Türchen #13

Was nach dem Grottenkick am Samstag gegen Hoffenheim besonders offensichtlich war, war das Fehlen eines Knipsers. Nun hatte 96 nie wirklich Torjäger gehabt, aber zumindest einen gab es, der in 64 Spielen für Hannover 96 13-mal traf, um danach nur noch wegen seiner großen Schnauze Aufsehen zu erregen.

 

Türchen #13: Mohamadou Idrissou

Mit 20 Jahren kam Mohamadou Idrissou aus Kamerun in die Oberliga, als der FSV Frankfurt sich im Januar 2001 die Dienste des Stürmers sicherte. Seine erste Station in Deutschland war sehr erfolgreich, in der unterklassigen Liga machte er in der Rückrunde 15 Tore in 18 Spielen. Bereits im Sommer wechselte er eine Liga höher in die Regionalliga zum SV Wehen, wo er 13-mal knipste und so die Blicke des Bundesliga-Aufsteigers auf sich lenkte.

Um sich im Sturm zu verstärken, holte Ralf Rangnick Idrissou an die Leine und dort spielte dieser sich schnell in die Startelf. In der Saison 2002/03 erzielte er neun Tore, darunter einen lupenreinen Hattrick gegen den 1. FC Nürnberg in 15 Minuten beim 4:2-Sieg am 20. Spieltag. In der Folgesaison erzielte er vier Treffer, danach begann sein Standing aber zu bröckeln. Immer häufiger war er gar nicht mehr im Kader oder spielte nur für wenige Minuten, eine Leihe im Januar 2005 nach Frankreich zu Caen verlief auch nicht erfolgreich.

Im Januar 2006 sollte der permanente Wechsel zum MSV Duisburg stattfinden, es war alles vorbereitet. Bei Hannover hatte Idrissou einen Auflösungsvertrag unterschrieben, der neue Vertrag war auch so gut wie unterschrieben, jedoch fiel „Mo“ doch noch durch den Medizin-Check und war die komplette Rückrunde vereinslos. Im Sommer 2006 klappte der Wechsel nach Duisburg aber trotzdem noch, auch wenn der MSV gerade abgestiegen war. Nach nur einer Saison in der 2. Liga stieg man direkt wieder auf, Idrissou traf achtmal und legte 12 Tore auf. Auf seinen Ex-Klub Hannover traf er im Pokal-Achtelfinale, schied dort aber deutlich aus.

„Die ganze Nacht, von 12 bis 8!“

Nach dem Aufstieg war er aber weniger erfolgreich, traf keinmal und wechselte im Januar 2008 zurück in die 2. Liga zum SC Freiburg. Nach seiner ersten kompletten Saison im Breisgau verhalf er auch diesem Verein zum Aufstieg, als er erneut 13-mal traf. Zurück in der Bundesliga wurde er durch eine Trainingsäußerung bundesweit bekannt und zur Lachnummer: Jeder kennt die Geschichte, wie er den Freiburger Kollegen erklärte, auf solche Absteiger habe er keinen Bock, er würde eh bald Champions League spielen. So war nach dem geschafften Klassenerhalt der Abschied nach Mönchengladbach vorgezeichnet.

Mit den „Fohlen“ wurde es aber mal so gar nichts mit dem Angriff auf die Königsklasse, stattdessen kam das einzige Final-Erlebnis in der Relegation gegen den VfL Bochum, bei dem der Abstieg gerade noch so verhindert werden konnte. Die Freiburg-Fans hatten beim Besuch der Gladbacher ihre helle Freude. Man gewann 3:0 und konnte Idrissou mit dem neu gedichteten „PS3-Song“ so richtig einen reindrücken. Das Lied wurde sofort zum Klassiker, Idrissou blieb zur Halbzeit verletzt in der Kabine.

