“Was gibt’s an Bord, dass noch funktioniert?” – Ein Kadercheck, knappe 4 Monate zu spät

Ach, man müsste ja eigentlich viel mehr schreiben. Es gibt ja auch genug Themen, die sich anbieten bei Hannover. Der Verein dümpelt kurz über dem Strich, die rote Laterne ist auch schon durch die Hände der “Roten” gegangen. Und dennoch fühlt es sich alles ziemlich lethargisch an. Es ist halt nicht so, dass der Verein mitreißende Spiele bietet, man unverdient dort steht, wo man steht, irgendjemand vom Saisonverlauf überrascht wäre.

Man ist schlicht und ergreifend genau dort, wo man mit Kader und Trainer hingehört.  Continue reading

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“Rückrunde war Fanta-Korn” – Das große 96-Abschlusszeugnis

Nach dieser spektakulärsten Spielzeit der besten Liga aller Zeiten ever and ever ist es Zeit, bei der grauesten der grauen Mäuse Bilanz zu ziehen. Im Anschluss an insgesamt 36 Spiele mit wenigen Höhen und vielen, vielen Tiefen folgt die spielfreie Zeit, die wir alle bitter nötig haben. Allen voran meine arme Leber. So here it comes, in all its glory, die komplett subjektive und trotzdem (andere würden sagen gerade deswegen) einzig wahre Saisonauswertung:

Tor

Ron-Robert Zieler: Irgendwo zwischen Weltmeister und Kreismeister. Teilweise überragende Paraden, andererseits hanebüchene Fehler bei Gegentoren. Darf im Sommer gerne mal mit Kiyotake Freistöße üben. Im Zweifel kann er dann auch auf Phrasendrescherei in Interviews verzichten. Kandidat für die Kapitänsbinde nächste Saison. Außer natürlich, jemand zieht seine Klausel im Sommer. Spielte jede Pflichtspielminute der Saison.
Note: 3

Robert Almer: Durfte auf der Bank sitzen und blieb trotzdem Österreichs Nationaltorhüter. Das ist auch schon bezeichnend. Weil nächstes EM-Jahr ist und Österreich immer noch Chancen auf eine Qualifikation hat, braucht er nun doch etwas Spielpraxis und geht zu Austria. Verständlich.
Note: n/a

Markus Miller: Nie im Kader, öfter verletzt. Hat seinen Vertrag erfüllt und beendet nun anscheinend seine Karriere. Schön, dass er mental zumindest wieder fit ist.
Note: n/a

Timo Königsmann: Der Nachwuchskeeper saß ab und zu auf der Bank. Könnte langsam mal einen neuen Vertrag unterschreiben.
Note: n/a

Abwehr

Marcelo: Unumstrittener Abwehrchef. Zwar immer noch für den ein oder anderen Schnitzer oder viel zu viele Eigentore gut, aber insgesamt ist er solide. Traf aber endlich auch mal ins richtige Tor, gegen Paderborn und Frankfurt. Durfte dank Schipplocks Verzicht auf eine nachträgliche Bestrafung jede Bundesligaminute absolvieren. Mit einem schnelleren Partner neben ihm steht die Abwehr gar nicht mal so schlecht.
Note: 2-

Christian Schulz: Der alte Mann hatte öfter mal Rücken, trotzdem war er unumstritten die #2 in der Innenverteidigung. Knipste gegen die Hertha, ansonsten offensiv unauffällig. Mit 32 wird Schulle nicht mehr schneller, das sah in der Verteidigung manchmal etwas sehr unglücklich aus. Hat noch ein Jahr Vertrag, fühlt sich in Hannover wohl.
Note: 4+

Miiko Albornoz: Stammkraft hinten links in seiner ersten Bundesliga-Saison. Man hat öfter gemerkt, dass der Schritt von der schwedischen Liga ein großer ist, teilweise waren echt schlechte Spiele dabei. Dazu fehlt ihm in der Offensive immer noch ein bisschen die Traute, den Ball mal vorbeizulegen und durchzuziehen, die Spritzigkeit hat er eigentlich. Die Flanken sind besser als der Durchschnitt, drei Torvorlagen sind sehr gut. Die Rettungsaktion auf der Linie gegen Paderborn ist Szene der Saison.
Note: 3

