Türchen #21

Die Liste von Stürmern, die Hannover 96 verpflichtet hat, um endlich mal einen Torjäger zu haben und die dann doch nie was wurden, ist lang. Die letzten Namen auf der Liste sind Mevlut Erdinç und Charlison Benschop. Guckt man auf der Liste ein paar Jahre nach oben, so findet man einen Bayern, der im Nachhinein lieber gar nicht erst zu Hannover gekommen wäre.

 

Türchen #21: Benjamin Lauth

Benjamin Lauth ist ein Sechzger durch und durch. Geboren wurde er zwar 1981 in der Nähe des Tegernsees in Oberbayern, aber ab der D-Jugend spielte der Stürmer bei 1860 und durchlief dort alle Jugendmannschaften, bis er mit 19 zunächst bei der zweiten Mannschaft auflief und dort in zwei Saisons in Regionalliga Süd und Oberliga Bayern regelmäßige Einsatzzeiten erhielt. Zwar hatte er in Juniorenzeiten auch immer mal Anfragen von den großen Bayern erhalten, diese aber immer ignoriert oder abgelehnt. Sein Debüt in der Bundesliga gab er am 34. Spieltag der Saison 2001/02 in Mönchengladbach, als er beim 4:2-Sieg für Markus Weissenberger kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Sein erstes Tor schoss er kurz nach seinem 21. Geburtstag am 2. Spieltag der folgenden Saison bei Hannover 96, wo er als Joker das 3:1 in der Schlussminute besorgte. Bis zum ersten Spiel von Beginn an musste er aber noch bis zum 6. Spieltag warten, danach war er aus dem Angriff der „Löwen“ nicht mehr wegzudenken.

Zwischen 2003 und 2004 durfte Benjamin Lauth als Nachwuchsspieler auch fünfmal in der Nationalmannschaft bei Freundschaftsspielen mitspielen. Er stand bei diesen Testspielen aber nie in der Startelf und traf in dieser düsteren Nationalelfzeit auch kein Tor.

In seiner ersten kompletten Bundesligasaison schoss er 13 Tore und legte sieben weitere vor, dazu kamen in der Saison 2003/04 noch einmal neun Tore und zwei Assists. Diese reichten aber nicht, um den Abstieg zu verhindern. Lauth wäre gerne länger bei 1860 geblieben, sah aber ein, dass der Verein ihn nicht halten konnte und deswegen wechselte der Stürmer für über 4 Millionen Euro zum Hamburger SV.

Im Norden

Sein erster Einsatz für den HSV kam im Pokalspiel gegen den SC Paderborn, Schiedsrichter war ein gewisser Robert Hoyzer. In der Liga kam er die Woche darauf am 3. Spieltag von der Bank zu seinem Heimdebüt und schoss gleich den 4:3-Siegtreffer gegen den 1. FC Nürnberg. Danach war Lauth wegen einer Knöchelverletzung jedoch zu einer Zwangspause gezwungen und konnte erst zur Rückrunde wieder auflaufen. In dieser traf er noch drei weitere Male und hoffte auf eine bessere zweite Saison. Trainer Thomas Doll vertraute dem Stürmer in der Saison 2005/06 regelmäßig, im UEFA-Cup schoss Lauth zwei Tore, darunter auch beim Achtelfinal-Aus gegen Rapid Bukarest. In der Liga stand er 31-mal auf dem Rasen, konnte aber nur sechs Tore erzielen. Hamburg wurde Dritter in der Liga und qualifizierte sich gegen Osasuna für die Gruppenphase der Champions League. Dort reichte es für Lauth gegen ZSKA Moskau und den FC Arsenal für zwei Kurzeinsätze.

In der Liga wurden die Einsatzzeiten immer geringer, nur zweimal durfte er von Beginn an spielen, weitere viermal kam er von der Bank. Zum Jahresende 2006 stand der HSV im Tabellenkeller und Thomas Doll vor der Entlassung. Der HSV verlieh den mittlerweile 26-jährigen Angreifer zum VfB Stuttgart, der zur Winterpause auf Platz 4 stand, vier Punkte hinter Tabellenführer Werder Bremen. Zwar würde niemand behaupten wollen, dass Benny Lauth entscheidenden Anteil am Meistertitel der Stuttgarter 2007 hatte, aber er kam auf elf Kurzeinsätze und traf gegen Alemannia Aachen. Im DFB-Pokal-Finale saß er 120 Minuten auf der Bank und der VfB verlor gegen Nürnberg im Elfmeterschießen.