Immer wieder 2. Liga

Nach dem Nicht-Abstieg musste sich „Mo“ einen neuen Verein zum Champions League spielen suchen, bei Gladbach wollte man es ihm wohl nicht mehr zugestehen. In Frankfurt unterschrieb er bei der Eintracht und versuchte dort erneut, einen Zweitligisten in die Bundesliga zu schießen. Mittlerweile war Idrissou auch schon 30 Jahre alt und so bullig wie er immer noch war, die Schnelligkeit ließ langsam nach. Aber auch mit dem dritten Verein gelang ihm der Aufstieg: 14 Tore und sechs Vorlagen zeigen ganz genau sein Level: Er war ein sehr guter Zweitligastürmer.

Deswegen wechselte er 2012 auch zum Absteiger aus Kaiserslautern, schaffte es aber trotz 30 Treffern in zwei Spielzeiten nicht zurück in die 1. Liga, man scheiterte in der Relegation an der TSG Hoffenheim. Auch hier war er abseits des Rasens Gesprächsthema, ließ regelmäßig Macho-Sprüche raus und sorgte eher für Kopfschütteln als Erheiterung.

Rumgetingel

Nach dem Abenteuer 2. Liga entschloss sich Idrissou noch einmal ein paar exotischere Vereine anzuschauen. Über kurze Abstecher bei Maccabi Haifa in Israel und KF Shkëndija in Mazedonien landete er in der Oberliga Niederrhein beim KFC Uerdingen. Dort ist er mit mittlerweile 35 Jahren immer noch aktiv und spielt regelmäßig, hat in der Hinrunde sieben Treffer erzielt. Uerdingen steht auf dem 3. Platz und schielt mit einem Auge Richtung Regionalliga West.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)

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Türchen #11

Zum ersten Mal in diesem Adventskalender muss ich nun vom gewählten Pfad abweichen, denn es ließ sich einfach kein ehemaliger Spieler finden, der genau elf Bundesligaspiele für 96 seit 2002 gemacht hat. Um nicht komplett willkürlich einen Spieler herauszugreifen, verbirgt sich hinter dem heutigen Türchen jemand mit genau elf Bundesligatoren für 96….

 

Türchen #11: Jan Rosenthal

„Rosi“ stammt aus Sulingen im Landkreis Diepholz, auf halbem Weg zwischen Bremen und Hannover. Beim SV Staffhorst lernte Rosenthal das Fußballspielen und glücklicherweise entschied der Offensivspieler sich für Hannover 96, als der Zweitligist im Jahr 2000 beim 14-Jährigen vorstellig wurde. In Hannover durchlief Rosenthal die Jugendabteilungen von der C-Jugend bis zur A-Jugend und wollte mit 18 Jahren sofort durchstarten, als ihn ein Kreuzbandriss in einem Testspiel zum Ende der Saison 2004/05 zurückwarf.

So begann seine 96-Karriere erst mit der Saison 2006/07, sein Debüt kam am 1. Spieltag, als er gegen Werder Bremen eingewechselt wurde. Zum 8. Spieltag hatte er sich einen Stammplatz im offensiven Mittelfeld erarbeitet und zahlte das Vertrauen sofort mit seinem ersten Treffer für 96 gegen Schalke 04 bei der 1:2-Niederlage zurück. Natürlich musste es für das erste Tor sofort ein Dropkick von der Strafraumkante in den Winkel sein. Bis zum Ende der Saison blieb es bei regelmäßigen Einsätzen, allerdings weniger in der Zentrale sondern auf dem Flügel, mit Arnold Bruggink im Zentrum und Szabolcs Huszti auf dem anderen Flügel. Am Saisonende standen sechs Treffer und drei Vorlagen.

