3/34 – Runkel

Tradition schon seit Jahren,
es wird hingefahren,
dem Sieger winkt Wonne und Huld.
Bei Sonne, bei Regen,
in Gärten, auf Wegen,
wers Ziel nicht trifft, ist selber Schuld.

Erst Grillen, dann schießen,
den Glücksgott begießen,
es ist ja nur halbwegs ein Spiel.
Bei Kaffee und Kuchen
begann dann das Fluchen,
weil das Zielobjekt einfach nicht fiel.

Um fünf dann das Ende,
ein Traumschuss – behände –
der Seriensieger obenauf.
Als Außenseiter ganz achtbar,
2019 kein Stress mit dem Nachbar.
Auswärts nimmt es erneut seinen Lauf.

Was, Fußball war auch dran?
Parallel im Zeitplan?
Davon habe ich nichts gesehn.
Die Runkel war wichtig,
Rasenball nichtig.
Doch beim Glubb wird ein Wunder geschehn.

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2/34 – Kopfball

Das Alu als Retter,
am Tor und am Treter,
man danke dem Stoff aus Bauxit.
Ansonsten viel Leere,
Geschiebe, Gequere,
Pyrorauch, der umständlich verzieht.

Im Fokus ein Kopfball,
ganz abseits der Vorfall:
Ein viral folgenreiches Duell.
Wie Schmelzer und Maina,
der Gegner kaum einer,
zu langsam, nur einer war schnell.

Ein Schnitt auf die Tribüne
statt aufs welkende Grüne
und schon war das Wunder geschehn,
dass wir Bilder von dieser
Partie – ziemlich mieser –
noch im Spieltagsrückblicke sehn.

Nach der Länderspielpause,
vor der jeder sich grause,
ist Leipzig die nächste Station.
Profi Henne wird wirbeln,
Bälle in den Knick zwirbeln
und drei Punkte sind dafür der Lohn.

Jein – Martin Kinds Gedanken am Wochenende

SpielfreiLeaks hat das Hörgerät des 96-Präsidenten gehackt und konnte so den inneren Dialog mitschneiden, der sich nach dem Abpfiff des Spiels am Millerntor im Kindskopf bildete. Zufälligerweise schwirrte dort auch ein Klassiker des Deutschraps herum und so entstand folgender Mix:

K1: Das ist 1896,
Martin Bader ist weg und bräunt sich
in der Südsee.

K2: Allein?

K3: Ja, Möckel blieb daheim.

K2: Soll sein.

K3: Nein, nein.

Alle: Auch nicht mehr im Verein!

K1: Ich wette, heute machen wir erneute fette Beute
treffen André Breitenreiter und sonst noch nette Leute
Warum dauernd trauern?
Wow, schau dir den Kerl an!

K2: Schande, dazu bist du imstande?

K3: Dein Trainer ist noch nicht mal aus dem Lande
Und du Präsi denkst schon längst an nen andern?

K1: Was soll ich denn heulen?
Ihr wisst, dass ich Daniel Stendel treu bin.
Ich bin brav, aber ich traf eben my first love
Das ist nicht wie bei Schaaf
den ich nur aus Verzweiflung traf.
Habt ihr den Blick geahnt,
den er mir eben in der Loge warf?

K2: Oh mein Gott, was erntet der fürn Spott

K1: Was ein geiler Trainer

K3: So’n Glück hat sonst doch keiner

K1: Wenn ich nen neuen O-Ton gebe,
ihn wie Frontswag einst absäge,
meinst du checkt der was?

K2: Das wär durchschaubar wie bei Slomka das.

K3: Uh, Breite kommt auf dich zu.

AB: „Na Martin, hast du Bock auf jemanden mit Trainerschein?“

K1: Ja, nein, ich mein…. Jein!

Alle: Soll ich Daniel feuern oder lass ichs lieber sein?
Jein.

K2: Horst Heldt hat einen Freund.

K3: Einen guten?

K2: Sozusagen sein bester.
Und ich habe ein Problem
Der war bei Schalke

K1: Ach, nicht der Ex von Leicester?