96

Die Kaufoption wollte Stuttgart nicht ziehen, der HSV den Stürmer aber auch nicht unbedingt behalten, weil sie sich von Lauth mehr erhofft hatten. Und so sprang Hannover 96 ein und überwies 800.000 Euro an die Elbe. Sein erstes Spiel war direkt gegen den HSV, in dem er kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Gegen Karlsruhe am 2. Spieltag stellte ihn Trainer Dieter Hecking in die Startelf. Das war aber einer der wenigen Spieltage, wo Lauth das vergönnt war. Eigentlich saß er nur viel auf der Bank und spielte gelegentlich kurz vor Schluss mit, wie auch am 22. Spieltag, als ihm die Vorlage zum 2:1-Siegtreffer von Szabolcs Huszti gegen Nürnberg gelang.

Lauth sagt selbst, dass er sich die Station in Hannover hätte sparen können, weil einfach nicht viel zusammenpasste. Um der ganzen Geschichte noch einen positiven Spin zu geben, könnte man vielleicht sagen, dass dieses Kapitel ein weiterer Anreiz war, nach Hause zurückzukehren.

Heimwärts

Zur Saison 2008/09 unterschrieb Lauth nämlich wieder beim Kindheitsklub 1860, wo es ihm spürbar besser ging. Zwar spielten die „Löwen“ jetzt 2. Liga, aber Lauth war zuhause. Gleich im ersten Spiel gegen den SC Freiburg traf er, bis zum Saisonende kamen 14 weitere Tore hinzu. Nach einer etwas schwächeren zweiten Saison mit nur sechs Treffern drehte er 2010/11 wieder auf und schoss 16 Tore in 33 Saisonspielen. In all der Zeit bewegte sich der Klub im Mittelfeld der Tabelle, es reichte weder nach oben noch nach unten.

Die gute Form konnte er auch trotz des fortschreitenden Alters weiter halten, in den beiden folgenden Saisons kamen noch einmal elf beziehungsweise zwölf Treffer hinzu. Mittlerweile war Lauth auch fast 32 und so kam es nicht überraschend, dass sich in seiner letzten Saison bei den „Löwen“ 2013/14 die Einsätze verringerten und nach nur drei Treffern der auslaufende Vertrag nicht verlängert wurde.

Ungarn

Für Lauth war das aber noch zu früh zum Aufhören, deswegen wurde er hellhörig, als er einen Anruf von Ferencváros aus Budapest bekam. Sein alter Trainer aus Hamburger Tagen Thomas Doll war dort neuer Coach geworden und suchte ein paar Mitstreiter für das Abenteuer Ungarn. Nachdem sich Lauth mit Gábor Király beraten hatte, konnte dieser ihm Budapest schmackhaft machen. Dazu hatte Doll eine kleine Schar von Bundesligaspielern um sich gesammelt.

In der Saison spielte Lauth noch einmal international, schied aber gegen Rijeka in der Europa-League-Qualifikation aus. In der Liga schoss er sechs Treffer und damit den Verein zum Vizemeistertitel hinter Videoton. Bei den Pokalen wurde aber ordentlich abgesahnt: Ferencváros holte den ungarischen Pokal, den Superpokal und den Ligapokal 2015.

Nach diesem Jahr wartete Lauth mit nun 34 Jahren noch einmal darauf, dass sich ein Verein bei ihm meldete und bei dem er sich vielleicht noch einmal zeigen könnte. Aber auch 1860 wollte ihn nicht ein drittes Mal als Spieler zurückholen und so beendete der Stürmer still und heimlich seine Profikarriere. Er hat genug Pläne, sich als Trainer oder Manager zu probieren, diese wird er jetzt aber langsam und ganz in Ruhe angehen. Er hat ja noch Zeit, bis sein Sohn mit den Sechzgern Champions League spielt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)
Türchen #20 – Clint Mathis (20 Spiele, 5 Tore)

