ein letztes Mal von den Fans feiern.

Ins Ausland

Denn jetzt zog es den Bayern nach Österreich. Der Meister Red Bull Salzburg mit Trainer Huub Stevens sicherte sich die Dienste des nun 31-Jährigen, der mit Salzburg Europa League gegen Lech Poznań, Juventus und Manchester City spielte. Dazu wurde er mit Red Bull Vizemeister in Österreich hinter Sturm Graz. Nachdem er aber nur einen Ein-Jahres-Vertrag in Salzburg unterschrieben hatte und ihn die Premier League immer gelockt hatte, unterschrieb er im Sommer 2011 bei Swansea City.

Unter Brendan Rodgers spielte Tremmel im FA Cup, wie es auf der Insel bei vielen Vereinen Tradition ist, dass der Ersatztorhüter die Pokalwettbewerbe bekommt. Dies zog sich durch seine Zeit bei Swansea auch unter Nachfolger Michael Laudrup, dazu kam im Februar 2013 sein größter Erfolg als Spieler: Als Überraschungsmannschaft im League Cup besiegte man im Endspiel den Viertligisten Bradford City und so konnte Tremmel mit 34 seinen bislang einzigen Pokal in die Luft strecken.

Ansonsten half er aus, wenn sich Stammkeeper Michael Vorm verletzte und konnte so einige Premier-League-Spiele absolvieren. Nachdem er kurz vor dem Pokalsieg 2013 seinen Vertrag verlängert hatte, rechneten im Sommer 2015 alle Beteiligten mit einem Wechsel innerhalb der Liga oder zurück nach Deutschland. Tremmel erwies sich jedoch als knallharter Pokerspieler und handelte einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag bei Swansea heraus, an dessen Ende er 38 sein wird. Und dafür ist er nun dritter Torhüter und sitzt auf der Tribüne und bleibt natürlich Held in Swansea, weil er der Keeper war, der den Ligapokal nach Wales brachte.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)
Türchen #20 – Clint Mathis (20 Spiele, 5 Tore)
Türchen #21 – Benjamin Lauth (21 Spiele, 0 Tore)

Türchen #21

Die Liste von Stürmern, die Hannover 96 verpflichtet hat, um endlich mal einen Torjäger zu haben und die dann doch nie was wurden, ist lang. Die letzten Namen auf der Liste sind Mevlut Erdinç und Charlison Benschop. Guckt man auf der Liste ein paar Jahre nach oben, so findet man einen Bayern, der im Nachhinein lieber gar nicht erst zu Hannover gekommen wäre.

 

Türchen #21: Benjamin Lauth

Benjamin Lauth ist ein Sechzger durch und durch. Geboren wurde er zwar 1981 in der Nähe des Tegernsees in Oberbayern, aber ab der D-Jugend spielte der Stürmer bei 1860 und durchlief dort alle Jugendmannschaften, bis er mit 19 zunächst bei der zweiten Mannschaft auflief und dort in zwei Saisons in Regionalliga Süd und Oberliga Bayern regelmäßige Einsatzzeiten erhielt. Zwar hatte er in Juniorenzeiten auch immer mal Anfragen von den großen Bayern erhalten, diese aber immer ignoriert oder abgelehnt. Sein Debüt in der Bundesliga gab er am 34. Spieltag der Saison 2001/02 in Mönchengladbach, als er beim 4:2-Sieg für Markus Weissenberger kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Sein erstes Tor schoss er kurz nach seinem 21. Geburtstag am 2. Spieltag der folgenden Saison bei Hannover 96, wo er als Joker das 3:1 in der Schlussminute besorgte. Bis zum ersten Spiel von Beginn an musste er aber noch bis zum 6. Spieltag warten, danach war er aus dem Angriff der „Löwen“ nicht mehr wegzudenken.

Zwischen 2003 und 2004 durfte Benjamin Lauth als Nachwuchsspieler auch fünfmal in der Nationalmannschaft bei Freundschaftsspielen mitspielen. Er stand bei diesen Testspielen aber nie in der Startelf und traf in dieser düsteren Nationalelfzeit auch kein Tor.

In seiner ersten kompletten Bundesligasaison schoss er 13 Tore und legte sieben weitere vor, dazu kamen in der Saison 2003/04 noch einmal neun Tore und zwei Assists. Diese reichten aber nicht, um den Abstieg zu verhindern. Lauth wäre gerne länger bei 1860 geblieben, sah aber ein, dass der Verein ihn nicht halten konnte und deswegen wechselte der Stürmer für über 4 Millionen Euro zum Hamburger SV.

