Jein – Martin Kinds Gedanken am Wochenende

SpielfreiLeaks hat das Hörgerät des 96-Präsidenten gehackt und konnte so den inneren Dialog mitschneiden, der sich nach dem Abpfiff des Spiels am Millerntor im Kindskopf bildete. Zufälligerweise schwirrte dort auch ein Klassiker des Deutschraps herum und so entstand folgender Mix:

K1: Das ist 1896,
Martin Bader ist weg und bräunt sich
in der Südsee.

K2: Allein?

K3: Ja, Möckel blieb daheim.

K2: Soll sein.

K3: Nein, nein.

Alle: Auch nicht mehr im Verein!

K1: Ich wette, heute machen wir erneute fette Beute
treffen André Breitenreiter und sonst noch nette Leute
Warum dauernd trauern?
Wow, schau dir den Kerl an!

K2: Schande, dazu bist du imstande?

K3: Dein Trainer ist noch nicht mal aus dem Lande
Und du Präsi denkst schon längst an nen andern?

K1: Was soll ich denn heulen?
Ihr wisst, dass ich Daniel Stendel treu bin.
Ich bin brav, aber ich traf eben my first love
Das ist nicht wie bei Schaaf
den ich nur aus Verzweiflung traf.
Habt ihr den Blick geahnt,
den er mir eben in der Loge warf?

K2: Oh mein Gott, was erntet der fürn Spott

K1: Was ein geiler Trainer

K3: So’n Glück hat sonst doch keiner

K1: Wenn ich nen neuen O-Ton gebe,
ihn wie Frontswag einst absäge,
meinst du checkt der was?

K2: Das wär durchschaubar wie bei Slomka das.

K3: Uh, Breite kommt auf dich zu.

AB: „Na Martin, hast du Bock auf jemanden mit Trainerschein?“

K1: Ja, nein, ich mein…. Jein!

Alle: Soll ich Daniel feuern oder lass ichs lieber sein?
Jein.

K2: Horst Heldt hat einen Freund.

K3: Einen guten?

K2: Sozusagen sein bester.
Und ich habe ein Problem
Der war bei Schalke

K1: Ach, nicht der Ex von Leicester?

K2: Würd‘ er auf Ranieri stehn,
hätt’ ich nicht das Problem,
das wir haben, wenn wir Daniel Stendel sehn.
Kommt er in den Kokenhof, wird mir schwindelig.
Sag ich, ich will nicht absetzen, schwindel ich.
Heldt will ihn, er will uns, das weiß er, das weiß ich.
Nur der Daniel, der weiß das nicht.
Und jetzt sitz ich sozusagen in der Zwickmühle,
und das ist auch der Grund, warum ich mich von der Tabelle gefickt fühle.
Warum trug André nur weiß-blau?
Aber trainierte dabei Spielaufbau.

K3: Ist er denn schlau?

K2: Genau.
Es steigen einem Tränen in die Augen wenn man sieht
was mit 96 passiert und in der Liga geschieht
Es erscheinen Aufsichtsrat und Nordkurve auf meiner Schulter
Ultras links, AR rechts: *Lechz*

AR: Nimm dir André, der findets ok
Daniels Anfangsschwung ist doch seit Herbst schon längst passé!

U:„Aber doch nicht Breite“, schrei’n die Ultras von der Seite.
„Havelse ok, aber Paderborns Pleite?“

K2: Und so streiten sich die beiden um den Trainerposten
und ob ihr’s glaubt oder nicht, mir geht’s nur um die Kosten
Und während sich die Ultras und der AR anschrei‘n
Entscheide ich mich für ja, nein, ich mein… JEIN.

Alle: Soll ich Daniel feuern oder lass ichs lieber sein?
Jein.

K3: Ich schätze jetzt bin ich der Solist in diesem Kinderchor.

K1: Hey, Chef, was hast’n heute Abend vor?

K3: Hm, ich mach hier nur noch Abfindungen fertig,
pack meine Siebensachen und dann werd ich
mich zum NDR begeben, denn wenn man ehrlich gesteht
sind meine Medieninterviews doch eher spärlich gesät.

K2: Ach ja, du bist mal wieder eingeladen.
In der besten Sendung wieder auf der Gästeliste eingetragen.

K1: Und wenns keinen Klartext gibt
hast du echt was verpasst,
wen wunderts, das wird bestimmt der „Sportclub“ des Jahrhunderts.

K3: Ähm, Lust hätt ich eigentlich schon.
Oh, der Stendel ist am Telefon.
Und er sagt:

DS: „Es wär schön, wenn ich Trainer bleib heut Nacht,
ich dacht‘ das wär abgemacht!“

K3: Wisst ihr, ich liebe diesen Typ und deswegen
war er auf der Bank im St.-Pauli-Regen.

K2: Na komm, was ist, ist dir die Einschaltquote zu klein?

K3: Ja, nein, ich mein… JEIN.

Alle: Soll ich Daniel feuern, oder lass ichs lieber sein?
Jein.

Das Ende ist bekannt.

Advertisements

Türchen #14

Nach den letzten Tagen, bei denen teilweise sogar verdiente Spieler im Adventskalender auftauchten, begeben wir uns in den folgenden Tagen wieder zurück auf den Pfad der Legenden mit Kurzeinsätzen. Heute also ein Schweizer mit genau 14 Bundesligaspielen für Hannover 96…

 

Türchen #14: Johan Djourou

Johan Djourou wurde in der Elfenbeinküste geboren, zog aber mit 17 Monaten mit seiner Familie in die Schweiz. Die ganze Geschichte ist etwas kompliziert, denn er ist das Ergebnis einer Affäre, aber die betrogene Ehefrau wurde später seine Adoptivmutter. So kommt Djourou an zwei Staatsangehörigkeiten, die schweizerische und die ivorische.

In seiner Jugend spielte er zuerst im Sturm und rückte dann immer weiter in der Aufstellung nach hinten – eine nicht ungewöhnliche Karriere von Verteidigern. Die Scouts des FC Arsenal treiben sich ja bekanntermaßen überall herum und wurden beim Beobachten von Schweizer Jugendspielen auf den hoch aufgeschossenen 16-jährigen Djourou im defensiven Mittelfeld aufmerksam und holten den Jungen in ihre Akademie nach London.