Türchen #16

Wäre das nicht toll, im Winter einen Stürmer zu verpflichten, der in der Rückrunde mit ein paar Toren dafür sorgen könnte, dass man nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hat? Der eine kurzfristige Lösung ist, dann aber zurück zum Ligakonkurrenten geht und dort in der zweiten Mannschaft rumgurkt? Gibt’s nicht? Gibt’s wohl! Vorhang auf für…

 

Türchen #16: Artjoms Rudņevs

Geboren zu Zeiten der Sowjetunion war Rudņevs Familie Teil der russischstämmigen Bevölkerung in Lettland. Seine Heimatstadt Daugavpils (auf Deutsch „Schloss an der Daugava“) ist die zweitgrößte Stadt Lettlands, von den knapp 100.000 Einwohnern sind die Hälfte der Einwohner Russen. Dort, im Süden des Landes kurz vor den Grenzen Weißrusslands und Litauens, wuchs Artjoms auf und spielte bei seinem Heimatverein in der Jugend.

In Lettlands Virslīga gilt auch der Spielplan nach der kalendarischen Saison. Mit 18 Jahren gab Rudņevs dort sein Debüt bei damals noch Ditton Daugavpils. Ende 2006 stieg ein russischer Investor ein, benannte den Verein in Daugava Daugavpils um. Dazu baute er ein neues Stadion. Sein erstes Tor schoss Rudņevs in der ersten Saison im Derby gegen Dinaburg Daugavpils beim 3:1-Sieg.

Nachdem es in der Liga dreimal zu fünften Plätzen reichte konnte Rudņevs mit 20 Jahren das erste Mal einen Pokal in den Himmel strecken, als Daugava im Finale des Lettischen Pokals den FK Ventspils mit 3:0 im Elfmeterschießen schlug. Den entscheidenden Elfmeter versenkte Rudņevs.

Nachdem vor der Saison 2009 große finanzielle Probleme bei Daugava auftauchten und man sich gezwungen sah, mit dem Stadtrivalen Dinaburg zu fusionieren und unter deren Namen weiterzuspielen. Rudņevs nahm jedoch den nächsten Schritt und spielte ab dem Winter 2009 in Ungarn.

Osteuropatournee

In der Nemzeti Bajnokság (NB I.) spielte Rudņevs nach einer gewissen Eingewöhungszeit die letzten vier Spiele für den Tabellenvierten Zalaegerszegi aus dem Westen Ungarns. In den vier Spielen knipste er aber direkt zweimal gegen Siófok. In der Saison 2009/10 legte er noch einmal nach und schoss 16 Tore in 25 Partien, legte dazu noch sechs Tore auf. Damit wurde „ZTE“ Tabellenfünfter konnte aber dennoch den europäischen Wettbewerb erreichen, weil man im Pokalfinale gegen Meister Debreceni verlor.

In der Qualifikation für die Europa League ging es im Sommer 2010 gegen KF Tirana, Rudņevs spielte das zweite Spiel komplett, musste aber nach 120 Minuten durch ein Tor in der Verlängerung die Segel streichen. Nur wenige Tage später verließ Rudņevs Ungarn und wechselte nach Polen zu Lech Poznań. Der polnische Meister suchte noch Spieler für den Sturm, dazu war er trotz des Spiels für „ZTE“ in Europa spielberechtigt.

Sein Auftakt verlief komplett nach Maß, traf beim Debüt von der Bank, insgesamt schoss er in seiner ersten Saison elf Treffer. Am Ende stand Poznań auf Platz 5 und verlor das Pokalfinale im Elfmeterschießen – Rudņevs traf seinen jedoch. Noch besser lief es in Europa: Im ersten Gruppenspiel gegen Juventus Turin schoss der Lette einen Hattrick und war damit für das 3:3-Endergebnis im Grunde alleine verantwortlich. Ein weiteres Tor gegen Juve im 1:1 im Rückspiel und ein Tor im Sechzehntelfinale gegen Braga zeigten nur auf, wie gut die kommende Saison werden würde.

Nach ersten Nominierungen schon während seiner frühen Zeit in Lettland häuften sich Rudņevs Auftritte für die Nationalmannschaft während der Zeit in Polen. Im Jahr 2011 schoss Rudņevs in der EM-Qualifikation gegen Malta seinen bislang einzigen Treffer für Lettland. Durch Interviews in der Heimat machte er sich als russischstämmiger Spieler unbeliebt, als er behauptete, man müsse nicht besonders gut Lettisch sprechen um für Lettland zu spielen. Später revidierte er das, aber der Schaden war angerichtete.

