“Against All Odds” – Mit #frontswag zurück zum Graue-Maus-Dasein

Die Bundesliga-Saison startet am heutigen Freitagabend und für die meisten Fans und Experten stehen neben dem Meistertitel genau zwei Dinge fest:

1. Hannover 96 wird wenn überhaupt nur ganz knapp den Klassenerhalt schaffen, eigentlich wird es aber bestenfalls Platz 16.

2. Michael Frontzeck ist der erste Trainer, der fliegt.

Damit können wir ja dann auch mal entspannt in die Saisonvorschau starten. Wenn die Messlatte so niedrig liegt, kann der Verein nur positiv überraschen. Ein Abschneiden im vom Klub ausgegebenen Bereich von Platz 8-12 (Bonuspunkte für eine Spielzeit ohne Trainerwechsel) bringt uns für den Titel “Positive Überraschung der Saison” uneinholbar in Führung – ganz gleich welcher kleine Verein aus der zweiten Tabellenhälfte dieses Mal unerwartet an den europäischen Plätzen kratzt (Stuttgart, Mainz, HSV,…)

#frontswag-Faktor

Ja, die Vorbereitung war holprig. Die Tore der vergangenen Saison sind weg, die neuen Stürmer zünden noch nicht, hinten wackelts und vorne hoffen wir auf den lieben Gott und Standards. Aber sagen wir mal so: Das machen gefühlt knapp 60% der Liga so. Bockstarkes 4-2-3-1 mit schnellem Umschaltspiel über die Flügel. 1000-mal gesehen, 1000-mal erlebt. Das macht die Bundesliga zurecht zur coolsten Liga mit den geilsten taktischen Innovationen und besten Weltmeistern der Welt.

Aber anders als die anderen Graupenklubs der zweiten Tabellenhälfte hat Hannover 96 den #frontswag-Faktor. Als bescheidener Gründer der gleichlautenden Unterstützer-Kampagne kann ich gar nicht anders, als die Tipps auf seinen schnellen Rauswurf klar zurückzuweisen. Der “schlechteste Bundesliga-Trainer mit über 100 Spielen ever ever ever” hat es immerhin geschafft, in seinen bislang fünf Ligaspielen mit 96 acht Punkte zu holen. (Ja, das war fast alles Stindl/Briand, aber pssst.) Und diese acht Punkte waren bitter nötig, denn anders als in der Saison davor war der Abstiegskampf alles andere als ein Schneckenrennen.

Ich muss zugeben: Bei seinem Dienstbeginn war ich skeptisch. Und die Niederlage trug nicht zur Hoffnung auf den Nichtabstieg bei. Doch dann kam das Unentschieden gegen Wolfsburg und damit hatte der Klub wieder leichten Puls. Okay, vielleicht nur Kammerflimmern, aber der Defibrillator stand zumindest wieder in Reichweite. Und wurde dann gegen Bremen, in Augsburg und gegen Freiburg auch genutzt.

Fantakorn > Fantasie

Der Sommer war lang. Viele Spieler verließen den Verein, manche hochverdiente Stammspieler und Europapokalhelden, andere kurzfristig geholte Kaderspieler. Andere wurden vom britischen Pfund oder einer Stadt mit Dom weggelockt. Neu im Kader stehen jetzt jede Menge junge Spieler und ein paar Routiniers, die noch nicht ganz zu sich gefunden haben. Die Interviews hören sich zwar alle so an, als würden sich alle gut miteinander verstehen, aber auf dem Platz wird es durch diese vermaledeiten Gegenspieler immer wieder erschwert. Da muss man sich mal was einfallen lassen, das ist ziemlich nervig.

Trotz all meines größtenteils unbegründeten Optimismus (oder zählt Fanta-Korn als ausreichende Begründung?) glaube ich nicht, dass ausgerechnet 96 einer dieser oben angesprochenen Vereine sein wird, die nach oben schießen. Dafür steht Hannover in der zweiten Runde des Pokals und wird mit der Taktik “gegen Viertligisten wacklig gewinnen und gegen die großen auf Ausrutscher am Elfmeterpunkt hoffen” natürlich ohne Probleme mindestens das Pokalfinale erreichen. Der Titel muss drin sein, der letzte ist dann auch schon 24 Jahre her. Also nur, wenn man den Lublin-Cup nicht mitrechnet. In der Liga werden wir richtig entspannt im Mittelfeld rumgammeln und nur bedingt sehenswert sein. 34 “Spiele für Taktikfreunde” (eine Formulierung, gegen die sich ebenjene glaube ich seit jeher wehren) erwarten uns und hoffentlich müssen sich nicht viele neutrale Bundesliga-Fans 96-Spiele angucken. Andererseits denke ich, dass gerade eine Rosskur mit Hannover 96 als internationalem Aushängeschild anstelle der AG aus München die vollkommen überblähte Hype-Blase der Liga in Asien und Nordamerika platzen lassen würde. Zumindest würde es die PR-Abteilung endlich einmal vor eine echte Aufgabe stellen, mit #frontswag die von der Premier League schon komplett abgegrasten Märkte zu erschließen.