K2: Würd‘ er auf Ranieri stehn,
hätt’ ich nicht das Problem,
das wir haben, wenn wir Daniel Stendel sehn.
Kommt er in den Kokenhof, wird mir schwindelig.
Sag ich, ich will nicht absetzen, schwindel ich.
Heldt will ihn, er will uns, das weiß er, das weiß ich.
Nur der Daniel, der weiß das nicht.
Und jetzt sitz ich sozusagen in der Zwickmühle,
und das ist auch der Grund, warum ich mich von der Tabelle gefickt fühle.
Warum trug André nur weiß-blau?
Aber trainierte dabei Spielaufbau.

K3: Ist er denn schlau?

K2: Genau.
Es steigen einem Tränen in die Augen wenn man sieht
was mit 96 passiert und in der Liga geschieht
Es erscheinen Aufsichtsrat und Nordkurve auf meiner Schulter
Ultras links, AR rechts: *Lechz*

AR: Nimm dir André, der findets ok
Daniels Anfangsschwung ist doch seit Herbst schon längst passé!

U:„Aber doch nicht Breite“, schrei’n die Ultras von der Seite.
„Havelse ok, aber Paderborns Pleite?“

K2: Und so streiten sich die beiden um den Trainerposten
und ob ihr’s glaubt oder nicht, mir geht’s nur um die Kosten
Und während sich die Ultras und der AR anschrei‘n
Entscheide ich mich für ja, nein, ich mein… JEIN.

Alle: Soll ich Daniel feuern oder lass ichs lieber sein?
Jein.

K3: Ich schätze jetzt bin ich der Solist in diesem Kinderchor.

K1: Hey, Chef, was hast’n heute Abend vor?

K3: Hm, ich mach hier nur noch Abfindungen fertig,
pack meine Siebensachen und dann werd ich
mich zum NDR begeben, denn wenn man ehrlich gesteht
sind meine Medieninterviews doch eher spärlich gesät.

K2: Ach ja, du bist mal wieder eingeladen.
In der besten Sendung wieder auf der Gästeliste eingetragen.

K1: Und wenns keinen Klartext gibt
hast du echt was verpasst,
wen wunderts, das wird bestimmt der „Sportclub“ des Jahrhunderts.

K3: Ähm, Lust hätt ich eigentlich schon.
Oh, der Stendel ist am Telefon.
Und er sagt:

DS: „Es wär schön, wenn ich Trainer bleib heut Nacht,
ich dacht‘ das wär abgemacht!“

K3: Wisst ihr, ich liebe diesen Typ und deswegen
war er auf der Bank im St.-Pauli-Regen.

K2: Na komm, was ist, ist dir die Einschaltquote zu klein?

K3: Ja, nein, ich mein… JEIN.

Alle: Soll ich Daniel feuern, oder lass ichs lieber sein?
Jein.

Das Ende ist bekannt.

Türchen #14

Nach den letzten Tagen, bei denen teilweise sogar verdiente Spieler im Adventskalender auftauchten, begeben wir uns in den folgenden Tagen wieder zurück auf den Pfad der Legenden mit Kurzeinsätzen. Heute also ein Schweizer mit genau 14 Bundesligaspielen für Hannover 96…

 

Türchen #14: Johan Djourou

Johan Djourou wurde in der Elfenbeinküste geboren, zog aber mit 17 Monaten mit seiner Familie in die Schweiz. Die ganze Geschichte ist etwas kompliziert, denn er ist das Ergebnis einer Affäre, aber die betrogene Ehefrau wurde später seine Adoptivmutter. So kommt Djourou an zwei Staatsangehörigkeiten, die schweizerische und die ivorische.

In seiner Jugend spielte er zuerst im Sturm und rückte dann immer weiter in der Aufstellung nach hinten – eine nicht ungewöhnliche Karriere von Verteidigern. Die Scouts des FC Arsenal treiben sich ja bekanntermaßen überall herum und wurden beim Beobachten von Schweizer Jugendspielen auf den hoch aufgeschossenen 16-jährigen Djourou im defensiven Mittelfeld aufmerksam und holten den Jungen in ihre Akademie nach London.