Im Norden

Sein erster Einsatz für den HSV kam im Pokalspiel gegen den SC Paderborn, Schiedsrichter war ein gewisser Robert Hoyzer. In der Liga kam er die Woche darauf am 3. Spieltag von der Bank zu seinem Heimdebüt und schoss gleich den 4:3-Siegtreffer gegen den 1. FC Nürnberg. Danach war Lauth wegen einer Knöchelverletzung jedoch zu einer Zwangspause gezwungen und konnte erst zur Rückrunde wieder auflaufen. In dieser traf er noch drei weitere Male und hoffte auf eine bessere zweite Saison. Trainer Thomas Doll vertraute dem Stürmer in der Saison 2005/06 regelmäßig, im UEFA-Cup schoss Lauth zwei Tore, darunter auch beim Achtelfinal-Aus gegen Rapid Bukarest. In der Liga stand er 31-mal auf dem Rasen, konnte aber nur sechs Tore erzielen. Hamburg wurde Dritter in der Liga und qualifizierte sich gegen Osasuna für die Gruppenphase der Champions League. Dort reichte es für Lauth gegen ZSKA Moskau und den FC Arsenal für zwei Kurzeinsätze.

In der Liga wurden die Einsatzzeiten immer geringer, nur zweimal durfte er von Beginn an spielen, weitere viermal kam er von der Bank. Zum Jahresende 2006 stand der HSV im Tabellenkeller und Thomas Doll vor der Entlassung. Der HSV verlieh den mittlerweile 26-jährigen Angreifer zum VfB Stuttgart, der zur Winterpause auf Platz 4 stand, vier Punkte hinter Tabellenführer Werder Bremen. Zwar würde niemand behaupten wollen, dass Benny Lauth entscheidenden Anteil am Meistertitel der Stuttgarter 2007 hatte, aber er kam auf elf Kurzeinsätze und traf gegen Alemannia Aachen. Im DFB-Pokal-Finale saß er 120 Minuten auf der Bank und der VfB verlor gegen Nürnberg im Elfmeterschießen.

96

Die Kaufoption wollte Stuttgart nicht ziehen, der HSV den Stürmer aber auch nicht unbedingt behalten, weil sie sich von Lauth mehr erhofft hatten. Und so sprang Hannover 96 ein und überwies 800.000 Euro an die Elbe. Sein erstes Spiel war direkt gegen den HSV, in dem er kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Gegen Karlsruhe am 2. Spieltag stellte ihn Trainer Dieter Hecking in die Startelf. Das war aber einer der wenigen Spieltage, wo Lauth das vergönnt war. Eigentlich saß er nur viel auf der Bank und spielte gelegentlich kurz vor Schluss mit, wie auch am 22. Spieltag, als ihm die Vorlage zum 2:1-Siegtreffer von Szabolcs Huszti gegen Nürnberg gelang.

Lauth sagt selbst, dass er sich die Station in Hannover hätte sparen können, weil einfach nicht viel zusammenpasste. Um der ganzen Geschichte noch einen positiven Spin zu geben, könnte man vielleicht sagen, dass dieses Kapitel ein weiterer Anreiz war, nach Hause zurückzukehren.

Heimwärts

Zur Saison 2008/09 unterschrieb Lauth nämlich wieder beim Kindheitsklub 1860, wo es ihm spürbar besser ging. Zwar spielten die „Löwen“ jetzt 2. Liga, aber Lauth war zuhause. Gleich im ersten Spiel gegen den SC Freiburg traf er, bis zum Saisonende kamen 14 weitere Tore hinzu. Nach einer etwas schwächeren zweiten Saison mit nur sechs Treffern drehte er 2010/11 wieder auf und schoss 16 Tore in 33 Saisonspielen. In all der Zeit bewegte sich der Klub im Mittelfeld der Tabelle, es reichte weder nach oben noch nach unten.

Die gute Form konnte er auch trotz des fortschreitenden Alters weiter halten, in den beiden folgenden Saisons kamen noch einmal elf beziehungsweise zwölf Treffer hinzu. Mittlerweile war Lauth auch fast 32 und so kam es nicht überraschend, dass sich in seiner letzten Saison bei den „Löwen“ 2013/14 die Einsätze verringerten und nach nur drei Treffern der auslaufende Vertrag nicht verlängert wurde.

Ungarn

Für Lauth war das aber noch zu früh zum Aufhören, deswegen wurde er hellhörig, als er einen Anruf von Ferencváros aus Budapest bekam. Sein alter Trainer aus Hamburger Tagen Thomas Doll war dort neuer Coach geworden und suchte ein paar Mitstreiter für das Abenteuer Ungarn. Nachdem sich Lauth mit Gábor Király beraten hatte, konnte dieser ihm Budapest schmackhaft machen. Dazu hatte Doll eine kleine Schar von Bundesligaspielern um sich gesammelt.