In der Folgesaison hielt Rosenthals gute Form zunächst an, in 23 Spielen erzielte er vier Tore, darunter ein Doppelpack gegen Rostock. Den Großteil der Rückrunde verpasste „Rosi“ jedoch wegen einer langwierigen Schambeinentzündung. In Sachen Verletzungen wurde es danach aber nur noch schlimmer. Mehrere Muskelfaserrisse reduzierten seine Einsatzzeiten in der Saison 2008/09 auf nur 12 Spiele, in denen ihm auch kein Tor gelang. Trotzdem wird ein Spiel dieser Saison immer in der Erinnerung von 96-Fans bleiben:

Der gehaltene Elfmeter

Am 16. Spieltag war 96 beim VfL Wolfsburg zu Gast, Rosenthal war gerade wieder genesen und stand in der Startelf. Hannover hatte die Wolfsburger Führung durch Jiří Štajner ausgeglichen, kurz hatte Wolfsburg das 2:1 erzielt. Trainer Dieter Hecking hatte bereits zur Halbzeit schon zweimal gewechselt und brachte nun noch Bruggink für Huszti. Zwei Minuten später fiel Edin Džeko im Zweikampf mit Torhüter Florian Fromlowitz und der 96-Keeper sah eine viel zu harte rote Karte. Morten Jensen war auf der 96-Bank zum Zusehen verdammt, als sich der 22-jährige Rosenthal das Trikot und die Handschuhe von Fromlowitz besorgte und sich zwischen die Pfosten stellte. Džeko schoss selbst und „Rosi“ lenkte den Ball unter „Rosenthal, Rosenthal“-Gesängen an den Pfosten und konnte auch den Nachschuss mit seinen Kollegen entschärfen. Das Spiel ging zwar trotzdem 1:2 verloren, der wahre Sieger des Spiels war aber gefunden.

In der Saison 2009/10 schoss er sein letztes Tor für 96 bei einem 1:0-Erfolg in Köln am 31. Oktober. Nur zwei Wochen später verlor Jan Rosenthal mit Robert Enke sowohl Freund, Vorbild als auch Stütze im Profifußball. Der Suizid Enkes hatte einen starken Einfluss auf jeden Fan und Verantwortlichen von Hannover 96, aber kaum jemanden traf der Tod bei 96 so hart wie die Kollegen in der Kabine. Rosenthal spricht selbst von einem Wegweiser, der im November 2009 einfach nicht mehr da war. In der Rückrunde fiel Rosenthal wegen starker Hüftprobleme aus, sein letztes Spiel machte er Anfang Februar.

Neubeginn

Für Rosenthal stand fest, dass nach dieser Saison ein Umbruch anstand. Ein ruhigeres Umfeld sollte dazu führen, dass man all das Erlebte der letzten Monate in Hannover hinter sich lassen, die Vielzahl an Verletzungen endlich überwinden und so zu alter Stärke zurückfinden könnte.

Zumindest Punkt eins und drei wurden erreicht, Verletzungen blieben weiterhin ein Bestandteil seiner Karriere. Einige Muskelfaserrisse und ein Sehnenanriss reduzierten seine Spielzeiten zu durchschnittlich 20 Partien in den drei Saisons im Breisgau. Natürlich hatte er das Tore schießen nicht verlernt und so netzte er auch gegen Hannover 96 im Rückspiel der Saison 2010/11, als Hannover 3:1 gewann. In der Saison 2012/13 erreichte der SC Freiburg unter Christian Streich einen beeindruckenden 5. Tabellenplatz und erreichte die Europa League. Selbstredend musste „Rosi“ auch in dieser Saison gegen Hannover treffen, dieses Mal gewann Freiburg mit 2:1.

Aus Baden nach Hessen

Nach eigenen Angaben fühlte sich Rosenthal nun aber wieder gefestigt genug, um aus der Beschaulichkeit Freiburgs herauszukommen und sich auf einer etwas größeren Bühne erneut zu messen. Mittlerweile war er auch 27 und konnte auch mit anderen Vereinen international spielen. Bereits im März 2013 verkündete Eintracht Frankfurt die Verpflichtung des Niedersachsen, weil Rosenthal seinen Vertrag in Freiburg nicht verlängern wollte.