Versuche, sich zu etablieren

Die ersten Chancen auf Spielminuten ergeben sich bei Arsenal traditionell im League Cup, in dem öfter mal Nachwuchsspieler und Kaderspieler ihre Spielpraxis bekommen. In der Saison 2005/06 gab es die ersten Auftritte, als er gerade 19 geworden war, dazu kamen erste Einsatzzeiten in der Premier League. Auch die Schweizer Nationalmannschaft wusste um das Potential des Verteidigers und ermöglichte ihm im Frühjahr 2006 das Debüt in der Nationalmannschaft und nominierte ihn für die WM 2006, bei der er in zwei Gruppenspielen und dem verlorenen Achtelfinale gegen die Ukraine eingewechselt wurde.

In der Folgesaison machte er 21 Spiele für Arsenal in der Premier League und hatte seinen ersten Auftritte in der Champions League. Um ihm noch mehr Spielpraxis zu ermöglichen, wurde er zu Beginn der Saison 2007/08 an Birmingham City ausgeliehen. Nach 13 Spielen in der Innenverteidigung dort ging es zurück nach London, wo er den Rest der Saison mit großen Leistenproblemen aussetzen musste und erst zum Saisonende ein paar Mal spielen konnte. Die Heim-EM verfolgte er ausschließlich von der Ersatzbank und musste zusehen, wie die Schweiz in der Vorrunde ausschied.

In der Saison 2008/09 spielte er wieder regelmäßiger, musste aber zum Saisonende einen weiteren Rückschlag hinnehmen: In einem der letzten Saisonspiele erlitt er eine schwere Knieverletzung und ließ sich im September 2009 operieren. Damit fiel er fast die komplette Saison verletzt aus. Die Einsatzzeit belief sich auf ein Comeback über 28 Minuten am letzten Spieltag der Saison. Dadurch war er auch nicht in der Lage, an der WM 2010 in Südafrika teilzunehmen, ihm fehlte Spielpraxis und Fitness.

Die bekam er in den nächsten beiden Jahren, als er wieder versuchte, endlich Stammspieler bei Arsenal zu werden. Zwar war er mit nun 23 immer noch sehr jung, hatte aber schon sowohl Spiele wie auch Verletzungen wie ein alter Hase gesammelt. Am 5. Februar 2011 schoss er sein einziges Liga-Tor für Arsenal, als man legendär eine 4:0-Führung bei Newcastle United verspielte und nach dem 4:4-Ausgleich fast sogar noch verloren hätte. Als er in der Saison 2012/13 gar nicht mehr spielte und seine Hauptaufgabe darin bestand, als Moderator bei Arsenal TV zu arbeiten, entschloss sich der Verein doch, den nun fast 26-Jährigen erneut zu verleihen.

14 Spiele bei 96

Er reiste ins Trainingslager nach Portugal und bereitete sich dort mit Hannover 96 auf die Rückrunde vor. Bei 96 waren Felipe und Andrööösen mal wieder verletzt und man brauchte etwas Hilfe in der Defensive. Gegen Schalke 04 – an seinem 26. Geburtstag – gab er sein Debüt an der Seite von Landsmann Mario Eggimann und das 4:5 wird man noch lange in Erinnerung behalten, allerdings weniger wegen defensiver Effektivität sondern mehr wegen Schnitzer und dem Fallrückzieher von Mame Diouf.

Wichtig für 96 war, dass Djourou auch in der Europa League mitwirken konnte und so stand er in beiden Sechzehntelfinal-Spielen gegen Anzhi Makhachkala auf dem Platz und kümmerte sich um Samuel Eto’o. Allerdings schied man nach großen Kampf und starkem Anrennen trotzdem aus, die Runde hatte man im Hinspiel in Moskau verloren. Trainer Mirko Slomka hielt aber große Stücke auf Djourou und ließ ihn jedes Spiel starten, musste nur dreimal auf den Schweizer verzichten, als dieser mit einem Muskelfaserriss ausfiel.