In der Saison 2011/12 landete Poznań zwar nur auf Platz 4, aber Rudņevs lief richtig heiß. 22 Treffer in 29 Spielen bedeutete ein einsames Rennen in der Torjägerliste, insgesamt schoss er in dieser Saison vier Hattricks. Klar, dass da auch die deutschen Vereine auf ihn aufmerksam wurden, nachdem vor ihm ein gewisser Robert Lewandowski Torschützenkönig geworden war.

Deutschland

Für 3,5 Millionen Euro holte der Hamburger SV den „nächsten Lewandowski“ an die Elbe und Rudņevs machte in seiner Startsaison in der Bundesliga keinen schlechten Eindruck. Mit 12 Treffern in der Saison 2012/13 schickte er den HSV auf Platz 7, nur knapp an der Europa League vorbei. Als der HSV in der Folgesaison zur Überraschung aller die erste Pokalrunde überstand, hatte „Rudi“ zwei Treffer gegen Schott Jena erzielt. In der Liga tauchte Rudņevs nun aber immer seltener auf. Das hatte natürlich auch mit den dann wieder öfter wechselnden Trainern zu tun. Unter Thorsten Fink hatte er noch gespielt, unter van Marwijk war er dann zu Kurzeinsätzen gezwungen. Klar, dass er dann zur Leihe nach Hannover kommen wollte.

Leihzeit

Für den neuen Trainer Tayfun Korkut hatte sich Dirk Dufner ein neues Präsent überlegt, um den Nichtabstieg in der Saison 2013/14 zu schaffen. Mit 18 Punkten in der Hinrunde – alle im Niedersachsenstadion geholt – hatte Mirko Slomka die Interviews von Martin Kind nicht überlebt und musste zum Jahresende gehen.

Rudņevs schlug ein wie eine Bombe, schoss in den ersten beiden Rückrundenpartien gegen Wolfsburg und Gladbach Tore, dazu kamen noch Treffer gegen Leverkusen und Freiburg am letzten Spieltag. Viel wichtiger war aber vielleicht seine Leistung gegen den HSV, als er einen Treffer auflegte und mit dem 2:1-Sieg Korkuts Job vorerst rettete. Trotz der vier Tore und insgesamt vier Vorlagen wurde die Kaufoption nicht gezogen und er kehrte mit nun 26 Jahren zurück nach Hamburg.

Zurück

In der letzten Chaos-Saison 2014/15 hatte Rudņevs beinahe mehr Trainer als Spiele. Unter Slomka gab es Kurzeinsätze, Josef Zinnbauer gab dem Letten ein paar mehr Chancen – unter ihm schoss er auch sein einziges Saisontor beim Derby-Sieg gegen Werder Bremen. Unter Peter Knäbel stand Rudņevs gar nicht im Kader, aber zum Saisonende unter Bruno Labbadia hatte er wieder Einsatzzeiten.

Die hat er in dieser Saison aber nur noch in der 2. Mannschaft des HSV. In fünf Partien in der Regionalliga Nord traf er dreimal und wartet darauf, dass der Vertrag im Sommer 2016 ausläuft und er bei einem neuen Verein wieder knipsen kann.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)

Türchen #13

Was nach dem Grottenkick am Samstag gegen Hoffenheim besonders offensichtlich war, war das Fehlen eines Knipsers. Nun hatte 96 nie wirklich Torjäger gehabt, aber zumindest einen gab es, der in 64 Spielen für Hannover 96 13-mal traf, um danach nur noch wegen seiner großen Schnauze Aufsehen zu erregen.

 

Türchen #13: Mohamadou Idrissou

Mit 20 Jahren kam Mohamadou Idrissou aus Kamerun in die Oberliga, als der FSV Frankfurt sich im Januar 2001 die Dienste des Stürmers sicherte. Seine erste Station in Deutschland war sehr erfolgreich, in der unterklassigen Liga machte er in der Rückrunde 15 Tore in 18 Spielen. Bereits im Sommer wechselte er eine Liga höher in die Regionalliga zum SV Wehen, wo er 13-mal knipste und so die Blicke des Bundesliga-Aufsteigers auf sich lenkte.

