Türchen #19

Spieler mit Ecken und Kanten, die braucht es, um sich auf dem Platz Respekt zu verschaffen und die Herzen der Fans durch die kämpferische Leistung zu erobern.

Nein!

Spieler mit Spielwitz und Kreativität, die braucht es, um auf dem Rasen den Gegner ins Leere laufen zu lassen und so durch Geniestreiche die Fans für sich zu gewinnen.

Nein!

Man nimmt einfach einen, der beides konnte…

 

Türchen #19: Sérgio da Silva Pinto

Im Norden Portugals, dort wo der Douro in den Atlantik fließt, entstanden zwei Städte; Porto nördlich der Mündung, Vila Nova de Gaia südlich der Mündung. In der südlichen Stadt wurde am 16. Oktober 1980 Sérgio Ricardo da Silva Pinto geboren. In seiner Kindheit spielte er in der Jugendabteilung des benachbarten FC Porto, zeigte also schon früh sein fußballerisches Potential. Anfang der 90er, als Pinto 12 Jahre alt war, zog seine Familie nach Deutschland, besser gesagt nach Haltern.

Dort spielte Pinto auch wieder in der Jugendmannschaft und es dauerte nicht lange, bis Talentsucher des benachbarten FC Schalke 04 klingelten und den Jungen in ihrem Team sehen wollten. Mit 14 Jahren sagte Pinto zu und wechselte. Dort durchlief er alle Jugendteams und bekam am 11. September 1999 bei der 2:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen mit noch 18 Jahren seine erste Bewährungsprobe bei den Profis im Parkstadion. Danach verbrachte er die nächsten Jahre aber bei der zweiten Mannschaft und spielte erst zwischen dem Frühjahr 2003 und Saisonende 2004 mehrfach für die Schalker. Sein einziges Tor für Schalke schoss Pinto im Oktober 2003 im DFB-Pokal im Zweitrundenspiel gegen den SC Freiburg. Der 2:2-Ausgleich des 23-Jährigen reichte nicht bei der 3:7-n.V.-Niederlage.

Weg von Schalke

Zur Saison 2004/05 glaubte Schalke nicht mehr an den Durchbruch des Deutsch-Portugiesen in seiner Mannschaft und verlieh Pinto nach Aachen in die 2. Liga zur Alemannia. Dort angekommen, gab er sich selbstbewusst und forderte den Aufstieg. Dieser wurde jedoch verfehlt, auch weil Alemannia nach dem Erreichen des Pokalfinales im Mai 2004 im UEFA-Pokal gefordert war und dort bis in die Zwischenrunde gegen AZ kam. Sérgio Pinto sammelte dort seine ersten Europapokal-Erfahrungen. Nach der Saison wechselte Pinto fest nach Aachen und spielte sich auf der rechten Seite des Spielfelds fest. Dabei war es erst einmal egal, ob er als Rechtsverteidiger oder Rechtsaußen agierte. Sein erstes Zweitligator hatte er im September 2004 gegen Unterhaching geschossen, insgesamt schoss er in den beiden Saisons in der 2. Liga jeweils vier Tore und bereitete neun Tore vor.

Am Ende der Saison 2005/06 stand der von Pinto versprochene Aufstieg in die Bundesliga, seine ersten Spiele im Aachener Trikot dort verliefen gut, insgesamt spielte er 29 Spiele im Oberhaus und schoss Tore gegen Cottbus und Bremen. Verhindern konnte er den direkten Abstieg der Alemannia zurück in die 2. Liga aber nicht. Stattdessen musste er einiges über sich ergehen lassen, als der Wechsel zu Hannover 96 zum Saisonende bekannt gegeben wurde. Er sagte später, dass er dabei vom Verein nicht genügend Rückendeckung erfahren habe.

Die Glanzzeit

Es half natürlich, dass bei 96 mit Dieter Hecking ein Trainer arbeitete, der Pinto schon nach Aachen geholt hatte (und der dort in der Bundesliga-Saison von Michael Frontzeck beerbt wurde). So kannte Pinto schon einige Gesichter, auch den neuen Stürmer Mike Hanke kannte er aus Schalker Zeiten.