Weiter beim kleinen HSV

Eigentlich hatte man sich bei 96 schon vorstellen können, den Verteidiger auch weiter zu beschäftigen, vielleicht noch einmal auszuleihen oder zu kaufen. Nach der Rückrunde 2013 brauchte aber auch der Hamburger SV etwas Stabilität in der Abwehr und so überbot man Hannover und sicherte sich die Dienste des Schweizers. Dem FC Arsenal wird es herzlich egal gewesen sein, Hauptsache man war den Kaderspieler endlich los. Deswegen schrieb man auch eine automatische Kaufoption nach 20 Einsätzen in den Leihvertrag, die sich dann auch zum Saisonende erfüllte. Für knapp unter 3 Millionen Euro war Djourou nun ein Hamburger.

Durch die Spiele beim Hamburger SV, die er eigentlich alle bestritt, wenn er nicht gerade einen Muskelfaserriss hatte, spielte er sich auch wieder in den Fokus der Nationalmannschaft, die nach der verpassten EM 2012 sich nun für die WM in Brasilien qualifiziert hatte. Bevor Djourou nach Rio fliegen konnte, musste er aber zunächst ein Finale mit dem HSV spielen – die Relegation gegen Greuther Fürth. Nachdem dies vollkommen überzeugend gelang und man haushoch dank der Auswärtstorregel die Klasse hielt, ging es zur WM, in der Djourou über die komplette Distanz auf dem Platz stand und gegen den späteren deutschen Finalgegner Argentinien erst in der Verlängerung ausschied.

Nachdem Djourou in der Saison 2014/15 32 Ligaspiele machte und dabei auch öfter die Kapitänsbinde von Rafael van der Vaart übernahm, verteidigte er im Mai 2015 seinen Relegationstitel gegen den Karlsruher SC und wurde nach dem Abgang van der Vaarts auch offiziell Kapitän. Mit nun fast 29 Jahren hat der Schweizer seine Torgefährlichkeit entdeckt und in der laufenden Saison bereits gegen den VfB Stuttgart und Mainz 05 getroffen. Am vergangenen Wochenende lag er krank im Bett und konnte gegen den VfL Wolfsburg nicht mitspielen, gegen den FC Augsburg spielt er aber sicher wieder mit und im Sommer 2016 wird er – sofern er sich nicht verletzt – auch an der EM 2016 in Frankreich teilnehmen und dort ein besseres Ergebnis als das Vorrundenaus bei der Heim-EM erwarten.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)

Türchen #2

Nachdem der Auftakt gestern so gut geklappt hat, geht es gleich weiter mit…

Türchen #2: Marius Stankevicius

Marius Stankevicius ist wahrscheinlich der erfolgreichste 96er der jüngeren Geschichte. Zwei Einsätze, 80 Minuten Gesamtspielzeit: 6 Punkte. Volle Ausbeute. Damit ist Stankevicius vermutlich Tayfun Korkuts Königstransfer.

Stankevicius kommt aus Kaunas, einer Stadt, welche Anfang der 80er Jahre noch Teil der UdSSR war. 1990 – als Stankevicius neun Jahre alt war – erklärte Litauen im Zuge der Perestroika nach den ersten freien Wahlen die Unabhängigkeit. Kaunas, damals wie heute zweitgrößte Stadt des Landes, war aber nicht der Ort, an dem Stankevicius das Fußball spielen lernte. Er zog dafür nach Panevėžys, zum FK Ekranas, und durchlief dort in den 90er Jahren die Jugendabteilung und stieß schnell in die erste Mannschaft. Als junger, großer Innenverteidiger erweckte er die Aufmerksamkeit italienischer Vereine und zog in die große Fußballwelt, um in der Serie A seinen Weg zu gehen.

Brescia und Nationalmannschaft

Mit 20 Jahren landete er in der Lombardei bei Brescia Calcio, einem Verein, der mit ziemlicher Regelmäßigkeit zwischen Serie A und Serie B pendelt. Stankevicius wurde zunächst verliehen, schaffte es dann aber, sich einen Stammplatz zu ergattern und spielte über 170 Mal für die „Biancazzurri“, natürlich in beiden Ligen. Zur gleichen Zeit wurde er auch Nationalspieler. Insgesamt 67 Spiele bestritt er für Litauen, schoss dabei vier Tore. Gleich sein viertes Länderspiel war ein EM-Qualifikationsspiel zuhause in Vilnius gegen die deutsche Nationalmannschaft, welche frisch gebackener Vizeweltmeister war. Er spielte als Rechtsverteidiger und sorgte mit einem Eigentor für den 0:2-Endstand.