Hiroki Sakai: Hiroki, Hiroki… bei ihm weiß ich echt nicht. Engagement will ich ihm wirklich nicht absprechen, aber manchmal geht es einfach nach hinten los. Hat es in den letzten Jahren nicht geschafft, sich als Stammkraft hinten rechts festzuspielen. Jeden Sommer (und Winter) wird ein neuer Rechtsverteidiger geholt, der aber auch nie was ist. Flanken sind nicht so wirklich sein Ding, andererseits ist er gerne vorne mit dabei, teilweise sogar viel zu weit. Mit etwas mehr Konzentration werden die Fehler hoffentlich weniger.
Note: 3-

Felipe: Wer hätte gedacht, dass Felipe gesund sein kann? Das ewige Lazarett brachte es tatsächlich auf 11 Liga-Einsätze und das Pokalspiel in Aalen (Aleschia? Isch kenne dieschesch Aleschia nischt!). Kam öfter mal, wenn ein knapper Vorsprung gehalten werden musste. Dazu ein klasse Spiel gegen Dortmund in der Hinrunde. Bessere Haare als Dante.
Note 4

Christian Pander: Es gab anscheinend Momente in der Hinrunde, in der Pander nicht verletzt war. Wurde öfter mal für Miiko eingewechselt, als der noch nicht die Luft für 90 Minuten hatte. 8 Ligaeinsätze und das Pokalspiel gegen Walldorf. Wird den Verein wohl nach 4 Jahren verlassen, der Vertrag läuft aus und er ist 31. Ich erinnere mich noch an sein erstes Pflichtspiel für 96, das Pokalspiel an der Lohmühle gegen Anker Wismar. Konnte in dieser Saison keine Akzente setzen. Vielleicht macht „Funky Pee“ jetzt wieder Musik.
Note: 4

Joao Pereira: Der Backup im Winter, als der Stojanovic-Deal leider scheiterte. 6 Monate Vertrag, das reicht dann auch. Auf Instagram besser als auf dem Platz. 5 Einsätze, einmal gelb/rot beim Topspiel in Köln. So long.
Note: 5

Marius Stankevicius: Notlösung nach Hoffmanns Verletzung. 2 Einsätze: 70 Minuten gegen Dortmund und 10 gegen Freiburg. Ein-Jahres-Vertrag voll erfüllt. Mit mein Lieblingstransfer diese Saison. Ein alter Mann mit Einwürfen wie ein Katapult. Durfte nie einen Freistoß schießen, sonst wäre klar gewesen, ob es nicht doch ein verkleideter Michael Tarnat war. Wird wieder gehen, hat 80 Minuten lang alles gegeben.
Note: 3+

Stefan Thesker: Im Sommer ablösefrei geholt, Ende der Hinrunde zwei Einsätze gemacht und sich ins Schaufenster gestellt. Im Winter war er auf einmal in Fürth, und das nicht mal ausgeliehen. Zweite Liga ist wohl eher seins. Gab ein paar Euros.
Note: n/a

Florian Ballas: Durfte in Aalen mitspielen. Dann war er im Winter zum FSV Frankfurt verschwunden.
Note: n/a

André Hoffmann: Kreuzbandriss am 2. Trainingstag. Comeback nach 10 Monaten in der Reserve. Greift hoffentlich im Sommer neu an. Ihn würde ich gerne neben Marcelo in der Innenverteidigung sehen.
Note: n/a

Niklas Teichgräber: Nachwuchs ohne Einsatzzeit.
Note: n/a

Mittelfeld

Hiroshi Kiyotake: 4,3 Millionen waren ganz schönes Ballast, dazu musste er sich mit Stindl ein bisschen über die Rollenverteilung klar werden, das wurde am Ende immer besser. Auf der 10 fühlt er sich wohl, wurde letzten Sommer ja sicher schon als Nachfolger verpflichtet. Ein bisschen Vorausschauen kann der Verein ja auch. 5 Tore, 5 Vorlagen. Der Freistoß gegen Dortmund und der Kopfball gegen Freiburg sind Zucker. War immer der erste Offensivspieler, der ausgewechselt wurde. Lag vielleicht ein bisschen an der mangelnden Kondition. Ansonsten bin ich mit ihm zufrieden.
Note: 2-

Leonardo Bittencourt: Ach, Leo… Nach dieser Saison holt Dortmund dich sicher nicht für 5 Millionen wieder zurück. Jetzt hängst du hier fest. Stammplatz auf dem Flügel an Briand verloren, danach Kurzeinsätze und Muskelfaserrisse. Spricht gerne in ihm nahestehenden Mikrofone, auf dem Platz reichte es zu einem Tor, drei Vorlagen und fünf gelben Karten. Nicht genug.
Note: 4-