Um sich im Sturm zu verstärken, holte Ralf Rangnick Idrissou an die Leine und dort spielte dieser sich schnell in die Startelf. In der Saison 2002/03 erzielte er neun Tore, darunter einen lupenreinen Hattrick gegen den 1. FC Nürnberg in 15 Minuten beim 4:2-Sieg am 20. Spieltag. In der Folgesaison erzielte er vier Treffer, danach begann sein Standing aber zu bröckeln. Immer häufiger war er gar nicht mehr im Kader oder spielte nur für wenige Minuten, eine Leihe im Januar 2005 nach Frankreich zu Caen verlief auch nicht erfolgreich.

Im Januar 2006 sollte der permanente Wechsel zum MSV Duisburg stattfinden, es war alles vorbereitet. Bei Hannover hatte Idrissou einen Auflösungsvertrag unterschrieben, der neue Vertrag war auch so gut wie unterschrieben, jedoch fiel „Mo“ doch noch durch den Medizin-Check und war die komplette Rückrunde vereinslos. Im Sommer 2006 klappte der Wechsel nach Duisburg aber trotzdem noch, auch wenn der MSV gerade abgestiegen war. Nach nur einer Saison in der 2. Liga stieg man direkt wieder auf, Idrissou traf achtmal und legte 12 Tore auf. Auf seinen Ex-Klub Hannover traf er im Pokal-Achtelfinale, schied dort aber deutlich aus.

„Die ganze Nacht, von 12 bis 8!“

Nach dem Aufstieg war er aber weniger erfolgreich, traf keinmal und wechselte im Januar 2008 zurück in die 2. Liga zum SC Freiburg. Nach seiner ersten kompletten Saison im Breisgau verhalf er auch diesem Verein zum Aufstieg, als er erneut 13-mal traf. Zurück in der Bundesliga wurde er durch eine Trainingsäußerung bundesweit bekannt und zur Lachnummer: Jeder kennt die Geschichte, wie er den Freiburger Kollegen erklärte, auf solche Absteiger habe er keinen Bock, er würde eh bald Champions League spielen. So war nach dem geschafften Klassenerhalt der Abschied nach Mönchengladbach vorgezeichnet.

Mit den „Fohlen“ wurde es aber mal so gar nichts mit dem Angriff auf die Königsklasse, stattdessen kam das einzige Final-Erlebnis in der Relegation gegen den VfL Bochum, bei dem der Abstieg gerade noch so verhindert werden konnte. Die Freiburg-Fans hatten beim Besuch der Gladbacher ihre helle Freude. Man gewann 3:0 und konnte Idrissou mit dem neu gedichteten „PS3-Song“ so richtig einen reindrücken. Das Lied wurde sofort zum Klassiker, Idrissou blieb zur Halbzeit verletzt in der Kabine.

Immer wieder 2. Liga

Nach dem Nicht-Abstieg musste sich „Mo“ einen neuen Verein zum Champions League spielen suchen, bei Gladbach wollte man es ihm wohl nicht mehr zugestehen. In Frankfurt unterschrieb er bei der Eintracht und versuchte dort erneut, einen Zweitligisten in die Bundesliga zu schießen. Mittlerweile war Idrissou auch schon 30 Jahre alt und so bullig wie er immer noch war, die Schnelligkeit ließ langsam nach. Aber auch mit dem dritten Verein gelang ihm der Aufstieg: 14 Tore und sechs Vorlagen zeigen ganz genau sein Level: Er war ein sehr guter Zweitligastürmer.

Deswegen wechselte er 2012 auch zum Absteiger aus Kaiserslautern, schaffte es aber trotz 30 Treffern in zwei Spielzeiten nicht zurück in die 1. Liga, man scheiterte in der Relegation an der TSG Hoffenheim. Auch hier war er abseits des Rasens Gesprächsthema, ließ regelmäßig Macho-Sprüche raus und sorgte eher für Kopfschütteln als Erheiterung.