In der Saison spielte Lauth noch einmal international, schied aber gegen Rijeka in der Europa-League-Qualifikation aus. In der Liga schoss er sechs Treffer und damit den Verein zum Vizemeistertitel hinter Videoton. Bei den Pokalen wurde aber ordentlich abgesahnt: Ferencváros holte den ungarischen Pokal, den Superpokal und den Ligapokal 2015.

Nach diesem Jahr wartete Lauth mit nun 34 Jahren noch einmal darauf, dass sich ein Verein bei ihm meldete und bei dem er sich vielleicht noch einmal zeigen könnte. Aber auch 1860 wollte ihn nicht ein drittes Mal als Spieler zurückholen und so beendete der Stürmer still und heimlich seine Profikarriere. Er hat genug Pläne, sich als Trainer oder Manager zu probieren, diese wird er jetzt aber langsam und ganz in Ruhe angehen. Er hat ja noch Zeit, bis sein Sohn mit den Sechzgern Champions League spielt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)
Türchen #20 – Clint Mathis (20 Spiele, 5 Tore)

Türchen #20

Wenige Spieler kommen aus dem fußballerischen Nichts (relativ gesehen), hinterlassen einen ersten Eindruck, der sich so ins Gedächtnis brennt, und verschwinden dann wieder in die Heimat, wo sie weiterspielen und man sie dort aus den Augen verliert. Wie ein kurzer Flirt, aus dem mehr hätte werden können, es aber einfach nicht passte.

 

Türchen #20: Clint Mathis

Clint Mathis wurde 1976 in Georgia geboren und spielte dort in seiner Kindheit Fußball. Sein Jugendverein AFC Lightning in Fayetteville, etwas südlich von Atlanta, hat eine Reputation für gute Nachwuchsarbeit. Durch diese schaffte es Mathis, Mitte der 90er Jahre bei der University of South Carolina, welche ziemlich ums Eck von Atlanta liegt, Fuß zu fassen und dort bei der College-Mannschaft erfolgreich um Aufmerksamkeit zu werben.

Am 31. Januar 1998 fand die alljährliche College Draft statt, wo vielversprechende Jugendspieler von MLS-Vereinen ausgewählt werden. Clint Mathis als Offensivspieler wurde als insgesamt sechster Spieler von Los Angeles Galaxy ausgewählt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die MLS 12 Mannschaften, in dem Jahr waren zwei neue Teams hinzugekommen. Mit Los Angeles gewann Mathis die Western Conference und gewann den „Supporter’s Shield, die Auszeichnung für die beste Mannschaft der regulären Saison. In den Playoffs musste man sich aber im Halbfinale der neuen Mannschaft Chicago Fire beugen, welche am Ende auch den MLS Cup gewann.

Im November 1998 gab Nationaltrainer Bruce Arena dem 21-jährigen Mathis sein erstes Länderspiel im Freundschaftsspiel gegen Australien, welches 0:0 endete. Im Folgejahr gewann Los Angeles erneut die Western Conference und schaffte es dieses Mal sogar ins Playoff-Finale, verlor aber dort mit 2:0 gegen D.C. United. Im Sommer 2000 wechselte Mathis nach New York zu den damals noch MetroStars. Beziehungsweise wurde er gewechselt, es war noch nicht mal ein US-typischer Trade, sondern ein besonderer Draft, um die Kräfteverhältnisse auszugleichen, weil Los Angeles einen Mexikaner verpflichten wollte. Kein Wunder, dass das da alles nicht so ganz funktioniert.

From West To East

Zumindest nahm Mathis das mit Humor und überzeugte in New York mit guten Leistungen im Rest der Saison. Er war drittbester Torschütze mit 16 Treffern und markierte gegen Dallas Burn gar einen Fünferpack. Dazu kamen 14 Vorlagen und die Nominierung in die Elf des Jahres. Durch eine erneut reformierte Struktur der Liga wurden die MetroStars erster in einer von drei Conferences, schieden in den Playoffs aber im Halbfinale aus. 2001 befand sich Mathis erneut auf Torjägerkurs, als er sich im Juni das Kreuzband riss und infolgedessen nie wieder an seine beste Zeit anknüpfen konnte. Es reichte jedoch, um sich für den Kader der WM 2002 zu empfehlen. Im März des WM-Jahres spielte die USA ein Freundschaftsspiel in Rostock gegen Deutschland und Mathis schoss bei der 2:4-Niederlage beide Tore für die Amis.