Manuel Schmiedebach: Ist langsam in die Pinto-Rolle reingewachsen, mit all den positiven und negativen Begleiterscheinungen. Stammkraft im defensiven Mittelfeld (hoffentlich nie wieder rechts hinten!), das ist aber relativ wacklig, wenn andere Spieler mal aus dem Quark kämen. Offensiv war nie seins, wird’s auch nicht mehr. Teil 1 der komischen Frisuren-Wette.
Note: 3-

Edgar Prib: Erstes Tor der Saison geschossen, damals gegen Schalke. Ewigkeiten her. Hat nur wenige Spiele durchspielen dürfen, klassischer Kaderspieler, der zwar viel arbeitet, aber von dem man eigentlich immer etwas mehr erwartet, als er dann tatsächlich bringt. Wird auch in der kommenden Saison eher kein Stammspieler im linken Mittelfeld.
Note: 4

Lars Stindl: Nu isser weg, der Held von Kopenhagen. Hat sich reingekniet wie kein Zweiter, als Kapitän immer vorweg gegangen und gefightet. In der Rückrunde im Grunde fast alleine torgefährlich gewesen, hat den Verein am Schopf in der ersten Liga gehalten. Jetzt darf er zur Belohnung Champions League spielen und keine Sau ist böse über seinen Abgang. Großartiger Mensch, vielleicht ein kleines bisschen zu aufbrausend gewesen und unnötige Karten gesammelt.
Note: 1-

Ceyhun Gülselam: Der Buhmann der Hinrunde. Da durfte jeder Fan mal. Kein guter Fußballer, aber eine Kante. Bleibt Kaderspieler, für ablösefrei nicht schlecht. Gegen Dortmund ein großartiges Spiel abgeliefert.
Note: 4

Leon Andreasen: Verletzungsfreie Saisons wird Andrööösen nicht mehr spielen, aber immerhin schafft er es immer wieder zurück. Hat gegen Hamburg getroffen, als Slomka noch Trainer dort war… Vertrag läuft aus, vielleicht gibt es ja noch einen neuen. Wäre für den Kader nicht verkehrt, dann wäre er auch Anwärter auf die Binde. Teil 2 der komischen Frisuren-Wette.
Note: 3

Salif Sané: Im Winter schon fast weg, dann doch begnadigt. Hat gezeigt, dass er – wenn er Bock hat – einer für die Startelf ist. Und momentan hat er Bock. Besserer Kicker als Gülselam, deutlich. 8 gelbe Karten in 18 Spielen sind vielleicht etwas viel, da könnte er was dran schrauben. Apropos schrauben: Was für ein geiler Fallrückzieher gegen Wolfsburg!
Note: 2

Maurice Hirsch: In der Hinrunde der groß gefeierte Mann, der die 6er-Position revolutionieren sollte. Konnte ein kleines bisschen kicken. Insgesamt 7 Einsätze, Vertrag läuft auch aus.
Note: 4

Sebastian Ernst: Nachwuchsmann. Schnupperte gegen Aalen kurz Luft in der ersten Mannschaft.
Note: n/a

Tim Dierßen: Talent. Vielleicht nächste Saison.
Note: n/a

Sturm

Joselu: Königstransfer und Buhmann der Rückrunde. 8 Tore sind trotzdem okay, auch wenn es eindeutig mehr hätten werden können und müssen. Greift im Sommer hoffentlich nochmal neu an, um den Starterplatz zurückzuerobern. In der Hinrunde war er wirklich schwer in Ordnung. Und ich habe 3x lieber Lu als Vereinstransferrekord als Mike Hanke.
Note: 3+

Jimmy Briand: Der Bulle. Sah im rechten Mittelfeld immer so aus, als würden ihn mit dem ersten Ballkontakt acht Gegenspieler mit Kettensägen jagen. Hatte da keine Ruhe im Spiel, es war zum Verzweifeln. Umso besser der Einsatz vorne drin: 3 Tore und 6 Vorlagen sind famos. Wenn sich kein französischer Verein findet, der ihn nehmen will, behalte ich ihn gerne als Option vorne noch ein weiteres Jahr.
Note: 2-

Artur Sobiech: Joker. Tore gegen Hamburg in Hin- und Rückspiel. Danach war das Knie kaputt. Greift hoffentlich im Sommer neu an, mehr als Kaderspieler wird er aber glaube ich nie werden. Dafür kam bislang zu wenig, auch wenn er mal starten durfte.
Note: 4