Versuche, sich zu etablieren

Die ersten Chancen auf Spielminuten ergeben sich bei Arsenal traditionell im League Cup, in dem öfter mal Nachwuchsspieler und Kaderspieler ihre Spielpraxis bekommen. In der Saison 2005/06 gab es die ersten Auftritte, als er gerade 19 geworden war, dazu kamen erste Einsatzzeiten in der Premier League. Auch die Schweizer Nationalmannschaft wusste um das Potential des Verteidigers und ermöglichte ihm im Frühjahr 2006 das Debüt in der Nationalmannschaft und nominierte ihn für die WM 2006, bei der er in zwei Gruppenspielen und dem verlorenen Achtelfinale gegen die Ukraine eingewechselt wurde.

In der Folgesaison machte er 21 Spiele für Arsenal in der Premier League und hatte seinen ersten Auftritte in der Champions League. Um ihm noch mehr Spielpraxis zu ermöglichen, wurde er zu Beginn der Saison 2007/08 an Birmingham City ausgeliehen. Nach 13 Spielen in der Innenverteidigung dort ging es zurück nach London, wo er den Rest der Saison mit großen Leistenproblemen aussetzen musste und erst zum Saisonende ein paar Mal spielen konnte. Die Heim-EM verfolgte er ausschließlich von der Ersatzbank und musste zusehen, wie die Schweiz in der Vorrunde ausschied.

In der Saison 2008/09 spielte er wieder regelmäßiger, musste aber zum Saisonende einen weiteren Rückschlag hinnehmen: In einem der letzten Saisonspiele erlitt er eine schwere Knieverletzung und ließ sich im September 2009 operieren. Damit fiel er fast die komplette Saison verletzt aus. Die Einsatzzeit belief sich auf ein Comeback über 28 Minuten am letzten Spieltag der Saison. Dadurch war er auch nicht in der Lage, an der WM 2010 in Südafrika teilzunehmen, ihm fehlte Spielpraxis und Fitness.

Die bekam er in den nächsten beiden Jahren, als er wieder versuchte, endlich Stammspieler bei Arsenal zu werden. Zwar war er mit nun 23 immer noch sehr jung, hatte aber schon sowohl Spiele wie auch Verletzungen wie ein alter Hase gesammelt. Am 5. Februar 2011 schoss er sein einziges Liga-Tor für Arsenal, als man legendär eine 4:0-Führung bei Newcastle United verspielte und nach dem 4:4-Ausgleich fast sogar noch verloren hätte. Als er in der Saison 2012/13 gar nicht mehr spielte und seine Hauptaufgabe darin bestand, als Moderator bei Arsenal TV zu arbeiten, entschloss sich der Verein doch, den nun fast 26-Jährigen erneut zu verleihen.

14 Spiele bei 96

Er reiste ins Trainingslager nach Portugal und bereitete sich dort mit Hannover 96 auf die Rückrunde vor. Bei 96 waren Felipe und Andrööösen mal wieder verletzt und man brauchte etwas Hilfe in der Defensive. Gegen Schalke 04 – an seinem 26. Geburtstag – gab er sein Debüt an der Seite von Landsmann Mario Eggimann und das 4:5 wird man noch lange in Erinnerung behalten, allerdings weniger wegen defensiver Effektivität sondern mehr wegen Schnitzer und dem Fallrückzieher von Mame Diouf.

Wichtig für 96 war, dass Djourou auch in der Europa League mitwirken konnte und so stand er in beiden Sechzehntelfinal-Spielen gegen Anzhi Makhachkala auf dem Platz und kümmerte sich um Samuel Eto’o. Allerdings schied man nach großen Kampf und starkem Anrennen trotzdem aus, die Runde hatte man im Hinspiel in Moskau verloren. Trainer Mirko Slomka hielt aber große Stücke auf Djourou und ließ ihn jedes Spiel starten, musste nur dreimal auf den Schweizer verzichten, als dieser mit einem Muskelfaserriss ausfiel.

Weiter beim kleinen HSV

Eigentlich hatte man sich bei 96 schon vorstellen können, den Verteidiger auch weiter zu beschäftigen, vielleicht noch einmal auszuleihen oder zu kaufen. Nach der Rückrunde 2013 brauchte aber auch der Hamburger SV etwas Stabilität in der Abwehr und so überbot man Hannover und sicherte sich die Dienste des Schweizers. Dem FC Arsenal wird es herzlich egal gewesen sein, Hauptsache man war den Kaderspieler endlich los. Deswegen schrieb man auch eine automatische Kaufoption nach 20 Einsätzen in den Leihvertrag, die sich dann auch zum Saisonende erfüllte. Für knapp unter 3 Millionen Euro war Djourou nun ein Hamburger.

Durch die Spiele beim Hamburger SV, die er eigentlich alle bestritt, wenn er nicht gerade einen Muskelfaserriss hatte, spielte er sich auch wieder in den Fokus der Nationalmannschaft, die nach der verpassten EM 2012 sich nun für die WM in Brasilien qualifiziert hatte. Bevor Djourou nach Rio fliegen konnte, musste er aber zunächst ein Finale mit dem HSV spielen – die Relegation gegen Greuther Fürth. Nachdem dies vollkommen überzeugend gelang und man haushoch dank der Auswärtstorregel die Klasse hielt, ging es zur WM, in der Djourou über die komplette Distanz auf dem Platz stand und gegen den späteren deutschen Finalgegner Argentinien erst in der Verlängerung ausschied.

Nachdem Djourou in der Saison 2014/15 32 Ligaspiele machte und dabei auch öfter die Kapitänsbinde von Rafael van der Vaart übernahm, verteidigte er im Mai 2015 seinen Relegationstitel gegen den Karlsruher SC und wurde nach dem Abgang van der Vaarts auch offiziell Kapitän. Mit nun fast 29 Jahren hat der Schweizer seine Torgefährlichkeit entdeckt und in der laufenden Saison bereits gegen den VfB Stuttgart und Mainz 05 getroffen. Am vergangenen Wochenende lag er krank im Bett und konnte gegen den VfL Wolfsburg nicht mitspielen, gegen den FC Augsburg spielt er aber sicher wieder mit und im Sommer 2016 wird er – sofern er sich nicht verletzt – auch an der EM 2016 in Frankreich teilnehmen und dort ein besseres Ergebnis als das Vorrundenaus bei der Heim-EM erwarten.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)

Türchen #2

Nachdem der Auftakt gestern so gut geklappt hat, geht es gleich weiter mit…

Türchen #2: Marius Stankevicius

Marius Stankevicius ist wahrscheinlich der erfolgreichste 96er der jüngeren Geschichte. Zwei Einsätze, 80 Minuten Gesamtspielzeit: 6 Punkte. Volle Ausbeute. Damit ist Stankevicius vermutlich Tayfun Korkuts Königstransfer.