Rumgetingel

Nach dem Abenteuer 2. Liga entschloss sich Idrissou noch einmal ein paar exotischere Vereine anzuschauen. Über kurze Abstecher bei Maccabi Haifa in Israel und KF Shkëndija in Mazedonien landete er in der Oberliga Niederrhein beim KFC Uerdingen. Dort ist er mit mittlerweile 35 Jahren immer noch aktiv und spielt regelmäßig, hat in der Hinrunde sieben Treffer erzielt. Uerdingen steht auf dem 3. Platz und schielt mit einem Auge Richtung Regionalliga West.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)

Türchen #9

Das heutige Türchen befasst sich mit einem hochtalentierten Nachwuchsstürmer, der den Sprung in das kalte Wasser wagte, sein Level in Deutschland fand und später in die Heimat zurückkehrte, um dort weiter zu netzen.

 

Türchen #9: Erik Jendrišek

Erik Jendrišek stammt gebürtig aus der Tschechoslowakei, jedoch wurde die Heimat nur wenige Jahre nach seiner Geburt unabhängig. Seine Geburtsstadt Trstená liegt unweit der polnischen Grenze in den Ausläufern der Karpaten. In der Nähe der Stadt befindet sich der Orava-Stausee, das größte Gewässer der Slowakei, welches viele Touristen anlockt.

Fußballerisch wurde der Stürmer jedoch nicht am Stausee groß, sondern landeinwärts in Ružomberok beim MFK, wo er sein großes Potential schnell und häufig zeigte. Er spielte schnell in den Jugend-Nationalmannschaften und gab sein Liga-Debüt mit 17 Jahren für die Profis. Mit dem MFK wurde er 2006 Doublesieger, dabei war Jendrišek mit 19 Jahren bereits Torschützenkönig geworden. Insgesamt erzielte er 30 Tore in 56 Spielen und seinem Klub wird klar gewesen sein, dass dieses Juwel nicht zu halten wäre.

In die Bundesliga

Im Sommer 2006 meldete sich 96-Manager Ilja Kaenzig und fragte wegen einer Leihe des Spielers an. Es war derselbe Sommer, in dem auch Gunnar Heidar Thorvaldsson den Weg an die Leine fand. Für ein Jahr mit Kaufoption wurde Jendrišek in die Liga geholt, sollte sich dort einen Platz in der Startelf erarbeiten und den nächsten Schritt machen.

Sein erster Einsatz kam am 5. Spieltag unter dem neuen Trainer Dieter Hecking für eine knappe Viertelstunde gegen den VfL Bochum. Ansonsten saß der Slowake zwar öfter auf der Bank, zu mehr als Einsätzen für die letzten Minuten reichte es aber nicht. Insgesamt neunmal wurde Jendrišek eingewechselt und zeigte sich auf der Bundesliga-Bühne. Als das Saisonende kam, beschloss der Verein und damit der neue Sportdirektor Christian Hochstätter, die Kaufoption nicht zu ziehen und ihn zurück in die Slowakei zu schicken.

Die beste Zeit in Deutschland

Dorthin sollte es aber zunächst nicht gehen. Zweitligist 1. FC Kaiserslautern überwies eine halbe Million Euro in die Slowakei und sicherte sich die Dienste des jungen Stürmers für die nächsten drei Jahre. Während es in der ersten Saison mit fünf Toren und vier Vorlagen noch nicht so grandios lief, wurde es in den nächsten beiden Jahren immer besser. 2008/09 erzielte Jendrišek 14 Tore und legte acht auf, ein Jahr später waren es 15 Tore und drei Vorlagen. Gerade mit der letzten Saison war er maßgeblich daran beteiligt, dass Lautern nach Jahren der Zweitklassigkeit wieder in das Oberhaus aufsteigen konnte. Eine Möglichkeit, für die Pfälzer in der Bundesliga aufzulaufen, ergab sich aber nicht.

Die Leistungen des Jungen blieben in der Heimat nicht unbeobachtet und so kam es, dass er im Oktober 2008 zum ersten Mal zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, um der Slowakei bei der WM-Qualifikation für Südafrika zu helfen. Dies gelang auch auf spektakuläre Art und Weise, man gewann die Gruppe C und ließ die größeren Nachbarländer Tschechien und Polen deutlich hinter sich. Jendrišek befand sich deswegen auch im Kader für die WM und reiste im Sommer 2010 mit der „Repre“ zu deren ersten großen Turnier der Geschichte. In der Gruppenphase durfte er beim Unentschieden gegen Neuseeland und dem historischen Sieg über Italien über die volle Zeit mitspielen und stand auch im Achtelfinale gegen die Niederlande in der Startelf, wurde aber beim Stand von 0:1 ausgewechselt und erlebte das Ausscheiden von der Bank.