So begann die Saison 2007/08, in der Pinto zunächst nur auf der Bank saß, bis er am 7. Spieltag seinen Kurzeinsatz auf der Bielefelder Alm nutzte und fünf Minuten vor Schluss das 2:0 schoss. Sein erster Treffer für die Roten. In der Saison kamen noch Tore gegen Wolfsburg und Frankfurt hinzu, größere Aufmerksamkeit erhielt Pinto aber durch zwei rote Karten in der Rückrunde. In beiden Fällen war Pinto hart gefoult worden, seine Ausflüge in die Selbstjustiz mit Nachtreten wurden jedoch nicht nur vom DFB mit langen Sperren geahndet; auch der Verein sperrte den nun 27-Jährigen vereinsintern nach dem zweiten Platzverweis am 28. Spieltag bis zum Saisonende. Im weiteren Verlauf seiner Karriere blieb er ein harter Spieler, bis auf eine gelb-rote Karte in der letzten 96-Saison kam aber kein Platzverweis mehr hinzu.

In der Saison 2008/09 erarbeitete sich Pinto langsam wieder den Platz in der ersten Elf zurück und schoss vier Tore. Seine wahre Führungspersönlichkeit zeigte Pinto aber in der Saison 2009/10: Nachdem er den Saisonstart mit einer Meniskusverletzung verpasst hatte und Trainer Dieter Hecking entlassen worden war, spielte er zunächst unter Andreas Bergmann wie gewohnt weiter. In diese Zeit fiel natürlich auch der Tor Robert Enkes, der die Mannschaft und vor allem Führungsspieler wie Pinto traf und aber auch zusammenschweißte. Nachdem Mirko Slomka das Team im Januar 2010 übernommen hatte, spielte Pinto schnell im defensiven Mittelfeld und dort auch über alle Grenzen hinaus. In den letzten Wochen, in denen es um das Überleben in der ersten Liga ging, spielte Pinto trotz eines Außenbandrisses im Knie bis zum Saisonende und schoss dabei in den wichtigen Wochen noch drei weitere Saisontore gegen Frankfurt und an den letzten beiden Spieltagen beim 6:1 gegen Mönchengladbach und dem 3:0 in Bochum.

Europapokal

Nach dem Klassenerhalt unterschrieb der nun 29-jährige Pinto einen neuen 3-Jahres-Vertrag bei 96 und lieferte im Anschluss vielleicht seine beste Saison für Hannover ab. Nach 34 Spieltagen stand der Verein auf Platz 4 und damit fast in der Europa-League-Gruppenphase, Pinto selbst spielte 31 Spiele, schoss fünf Tore und bereitete sechs weitere vor. Die Belohnung für diese Saison folgte mit seinem bislang größten Erfolg, dem Erreichen des Viertelfinals der Europa League, wo 96 gegen Atletico Madrid – den späteren Turniersieger – ausschied. In der Europa League schoss Pinto zwei Tore, eins im Heimspiel gegen den FC Kopenhagen, eins im Achtelfinalrückspiel gegen Standard Lüttich.

Die Folgesaison war wie eine Art Reprise: Es wurde noch einmal europäisch gespielt, auch wenn es nicht ganz so weit ging. Pinto schoss ein Tor im Rückspiel gegen Anzhi Makhachkala. In der Liga fiel man aufgrund der Doppelbelastung aus den europäischen Plätzen. In der Liga holte Pinto wieder elf gelbe Karten wie in der Vorsaison, schoss aber nur ein einziges Tor.

Zum Start der Saison 2012/13 war Pinto fast 32 und in den Mannschaftsrat der Roten gewählt worden. Gegen Nöttingen schoss da Silva Pinto, wie er ab dieser Saison offiziell hieß, zwei Treffer in der ersten Pokalrunde, aber insgesamt konnte man in der Liga sehen, wie die Kräfte des Mittelfeldmotors langsam nachließen. Seine Bundesligatore 18 und 19 schoss er in der Rückrunde bei der 4:5-Niederlage auf Schalke und beim 3:2 bei Aufsteiger Greuther Fürth. Diese sollten aber seine letzten Tore für 96 bleiben, im Zuge der Umstrukturierungen wurde sein auslaufender Vertrag nach 159 Bundesligaspielen für Hannover 96 nicht verlängert.