Die WM selbst waren für die USA und Mathis selbst ein großer Erfolg. Die USA ließen in der Gruppe Portugal und Polen hinter sich und schlugen den Erzrivalen Mexiko im Achtelfinale mit 2:0, bevor man im Viertelfinale gegen Deutschland unter dubiosen Umständen mit 0:1 ausschied. Mathis hatte sich einen Iro schneiden lassen und war auch sonst auffällig. Gegen Gruppensieger Südkorea traf er beim 1:1, gegen Polen legte er beim 1:3 das Tor auf und gegen Deutschland beeindruckte er nach seiner Einwechslung so sehr, dass die Bayern ihn im Winter 2002 verpflichten wollten, jedoch stellte sich die MLS da quer. Nachdem im Jahr 2003 die Saison für die MetroStars relativ schnell vorbei war, holte sich Hannover 96 den Spieler im Winter für die Offensive.

96

Ich gehe mal davon aus, dass Steve Cherundolo ein bisschen mit Mathis geschnackt hat und ihm von Hannover erzählt hat, bevor dieser sich für 96 entschied. Trainer war damals noch Ralf Rangnick und der stellte ihn auch direkt auf. Und Mathis startete sofort durch: In seinen ersten fünf Spielen im Februar 2004 traf der 27-Jährige viermal, gegen Hamburg, Leverkusen, Rostock und Berlin. Die Ergebnisse blieben aber aus, so dass im März Rangnick von Ewald Lienen abgelöst wurde. Unter dem neuen Trainer blieb Mathis auf dem Platz und 96 im unteren Mittelfeld.

Zur neuen Saison verkürzten sich Mathis‘ Einsatzzeiten nach einem Ereignis auf dem Platz radikal. An den ersten Spieltagen hatte er immer nur eine knappe Stunde Spielzeit bekommen und gegen Schalke 04 saß er am 6. Spieltag 80 Minuten lang nur auf der Bank, bis er beim Stand von 0:0 doch noch eingewechselt wurde. Sekunden später verwertete Mathis eine Hereingabe von Thomas Christiansen zum 1:0-Siegtreffer und bejubelte den Treffer damit, dass er in Richtung Lienen lief und demonstrativ auf eine imaginäre Armbanduhr zeigte.

Zwar taten alle Beteiligten nach dem ersten Saisonsieg dieses Ereignis als nicht so schlimm ab und scherzten darüber. Das Nachholspiel des 2. Spieltags ein paar Tage später stand Mathis zwar wieder in der Startelf, machte beim 0:1 aber sein 20. und letztes Bundesligaspiel für Hannover. Bis zur Winterpause stand er nicht mehr im Kader und kehrte im Januar 2005 zurück in die USA.

Back Home

Er kam zu den Liganeulingen Real Salt Lake aus Salt Lake City und spielte eine passable Saison, er schoss drei Tore und legte vier Tore auf, aber der Klub verpasste die Playoffs. Deswegen ging es nach Denver zu den Colorado Rapids, wo er nicht mehr viele Einsatzzeiten bekam, aber zumindest in den Playoffs noch einmal ein wichtiges Tor gegen FC Dallas in der Verlängerung schoss und auch im anschließenden Elfmeterschießen traf.

Danach ging es per Trade zurück nach New York, wo die MetroStars jetzt Red Bull hießen. Seine Saison 2007 dort mit 30 Jahren war noch einmal ein Blick zurück in alte Zeiten, mit sechs Toren und drei Vorlagen. Bevor die Playoffs begannen, begab er sich mit den Los Angeles Galaxy auf Down-Under-Tour und spielte in ein paar Freundschaftsspielen in Australien und Neuseeland. Als es jedoch wieder zurück nach Hause ging, bog Mathis kurz ab nach Kreta und spielte die Rückrunde für Ergotelis. Zwar waren es nur ein paar Minuten, aber am Ende stand der Nichtabstieg.

Im Sommer 2008 ging es wieder an den großen Salzsee in Utah und im Winter 2009 konnte Mathis mit Real Salt Lake endlich den MLS Cup feiern. Er wurde nach nur 22 Minuten eingewechselt, weil sich sein Teamkollege verletzt hatte. Mit 1:1 ging es ins Elfmeterschießen, wo der Veteran eiskalt blieb. Zwar ging es nach diesem Erfolg noch einmal zurück nach Los Angeles, dort spielte er aber nur noch sporadisch und verkündete im Sommer 2010 nach einem Kirmeskick gegen Real Madrid mit 33 sein Karriereende.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Ebenfalls auf 20 Spiele kommt Gaëtan Krebs, der Elsässer, der als junger Spieler von Racing Straßburg zu den Sportfreunden Siegen ausgeliehen war und dann von 96 an die Leine geholt wurde. Zwischen 2007 und 2009 bekam er keinen Stammplatz und ging zum Karlsruher SC, wo er mit nun 30 Jahren immer noch spielt.