Sampdoria, Sevilla, Valencia – die Glanzzeit

2008 spielte Brescia in der zweiten Liga, Stankevicius aber überzeugte. Der Nationalspieler wurde in diesem und dem nachfolgendem Jahr “Litauens Fußballer des Jahres”, traf dreimal in der WM-Qualifikation 2010, trotzdem reichte es in der Gruppe nur zu Platz 4. Er spielte aber nicht mehr in Brescia. Sampdoria Genua hatte im Sommer 2008 3 Millionen Euro auf den Tisch gelegt und sich die Dienste des nun 27-Jährigen gesichert. Er war zu einer sicheren Bank in der Defensive geworden, sei es als Innenverteidiger oder als rechter Außenverteidiger. Sampdoria hatte große Hoffnungen, spielte als Tabellensechster international. Zum Ende der Saison 08/09 stand der Klub mit dem Litauer in der Startelf aber nur auf Platz 13. Im Winter der kommenden Saison wurde Stankevicius zum ersten Mal nach Spanien verliehen, zum FC Sevilla. Dort half er als Stammspieler mit, dass Sevilla Tabellenvierter wurde und sich erneut für die Champions League qualifizierte. Er kehrte jedoch nur kurz zum Koffer tauschen nach Genua zurück, 10/11 spielte er die komplette Saison in Spanien – allerdings beim FC Valencia. Er konnte also nicht mit Sevilla gegen Hannover 96 antreten, die durch Jan Schlaudraff gegen jene Mannschaft den Grundstein für den größten europäischen Erfolg legten.

Rom und die Türkei

Bei Valencia machte er 21 Spiele und kehrte mit nun 30 Jahren zurück nach Genua. Dort ging gerade die Welt unter. Genua war abgestiegen, nur wenige Jahre nach Europapokalgenüssen. Stankevicius hatte durchaus berechtigte Ansprüche, erstklassig zu spielen und so ging er für 800.000 Euro nach Rom zu Lazio. Während der zwei Jahre lief aber wenig richtig für ihn. Das Alter holte auf, immer öfter hatte er wegen muskulärer Probleme und vor allem Schmerzen in der Achillessehne sorgten dafür, dass er nur wenige Einsätze erhielt und sich nach Vertragsende eine neue Herausforderung in der Türkei suchte.

In Anatolien bei Gaziantepspor spielte er regelmäßig, die Knochen hielten wieder ganz ordentlich. Um ihn herum war es aber ganz und gar nicht ruhig. Gaziantepspor spielte von Beginn der Saison bis zum letzten Spieltag um den Abstieg, in der Saison hatte Stankevicius drei Trainer, die Rettung geschah erst in letzter Minute. Mit nun knapp 33 Jahren schaute der Litauer sich noch einmal um, ob ein Klub dem vereinslosen Verteidiger nicht eine neue Heimat geben wollte. Und als er schon dachte, “die Spielzeiten in Europa beginnen ohne mich”, kam…

Hannover 96

Am 11. August 2014 wurde Stankevicius präsentiert – als Backup für den Backup – weil sich André Hoffmann das Kreuzband gerissen hatte. Für Stankevicius gab es die Rückennummer 18, einen Vertrag bis Saisonende und zunächst einmal zwei Spiele für Hannover II – gegen Werder II und Cloppenburg. Danach wurde er direkt in den Kader berufen und schaute sich die ordentliche Hinrunde unter Tayfun Korkut auf der Bank an. Doch dann – ausgerechnet vor dem Spiel bei Borussia Dortmund – meldete sich Hiroki Sakai ab und der Posten auf der rechten Abwehrseite musste gefüllt werden. Stankevicius stellte sich der Herausforderung und lief am 9. Spieltag als Rechtsverteidiger auf.