Nach 96

Im Sommer 2013 zog es den Deutsch-Portugiesen nach Spanien zu UD Levante. Gegen den Vorstadtklub aus Valencia hatte Pinto bereits in der Europa League schon gespielt. Neben Pinto spielte auch Christian Lell immer noch beim spanischen Klub, dazu sprach mit Andreas Ivanschitz ein weiterer Mitspieler Deutsch, wobei Pinto als Portugiese keine wirklichen sprachlichen Schwierigkeiten hatte, sich einzufügen. In Spanien kam Pinto aber nur auf 18 Einsätze in der Liga und dabei auf eine Vorlage, die Spiele im Camp Nou hat er jedoch nicht in guter Erinnerung. Am ersten Spieltag verlor Levante 0:7 gegen Barcelona und Pinto erlebte die zweite Halbzeit nicht. Im Pokalspiel bei Barcelona verlor man ebenfalls hoch und Pinto humpelte mit einer Muskelquetschung nach einer halben Stunde vom Platz.

Zur Saison 2014/15 kehrte Pinto zurück nach Deutschland. Zunächst spielte er beim Steve Cherundolos Abschiedsspiel mit, danach unterschrieb er einen 2-Jahres-Vertrag bei Fortuna Düsseldorf. Die Zeit dort, die eigentlich nur ein Karriereausklang werden sollte, entwickelte sich nun zur Leidenszeit. Am 12. Spieltag brach ein harter Ball aus kurzer Distanz Pinto im Spiel gegen Ingolstadt den Kiefer, setzte einige Spiele aus und versuchte schnell sein Comeback zu geben. Doch im April 2015 musste er feststellen, dass es so nicht funktionierte. Der Kieferbruch war äußerst kompliziert und Pinto konnte nur unter Schmerzen essen und trainieren. Mittlerweile ist über ein Jahr seit der ursprünglichen Verletzung ins Land gezogen und noch immer ist an ein Comeback nicht zu denken. Ich vermute, dass er nun seinen Vertrag bis zum Saisonende noch erfüllt und danach seine lange und verdienstreiche Karriere beendet. Wenn alles gut läuft, wird er zum Saisonende noch einmal ein kurzes Comeback geben und dann mit 35 Jahren in die Gegend von Aachen ziehen, wo er seit seiner Zeit vor zehn Jahren ein Haus hat und lebt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)

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Türchen #18

Wo krankt es wirklich im 96-Spiel? In der Abwehr mit der fehlenden Stabilität? Im Sturm mit der mangelnden Torgefahr? Im Mittelfeld mit der nicht existenten Kreativität? Überall? Nun, im Sommer 2004 hatte Hannover 96 eine grandiose Idee, wie man sich endlich südeuropäische Spielkultur und Spielwitz aneignen könne. Gerade war die EM 2004 in Portugal Geschichte, da zog 96 einen Portugiesen an Land.

 

Türchen #18: Ricardo Sousa

Ricardo André de Pinho Sousa kommt aus einer hochdekorierten Familie. Sein Vater António war in den 80er Jahren mit einer kurzen Unterbrechung Spieler beim FC Porto und stand im Kader, als der Verein im Jahr 1987 den Pokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München errang. Zu dem Zeitpunkt war Sohnemann Ricardo acht Jahre alt und begann gerade in einem Vorort Portos das Fußballspielen.

Als Sohn eines Profis eiferte er es natürlich dem Vater nach und wechselte in der A-Jugend zum großen FC Porto, konnte sich dort aber nicht wirklich durchsetzen. Neben einem Einsatz in der Liga gab es zwei Jokereinsätze in der Gruppenphase der Champions League 1999/00 gegen Molde und Piräus. Stattdessen wurde er öfter mal ausgeliehen, am liebsten zu Beira-Mar südlich von Porto, wo Papa António Trainer war. Dorthin ging es in jungen Jahren gleich dreimal, bevor es im Jahr 2002 endgültig dorthin ging. Als Stammspieler mit elf Treffern überzeugte der nun 24-Jährige, so dass es zurück nach Porto zu Boavista ging. Mit 14 Toren in 32 Spielen beendete Boavista die Saison auf Platz acht. Nachträglich wurde Boavista wegen Schiedsrichterbeeinflussungen in dieser Saison 2003/04 mit einem Zwangsabstieg zur Saison 2008/09 bestraft. Der Rechtsstreit darum zog sich noch über Jahre hin und zur Saison 2014/15 wurde der Zwangsabstieg zurückgenommen und Boavista war wieder erstklassig.

96

Aber zurück zu Ricardo: Zu dieser Zeit war alles noch rosig und Ilja Kaenzig holte den Spieler für 750.000 Euro nach Hannover, um das offensive Mittelfeld zu verstärken. Sein Debüt gab er zum Saisonauftakt 2004/05 bei der 1:2-Niederlage in Leverkusen, konnte in dieser ersten Saison aber nur fünfmal spielen. Nach dem September ging es für Sousa aber sportlich nicht mehr voran, Trainer Ewald Lienen verließ sich auf andere Kräfte.