Kleinere Brötchen backen, bitte

Seit dem Aufstieg 2002 hatte 96 keinen Stürmer mit mehr als 12 Saisontoren, nur zweimal erzielte der Verein nach Wiederaufstieg mehr als 49 Saisontore. Das konnten wir also eh noch nie, eine Verteufelung jenes Aspekts ist also nichts anderes als die Erkenntnis, dass wir seit 2002 keinen Schritt vorwärts gekommen sind. Weit nach hinten sind wir aber auch nicht durchgereicht worden. Ja, andere Vereine investieren mehr und streben schneller nach Europa. Andererseits sind für viele ehemalige Liga-Größen die Niederungen von Aalen/Sandhausen im besten Fall beziehungsweise die Dorfplätze der Regionalligen im schlechtesten Fall die Realität geworden. Manchmal möchte man es den Fans ins Gesicht brüllen, dass dieser Verein die ultimative graue Maus der Liga ist. Die Europa-League-Phase war toll und begeisternd, aber nie nachhaltig für den Verein unserer Größe. Und man tut gut daran, diese Episode im Herzen zu bewahren und davon zu träumen, bis man bald mal wieder dort auflaufen darf. In ein paar Jahren vielleicht. Mit #frontswag.

Und weil es dazu dieses Jahr natürlich nicht reicht, werden wir vielleicht 12. oder 13. Komplett entspannt. Mit #frontswag.

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Vorbereitung – no news are good news

Die Vorbereitung läuft, das erste Trainingslager ist vorbei und man hört so gut wie nichts vom Verein. Nun gut, das Übliche gibt es natürlich: Jede Menge Testspiele, deren Ergebnisse sofort über-, unter- oder sonstwie bewertet werden müssen, Interviews auf dem Vereinschannel bei YouTube, ein paar lauwarme Gerüchte über weitere Verstärkungen.

 

Aber ansonsten?

Mit Grausen denkt man an die letzte Sommer-Vorbereitung zurück. Damals gab es teilweise stündlich eine neue Meldung, dass ein weiterer Spieler nun mit Muskelfaserriss vorerst pausieren müsse. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger scheint Korkut mit seinem Trainerteam das Ganze ausgewogener zu gestalten. Bis auf André Hoffmann und ein paar Ersatzkeeper können alle mittrainieren, auch der Weltmeister ist wieder an Bord.

Weltmeister Ron-Robert Zieler.

Klingt immer noch komisch, wird es wohl immer bleiben. Mal sehen, ob er mit dem neuen Kader was anfangen kann, immerhin sind seit seinem letzten Arbeitstag beim Verein genug Kollegen gegangen und neue dazugekommen. Die Hoffenheimer Fraktion, die Jungs aus der A-Jugend, dazu Gülselam, Rankovic, Albornoz, Kiyotake und natürlich der neue Vertreter Almer. Die haben sich in Österreich wohl schon gut zusammengefunden, aber stimmungstechnisch ist RRZ ja nun spätestens seit dem Campo Bahia Experte. Daran wird es nicht scheitern.

Stindl ist jetzt offiziell Kapitän und hat Szabis Nummer 10 übernommen. Bei den Testspielen ist es durchaus ungewohnt, Kiyotake mit der 28 zu sehen, aber das wird sicherlich noch. Insgesamt ist der Eindruck aus diesen ganz gut. Unsere Elfmeter haben wir zwar fast alle grausam verschossen, die Chancenverwertung war stellenweise auch nur so mittel, aber insgesamt sahen die Erst-, Zweit- und Drittbesetzungen positiv aus.

 

Der Nachwuchs

Die U23 ist ganz ordentlich in die Regionalliga-Saison gestartet. Erst ein 1:1 bei Oldenburg, dann ein 1:0 gegen Weiche Flensburg bedeuten vier Punkte und Platz 5. Kommenden Montag geht es dann gleich zum Titelverteidiger und Aufstiegsspielverlierer aus Wolfsburg. Mal sehen, wie die Kids weitermachen und inwieweit die Unterstützung von den Rängen im Laufe der Saison so bleibt wie vor dem Bundesligastart. Lautstark und bunt war es dem Vernehmen nach ja durchaus.

 

Was fehlt?

Szabi turnt in China auf den schlimmsten Dorfäckern rum. Ich hab mir die ersten drei Spiele angesehen, die Fußballsucht schlägt einfach immer wieder zu, da kann man nichts machen. In den ersten beiden Spielen eingewechselt und ohne große Wirkung, durfte er im Einsatz am Wochenende zu Matchwinner gegen Tabellenführer Guangzhou Evergrande avancieren, als er in der 81. Minute frei vor dem Keeper cool blieb und zum 2:1 abschloss. Angesichts der Gesamtqualität des Teams bin ich mir aber nicht sicher, wie lange er sich die Liga antut. Vielleicht geht’s ja auch noch mal in die Golfregion…

Ach ja:

Adrian Nikci spielt Europa League. Mit Young Boys Bern. Immerhin einer.