Stankevicius kommt aus Kaunas, einer Stadt, welche Anfang der 80er Jahre noch Teil der UdSSR war. 1990 – als Stankevicius neun Jahre alt war – erklärte Litauen im Zuge der Perestroika nach den ersten freien Wahlen die Unabhängigkeit. Kaunas, damals wie heute zweitgrößte Stadt des Landes, war aber nicht der Ort, an dem Stankevicius das Fußball spielen lernte. Er zog dafür nach Panevėžys, zum FK Ekranas, und durchlief dort in den 90er Jahren die Jugendabteilung und stieß schnell in die erste Mannschaft. Als junger, großer Innenverteidiger erweckte er die Aufmerksamkeit italienischer Vereine und zog in die große Fußballwelt, um in der Serie A seinen Weg zu gehen.

Brescia und Nationalmannschaft

Mit 20 Jahren landete er in der Lombardei bei Brescia Calcio, einem Verein, der mit ziemlicher Regelmäßigkeit zwischen Serie A und Serie B pendelt. Stankevicius wurde zunächst verliehen, schaffte es dann aber, sich einen Stammplatz zu ergattern und spielte über 170 Mal für die „Biancazzurri“, natürlich in beiden Ligen. Zur gleichen Zeit wurde er auch Nationalspieler. Insgesamt 67 Spiele bestritt er für Litauen, schoss dabei vier Tore. Gleich sein viertes Länderspiel war ein EM-Qualifikationsspiel zuhause in Vilnius gegen die deutsche Nationalmannschaft, welche frisch gebackener Vizeweltmeister war. Er spielte als Rechtsverteidiger und sorgte mit einem Eigentor für den 0:2-Endstand.

Sampdoria, Sevilla, Valencia – die Glanzzeit

2008 spielte Brescia in der zweiten Liga, Stankevicius aber überzeugte. Der Nationalspieler wurde in diesem und dem nachfolgendem Jahr “Litauens Fußballer des Jahres”, traf dreimal in der WM-Qualifikation 2010, trotzdem reichte es in der Gruppe nur zu Platz 4. Er spielte aber nicht mehr in Brescia. Sampdoria Genua hatte im Sommer 2008 3 Millionen Euro auf den Tisch gelegt und sich die Dienste des nun 27-Jährigen gesichert. Er war zu einer sicheren Bank in der Defensive geworden, sei es als Innenverteidiger oder als rechter Außenverteidiger. Sampdoria hatte große Hoffnungen, spielte als Tabellensechster international. Zum Ende der Saison 08/09 stand der Klub mit dem Litauer in der Startelf aber nur auf Platz 13. Im Winter der kommenden Saison wurde Stankevicius zum ersten Mal nach Spanien verliehen, zum FC Sevilla. Dort half er als Stammspieler mit, dass Sevilla Tabellenvierter wurde und sich erneut für die Champions League qualifizierte. Er kehrte jedoch nur kurz zum Koffer tauschen nach Genua zurück, 10/11 spielte er die komplette Saison in Spanien – allerdings beim FC Valencia. Er konnte also nicht mit Sevilla gegen Hannover 96 antreten, die durch Jan Schlaudraff gegen jene Mannschaft den Grundstein für den größten europäischen Erfolg legten.

Rom und die Türkei

Bei Valencia machte er 21 Spiele und kehrte mit nun 30 Jahren zurück nach Genua. Dort ging gerade die Welt unter. Genua war abgestiegen, nur wenige Jahre nach Europapokalgenüssen. Stankevicius hatte durchaus berechtigte Ansprüche, erstklassig zu spielen und so ging er für 800.000 Euro nach Rom zu Lazio. Während der zwei Jahre lief aber wenig richtig für ihn. Das Alter holte auf, immer öfter hatte er wegen muskulärer Probleme und vor allem Schmerzen in der Achillessehne sorgten dafür, dass er nur wenige Einsätze erhielt und sich nach Vertragsende eine neue Herausforderung in der Türkei suchte.

In Anatolien bei Gaziantepspor spielte er regelmäßig, die Knochen hielten wieder ganz ordentlich. Um ihn herum war es aber ganz und gar nicht ruhig. Gaziantepspor spielte von Beginn der Saison bis zum letzten Spieltag um den Abstieg, in der Saison hatte Stankevicius drei Trainer, die Rettung geschah erst in letzter Minute. Mit nun knapp 33 Jahren schaute der Litauer sich noch einmal um, ob ein Klub dem vereinslosen Verteidiger nicht eine neue Heimat geben wollte. Und als er schon dachte, “die Spielzeiten in Europa beginnen ohne mich”, kam…

Hannover 96

Am 11. August 2014 wurde Stankevicius präsentiert – als Backup für den Backup – weil sich André Hoffmann das Kreuzband gerissen hatte. Für Stankevicius gab es die Rückennummer 18, einen Vertrag bis Saisonende und zunächst einmal zwei Spiele für Hannover II – gegen Werder II und Cloppenburg. Danach wurde er direkt in den Kader berufen und schaute sich die ordentliche Hinrunde unter Tayfun Korkut auf der Bank an. Doch dann – ausgerechnet vor dem Spiel bei Borussia Dortmund – meldete sich Hiroki Sakai ab und der Posten auf der rechten Abwehrseite musste gefüllt werden. Stankevicius stellte sich der Herausforderung und lief am 9. Spieltag als Rechtsverteidiger auf.

Groß war die Hoffnung unter 96-Fans bei dem Spiel nicht: Erst musste Christian Schulz Linksverteidiger spielen, Felipe begann ein Spiel in der Innenverteidigung, und dann musste auch noch Sakai durch den Backup ersetzt werden, der kurz vor dem Karriereende zu sein schien. Ich stand an dem Tag im Auswärtsblock im Westfalenstadion und hoffte zumindest auf ein schönes Spiel. Und das sollte ich bekommen: Es waren wenige Sekunden gespielt, da holte Stankevicius Einwürfe aus seinen Oberarmen, wie sie zuletzt Michael Tarnat durch 96-Spiele geschleudert hatte. Halbfeldflanken von außerhalb des Spielfelds, punktgenau auf Leo Bittencourt. Ein Traum. Defensiv hatte der 33-Jährige natürlich wenig gegen einen gewissen Marco Reus entgegenzusetzen und er versuchte es auch gar nicht über Manndeckung, sondern versuchte die Passwege zuzustellen, vor allem ging es darum, die Diagonalbälle abzufangen. Das ging einige Male ordentlich schief und alleine der Verfassung des BVB in der Hinrunde war es zu verdanken, dass es glimpflich ausging. Nach 72 Minuten, Hiroshi Kiyotake hatte gerade für die Führung gesorgt, da meldete sich Stankevicius Oberschenkel. Reus hatte ihn deutlich über die Belastungsgrenze gebracht. Korkut brachte Maurice Hirsch und Manuel Schmiedebach durfte das Spiel als Rechtsverteidiger über die Runden bringen.