Die Zeit in Frankfurt verlief aber sehr unglücklich: Zunächst hatte er immer noch Probleme mit seinen Oberschenkeln, dann schaffte er es nicht mehr, einen Stammplatz dauerhaft zu erobern. Dafür ging ein Traum in Erfüllung, als er während der Saison dreimal in der Europa League auf dem Rasen stand. Gegen Qarabağ Ağdam legte er in der Qualifikation ein Tor auf, während der Gruppenphase spielte er gegen APOEL Nikosia und in der KO-Runde konnte er gegen den FC Porto das Aus nicht verhindern.

In der Saison 2014/15 plagte „Rosi“ zunächst ein langwieriger Infekt, danach kam er nicht mehr auf den Leistungsstand des Kaders, deswegen wurde er im Januar 2015 nach Darmstadt ausgeliehen. Während der Rückrunde spielte er verständlicherweise nicht besonders viel, machte als echter 96er aber alles richtig und schoss den 1:0-Siegtreffer gegen Eintracht Braunschweig. Als Darmstadt zum Saisonende völlig überraschend aufgestiegen war, konnte so ein erfahrener Spieler den „Lilien“ nur helfen und so löste Rosenthal seinen Vertrag in Frankfurt auf und wechselte fest nach Darmstadt.

Zurück in der Bundesliga

Bei Darmstadt steht Rosenthal eigentlich immer in der Startelf, auch wenn er einer der ersten Spieler ist, die immer ausgewechselt werden. Mit mittlerweile 29 ist „Rosi“ zum Führungsspieler gereift und sorgt mit seinen Leistungen als hängende Spitze auch mit dafür, dass man völlig unerwartet relativ sicher auf Platz 12 steht. Letztes Wochenende gab es den Derbysieg gegen die Eintracht, morgen Nachmittag hofft „Rosi“ auf seinen ersten Saisontreffer gegen die Hertha.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)

Türchen #9

Das heutige Türchen befasst sich mit einem hochtalentierten Nachwuchsstürmer, der den Sprung in das kalte Wasser wagte, sein Level in Deutschland fand und später in die Heimat zurückkehrte, um dort weiter zu netzen.

 

Türchen #9: Erik Jendrišek

Erik Jendrišek stammt gebürtig aus der Tschechoslowakei, jedoch wurde die Heimat nur wenige Jahre nach seiner Geburt unabhängig. Seine Geburtsstadt Trstená liegt unweit der polnischen Grenze in den Ausläufern der Karpaten. In der Nähe der Stadt befindet sich der Orava-Stausee, das größte Gewässer der Slowakei, welches viele Touristen anlockt.

Fußballerisch wurde der Stürmer jedoch nicht am Stausee groß, sondern landeinwärts in Ružomberok beim MFK, wo er sein großes Potential schnell und häufig zeigte. Er spielte schnell in den Jugend-Nationalmannschaften und gab sein Liga-Debüt mit 17 Jahren für die Profis. Mit dem MFK wurde er 2006 Doublesieger, dabei war Jendrišek mit 19 Jahren bereits Torschützenkönig geworden. Insgesamt erzielte er 30 Tore in 56 Spielen und seinem Klub wird klar gewesen sein, dass dieses Juwel nicht zu halten wäre.

In die Bundesliga

Im Sommer 2006 meldete sich 96-Manager Ilja Kaenzig und fragte wegen einer Leihe des Spielers an. Es war derselbe Sommer, in dem auch Gunnar Heidar Thorvaldsson den Weg an die Leine fand. Für ein Jahr mit Kaufoption wurde Jendrišek in die Liga geholt, sollte sich dort einen Platz in der Startelf erarbeiten und den nächsten Schritt machen.

Sein erster Einsatz kam am 5. Spieltag unter dem neuen Trainer Dieter Hecking für eine knappe Viertelstunde gegen den VfL Bochum. Ansonsten saß der Slowake zwar öfter auf der Bank, zu mehr als Einsätzen für die letzten Minuten reichte es aber nicht. Insgesamt neunmal wurde Jendrišek eingewechselt und zeigte sich auf der Bundesliga-Bühne. Als das Saisonende kam, beschloss der Verein und damit der neue Sportdirektor Christian Hochstätter, die Kaufoption nicht zu ziehen und ihn zurück in die Slowakei zu schicken.