Kenan Karaman: Joker. 11 Einsätze, alle von der Bank. Dabei kam offensiv nur wenig auf die Kette. Die einzige erwähnenswerte Aktion ist das Dribbling vor dem 2:0 gegen Freiburg. Zu wenig.
Note: 4-

Jan Schlaudraff: Hauptberuflich als Babysitter in Trainingslagern unterwegs, im Nebenberuf Bundesliga-Profi. Schlaufi ist nun einfach zu alt. Wenn er clever ist, geht er eine Liga runter und stellt sich als Ballverteiler auf die Sechs. Durfte in beiden Pokalspielen mitwirken und wurde dazu fünfmal eingewechselt. Vertrag läuft aus. Danke für alles, besonders das Spiel gegen Sevilla!
Note: 4-

Didier Ya Konan: Merchandise-Transfer für die Fanherzen im Winter. Ist glaub ich immer noch nicht fit. Das Tor gegen Frankfurt war Zucker. Glaube nicht, dass er noch einen neuen Vertrag bekommt.
Note: 4-

Trainer

Tayfun Korkut: Er war stets bemüht. Kein schlechter Trainer, aber sicher keiner für die erste Reihe. Arbeitet bestimmt lieber irgendwo im Hintergrund.
Note: 4-

Michael Frontzeck: #frontswag. Was habe ich mich mit Hartalk bewaffnet, um mich auf die Spiele und den unvermeidlichen Abstieg vorzubereiten. Und dann wurde es doch die Rettung. Danke dafür! In der neuen Saison darf trotzdem jemand anders an der Seitenlinie stehen.
Note: 3

Leihspieler

Adrian Nikci: Spielte in der Hinrunde als einziger 96er Europapokal. War auch für Young Boys nicht gut genug. Dann ging er ganz zu Nürnberg, ist da auch nur Joker. Sagt alles.

Samuel Radlinger: War mal kurzzeitig #2 in Nürnberg. Gespielt hat er nicht. Kommt wieder, auch wenn er hier eher keine Zukunft hat.

Vladimir Rankovic: Das bajuwarische Juwel. War in Aue erst Stamm, dann Bank, dann Tribüne. Dann stieg Aue ab. Kommt wieder.

Valmir Sulejmani: Ist ein Talent. Konnte sich bei Union ein paar Mal auf der Bank präsentieren. Gelegentlich gab es Kurzeinsätze. Braucht noch Zeit. Kommt wieder.

Fazit

Gesamte Saison: Hinrunde war von der Tabelle besser als es spielerisch war. Rückrunde war Fanta-Korn. Note 3- für die ersten 17, Note 5 für die zweiten 17 Spiele. Macht zusammen…
Note: 4-

Alles muss man selber machen… Von einem der auszog, das Auswärtssiegen zu lernen

Das letzte Mal, dass ich im Westfalenstadion war, ist genau 14 Jahre und eine Woche her. Damals stand ich mit sieben Jahren auf der Südtribüne. Bekannte hatten Tickets organisiert und so stand ich mit meiner Familie in der gelben Wand und sah ein 2:0 des BVB gegen Hansa Rostock, durch Tore von Andreas Möller und Sergej Barbarez. (Danke an fussballdaten.de für die Hilfestellung.)

Dieses Mal sollte es also der Gästeblock sein. Das Ticket hatte ich mir als Belohnung für den Umzug innerhalb Berlins besorgt. Eigentlich hatte ich zum Zeitpunkt des Ticketkaufs erwartet, dass der Auswärtsblock schon ausverkauft sei, aber es waren noch zahlreiche Tickets im Stehplatzbereich zu haben und so griff ich spontan zu. Als in der Woche vor der Partie der Bahnstreik alle Auswärtsfans händeringend nach alternativen Anreisemöglichkeiten gucken ließ, war ich froh, bereits die Fahrkarten in Fernbussen geordert zu haben.

Anreise

Freitagsabends ging es also in Berlin los. Also, das sollte es zumindest. Aber der gute OneBus tauchte einfach nicht auf und die Anzeige wechselte von “23:00: Köln (via Magdeburg, Dortmund, Hagen, Wuppertal, Düsseldorf)” zu “00:15: Gdansk”. Hm, das war nicht ganz die präferierte Richtung und auch die zwei Dutzend anderen wartenden Fahrgäste guckten komisch und am Info-Schalter sagte der freundliche Mann: “Achso, ich dachte, der wäre schon hier gewesen. Nee, wir wissen auch nicht, wo der Bus ist.” Freundlicherweise schaltete er die Anzeige wieder zurück, “unbestimmt verzögert”. Immerhin. Und mit nur einer Stunde Verspätung kam der Bus dann auch an. Und an Bord begrüßte uns auch die kölsche Frohnatur Pino, der uns auf eine Reise zur schönsten Stadt der Welt, seiner Heimatstadt “Kölle am Rhing” einlud. Er selber sollte sich aber am Autohof Lauenau verabschieden und in den Bus in Gegenrichtung einsteigen.

