Türchen #5

Fußballer lassen sich ja generell in verschiedene Kategorien einteilen: Da gibt es die Vereinstreuen, die ein Leben lang von der F-Jugend bis zu den Altherren beim selben Verein spielen, jeden Mitarbeiter und deren Familien kennen und immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Fans „seines“ Vereins haben. Dann gibt es die Karrieristen, die zwar durchaus loyal sind, sich aber bei einem Angebot eines besseren Vereins verabschieden, aber nicht müde werden zu betonen, wie toll die Zeit bei dem vorherigen Verein doch war. Dann kommen die Söldner, das ultimative Feindbild eines jeden Fans, der am Stammtisch ernst genommen werden will. Das sind die Spieler, die nach wenigen Spielen nur das große Geld sehen und immer nur Kohle, Kohle, Kohle scheffeln wollen, ob beim Heimverein oder dem Erzrivalen.

Und dann gibt es noch die Wandervögel. Solche Typen, die über das Stadium des Söldners hinaus gewachsen sind. Deren Karrierepfad als Kneipenquiz dient, deren Art und Eigenheiten kultig geworden sind.

Einer der berühmtesten Wandervögel des 21. Jahrhunderts machte auch in Hannover halt.

Türchen #5: Abel Xavier

Um seine Herkunft ranken sich Mythen. Okay, das ist leicht übertrieben. Abel Luís da Silva Costa Xavier wurde in Mosambik geboren und zog als Kind mit seiner Familie nach Portugal. Dort lernte er das Fußball spielen und vor allem das Verteidigen. Man kann aber durchaus sagen, dass ihm das Wandern im Blut lag. War es zunächst nur der Umzug von der Ex-Kolonie auf das europäische Festland, führte sein Weg danach durch fast alle Profiligen Europas.

Zunächst wurde er zu einem waschechten Verteidiger ausgebildet, zunächst bei Estrela Amadora, einem Verein, der mittlerweile nur noch portugiesischer Drittligist ist. Mit 21 meldete sich der große Nachbar aus Lissabon, Benfica. Xavier wurde Nationalspieler und wurde mit Benfica 1994 portugiesischer Meister. 1995 ging es nach Italien, zum FC Bari. Dort machte er nur acht Spiele und der Verein stieg zum Saisonende ab. Xavier wandte den Blick zurück Richtung Westen und fand Real Oviedo in der spanischen ersten Liga. Dort war er zwei Jahre lang Stammkraft in der Innenverteidigung und schaffte es in beiden Spielzeiten, gerade so den Abstieg des Traditionsvereins zu verhindern.

Niederlande, England, Türkei

Im Sommer 1998 meldete sich PSV Eindhoven und verpflichtete den mittlerweile gestandenen 25-jährigen Portugiesen. Mit den Niederländern spielte er Champions League und wurde Tabellendritter. Während der Saison fiel er allerdings mit Knieverletzungen viele Wochen aus. Das hielt den FC Everton aber nicht davon ab, ihm ein Vertragsangebot zu unterbreiten und ihn auf die Insel zu holen. Dort verbrachte er zweieinhalb Spielzeiten – fast schon ein Rekord – machte in der Zeit aber wegen verschiedener Verletzungen nur knapp über 40 Spiele. Im Winter 2002 meldete sich trotzdem Evertons großer Bruder, der Nachbar von der Anfield Road. Der FC Liverpool war wohl auf die spektakulären Frisuren aufmerksam geworden und wollte sein Profil schärfen. So machte Abel Xavier die paar Meter quer durch die Stadt und wurde ein „Red“. Zwar konnte er in der Rückrunde in der Zwischenrunde der Champions League etwas aushelfen und auch in der Liga etwas zum zweiten Tabellenplatz beitragen, allerdings spielte er in der nächsten Saison überhaupt keine Rolle mehr und trug seine Frisuren nur noch auf der Tribüne zur Schau.