Groß war die Hoffnung unter 96-Fans bei dem Spiel nicht: Erst musste Christian Schulz Linksverteidiger spielen, Felipe begann ein Spiel in der Innenverteidigung, und dann musste auch noch Sakai durch den Backup ersetzt werden, der kurz vor dem Karriereende zu sein schien. Ich stand an dem Tag im Auswärtsblock im Westfalenstadion und hoffte zumindest auf ein schönes Spiel. Und das sollte ich bekommen: Es waren wenige Sekunden gespielt, da holte Stankevicius Einwürfe aus seinen Oberarmen, wie sie zuletzt Michael Tarnat durch 96-Spiele geschleudert hatte. Halbfeldflanken von außerhalb des Spielfelds, punktgenau auf Leo Bittencourt. Ein Traum. Defensiv hatte der 33-Jährige natürlich wenig gegen einen gewissen Marco Reus entgegenzusetzen und er versuchte es auch gar nicht über Manndeckung, sondern versuchte die Passwege zuzustellen, vor allem ging es darum, die Diagonalbälle abzufangen. Das ging einige Male ordentlich schief und alleine der Verfassung des BVB in der Hinrunde war es zu verdanken, dass es glimpflich ausging. Nach 72 Minuten, Hiroshi Kiyotake hatte gerade für die Führung gesorgt, da meldete sich Stankevicius Oberschenkel. Reus hatte ihn deutlich über die Belastungsgrenze gebracht. Korkut brachte Maurice Hirsch und Manuel Schmiedebach durfte das Spiel als Rechtsverteidiger über die Runden bringen.

Stankevicius war nun erst einmal außer Gefecht, stand aber dennoch über den weiteren Saisonverlauf regelmäßig als Alternative auf der Bank zur Verfügung. Die ersten Spiele der Ära Frontzeck verpasste er mit Rückenproblemen, doch am letzten Spieltag, als es um alles ging, und der SC Freiburg alles in Bewegung setzte, um nicht doch noch den Ausgleich zu schaffen, war der Litauer da. Nachdem nur noch zehn Minuten zu spielen waren und die Mannschaft 1:0 führte, beschloss Frontzeck, alle Verteidiger einzuwechseln. So machten Kiyotake und Andrööösen Platz für Felipe und Stankevicius und ein Raunen ging durch das Niedersachsenstadion. Es war doch noch viel zu viel Zeit zum Mauern. Und das konnten wir doch eh nicht. Es spielten jetzt Zieler – Albornoz, Schulz, Felipe, Marcelo, Stankevicius, Sané, Schmiedebach, Stindl – Karaman, Briand in einem 5-3-2 gegen Freiburg und vor allem gegen die Zeit. Natürlich hatte der Trainergott vorausgesehen, dass nur 100 Sekunden später Pavel Krmas das dümmste Eigentor des Jahrzehnts schießen sollte und man nun ein 2:0 verteidigen konnte. Und Gott sei es gedankt, denn Nils Petersen machte ja noch das 2:1 in der Nachspielzeit. So war es aber, dass der Vorsprung hielt und der Abstieg abgewendet worden war. Die Ehrenrunde glich einem kollektiven Ausatmen.

Zurück nach Spanien

Und Stankevicius? Der wusste, dass seine Zeit in der Bundesliga vorbei war. Nie hatte er gemeckert, das wäre auch gar nicht seine Art gewesen. Aber so ganz mit Fußball aufhören wollte er auch noch nicht. Zum Glück hatte er sich in seinen zwei Jahren ein paar Kontakte in Spanien erarbeitet. Der FC Cordoba war desaströs aus der ersten Liga abgestiegen und brauchte nun ein paar neue Kräfte, die beim Wiederaufstieg helfen konnten. Und so spielt Marius Stankevicius nun seit dem Sommer in Cordoba und lässt es sich gut gehen. Wenn er nicht gerade muskuläre Probleme hat – wie seit vergangenem Wochenende mal wieder – bespielt er die Rechtsverteidigerposition seit eh und je.

Eine echte #h96legende.

Noch jemand?

Gestern tauchte der Name Morten Jensen hier auf, der das Spiel nach Daniel Haas bestritt. In seiner Zeit bei 96 machte er noch ein zweites Spiel, am 17. Spieltag der Saison 08/09 gegen Arminia Bielefeld. Ein nicht weiter erwähnenswertes 1:1. 2010 ging der Husumer, der seit der B-Jugend 96er war, nach Kassel. Von da aus transferierte er weiter über Holstein Kiel nach Elversberg. Dort, in der Regionalliga Südwest, spielt der heute 28-Jährige als Stammtorhüter in der 4. Liga.