Deswegen wurde Ricardo Sousa in die Niederlande an den Tabellenletzen De Graafschap an der deutschen Grenze ausgeliehen. Für zehn Spiele versuchte Sousa, den Abstieg zu vermeiden, aber dieser ließ sich nicht mehr aufhalten. Zur neuen Saison 2005/06 versuchte Sousa neu anzugreifen, im Oktober hatte er es fast geschafft, als er am 9. Spieltag gegen den 1. FC Köln bei 4:1 ein Tor per Elfmeter schoss und ein weiteres auflegte. Es gab große Hoffnungen für das anstehende Derby gegen Werder Bremen. Der Auftritt dort dauerte ganze 12 Minuten, dann humpelte Sousa mit einem Muskelbündelriss vom Platz.

Als Sousa wieder fit war, stand mit Peter Neururer ein neuer Trainer an der Seitenlinie und unter ihm gab es neue Einsatzchancen, konnte diese teilweise sehr kurzen Spielzeiten aber nicht entscheidend nutzen. Seinen größten Erfolg schaffte Sousa bei einem Sponsorentermin bei Continental, als er mit Thomas Brdarić und Jiří Štajner ein Kart-Turnier gewann.

Weg von 96

Als klar wurde, dass man ohne ihn plante, ging Sousa mit nun 27 Jahren zunächst leihweise zur Saison 2006/07 zurück zu Boavista, wo er in 16 Spielen zwei Treffer erzielte. Obwohl er noch ein Jahr Vertrag in Hannover hatte, wurde dieser im Einvernehmen mit dem neuen Manager Christian Hochstätter aufgelöst und Sousa machte sich auf nach Nikosia zum AC Omonia. Viele Spiele machte er dort aber nicht, ein paar UEFA-Pokal-Spiele in der Qualifikation aber ansonsten in der Liga eher wenig. Umso erstaunlicher war es, dass Jörn Andersen, Trainer von Kickers Offenbach, im Januar 2008 von einem „echten Wunschspieler“ sprach, der dem Team im Abstiegskampf der 2. Bundesliga helfen sollte. Das gelang eigentlich ganz gut, in 16 Spielen traf er einmal und bereitete fünf Tore vor und alles sah gut aus für Offenbach, bis man am letzten Spieltag 0:3 gegen den Konkurrenten VfL Osnabrück verlor und noch von Platz 12 auf Platz 16 stürzte und direkt abstieg.

Es ging zurück nach Portugal in deren zweite Liga, natürlich zu Papa António, der mal wieder den Job in Beira-Mar übernommen hatte. Nach sechs Spielen dort in der Hinrunde ging es zu União de Leiria, mit denen er in die 1. Liga wieder aufstieg. Sein Anteil darf mit vier Kurzeinsätzen aber als gering eingestuft werden.

Mit 30 Jahren zog es ihn kurioserweise in die Slowakei zum NK Drava Ptuj, wo er es bis zum Ende Oktober 2009 aushielt, aber nach sechs Spielen war ihm dieses Abenteuer auch genug. Er blieb bis zum Saisonende 2010 vereinslos, bevor er sich noch einmal in der zweiten portugiesischen Liga die Schuhe für UD Oliveirense schnürte. Nach ein paar Spielen bei unterklassigen Vereinen beendete er seine Spielerkarriere und übernahm das Traineramt bei seinem Jugendverein A.D. Sanjoanense in der dritten Liga.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Ab Januar 2008 probierte sich Sportinvalide Valérien Ismaël in 18 Spielen noch einmal als Fußballer in der 96-Innenverteidigung, nachdem er mit Bremen und Bayern Doublesieger geworden war. Nachdem im September 2008 er aber wieder verletzt war, beendete er seine Karriere und wurde dann Trainer: Erst von Hannover II, dann von Wolfsburg II. Beim 1. FC Nürnberg scheiterte seine erste große Trainerchance sehr schnell, deswegen ist er nun wieder Trainer bei Wolfsburg II.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)

Türchen #8

Eine der tragischsten Geschichten verbirgt sich hinter dem heutigen Türchen. Ein Portugiese, der international bei 96 spielen wollte und dann doch nur zwei Jahre lang Reha-Training machte, bevor es zurück in die Heimat ging. Eine Geschichte rund um ein kaputtes Knie und ein Happy End bei einem früheren Klub.