Im Januar 2003 wurde er für sechs Monate an Galatasaray ausgeliehen, dort machte er immerhin elf Spiele. Er verbrachte ein weiteres halbes Jahr auf der Tribüne an der Anfield Road, bevor der Ruf erklang, der sein Leben verändern sollte…

„Hat der Typ geile Haare!“ – @follix

Ricardo Moar ist ja eine der Lichtgestalten, die es bei Hannover 96 zum Posten des Sportdirektoren geschafft haben. Und dieser sah in der Winterpause der Saison 2003/04 seine Chance, einen echten Weltstar zu angeln. Einen Nationalspieler vom FC Liverpool, was konnte da nur schief gehen? Hannover stand im gesicherten Mittelfeld auf Platz 11, Trainer Ralf Rangnick wird sich wie Bolle über diese Verpflichtung gefreut haben.

Am 20. Spieltag durfte Xavier das erste Mal auflaufen, seine weiteren Spiele für Hannover geschahen an den Spieltagen 21, 22, 23 und 34. Ich habe mal die „kicker“-Noten konsultiert: 5; 5; 6; 5,5; 4,5. Das macht einen Notenschnitt von 5,2. Das ist nur so mittel. In den Spielberichten zu den Spielen lassen sich wenige positive Aspekte finden. Er war schlichtweg überfordert. Dafür schillerte seine Frisur schöner denn eh und je.

Italien, England, USA

Die Zeit bei Hannover war also wirklich keine erfolgreiche. Kein Wunder, dass er nach dem Abstecher an der Leine zunächst einmal vereinslos war, bevor im Januar 2005 der AS Rom zugriff und Xavier in seine Dienste stellte. Spielen tat er aber kaum und im Sommer 2005 war er schon wieder weg. Zurück nach England, wo er ja in der Liverpooler Gegend schon seine größten Erfolge gefeiert hatte. Es sollte alles wieder gut werden, aber es wurde nur noch schlimmer. Nach der 1. Runde des UEFA-Cups gegen Skoda Xanthi wurde er beim Dopingtest auf ein anaboles Steroid positiv getestet und für ein Jahr gesperrt. Im November 2006 durfte er wieder anfangen zu spielen und machte noch bis zum Saisonende ein paar Partien, bevor er im Sommer 2007 in die USA wechselte und dort bei Los Angeles Galaxy seine lange Karriere mit 35 beendete.

Mittlerweile ist Abel Xavier zum Islam konvertiert, nennt sich Faisal Xavier und widmet sich nach eigenen Angaben jetzt humanitären Aufgaben. Zaghafte Bemühungen, in der Welt des Coachings Fuß zu fassen, ließ er schnell wieder bleiben.

Eine echte #h96legende.

Noch jemand?

Neben Abel Xavier soll hier noch auf Außenverteidigerlegende Joao Pereira hingewiesen werden, der es in der vergangenen Rückrunde ebenfalls auf fünf Einsätze brachte und dabei sogar einen Platzverweis kassierte. Ansonsten bleibt von Pereira nur in Erinnerung, dass er nach dem Rauswurf von Korkut cool seine neuen Treter bei Instagram postete. Pereira spielt aktuell wieder bei Sporting in Portugal.

Auch Deniz Kadah soll nicht vergessen werden. Der mittlerweile 29-Jährige war Hannover-II-Spieler, bis Mirko Slomka ihn in der Rückrunde 2013/14 in den Profikader berief. Dort reichte es für fünf Kurzeinsätze ohne Torerfolg. Im Sommer 2014 wechselte er in die Türkei zu Rizespor und hat dort in der laufenden Saison fünf Tore in 12 Ligaspielen erzielt.

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)

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One thought on “Türchen #5

  1. An dem Tag, an dem Abel Xavier das erste Mal auf der Tribüne in Hannover saß, spielte Hannover gegen den HSV im noch im Umbau befindlichen Niedersachsenstadion. Ich erinnere das Spiel nicht mehr, aber es schüttete wie aus Eimern und sicher hat Jiri Stajner eins seiner 350 Tore gegen den HSV geschossen. Hannover hat auf jeden Fall gewonnen…

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