Dazu kommt Leandro Fonseca, der Anfang der 90er Jahre aus Brasilien nach Deutschland kam und danach vor allem in der Schweiz spielte, bis er 2004 von Young Boys nach Hannover wechselte. Der Flügelspieler schoss zwei Tore gegen Rostock und Bochum, bevor sich seine Einsatzzeiten aufgrund von Verletzungen dramatisch reduzierten. Mit 30 Jahren ging es zurück in die Schweiz und anschließend zurück nach Brasilien.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)

Türchen #19

Spieler mit Ecken und Kanten, die braucht es, um sich auf dem Platz Respekt zu verschaffen und die Herzen der Fans durch die kämpferische Leistung zu erobern.

Nein!

Spieler mit Spielwitz und Kreativität, die braucht es, um auf dem Rasen den Gegner ins Leere laufen zu lassen und so durch Geniestreiche die Fans für sich zu gewinnen.

Nein!

Man nimmt einfach einen, der beides konnte…

 

Türchen #19: Sérgio da Silva Pinto

Im Norden Portugals, dort wo der Douro in den Atlantik fließt, entstanden zwei Städte; Porto nördlich der Mündung, Vila Nova de Gaia südlich der Mündung. In der südlichen Stadt wurde am 16. Oktober 1980 Sérgio Ricardo da Silva Pinto geboren. In seiner Kindheit spielte er in der Jugendabteilung des benachbarten FC Porto, zeigte also schon früh sein fußballerisches Potential. Anfang der 90er, als Pinto 12 Jahre alt war, zog seine Familie nach Deutschland, besser gesagt nach Haltern.

Dort spielte Pinto auch wieder in der Jugendmannschaft und es dauerte nicht lange, bis Talentsucher des benachbarten FC Schalke 04 klingelten und den Jungen in ihrem Team sehen wollten. Mit 14 Jahren sagte Pinto zu und wechselte. Dort durchlief er alle Jugendteams und bekam am 11. September 1999 bei der 2:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen mit noch 18 Jahren seine erste Bewährungsprobe bei den Profis im Parkstadion. Danach verbrachte er die nächsten Jahre aber bei der zweiten Mannschaft und spielte erst zwischen dem Frühjahr 2003 und Saisonende 2004 mehrfach für die Schalker. Sein einziges Tor für Schalke schoss Pinto im Oktober 2003 im DFB-Pokal im Zweitrundenspiel gegen den SC Freiburg. Der 2:2-Ausgleich des 23-Jährigen reichte nicht bei der 3:7-n.V.-Niederlage.

Weg von Schalke

Zur Saison 2004/05 glaubte Schalke nicht mehr an den Durchbruch des Deutsch-Portugiesen in seiner Mannschaft und verlieh Pinto nach Aachen in die 2. Liga zur Alemannia. Dort angekommen, gab er sich selbstbewusst und forderte den Aufstieg. Dieser wurde jedoch verfehlt, auch weil Alemannia nach dem Erreichen des Pokalfinales im Mai 2004 im UEFA-Pokal gefordert war und dort bis in die Zwischenrunde gegen AZ kam. Sérgio Pinto sammelte dort seine ersten Europapokal-Erfahrungen. Nach der Saison wechselte Pinto fest nach Aachen und spielte sich auf der rechten Seite des Spielfelds fest. Dabei war es erst einmal egal, ob er als Rechtsverteidiger oder Rechtsaußen agierte. Sein erstes Zweitligator hatte er im September 2004 gegen Unterhaching geschossen, insgesamt schoss er in den beiden Saisons in der 2. Liga jeweils vier Tore und bereitete neun Tore vor.

Am Ende der Saison 2005/06 stand der von Pinto versprochene Aufstieg in die Bundesliga, seine ersten Spiele im Aachener Trikot dort verliefen gut, insgesamt spielte er 29 Spiele im Oberhaus und schoss Tore gegen Cottbus und Bremen. Verhindern konnte er den direkten Abstieg der Alemannia zurück in die 2. Liga aber nicht. Stattdessen musste er einiges über sich ergehen lassen, als der Wechsel zu Hannover 96 zum Saisonende bekannt gegeben wurde. Er sagte später, dass er dabei vom Verein nicht genügend Rückendeckung erfahren habe.