Stankevicius war nun erst einmal außer Gefecht, stand aber dennoch über den weiteren Saisonverlauf regelmäßig als Alternative auf der Bank zur Verfügung. Die ersten Spiele der Ära Frontzeck verpasste er mit Rückenproblemen, doch am letzten Spieltag, als es um alles ging, und der SC Freiburg alles in Bewegung setzte, um nicht doch noch den Ausgleich zu schaffen, war der Litauer da. Nachdem nur noch zehn Minuten zu spielen waren und die Mannschaft 1:0 führte, beschloss Frontzeck, alle Verteidiger einzuwechseln. So machten Kiyotake und Andrööösen Platz für Felipe und Stankevicius und ein Raunen ging durch das Niedersachsenstadion. Es war doch noch viel zu viel Zeit zum Mauern. Und das konnten wir doch eh nicht. Es spielten jetzt Zieler – Albornoz, Schulz, Felipe, Marcelo, Stankevicius, Sané, Schmiedebach, Stindl – Karaman, Briand in einem 5-3-2 gegen Freiburg und vor allem gegen die Zeit. Natürlich hatte der Trainergott vorausgesehen, dass nur 100 Sekunden später Pavel Krmas das dümmste Eigentor des Jahrzehnts schießen sollte und man nun ein 2:0 verteidigen konnte. Und Gott sei es gedankt, denn Nils Petersen machte ja noch das 2:1 in der Nachspielzeit. So war es aber, dass der Vorsprung hielt und der Abstieg abgewendet worden war. Die Ehrenrunde glich einem kollektiven Ausatmen.

Zurück nach Spanien

Und Stankevicius? Der wusste, dass seine Zeit in der Bundesliga vorbei war. Nie hatte er gemeckert, das wäre auch gar nicht seine Art gewesen. Aber so ganz mit Fußball aufhören wollte er auch noch nicht. Zum Glück hatte er sich in seinen zwei Jahren ein paar Kontakte in Spanien erarbeitet. Der FC Cordoba war desaströs aus der ersten Liga abgestiegen und brauchte nun ein paar neue Kräfte, die beim Wiederaufstieg helfen konnten. Und so spielt Marius Stankevicius nun seit dem Sommer in Cordoba und lässt es sich gut gehen. Wenn er nicht gerade muskuläre Probleme hat – wie seit vergangenem Wochenende mal wieder – bespielt er die Rechtsverteidigerposition seit eh und je.

Eine echte #h96legende.

Noch jemand?

Gestern tauchte der Name Morten Jensen hier auf, der das Spiel nach Daniel Haas bestritt. In seiner Zeit bei 96 machte er noch ein zweites Spiel, am 17. Spieltag der Saison 08/09 gegen Arminia Bielefeld. Ein nicht weiter erwähnenswertes 1:1. 2010 ging der Husumer, der seit der B-Jugend 96er war, nach Kassel. Von da aus transferierte er weiter über Holstein Kiel nach Elversberg. Dort, in der Regionalliga Südwest, spielt der heute 28-Jährige als Stammtorhüter in der 4. Liga.

In der Saison 14/15 tauchte auch Stefan Thesker kurz bei Hannover 96 auf. Im Sommer von Korkut aus Hoffenheim geholt, machte der Verteidiger als Ersatz für Prib und Albornoz links hinten gegen Frankfurt und vor allem gegen Hertha keine schlechte Figur, war in der Winterpause aber schon wieder verschwunden. Ablösefrei geholt, wurde er für 100.000 Euro an Greuther Fürth abgegeben. Dufners Meisterstück. Mittlerweile spielt der 24-Jährige dort relativ regelmäßig. Entweder als Innen- oder als Linksverteidiger.

 

Morgen wird das dritte Türchen geöffnet. Gespannt?

“Was gibt’s an Bord, dass noch funktioniert?” – Ein Kadercheck, knappe 4 Monate zu spät

Ach, man müsste ja eigentlich viel mehr schreiben. Es gibt ja auch genug Themen, die sich anbieten bei Hannover. Der Verein dümpelt kurz über dem Strich, die rote Laterne ist auch schon durch die Hände der “Roten” gegangen. Und dennoch fühlt es sich alles ziemlich lethargisch an. Es ist halt nicht so, dass der Verein mitreißende Spiele bietet, man unverdient dort steht, wo man steht, irgendjemand vom Saisonverlauf überrascht wäre.

Man ist schlicht und ergreifend genau dort, wo man mit Kader und Trainer hingehört.  Continue reading

Vor dem Dortmund-Spiel – Quo vadis, 96?

Na das hat ja super geklappt.

Eine entspannte Saison, ein Herumdümpeln im Mittelfeld, keine nervigen Diskussionen… es klang zu schön um wahr zu sein. Aber andererseits, dann hätte man ja auch Mainz-Fan werden können.

Apropos Mainz: Das war vielleicht ein Grottenkick. Holla… schnell wieder vergessen. Defensive Nicht-Leistung gepaart mit offensiver Harmlosigkeit. Puhhh.

Rückblick

Mal davon ab: Der Saisonstart war jetzt eher so mittel. Ein Punkt aus drei Spielen – dieser auch noch gegen einen Aufsteiger, der es bislang geschickt verstand, seine #h96legende Kocka Rausch wie Messi aussehen zu lassen Gegner auf das eigene Spielniveau herunterzuziehen (mal mehr, mal weniger tief) und dann mit unterschiedlichen Mitteln zu bislang drei Punkten zu kommen. Respekt. In dem Spiel sah Erdinc (bis auf den Elfmeter) ganz okay aus. Wenn etwas in dieser Mannschaft momentan etwas funktioniert, dann die Harmonie zwischen Erdinc und Benschop. Charlie sieht überhaupt sehr engagiert aus (was ihn vom Rest der Mannschaft bislang positiv hervorstechen lässt).