Ich hatte tatsächlich gedacht, ich würde mehr schlafen können in diesem Bus, aber es war mehr ein Dösen. Kurz vor 6 Uhr erreichte der Bus den ZOB Dortmund, am Hauptbahnhof gab es glücklicherweise einen großen Kaffee. Wenig später holte mich meine Tante ab und ich legte mich nochmal kurz hin. Nach kurzem Nickerchen wurde ich um 11:30 Uhr freundlich gefragt, ob ich nicht doch frühstücken wolle. Joa, lief.

Per Telefon wurde sich wenig später mit der kleinen Pfeife kurzgeschlossen und am Bahnhof auf eine Handvoll Bier getroffen. Ich wollte ja eigentlich mit den versammelten Fans ein kleines Tippspiel starten, wann es denn das erste Gegentor gebe. Fand aber nicht so viele Teilnehmer, obwohl die Stimmung keinesfalls positiv war. Auch ich schwankte (nein, nicht pegelbedingt, ich hatte alles im Griff) zwischen relativer Hoffnungslosigkeit und unbegründetem Optimismus. Eine 96-Niederlage hatte ich ja noch nie im Stadion gesehen.

Zum Stadion

Die Kneipe leerte sich und auch unsere kleine Gruppe entschloss sich, Richtung Stadion aufzubrechen. Mit der U-Bahn gelang die Anreise sehr problemlos, die große Masse an Fans war um 15 Uhr auch schon am und im Stadion. Vor den Toren wurde noch ein Bierchen getrunken. Irgendein BVB-Fan schien eine Wette verloren zu haben – oder es war ein Junggesellenabschied – denn er hatte ein Schalke-Wappen auf dem Hintern kleben und bereitwillige Fans durften für einen Euro mit einem Fußball draufschießen. Für einen Treffer winkte ein Kurzer als Belohnung.

Ins Stadion ging es fix, die Schlange war schon kurz und die Kontrolle relativ lax. Die Stehblöcke waren schon gut gefüllt, ich stand im Block 61 auf der zehnten Treppenstufe oder so, also sehr weit unten. Die Sicht war aber dennoch sehr gut. Die Kulisse war dazu sehr beeindruckend, eine gespannte Atmosphäre auf den Rängen und gegenüber die Südtribüne, das hatte schon was. Besonders positiv waren auf jeden Fall die Anti-Rassismus-Banner, die von den Heimfans ausgerollt wurden.

Dann kam das Spiel. Zunächst schien die Reinkarnation von Michael Tarnat als Rechtsverteidiger aufgelaufen zu sein, denn was der Stankevicius da an Einwürfen quer über den Rasen schleuderte, war sensationell und wäre auch beinahe sofort belohnt worden. Schade, dass er in der zweiten Halbzeit verletzt rausmusste. Klar sah er defensiv nicht immer gut aus, aber ich war positiv überrascht. Selbiges kann man auch von Felipe sagen. Über den Mann wurde ja viel gesagt im Laufe der letzten Jahre, das Wort “solide” fiel eigentlich nie. Klar, Marcelo und ihm kamen die vielen Dortmunder Flanken entgegen, da beide kopfballstark sind, aber Felipe agierte so ziemlich fehlerlos. Chapeau!

Apropos gescholtene Spieler: In den letzten Tagen und Wochen kristallisiert sich ja unter den 96-Fans Ceyhun Gülselam als Sündenbock der Mannschaft heraus. Zugegeben, er hatte manch schwächeres Spiel, aber gegen den BVB war er für mich der beste Feldspieler der Gäste. Eine großartige Leistung im defensiven Mittelfeld, viele wichtige Balleroberungen und Tacklings, auch wenn es am Ende eins zu viel war. Nach dem verletzungsbedingten Wechsel nahm er den jungen Maurice Hirsch an die Hand, der sich nahtlos in die tolle Defensivarbeit einfügte. Dass im Endeffekt Keeper Zieler (kickers Spieler des Tages) und Siegtorschütze Kiyotake (wunderschöner Freistoß) die Schlagzeilen für sich beanspruchten, war verständlich. Immerhin war es der erste Auswärtssieg, ja sogar das erste Auswärtstor der Saison.