Die Glanzzeit

Es half natürlich, dass bei 96 mit Dieter Hecking ein Trainer arbeitete, der Pinto schon nach Aachen geholt hatte (und der dort in der Bundesliga-Saison von Michael Frontzeck beerbt wurde). So kannte Pinto schon einige Gesichter, auch den neuen Stürmer Mike Hanke kannte er aus Schalker Zeiten.

So begann die Saison 2007/08, in der Pinto zunächst nur auf der Bank saß, bis er am 7. Spieltag seinen Kurzeinsatz auf der Bielefelder Alm nutzte und fünf Minuten vor Schluss das 2:0 schoss. Sein erster Treffer für die Roten. In der Saison kamen noch Tore gegen Wolfsburg und Frankfurt hinzu, größere Aufmerksamkeit erhielt Pinto aber durch zwei rote Karten in der Rückrunde. In beiden Fällen war Pinto hart gefoult worden, seine Ausflüge in die Selbstjustiz mit Nachtreten wurden jedoch nicht nur vom DFB mit langen Sperren geahndet; auch der Verein sperrte den nun 27-Jährigen vereinsintern nach dem zweiten Platzverweis am 28. Spieltag bis zum Saisonende. Im weiteren Verlauf seiner Karriere blieb er ein harter Spieler, bis auf eine gelb-rote Karte in der letzten 96-Saison kam aber kein Platzverweis mehr hinzu.

In der Saison 2008/09 erarbeitete sich Pinto langsam wieder den Platz in der ersten Elf zurück und schoss vier Tore. Seine wahre Führungspersönlichkeit zeigte Pinto aber in der Saison 2009/10: Nachdem er den Saisonstart mit einer Meniskusverletzung verpasst hatte und Trainer Dieter Hecking entlassen worden war, spielte er zunächst unter Andreas Bergmann wie gewohnt weiter. In diese Zeit fiel natürlich auch der Tor Robert Enkes, der die Mannschaft und vor allem Führungsspieler wie Pinto traf und aber auch zusammenschweißte. Nachdem Mirko Slomka das Team im Januar 2010 übernommen hatte, spielte Pinto schnell im defensiven Mittelfeld und dort auch über alle Grenzen hinaus. In den letzten Wochen, in denen es um das Überleben in der ersten Liga ging, spielte Pinto trotz eines Außenbandrisses im Knie bis zum Saisonende und schoss dabei in den wichtigen Wochen noch drei weitere Saisontore gegen Frankfurt und an den letzten beiden Spieltagen beim 6:1 gegen Mönchengladbach und dem 3:0 in Bochum.

Europapokal

Nach dem Klassenerhalt unterschrieb der nun 29-jährige Pinto einen neuen 3-Jahres-Vertrag bei 96 und lieferte im Anschluss vielleicht seine beste Saison für Hannover ab. Nach 34 Spieltagen stand der Verein auf Platz 4 und damit fast in der Europa-League-Gruppenphase, Pinto selbst spielte 31 Spiele, schoss fünf Tore und bereitete sechs weitere vor. Die Belohnung für diese Saison folgte mit seinem bislang größten Erfolg, dem Erreichen des Viertelfinals der Europa League, wo 96 gegen Atletico Madrid – den späteren Turniersieger – ausschied. In der Europa League schoss Pinto zwei Tore, eins im Heimspiel gegen den FC Kopenhagen, eins im Achtelfinalrückspiel gegen Standard Lüttich.

Die Folgesaison war wie eine Art Reprise: Es wurde noch einmal europäisch gespielt, auch wenn es nicht ganz so weit ging. Pinto schoss ein Tor im Rückspiel gegen Anzhi Makhachkala. In der Liga fiel man aufgrund der Doppelbelastung aus den europäischen Plätzen. In der Liga holte Pinto wieder elf gelbe Karten wie in der Vorsaison, schoss aber nur ein einziges Tor.

Zum Start der Saison 2012/13 war Pinto fast 32 und in den Mannschaftsrat der Roten gewählt worden. Gegen Nöttingen schoss da Silva Pinto, wie er ab dieser Saison offiziell hieß, zwei Treffer in der ersten Pokalrunde, aber insgesamt konnte man in der Liga sehen, wie die Kräfte des Mittelfeldmotors langsam nachließen. Seine Bundesligatore 18 und 19 schoss er in der Rückrunde bei der 4:5-Niederlage auf Schalke und beim 3:2 bei Aufsteiger Greuther Fürth. Diese sollten aber seine letzten Tore für 96 bleiben, im Zuge der Umstrukturierungen wurde sein auslaufender Vertrag nach 159 Bundesligaspielen für Hannover 96 nicht verlängert.