Dahinter das Mittelfeld ist dann eher Kategorie “Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht”. Wobei sich bei vielen die Anstrengungen noch in Grenzen halten. Viele 96-Fans sind nach drei Spielen bereits derart konsterniert, es könnte auch wieder April sein. Was festzuhalten ist: Wenn es spielerisch nicht läuft, will man eben Kampf und Einsatz sehen (dafür werfe ich gleich ein paar Euro in die Trinkspiel-Kasse). Und das gibt es bis auf wenige Ausnahmen nicht. So viele Techniker laufen auf dem Platz gar nicht rum – Karaman kann es auf dem Level nicht zeigen, Klaus sieht nicht fit aus, Bech hatte bislang nur eine Halbzeit, Saint-Maximin probierts immerhin. Der Rest – hier seien Schmiedebach, Sané und Prib hervorgehoben – müsste jetzt wenigstens mit Grätschen, Sprints oder harten Zweikämpfen glänzen. Tun sie aber nicht. Salif ist immerhin in der Luft der King und probiert im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber vom Rest kommt erschreckend wenig. Vielleicht bringt die Rückkehr von Kiyo ja etwas. Zwar liegen gerade alle Hoffnungen auf ihm, aber vielleicht reicht es ja, wenn er ein kleines bisschen Spielintelligenz und Kreativität auf die Zehner-Position zurückbringt. Sie fehlt dort seit Mai.

In der Zeit zwischen Leverkusen- und Mainz-Spiel bin ich ein bisschen durch die Podcast-Landschaft getourt und habe dort zu unser aller Lieblingsverein und den ersten Spielen meine paar Cents hinterlassen (zum Leverkusen-Spiel im Rasenfunk hier, bei Hannoverliebt auf MeinSportradio hier und im Neverkusenpod auf Englisch hier).

Ausblick

Jetzt kommt also der BVB. Von denen habe ich die Europa-League-Spiele gegen Odds gesehen und mir dazwischen das Ingolstadt-Spiel gegeben. Die sind schon gar nicht so schlecht. Odds hat vom schlechteren Keeper, der traditionellen Schlafmützigkeit sowie vom Schlendrian vor dem Tor zunächst profitiert. Auch Ingolstadt konnte die Dortmunder mit Härte und Glück für ein Weilchen bei 0:0 halten.

Wenn ich sage, dass wir Außenseiter sind, erzähle ich ja nichts Neues. So ist es ja schon seit Jahren gegen die Borussen. Einen Punkt zuhause behalten ist ein harter Job, den ersten Saison-Sieg zu holen quasi ein kleines Wunder. Leider bin ich immer wieder ein komplett grundloser Optimist, dass es nicht mehr feierlich ist. Und deshalb schwingt auch für das Spiel morgen immer noch eine Portion “Na, was wäre denn, wenn es irgendwie doch funktioniert und sich alle am Riemen reißen?”

Nach dem Spiel steht man leider höchstwahrscheinlich mit einem Punkt aus den ersten vier Partien irgendwo am Tabellenende und muss sich fragen, wie es weitergehen soll. Klar, das Dortmund-Spiel ist kein Gradmesser für die Saison und sollte bei der Bewertung der ersten Spiele vom Ergebnis her eher eine untergeordnete Rolle spielen, doch wie man sich verkauft, kann durchaus eine Rolle für die weiteren Wochen spielen. Nach diesem in die Hose gegangenen Start geht es auf einem Sonntagabend nach Augsburg – Ort der (halben) Rettung aus dem Mai. Ich kann dieses Mal leider nicht in den Süden reisen, sondern muss das Ganze ziemlich regungslos von der Couch verfolgen. Augsburg hat dann sein erstes EL-Spiel und einen ebenso missglückten Liga-Start in den Schuhen. Da kann sich viel entscheiden. Vor allem, weil dann die englische Woche mit Stuttgart am Mittwoch und Wolfsburg am darauf folgenden Wochenende beginnt. Dann sind wir bei Spieltag 7 und dann sollten die nächsten Punkte eingefahren sein. Sonst wird es für #frontswag sehr ungemütlich und die erste Aufgabe vom neuen Superduper-Sportdirektor (wer auch immer das sein wird) darin besteht, einen neuen Trainer zu finden. Vielleicht wartet man auch noch das Spiel gegen Bremen ab. Danach ist die nächste Länderspielpause.

Ich sag mal so: Das Vertrauen in #frontswag ist in den letzten Wochen nicht gerade gestiegen. Aber wer bin ich, dass ich ihn jetzt bei dem ersten echten Gegenwind fallen lasse. Er predigt das Mantra der Geduld und von der Frisur her ist er für mich jetzt schon Pep und Dalai Lama in einem. Seine aktuellen Interviews lassen die Trinkspiel-Kasse zwar klingeln, aber man muss das Positive sehen. Mehr Fanta-Korn für alle!

Den größten Optimismus ziehe ich dann dennoch aus der Statistik: Seit Dienstbeginn hat #frontswag eine Bilanz von 2-3-3. Das Saisonende bestand aus 2-2-1. Im Stadion war ich für die letzten drei Spiele, das macht 7/9 Punkten in meiner Anwesenheit. Ohne mich sind es nur 2/15 Punkte. Was gibt es da Besseres, als zum Dortmund-Spiel wieder ins Stadion zu gehen?

“Against All Odds” – Mit #frontswag zurück zum Graue-Maus-Dasein

Die Bundesliga-Saison startet am heutigen Freitagabend und für die meisten Fans und Experten stehen neben dem Meistertitel genau zwei Dinge fest:

1. Hannover 96 wird wenn überhaupt nur ganz knapp den Klassenerhalt schaffen, eigentlich wird es aber bestenfalls Platz 16.

2. Michael Frontzeck ist der erste Trainer, der fliegt.

Damit können wir ja dann auch mal entspannt in die Saisonvorschau starten. Wenn die Messlatte so niedrig liegt, kann der Verein nur positiv überraschen. Ein Abschneiden im vom Klub ausgegebenen Bereich von Platz 8-12 (Bonuspunkte für eine Spielzeit ohne Trainerwechsel) bringt uns für den Titel “Positive Überraschung der Saison” uneinholbar in Führung – ganz gleich welcher kleine Verein aus der zweiten Tabellenhälfte dieses Mal unerwartet an den europäischen Plätzen kratzt (Stuttgart, Mainz, HSV,…)

#frontswag-Faktor

Ja, die Vorbereitung war holprig. Die Tore der vergangenen Saison sind weg, die neuen Stürmer zünden noch nicht, hinten wackelts und vorne hoffen wir auf den lieben Gott und Standards. Aber sagen wir mal so: Das machen gefühlt knapp 60% der Liga so. Bockstarkes 4-2-3-1 mit schnellem Umschaltspiel über die Flügel. 1000-mal gesehen, 1000-mal erlebt. Das macht die Bundesliga zurecht zur coolsten Liga mit den geilsten taktischen Innovationen und besten Weltmeistern der Welt.