In der Saison 14/15 tauchte auch Stefan Thesker kurz bei Hannover 96 auf. Im Sommer von Korkut aus Hoffenheim geholt, machte der Verteidiger als Ersatz für Prib und Albornoz links hinten gegen Frankfurt und vor allem gegen Hertha keine schlechte Figur, war in der Winterpause aber schon wieder verschwunden. Ablösefrei geholt, wurde er für 100.000 Euro an Greuther Fürth abgegeben. Dufners Meisterstück. Mittlerweile spielt der 24-Jährige dort relativ regelmäßig. Entweder als Innen- oder als Linksverteidiger.

 

Morgen wird das dritte Türchen geöffnet. Gespannt?

“Was gibt’s an Bord, dass noch funktioniert?” – Ein Kadercheck, knappe 4 Monate zu spät

Ach, man müsste ja eigentlich viel mehr schreiben. Es gibt ja auch genug Themen, die sich anbieten bei Hannover. Der Verein dümpelt kurz über dem Strich, die rote Laterne ist auch schon durch die Hände der “Roten” gegangen. Und dennoch fühlt es sich alles ziemlich lethargisch an. Es ist halt nicht so, dass der Verein mitreißende Spiele bietet, man unverdient dort steht, wo man steht, irgendjemand vom Saisonverlauf überrascht wäre.

Man ist schlicht und ergreifend genau dort, wo man mit Kader und Trainer hingehört.  Continue reading

Vor dem Dortmund-Spiel – Quo vadis, 96?

Na das hat ja super geklappt.

Eine entspannte Saison, ein Herumdümpeln im Mittelfeld, keine nervigen Diskussionen… es klang zu schön um wahr zu sein. Aber andererseits, dann hätte man ja auch Mainz-Fan werden können.

Apropos Mainz: Das war vielleicht ein Grottenkick. Holla… schnell wieder vergessen. Defensive Nicht-Leistung gepaart mit offensiver Harmlosigkeit. Puhhh.

Rückblick

Mal davon ab: Der Saisonstart war jetzt eher so mittel. Ein Punkt aus drei Spielen – dieser auch noch gegen einen Aufsteiger, der es bislang geschickt verstand, seine #h96legende Kocka Rausch wie Messi aussehen zu lassen Gegner auf das eigene Spielniveau herunterzuziehen (mal mehr, mal weniger tief) und dann mit unterschiedlichen Mitteln zu bislang drei Punkten zu kommen. Respekt. In dem Spiel sah Erdinc (bis auf den Elfmeter) ganz okay aus. Wenn etwas in dieser Mannschaft momentan etwas funktioniert, dann die Harmonie zwischen Erdinc und Benschop. Charlie sieht überhaupt sehr engagiert aus (was ihn vom Rest der Mannschaft bislang positiv hervorstechen lässt).

Dahinter das Mittelfeld ist dann eher Kategorie “Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht”. Wobei sich bei vielen die Anstrengungen noch in Grenzen halten. Viele 96-Fans sind nach drei Spielen bereits derart konsterniert, es könnte auch wieder April sein. Was festzuhalten ist: Wenn es spielerisch nicht läuft, will man eben Kampf und Einsatz sehen (dafür werfe ich gleich ein paar Euro in die Trinkspiel-Kasse). Und das gibt es bis auf wenige Ausnahmen nicht. So viele Techniker laufen auf dem Platz gar nicht rum – Karaman kann es auf dem Level nicht zeigen, Klaus sieht nicht fit aus, Bech hatte bislang nur eine Halbzeit, Saint-Maximin probierts immerhin. Der Rest – hier seien Schmiedebach, Sané und Prib hervorgehoben – müsste jetzt wenigstens mit Grätschen, Sprints oder harten Zweikämpfen glänzen. Tun sie aber nicht. Salif ist immerhin in der Luft der King und probiert im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber vom Rest kommt erschreckend wenig. Vielleicht bringt die Rückkehr von Kiyo ja etwas. Zwar liegen gerade alle Hoffnungen auf ihm, aber vielleicht reicht es ja, wenn er ein kleines bisschen Spielintelligenz und Kreativität auf die Zehner-Position zurückbringt. Sie fehlt dort seit Mai.