Türchen #8: Carlitos

21. August 2010, 15:30. Die Mannschaft von Hannover 96 steht vor dem Anstoß gegen Eintracht Frankfurt gehörig unter Druck. Die letzte Saison wurde am letzten Spieltag in Bochum gerettet, die Vorbereitung war so lala, dann ging in der vorigen Woche auch noch der Saisonauftakt im DFB-Pokal komplett in die Hose, als man in Elversberg im Elfmeterschießen scheiterte. Trainer Mirko Slomka ist leicht angezählt. Dann rollt der Ball.

Knapp eine Minute später muss Schiedsrichter Deniz Aytekin das Spiel unterbrechen. Carlitos liegt am Boden, dass Gesicht schmerzverzerrt und voller Enttäuschung. Im ersten Duell hat er sich ohne Gegnereinwirkung das Knie verdreht, die Diagnose Kreuzbandriss folgt schnell. Unter Tränen wird der Portugiese vom Platz getragen. Die Hinrunde ist für ihn beendet.

Der Weg zu 96

Carlos Alberto Alves Garcia wurde am 6. September 1982 in Lissabon geboren. Seine Jugend verbrachte er aber nicht bei einem der ortsansässigen Schwergewichte wie Sporting oder Benfica, sondern in Amora, einer Kleinstadt auf der gegenüberliegenden Seite der Tajo-Mündung, etwas südlich von Lissabon. Dort reifte er heran und spielte zunächst einmal bei diesem kleinen Amateurverein, bis GB Estoril auf den 19-Jährigen aufmerksam wurde. Im Jahr 2002 war Estoril noch ein kleiner Drittligist von der Atlantikküste im Speckgürtel Lissabons. Dort schaffte er nicht nur den Durchbruch, sondern half dem Verein zum Durchmarsch in die erste Liga. Zu dem Zeitpunkt war Benfica auf den Jungen aufmerksam geworden. Für 500.000 Euro wurde er verpflichtet, konnte sich aber nicht in die erste oder zweite Reihe spielen, es reichte nur für wenige Kurzeinsätze.

Im Januar 2006 wurde ihm Spielpraxis gewährt und er wurde zum Ligakonkurrenten Vitória Setúbal, für den er in 15 Rückrundenspielen vier Treffer beisteuerte. Um noch mehr Spielpraxis zu bekommen, meldete sich im Sommer der Schweizer Aufsteiger FC Sion. In der Saison 06/07 erzielte Carlitos neun Tore in 27 Spielen und fand sich mit dem Aufsteiger zum Saisonende plötzlich auf dem 3. Tabellenplatz endete. Da guckte der Primus FC Basel verblüfft, der diese Saison Zweiter geworden war und sprach bei Benfica vor und verpflichtete den 24-jährigen Portugiesen.

Mit dem FC Basel wurde Carlitos 2008 und 2010 Doublesieger. Er staubte Meisterschaft und Pokal ab. Dabei war er Stammspieler, schoss in der Liga in den drei Spielzeiten elf Tore und legte 24 weitere auf. Mit Basel spielte er Champions League und Europa League in Barcelona, Rom und Hamburg. Nach diesen drei Jahren sollte Carlitos von Basel aber keinen neuen Vertrag mehr erhalten. 96-Manager Jörg Schmadtke sah die Chance und griff zu. Carlitos war selbstbewusst: „Mit mir bekommt die Liga einen weiteren guten Spieler hinzu.“

Auf dem Weg zum Comeback

Nach der Diagnose Kreuzbandriss begann für den nun 28-Jährigen eine lange Zeit der Rehabilitation und dem Herantasten an den Profi-Kader. Er war erst relativ spät zur Mannschaft gestoßen, hatte das Pokalspiel in Elversberg durchgespielt, aber richtig ins Team hinein hatte er sich noch nicht gespielt.