Aber anders als die anderen Graupenklubs der zweiten Tabellenhälfte hat Hannover 96 den #frontswag-Faktor. Als bescheidener Gründer der gleichlautenden Unterstützer-Kampagne kann ich gar nicht anders, als die Tipps auf seinen schnellen Rauswurf klar zurückzuweisen. Der “schlechteste Bundesliga-Trainer mit über 100 Spielen ever ever ever” hat es immerhin geschafft, in seinen bislang fünf Ligaspielen mit 96 acht Punkte zu holen. (Ja, das war fast alles Stindl/Briand, aber pssst.) Und diese acht Punkte waren bitter nötig, denn anders als in der Saison davor war der Abstiegskampf alles andere als ein Schneckenrennen.

Ich muss zugeben: Bei seinem Dienstbeginn war ich skeptisch. Und die Niederlage trug nicht zur Hoffnung auf den Nichtabstieg bei. Doch dann kam das Unentschieden gegen Wolfsburg und damit hatte der Klub wieder leichten Puls. Okay, vielleicht nur Kammerflimmern, aber der Defibrillator stand zumindest wieder in Reichweite. Und wurde dann gegen Bremen, in Augsburg und gegen Freiburg auch genutzt.

Fantakorn > Fantasie

Der Sommer war lang. Viele Spieler verließen den Verein, manche hochverdiente Stammspieler und Europapokalhelden, andere kurzfristig geholte Kaderspieler. Andere wurden vom britischen Pfund oder einer Stadt mit Dom weggelockt. Neu im Kader stehen jetzt jede Menge junge Spieler und ein paar Routiniers, die noch nicht ganz zu sich gefunden haben. Die Interviews hören sich zwar alle so an, als würden sich alle gut miteinander verstehen, aber auf dem Platz wird es durch diese vermaledeiten Gegenspieler immer wieder erschwert. Da muss man sich mal was einfallen lassen, das ist ziemlich nervig.

Trotz all meines größtenteils unbegründeten Optimismus (oder zählt Fanta-Korn als ausreichende Begründung?) glaube ich nicht, dass ausgerechnet 96 einer dieser oben angesprochenen Vereine sein wird, die nach oben schießen. Dafür steht Hannover in der zweiten Runde des Pokals und wird mit der Taktik “gegen Viertligisten wacklig gewinnen und gegen die großen auf Ausrutscher am Elfmeterpunkt hoffen” natürlich ohne Probleme mindestens das Pokalfinale erreichen. Der Titel muss drin sein, der letzte ist dann auch schon 24 Jahre her. Also nur, wenn man den Lublin-Cup nicht mitrechnet. In der Liga werden wir richtig entspannt im Mittelfeld rumgammeln und nur bedingt sehenswert sein. 34 “Spiele für Taktikfreunde” (eine Formulierung, gegen die sich ebenjene glaube ich seit jeher wehren) erwarten uns und hoffentlich müssen sich nicht viele neutrale Bundesliga-Fans 96-Spiele angucken. Andererseits denke ich, dass gerade eine Rosskur mit Hannover 96 als internationalem Aushängeschild anstelle der AG aus München die vollkommen überblähte Hype-Blase der Liga in Asien und Nordamerika platzen lassen würde. Zumindest würde es die PR-Abteilung endlich einmal vor eine echte Aufgabe stellen, mit #frontswag die von der Premier League schon komplett abgegrasten Märkte zu erschließen.

Kleinere Brötchen backen, bitte

Seit dem Aufstieg 2002 hatte 96 keinen Stürmer mit mehr als 12 Saisontoren, nur zweimal erzielte der Verein nach Wiederaufstieg mehr als 49 Saisontore. Das konnten wir also eh noch nie, eine Verteufelung jenes Aspekts ist also nichts anderes als die Erkenntnis, dass wir seit 2002 keinen Schritt vorwärts gekommen sind. Weit nach hinten sind wir aber auch nicht durchgereicht worden. Ja, andere Vereine investieren mehr und streben schneller nach Europa. Andererseits sind für viele ehemalige Liga-Größen die Niederungen von Aalen/Sandhausen im besten Fall beziehungsweise die Dorfplätze der Regionalligen im schlechtesten Fall die Realität geworden. Manchmal möchte man es den Fans ins Gesicht brüllen, dass dieser Verein die ultimative graue Maus der Liga ist. Die Europa-League-Phase war toll und begeisternd, aber nie nachhaltig für den Verein unserer Größe. Und man tut gut daran, diese Episode im Herzen zu bewahren und davon zu träumen, bis man bald mal wieder dort auflaufen darf. In ein paar Jahren vielleicht. Mit #frontswag.

Und weil es dazu dieses Jahr natürlich nicht reicht, werden wir vielleicht 12. oder 13. Komplett entspannt. Mit #frontswag.

“Rückrunde war Fanta-Korn” – Das große 96-Abschlusszeugnis

Nach dieser spektakulärsten Spielzeit der besten Liga aller Zeiten ever and ever ist es Zeit, bei der grauesten der grauen Mäuse Bilanz zu ziehen. Im Anschluss an insgesamt 36 Spiele mit wenigen Höhen und vielen, vielen Tiefen folgt die spielfreie Zeit, die wir alle bitter nötig haben. Allen voran meine arme Leber. So here it comes, in all its glory, die komplett subjektive und trotzdem (andere würden sagen gerade deswegen) einzig wahre Saisonauswertung:

Tor

Ron-Robert Zieler: Irgendwo zwischen Weltmeister und Kreismeister. Teilweise überragende Paraden, andererseits hanebüchene Fehler bei Gegentoren. Darf im Sommer gerne mal mit Kiyotake Freistöße üben. Im Zweifel kann er dann auch auf Phrasendrescherei in Interviews verzichten. Kandidat für die Kapitänsbinde nächste Saison. Außer natürlich, jemand zieht seine Klausel im Sommer. Spielte jede Pflichtspielminute der Saison.
Note: 3

Robert Almer: Durfte auf der Bank sitzen und blieb trotzdem Österreichs Nationaltorhüter. Das ist auch schon bezeichnend. Weil nächstes EM-Jahr ist und Österreich immer noch Chancen auf eine Qualifikation hat, braucht er nun doch etwas Spielpraxis und geht zu Austria. Verständlich.
Note: n/a

Markus Miller: Nie im Kader, öfter verletzt. Hat seinen Vertrag erfüllt und beendet nun anscheinend seine Karriere. Schön, dass er mental zumindest wieder fit ist.
Note: n/a

Timo Königsmann: Der Nachwuchskeeper saß ab und zu auf der Bank. Könnte langsam mal einen neuen Vertrag unterschreiben.
Note: n/a