Rumgetingel

In Gelsenkirchen hatte Felix Magath das Ruder übernommen und verpflichtete jeden Spieler, der nicht direkt nein sagen konnte. Jendrišek, mittlerweile 23, sah gerade nach der erfolgreichen WM der Slowaken die Chance, bei einem Champions-League-Klub anzuheuern und ordentliches Geld zu verdienen. Für Schalke durfte der Slowake in der Hinrunde dreimal in der Bundesliga spielen, darunter auch bei der Heimniederlage gegen Hannover 96 am 2. Spieltag. Dazu gab es ein paar Minuten Champions-League-Luft bei Benfica und ein kompletter Einsatz in der ersten Pokalrunde in Aalen.

Im Januar 2011 war das Abenteuer Schalke schon wieder vorbei und der SC Freiburg sprang ein, um dem Mann eine neue Chance zu geben. In zweieinhalb Spielzeiten durfte Jendrišek nun öfter auf den Rasen und seine Fähigkeiten zeigen, so torgefährlich wie zu Lauterer Zeiten war er im Breisgau aber nicht, immerhin legte er einige Tore auf.

Nachdem der Vertrag in Freiburg 2013 ausgelaufen war, wechselte Jendrišek in die 2. Liga zu Energie Cottbus, vermutlich mit dem Gedanken, so etwas wie mit Kaiserslautern noch einmal zu erleben. Die Zeit in der Lausitz begann auch grandios: In der 1. Runde des DFB-Pokals spielte man beim 1. FC Magdeburg und es war Jendrišek vergönnt, in der 84. Minute das Tor des Tages zu erzielen.

In der Liga ging für Cottbus aber alles schief. Jendrišek traf nur ein einziges Mal, am Ende der Saison 2013/14 war Energie abgeschlagen Tabellenletzter und damit begann dort ein großer Umbruch. Der betraf auch Jendrišek, denn er hatte nur einen Vertrag für die 2. Liga. Und so wandte er sich – mit nunmehr 27 Jahren – der Heimat zu.

Zurück nach Hause

Spartak Trnava hatte sich als Tabellendritter für die Europa League qualifiziert und holte Jendrišek an Bord, um den Einzug in die Hauptrunde zu schaffen. Zwar scheiterte man in den Playoffs am FC Zürich, aber der Stürmer blühte in der Fortuna liga wieder auf und schoss fünf Treffer in 13 Partien, bis er im Winter ein Angebot aus Polen erhielt. Cracovia steckte in großen Abstiegssorgen und so guckte der Klub aus Krakau im Süden Polens über die Grenze und verpflichtete den Offensivspieler. Zwar kam er in der Rückrunde nur auch vier Treffer, aber es reichte, um Cracovia über dem Strich zu halten.

In der laufenden Saison läuft es nun deutlich besser mit Cracovia. Jendrišek ist mittlerweile 29 und ein fester Bestandteil der Offensivreihe, die mit dem Polen Mateusz Cetnarski und dem Letten Deniss Rakeļs komplettiert wird. Die drei ergänzen sich gut und haben großen Anteil, dass Cracovia nach 19 Spieltagen Tabellendritter ist. Jendrišek hat bislang sieben Treffer erzielt und hofft darauf, am Montagabend gegen Korona nachzulegen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Viele Spieler tauchen hier auf, die 2010 vorbeikamen, um die Saison kurzfristig zu retten. Ein weiterer kam auf neun Spiele und wird noch schnell präsentiert: Ján Ďurica, ebenfalls slowakischer Nationalspieler wie Jendrišek, wurde für die Innenverteidigung von Lokomotive Moskau ausgeliehen. Acht Spiele machte er über 90 Minuten, gegen den HSV wurde er zum 0:0 halten eingewechselt. Der heute 34-Jährige ist weiterhin Stammkraft bei Loko und fühlt sich dort sicherlich wohl.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)