Fans

Wirklich unzufrieden war ich mit keiner Leistung, das war geschlossen gut und machte Mut auf mehr. Dass nur ein paar Tage später dieses Pokalspiel war…. joah, Schwamm drüber. Achso, der Auswärtsblock war insgesamt stimmungsmäßig eher enttäuschend. Ja, ist nicht überraschend, aber man muss es ja erlebt haben. Zwar waren alle Tickets ausverkauft, trotzdem kam kaum Stimmung auf. In der ersten Halbzeit beschränkte es sich darauf, bei BVB-Wechselgesängen den Bastian-Schweinsteiger-Gesang reinzubrüllen. Oder eine kleine Gruppe Fans stimmte ein halbherziges “Kind muss weg!” an, konnte aber den Rest der Kurve nicht animieren, mitzumachen. Erst zur zweiten Halbzeit und mit dem Tor kamen eigene Wechselgesänge auf. Insgesamt war die Kurve komatös.

Schräg hinter mir verwirrte mich eine kleine Gruppe Jugendliche, die während des Spiels nicht wirklich zu erkennen gaben, ob sie BVB- oder Hannover-Fans waren. Das Hauptgesprächsthema waren die Schuhe der 22 Spieler und in der Schlussphase wurden gutgemeinte “FIFA-Controller-Aktionen” Richtung Spielfeld gerufen: “Jetzt Kreis, Kreis, Kreis, Kreis, Kreis!” Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Hinweise werden gerne entgegen genommen. Auch, ob das ein Einzelfall oder generell ein Trend in Fankurven ist…

Dritte Halbzeit

Nach dem Spiel war ich zum Abendessen beim guten Stefan eingeladen, wo das Spiel natürlich noch einmal seziert wurde. Der Abend endete irgendwann spät mit meiner Cousine in der “Großmarktschänke”. Der Laden kann was, sei es preislich, atmosphärisch oder musikalisch.

Sonntagnachmittag die Rückreise im Bus, deutlich voller und etwas unbequemer als auf der Hinreise. Abends wieder in Berlin, die Stimme deutlich angeschlagen, im Rucksack die ersten drei Auswärtspunkte der Saison. Insgesamt eine tolle Auswärtsreise, das kann man mal wieder machen. Die nächste Auswärtsreise steht ja auch schon vor der Tür. Mit der U2 zum Olympiastadion.

Und sonst?

Wie gesagt, das Pokalspiel war eher so mittelgut. Wird hier professionell unter den Teppich gekehrt. Glückwunsch an Florian Ballas und Sebastian Ernst zu ihren ersten Pflichtspielminuten, beide haben einen ordentlichen Job abgeliefert. Gegen Frankfurt werden die beiden aber wahrscheinlich nicht in der Startelf stehen, bei der momentanen Verletzungsseuche könnten aber beide auf der Bank sitzen. Christian Pander ist ja mal wieder verletzt, Überraschung, Schulle macht also weiter den Linksverteidiger. Was die restliche Mannschaft angeht, hoffe ich mal, dass sich Jimmy Briand langsam fängt. Der Jung ist so hypernervös in seinen Aktionen, überhastet in fast allen Situationen. Ich glaube, der kann viel mehr, zeigt es aber einfach nicht. Hoffentlich kann er gegen Frankfurt zeigen, was er kann.

Ansonsten? Adrian Nikci International. Der Schweizer spielt weiter Europa League, wenn auch immer nur als Edeljoker in der Nachspielzeit. Europapokal ist Europapokal.
Poco ist Stammkraft hinten links bei West Brom und alle sind von ihm begeistert.
Szabi kann mich Changchun am Sonntag theoretisch noch in die zweite chinesische Liga absteigen. Wahrscheinlich wird es aber mit einem unteren Mittelfeldplatz enden. Das hat sich für ihn richtig gelohnt, nach China zu gehen…
Didi Ya Konan scheint mal wieder verletzt zu sein, denn momentan ist er auf Deutschlandbesuch und nicht im Mannschaftskader in Saudi-Arabien.
Die U23 von Hannover hat in den letzten Wochen eher stagniert, die Mannschaft von Coach Osterland steht auf Platz 7 der Regionalliga Nord, Samstag geht es gegen den Sechsten aus Lübeck.