Abwehr

Marcelo: Unumstrittener Abwehrchef. Zwar immer noch für den ein oder anderen Schnitzer oder viel zu viele Eigentore gut, aber insgesamt ist er solide. Traf aber endlich auch mal ins richtige Tor, gegen Paderborn und Frankfurt. Durfte dank Schipplocks Verzicht auf eine nachträgliche Bestrafung jede Bundesligaminute absolvieren. Mit einem schnelleren Partner neben ihm steht die Abwehr gar nicht mal so schlecht.
Note: 2-

Christian Schulz: Der alte Mann hatte öfter mal Rücken, trotzdem war er unumstritten die #2 in der Innenverteidigung. Knipste gegen die Hertha, ansonsten offensiv unauffällig. Mit 32 wird Schulle nicht mehr schneller, das sah in der Verteidigung manchmal etwas sehr unglücklich aus. Hat noch ein Jahr Vertrag, fühlt sich in Hannover wohl.
Note: 4+

Miiko Albornoz: Stammkraft hinten links in seiner ersten Bundesliga-Saison. Man hat öfter gemerkt, dass der Schritt von der schwedischen Liga ein großer ist, teilweise waren echt schlechte Spiele dabei. Dazu fehlt ihm in der Offensive immer noch ein bisschen die Traute, den Ball mal vorbeizulegen und durchzuziehen, die Spritzigkeit hat er eigentlich. Die Flanken sind besser als der Durchschnitt, drei Torvorlagen sind sehr gut. Die Rettungsaktion auf der Linie gegen Paderborn ist Szene der Saison.
Note: 3

Hiroki Sakai: Hiroki, Hiroki… bei ihm weiß ich echt nicht. Engagement will ich ihm wirklich nicht absprechen, aber manchmal geht es einfach nach hinten los. Hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, sich als Stammkraft hinten rechts festzuspielen. Jeden Sommer (und Winter) wird ein neuer Rechtsverteidiger geholt, der aber auch nie was ist. Flanken sind nicht so wirklich sein Ding, andererseits ist er gerne vorne mit dabei, teilweise sogar viel zu weit. Mit etwas mehr Konzentration werden die Fehler hoffentlich weniger.
Note: 3-

Felipe: Wer hätte gedacht, dass Felipe gesund sein kann? Das ewige Lazarett brachte es tatsächlich auf 11 Liga-Einsätze und das Pokalspiel in Aalen (Aleschia? Isch kenne dieschesch Aleschia nischt!). Kam öfter mal, wenn ein knapper Vorsprung gehalten werden musste. Dazu ein klasse Spiel gegen Dortmund in der Hinrunde. Bessere Haare als Dante.
Note 4

Christian Pander: Es gab anscheinend Momente in der Hinrunde, in der Pander nicht verletzt war. Wurde öfter mal für Miiko eingewechselt, als der noch nicht die Luft für 90 Minuten hatte. 8 Ligaeinsätze und das Pokalspiel gegen Walldorf. Wird den Verein wohl nach 4 Jahren verlassen, der Vertrag läuft aus und er ist 31. Ich erinnere mich noch an sein erstes Pflichtspiel für 96, das Pokalspiel an der Lohmühle gegen Anker Wismar. Konnte in dieser Saison keine Akzente setzen. Vielleicht macht „Funky Pee“ jetzt wieder Musik.
Note: 4

Joao Pereira: Der Backup im Winter, als der Stojanovic-Deal leider scheiterte. 6 Monate Vertrag, das reicht dann auch. Auf Instagram besser als auf dem Platz. 5 Einsätze, einmal gelb/rot beim Topspiel in Köln. So long.
Note: 5

Marius Stankevicius: Notlösung nach Hoffmanns Verletzung. 2 Einsätze: 70 Minuten gegen Dortmund und 10 gegen Freiburg. Ein-Jahres-Vertrag voll erfüllt. Mit mein Lieblingstransfer diese Saison. Ein alter Mann mit Einwürfen wie ein Katapult. Durfte nie einen Freistoß schießen, sonst wäre klar gewesen, ob es nicht doch ein verkleideter Michael Tarnat war. Wird wieder gehen, hat 80 Minuten lang alles gegeben.
Note: 3+

Stefan Thesker: Im Sommer ablösefrei geholt, Ende der Hinrunde zwei Einsätze gemacht und sich ins Schaufenster gestellt. Im Winter war er auf einmal in Fürth, und das nicht mal ausgeliehen. Zweite Liga ist wohl eher seins. Gab ein paar Euros.
Note: n/a

Florian Ballas: Durfte in Aalen mitspielen. Dann war er im Winter zum FSV Frankfurt verschwunden.
Note: n/a

André Hoffmann: Kreuzbandriss am 2. Trainingstag. Comeback nach 10 Monaten in der Reserve. Greift hoffentlich im Sommer neu an. Ihn würde ich gerne neben Marcelo in der Innenverteidigung sehen.
Note: n/a

Niklas Teichgräber: Nachwuchs ohne Einsatzzeit.
Note: n/a

Mittelfeld

Hiroshi Kiyotake: 4,3 Millionen waren ganz schönes Ballast, dazu musste er sich mit Stindl ein bisschen über die Rollenverteilung klar werden, das wurde am Ende immer besser. Auf der 10 fühlt er sich wohl, wurde letzten Sommer ja sicher schon als Nachfolger verpflichtet. Ein bisschen Vorausschauen kann der Verein ja auch. 5 Tore, 5 Vorlagen. Der Freistoß gegen Dortmund und der Kopfball gegen Freiburg sind Zucker. War immer der erste Offensivspieler, der ausgewechselt wurde. Lag vielleicht ein bisschen an der mangelnden Kondition. Ansonsten bin ich mit ihm zufrieden.
Note: 2-

Leonardo Bittencourt: Ach, Leo… Nach dieser Saison holt Dortmund dich sicher nicht für 5 Millionen wieder zurück. Jetzt hängst du hier fest. Stammplatz auf dem Flügel an Briand verloren, danach Kurzeinsätze und Muskelfaserrisse. Spricht gerne in ihm nahestehenden Mikrofone, auf dem Platz reichte es zu einem Tor, drei Vorlagen und fünf gelben Karten. Nicht genug.
Note: 4-

Manuel Schmiedebach: Ist langsam in die Pinto-Rolle reingewachsen, mit all den positiven und negativen Begleiterscheinungen. Stammkraft im defensiven Mittelfeld (hoffentlich nie wieder rechts hinten!), das ist aber relativ wacklig, wenn andere Spieler mal aus dem Quark kämen. Offensiv war nie seins, wird’s auch nicht mehr. Teil 1 der komischen Frisuren-Wette.
Note: 3-