Sein Comeback kam am 26. Spieltag am Freitagabendspiel beim 1. FC Köln. Carlitos rutschte kurzfristig ins Team, weil Sergio da Silva Pinto eine Mandelentzündung hatte. Das Spiel ging 0:4 verloren, Carlitos musste nach einer knappen Stunde Moritz Stoppelkamp Platz machen. Bis zum 31. Spieltag gab es noch vier weitere Kurzeinsätze für den Portugiesen, bis ihn Knieprobleme erneut stoppten. Er ließ sich im Sommer 2011 in Lissabon erneut operieren, stand aber nicht wie geplant zum Trainingsauftakt wieder auf dem Platz. Die Reha war langwierig und im Januar 2012, als er im Wintertrainingslager wieder angreifen wollte, musste er direkt wieder abreisen, weil eine Zyste im Knie diagnostiziert worden war. Sein Vertrag lief im Sommer aus und es war klar, dass er bei 96 keine Zukunft haben würde. Zumindest wurden ihm am 32. und 33. Spieltag noch zwei Kurzeinsätze gegen Freiburg und Leverkusen für die Bundesligaspiele sieben und acht in seiner Karriere gewährt.

Zurück zu alten Vereinen

Ablösefrei ging es zu Estoril, dem Verein, mit dem er in die 1. Portugiesische Liga aufgestiegen war, aber nie für sie dort gespielt hatte. Nun war Estoril erneut aufgestiegen und Carlitos konnte mit nun 30 Jahren zumindest wieder Fuß fassen und spielte regelmäßig, wenn auch nicht immer für 90 Minuten. 2013 qualifizierte sich der Aufsteiger für die Europa League und schaffte auch die beiden Qualifikationsrunden für die Gruppenphase, nur um hinter dem FC Sevilla, Slovan Liberec und dem SC Freiburg Tabellenletzter zu werden. Trotzdem sollte es für den Portugiesen nicht der Karriereausklang sein.

Der FC Sion meldete sich in Portugal: Zu gut war Carlitos den Schweizern in Erinnerung geblieben, als er den Aufsteiger in den europäischen Wettbewerb schoss. Im Sommer 2014 wechselte Carlitos wieder ins Wallis und drehte dort trotz seines Alters noch einmal richtig auf. Zwar lief es in der vergangenen Saison nicht großartig und man beendete die Saison auf Platz 7, aber Carlitos steuerte fünf Tore und zehn Vorlagen bei. Und im Pokalfinale 2015 gegen den Ex-Klub FC Basel machte er im Mai das Spiel seines Lebens: Nicht nur, dass er das 1:0 und das 2:0 fein vorbereitete, er erzielte auch noch das 3:0 per Kopf zum Endstand.

Endspiel am Donnerstag

In dieser Saison steht man momentan wieder im Tabellenmittelfeld – aber am Donnerstag steht ein echtes Highlight in der Europa League an. Der FC Sion steht auf dem 2. Platz, drei Punkte vor Rubin Kasan, hat aber den direkten Vergleich verloren. Ein Punkt reicht also für die Zwischenrunde, dieser muss aber ausgerechnet gegen den Tabellenführer FC Liverpool geholt werden. Das Hinspiel an der Anfield Road endete 1:1, das würde auch übermorgen reichen. Schlägt Sion Liverpool, ist man gar Tabellenführer. Ich würde es Carlitos so sehr gönnen, dass er mit 33 Jahren den Siegtreffer im Stade de Tourbillon gegen die „Reds“ erzielt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Wieder einmal gibt es zwei Jungs, die in dieser Rubrik auftauchen. Der erste ist Salvatore „Sal“ Zizzo, der allererste „neue Cherundolo“. 2007 von einem amerikanischen College geholt, Hauptsächlich in der zweiten Mannschaft aktiv, reichte es zwischen 2007 und 2009 für achte Ligaspiele, zum Ende seiner Zeit machte dem Außenspieler, mal rechts vorne, mal rechts hinten, ein Außenbandriss im Knie das Leben schwer. 2010 ging er zurück in die USA und spielte bei verschiedenen Teams in der MLS. Diese Saison schaffte er – mittlerweile 28 – mit den New York Red Bulls als Stammspieler in der rechten Verteidigung den Einzug in das Playoff-Halbfinale, scheiterte dort aber an Columbus Crew.

Der andere Spieler ist Arouna Koné, mittlerweile 32 und beim FC Everton. Ein weiterer Stürmer, der im Januar 2010 geholt wurde, um den Abstieg zu vermeiden. Nach Treffern gegen Hoffenheim und Dortmund ging nach acht Spielen auch sein Knie kaputt und er kehrte nach Sevilla zurück, als seine Leihe endete. Der Ivorer war über Roda und PSV für viel Geld zu Sevilla gewechselt, nach der 96-Leihe ging es für ihn noch zu weiteren spanischen Klubs, bevor Roberto Martinez den Stürmer nach England zu Wigan Athletic holte. 2013 wechselte er schließlich zum FC Everton.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidur Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)