Nach 96

Im Sommer 2013 zog es den Deutsch-Portugiesen nach Spanien zu UD Levante. Gegen den Vorstadtklub aus Valencia hatte Pinto bereits in der Europa League schon gespielt. Neben Pinto spielte auch Christian Lell immer noch beim spanischen Klub, dazu sprach mit Andreas Ivanschitz ein weiterer Mitspieler Deutsch, wobei Pinto als Portugiese keine wirklichen sprachlichen Schwierigkeiten hatte, sich einzufügen. In Spanien kam Pinto aber nur auf 18 Einsätze in der Liga und dabei auf eine Vorlage, die Spiele im Camp Nou hat er jedoch nicht in guter Erinnerung. Am ersten Spieltag verlor Levante 0:7 gegen Barcelona und Pinto erlebte die zweite Halbzeit nicht. Im Pokalspiel bei Barcelona verlor man ebenfalls hoch und Pinto humpelte mit einer Muskelquetschung nach einer halben Stunde vom Platz.

Zur Saison 2014/15 kehrte Pinto zurück nach Deutschland. Zunächst spielte er beim Steve Cherundolos Abschiedsspiel mit, danach unterschrieb er einen 2-Jahres-Vertrag bei Fortuna Düsseldorf. Die Zeit dort, die eigentlich nur ein Karriereausklang werden sollte, entwickelte sich nun zur Leidenszeit. Am 12. Spieltag brach ein harter Ball aus kurzer Distanz Pinto im Spiel gegen Ingolstadt den Kiefer, setzte einige Spiele aus und versuchte schnell sein Comeback zu geben. Doch im April 2015 musste er feststellen, dass es so nicht funktionierte. Der Kieferbruch war äußerst kompliziert und Pinto konnte nur unter Schmerzen essen und trainieren. Mittlerweile ist über ein Jahr seit der ursprünglichen Verletzung ins Land gezogen und noch immer ist an ein Comeback nicht zu denken. Ich vermute, dass er nun seinen Vertrag bis zum Saisonende noch erfüllt und danach seine lange und verdienstreiche Karriere beendet. Wenn alles gut läuft, wird er zum Saisonende noch einmal ein kurzes Comeback geben und dann mit 35 Jahren in die Gegend von Aachen ziehen, wo er seit seiner Zeit vor zehn Jahren ein Haus hat und lebt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)

Türchen #18

Wo krankt es wirklich im 96-Spiel? In der Abwehr mit der fehlenden Stabilität? Im Sturm mit der mangelnden Torgefahr? Im Mittelfeld mit der nicht existenten Kreativität? Überall? Nun, im Sommer 2004 hatte Hannover 96 eine grandiose Idee, wie man sich endlich südeuropäische Spielkultur und Spielwitz aneignen könne. Gerade war die EM 2004 in Portugal Geschichte, da zog 96 einen Portugiesen an Land.

 

Türchen #18: Ricardo Sousa

Ricardo André de Pinho Sousa kommt aus einer hochdekorierten Familie. Sein Vater António war in den 80er Jahren mit einer kurzen Unterbrechung Spieler beim FC Porto und stand im Kader, als der Verein im Jahr 1987 den Pokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München errang. Zu dem Zeitpunkt war Sohnemann Ricardo acht Jahre alt und begann gerade in einem Vorort Portos das Fußballspielen.

Als Sohn eines Profis eiferte er es natürlich dem Vater nach und wechselte in der A-Jugend zum großen FC Porto, konnte sich dort aber nicht wirklich durchsetzen. Neben einem Einsatz in der Liga gab es zwei Jokereinsätze in der Gruppenphase der Champions League 1999/00 gegen Molde und Piräus. Stattdessen wurde er öfter mal ausgeliehen, am liebsten zu Beira-Mar südlich von Porto, wo Papa António Trainer war. Dorthin ging es in jungen Jahren gleich dreimal, bevor es im Jahr 2002 endgültig dorthin ging. Als Stammspieler mit elf Treffern überzeugte der nun 24-Jährige, so dass es zurück nach Porto zu Boavista ging. Mit 14 Toren in 32 Spielen beendete Boavista die Saison auf Platz acht. Nachträglich wurde Boavista wegen Schiedsrichterbeeinflussungen in dieser Saison 2003/04 mit einem Zwangsabstieg zur Saison 2008/09 bestraft. Der Rechtsstreit darum zog sich noch über Jahre hin und zur Saison 2014/15 wurde der Zwangsabstieg zurückgenommen und Boavista war wieder erstklassig.