Edgar Prib: Erstes Tor der Saison geschossen, damals gegen Schalke. Ewigkeiten her. Hat nur wenige Spiele durchspielen dürfen, klassischer Kaderspieler, der zwar viel arbeitet, aber von dem man eigentlich immer etwas mehr erwartet, als er dann tatsächlich bringt. Wird auch in der kommenden Saison eher kein Stammspieler im linken Mittelfeld.
Note: 4

Lars Stindl: Nu isser weg, der Held von Kopenhagen. Hat sich reingekniet wie kein Zweiter, als Kapitän immer vorweg gegangen und gefightet. In der Rückrunde im Grunde fast alleine torgefährlich gewesen, hat den Verein am Schopf in der ersten Liga gehalten. Jetzt darf er zur Belohnung Champions League spielen und keine Sau ist böse über seinen Abgang. Großartiger Mensch, vielleicht ein kleines bisschen zu aufbrausend gewesen und unnötige Karten gesammelt.
Note: 1-

Ceyhun Gülselam: Der Buhmann der Hinrunde. Da durfte jeder Fan mal. Kein guter Fußballer, aber eine Kante. Bleibt Kaderspieler, für ablösefrei nicht schlecht. Gegen Dortmund ein großartiges Spiel abgeliefert.
Note: 4

Leon Andreasen: Verletzungsfreie Saisons wird Andrööösen nicht mehr spielen, aber immerhin schafft er es immer wieder zurück. Hat gegen Hamburg getroffen, als Slomka noch Trainer dort war… Vertrag läuft aus, vielleicht gibt es ja noch einen neuen. Wäre für den Kader nicht verkehrt, dann wäre er auch Anwärter auf die Binde. Teil 2 der komischen Frisuren-Wette.
Note: 3

Salif Sané: Im Winter schon fast weg, dann doch begnadigt. Hat gezeigt, dass er – wenn er Bock hat – einer für die Startelf ist. Und momentan hat er Bock. Besserer Kicker als Gülselam, deutlich. 8 gelbe Karten in 18 Spielen sind vielleicht etwas viel, da könnte er was dran schrauben. Apropos schrauben: Was für ein geiler Fallrückzieher gegen Wolfsburg!
Note: 2

Maurice Hirsch: In der Hinrunde der groß gefeierte Mann, der die 6er-Position revolutionieren sollte. Konnte ein kleines bisschen kicken. Insgesamt 7 Einsätze, Vertrag läuft auch aus.
Note: 4

Sebastian Ernst: Nachwuchsmann. Schnupperte gegen Aalen kurz Luft in der ersten Mannschaft.
Note: n/a

Tim Dierßen: Talent. Vielleicht nächste Saison.
Note: n/a

Sturm

Joselu: Königstransfer und Buhmann der Rückrunde. 8 Tore sind trotzdem okay, auch wenn es eindeutig mehr hätten werden können und müssen. Greift im Sommer hoffentlich nochmal neu an, um den Starterplatz zurückzuerobern. In der Hinrunde war er wirklich schwer in Ordnung. Und ich habe 3x lieber Lu als Vereinstransferrekord als Mike Hanke.
Note: 3+

Jimmy Briand: Der Bulle. Sah im rechten Mittelfeld immer so aus, als würden ihn mit dem ersten Ballkontakt acht Gegenspieler mit Kettensägen jagen. Hatte da keine Ruhe im Spiel, es war zum Verzweifeln. Umso besser der Einsatz vorne drin: 3 Tore und 6 Vorlagen sind famos. Wenn sich kein französischer Verein findet, der ihn nehmen will, behalte ich ihn gerne als Option vorne noch ein weiteres Jahr.
Note: 2-

Artur Sobiech: Joker. Tore gegen Hamburg in Hin- und Rückspiel. Danach war das Knie kaputt. Greift hoffentlich im Sommer neu an, mehr als Kaderspieler wird er aber glaube ich nie werden. Dafür kam bislang zu wenig, auch wenn er mal starten durfte.
Note: 4

Kenan Karaman: Joker. 11 Einsätze, alle von der Bank. Dabei kam offensiv nur wenig auf die Kette. Die einzige erwähnenswerte Aktion ist das Dribbling vor dem 2:0 gegen Freiburg. Zu wenig.
Note: 4-

Jan Schlaudraff: Hauptberuflich als Babysitter in Trainingslagern unterwegs, im Nebenberuf Bundesliga-Profi. Schlaufi ist nun einfach zu alt. Wenn er clever ist, geht er eine Liga runter und stellt sich als Ballverteiler auf die Sechs. Durfte in beiden Pokalspielen mitwirken und wurde dazu fünfmal eingewechselt. Vertrag läuft aus. Danke für alles, besonders das Spiel gegen Sevilla!
Note: 4-

Didier Ya Konan: Merchandise-Transfer für die Fanherzen im Winter. Ist glaub ich immer noch nicht fit. Das Tor gegen Frankfurt war Zucker. Glaube nicht, dass er noch einen neuen Vertrag bekommt.
Note: 4-

Trainer

Tayfun Korkut: Er war stets bemüht. Kein schlechter Trainer, aber sicher keiner für die erste Reihe. Arbeitet bestimmt lieber irgendwo im Hintergrund.
Note: 4-

Michael Frontzeck: #frontswag. Was habe ich mich mit Hartalk bewaffnet, um mich auf die Spiele und den unvermeidlichen Abstieg vorzubereiten. Und dann wurde es doch die Rettung. Danke dafür! In der neuen Saison darf trotzdem jemand anders an der Seitenlinie stehen.
Note: 3

Leihspieler

Adrian Nikci: Spielte in der Hinrunde als einziger 96er Europapokal. War auch für Young Boys nicht gut genug. Dann ging er ganz zu Nürnberg, ist da auch nur Joker. Sagt alles.

Samuel Radlinger: War mal kurzzeitig #2 in Nürnberg. Gespielt hat er nicht. Kommt wieder, auch wenn er hier eher keine Zukunft hat.

Vladimir Rankovic: Das bajuwarische Juwel. War in Aue erst Stamm, dann Bank, dann Tribüne. Dann stieg Aue ab. Kommt wieder.

Valmir Sulejmani: Ist ein Talent. Konnte sich bei Union ein paar Mal auf der Bank präsentieren. Gelegentlich gab es Kurzeinsätze. Braucht noch Zeit. Kommt wieder.

Fazit

Gesamte Saison: Hinrunde war von der Tabelle besser als es spielerisch war. Rückrunde war Fanta-Korn. Note 3- für die ersten 17, Note 5 für die zweiten 17 Spiele. Macht zusammen…
Note: 4-