In der Zeit zwischen Leverkusen- und Mainz-Spiel bin ich ein bisschen durch die Podcast-Landschaft getourt und habe dort zu unser aller Lieblingsverein und den ersten Spielen meine paar Cents hinterlassen (zum Leverkusen-Spiel im Rasenfunk hier, bei Hannoverliebt auf MeinSportradio hier und im Neverkusenpod auf Englisch hier).

Ausblick

Jetzt kommt also der BVB. Von denen habe ich die Europa-League-Spiele gegen Odds gesehen und mir dazwischen das Ingolstadt-Spiel gegeben. Die sind schon gar nicht so schlecht. Odds hat vom schlechteren Keeper, der traditionellen Schlafmützigkeit sowie vom Schlendrian vor dem Tor zunächst profitiert. Auch Ingolstadt konnte die Dortmunder mit Härte und Glück für ein Weilchen bei 0:0 halten.

Wenn ich sage, dass wir Außenseiter sind, erzähle ich ja nichts Neues. So ist es ja schon seit Jahren gegen die Borussen. Einen Punkt zuhause behalten ist ein harter Job, den ersten Saison-Sieg zu holen quasi ein kleines Wunder. Leider bin ich immer wieder ein komplett grundloser Optimist, dass es nicht mehr feierlich ist. Und deshalb schwingt auch für das Spiel morgen immer noch eine Portion “Na, was wäre denn, wenn es irgendwie doch funktioniert und sich alle am Riemen reißen?”

Nach dem Spiel steht man leider höchstwahrscheinlich mit einem Punkt aus den ersten vier Partien irgendwo am Tabellenende und muss sich fragen, wie es weitergehen soll. Klar, das Dortmund-Spiel ist kein Gradmesser für die Saison und sollte bei der Bewertung der ersten Spiele vom Ergebnis her eher eine untergeordnete Rolle spielen, doch wie man sich verkauft, kann durchaus eine Rolle für die weiteren Wochen spielen. Nach diesem in die Hose gegangenen Start geht es auf einem Sonntagabend nach Augsburg – Ort der (halben) Rettung aus dem Mai. Ich kann dieses Mal leider nicht in den Süden reisen, sondern muss das Ganze ziemlich regungslos von der Couch verfolgen. Augsburg hat dann sein erstes EL-Spiel und einen ebenso missglückten Liga-Start in den Schuhen. Da kann sich viel entscheiden. Vor allem, weil dann die englische Woche mit Stuttgart am Mittwoch und Wolfsburg am darauf folgenden Wochenende beginnt. Dann sind wir bei Spieltag 7 und dann sollten die nächsten Punkte eingefahren sein. Sonst wird es für #frontswag sehr ungemütlich und die erste Aufgabe vom neuen Superduper-Sportdirektor (wer auch immer das sein wird) darin besteht, einen neuen Trainer zu finden. Vielleicht wartet man auch noch das Spiel gegen Bremen ab. Danach ist die nächste Länderspielpause.

Ich sag mal so: Das Vertrauen in #frontswag ist in den letzten Wochen nicht gerade gestiegen. Aber wer bin ich, dass ich ihn jetzt bei dem ersten echten Gegenwind fallen lasse. Er predigt das Mantra der Geduld und von der Frisur her ist er für mich jetzt schon Pep und Dalai Lama in einem. Seine aktuellen Interviews lassen die Trinkspiel-Kasse zwar klingeln, aber man muss das Positive sehen. Mehr Fanta-Korn für alle!

Den größten Optimismus ziehe ich dann dennoch aus der Statistik: Seit Dienstbeginn hat #frontswag eine Bilanz von 2-3-3. Das Saisonende bestand aus 2-2-1. Im Stadion war ich für die letzten drei Spiele, das macht 7/9 Punkten in meiner Anwesenheit. Ohne mich sind es nur 2/15 Punkte. Was gibt es da Besseres, als zum Dortmund-Spiel wieder ins Stadion zu gehen?