96

Aber zurück zu Ricardo: Zu dieser Zeit war alles noch rosig und Ilja Kaenzig holte den Spieler für 750.000 Euro nach Hannover, um das offensive Mittelfeld zu verstärken. Sein Debüt gab er zum Saisonauftakt 2004/05 bei der 1:2-Niederlage in Leverkusen, konnte in dieser ersten Saison aber nur fünfmal spielen. Nach dem September ging es für Sousa aber sportlich nicht mehr voran, Trainer Ewald Lienen verließ sich auf andere Kräfte.

Deswegen wurde Ricardo Sousa in die Niederlande an den Tabellenletzen De Graafschap an der deutschen Grenze ausgeliehen. Für zehn Spiele versuchte Sousa, den Abstieg zu vermeiden, aber dieser ließ sich nicht mehr aufhalten. Zur neuen Saison 2005/06 versuchte Sousa neu anzugreifen, im Oktober hatte er es fast geschafft, als er am 9. Spieltag gegen den 1. FC Köln bei 4:1 ein Tor per Elfmeter schoss und ein weiteres auflegte. Es gab große Hoffnungen für das anstehende Derby gegen Werder Bremen. Der Auftritt dort dauerte ganze 12 Minuten, dann humpelte Sousa mit einem Muskelbündelriss vom Platz.

Als Sousa wieder fit war, stand mit Peter Neururer ein neuer Trainer an der Seitenlinie und unter ihm gab es neue Einsatzchancen, konnte diese teilweise sehr kurzen Spielzeiten aber nicht entscheidend nutzen. Seinen größten Erfolg schaffte Sousa bei einem Sponsorentermin bei Continental, als er mit Thomas Brdarić und Jiří Štajner ein Kart-Turnier gewann.

Weg von 96

Als klar wurde, dass man ohne ihn plante, ging Sousa mit nun 27 Jahren zunächst leihweise zur Saison 2006/07 zurück zu Boavista, wo er in 16 Spielen zwei Treffer erzielte. Obwohl er noch ein Jahr Vertrag in Hannover hatte, wurde dieser im Einvernehmen mit dem neuen Manager Christian Hochstätter aufgelöst und Sousa machte sich auf nach Nikosia zum AC Omonia. Viele Spiele machte er dort aber nicht, ein paar UEFA-Pokal-Spiele in der Qualifikation aber ansonsten in der Liga eher wenig. Umso erstaunlicher war es, dass Jörn Andersen, Trainer von Kickers Offenbach, im Januar 2008 von einem „echten Wunschspieler“ sprach, der dem Team im Abstiegskampf der 2. Bundesliga helfen sollte. Das gelang eigentlich ganz gut, in 16 Spielen traf er einmal und bereitete fünf Tore vor und alles sah gut aus für Offenbach, bis man am letzten Spieltag 0:3 gegen den Konkurrenten VfL Osnabrück verlor und noch von Platz 12 auf Platz 16 stürzte und direkt abstieg.

Es ging zurück nach Portugal in deren zweite Liga, natürlich zu Papa António, der mal wieder den Job in Beira-Mar übernommen hatte. Nach sechs Spielen dort in der Hinrunde ging es zu União de Leiria, mit denen er in die 1. Liga wieder aufstieg. Sein Anteil darf mit vier Kurzeinsätzen aber als gering eingestuft werden.

Mit 30 Jahren zog es ihn kurioserweise in die Slowakei zum NK Drava Ptuj, wo er es bis zum Ende Oktober 2009 aushielt, aber nach sechs Spielen war ihm dieses Abenteuer auch genug. Er blieb bis zum Saisonende 2010 vereinslos, bevor er sich noch einmal in der zweiten portugiesischen Liga die Schuhe für UD Oliveirense schnürte. Nach ein paar Spielen bei unterklassigen Vereinen beendete er seine Spielerkarriere und übernahm das Traineramt bei seinem Jugendverein A.D. Sanjoanense in der dritten Liga.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Ab Januar 2008 probierte sich Sportinvalide Valérien Ismaël in 18 Spielen noch einmal als Fußballer in der 96-Innenverteidigung, nachdem er mit Bremen und Bayern Doublesieger geworden war. Nachdem im September 2008 er aber wieder verletzt war, beendete er seine Karriere und wurde dann Trainer: Erst von Hannover II, dann von Wolfsburg II. Beim 1. FC Nürnberg scheiterte seine erste große Trainerchance sehr schnell, deswegen ist er nun wieder Trainer bei Wolfsburg II.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)