Die beste Zeit in Deutschland

Dorthin sollte es aber zunächst nicht gehen. Zweitligist 1. FC Kaiserslautern überwies eine halbe Million Euro in die Slowakei und sicherte sich die Dienste des jungen Stürmers für die nächsten drei Jahre. Während es in der ersten Saison mit fünf Toren und vier Vorlagen noch nicht so grandios lief, wurde es in den nächsten beiden Jahren immer besser. 2008/09 erzielte Jendrišek 14 Tore und legte acht auf, ein Jahr später waren es 15 Tore und drei Vorlagen. Gerade mit der letzten Saison war er maßgeblich daran beteiligt, dass Lautern nach Jahren der Zweitklassigkeit wieder in das Oberhaus aufsteigen konnte. Eine Möglichkeit, für die Pfälzer in der Bundesliga aufzulaufen, ergab sich aber nicht.

Die Leistungen des Jungen blieben in der Heimat nicht unbeobachtet und so kam es, dass er im Oktober 2008 zum ersten Mal zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, um der Slowakei bei der WM-Qualifikation für Südafrika zu helfen. Dies gelang auch auf spektakuläre Art und Weise, man gewann die Gruppe C und ließ die größeren Nachbarländer Tschechien und Polen deutlich hinter sich. Jendrišek befand sich deswegen auch im Kader für die WM und reiste im Sommer 2010 mit der „Repre“ zu deren ersten großen Turnier der Geschichte. In der Gruppenphase durfte er beim Unentschieden gegen Neuseeland und dem historischen Sieg über Italien über die volle Zeit mitspielen und stand auch im Achtelfinale gegen die Niederlande in der Startelf, wurde aber beim Stand von 0:1 ausgewechselt und erlebte das Ausscheiden von der Bank.

Rumgetingel

In Gelsenkirchen hatte Felix Magath das Ruder übernommen und verpflichtete jeden Spieler, der nicht direkt nein sagen konnte. Jendrišek, mittlerweile 23, sah gerade nach der erfolgreichen WM der Slowaken die Chance, bei einem Champions-League-Klub anzuheuern und ordentliches Geld zu verdienen. Für Schalke durfte der Slowake in der Hinrunde dreimal in der Bundesliga spielen, darunter auch bei der Heimniederlage gegen Hannover 96 am 2. Spieltag. Dazu gab es ein paar Minuten Champions-League-Luft bei Benfica und ein kompletter Einsatz in der ersten Pokalrunde in Aalen.

Im Januar 2011 war das Abenteuer Schalke schon wieder vorbei und der SC Freiburg sprang ein, um dem Mann eine neue Chance zu geben. In zweieinhalb Spielzeiten durfte Jendrišek nun öfter auf den Rasen und seine Fähigkeiten zeigen, so torgefährlich wie zu Lauterer Zeiten war er im Breisgau aber nicht, immerhin legte er einige Tore auf.

Nachdem der Vertrag in Freiburg 2013 ausgelaufen war, wechselte Jendrišek in die 2. Liga zu Energie Cottbus, vermutlich mit dem Gedanken, so etwas wie mit Kaiserslautern noch einmal zu erleben. Die Zeit in der Lausitz begann auch grandios: In der 1. Runde des DFB-Pokals spielte man beim 1. FC Magdeburg und es war Jendrišek vergönnt, in der 84. Minute das Tor des Tages zu erzielen.

In der Liga ging für Cottbus aber alles schief. Jendrišek traf nur ein einziges Mal, am Ende der Saison 2013/14 war Energie abgeschlagen Tabellenletzter und damit begann dort ein großer Umbruch. Der betraf auch Jendrišek, denn er hatte nur einen Vertrag für die 2. Liga. Und so wandte er sich – mit nunmehr 27 Jahren – der Heimat zu.

Zurück nach Hause

Spartak Trnava hatte sich als Tabellendritter für die Europa League qualifiziert und holte Jendrišek an Bord, um den Einzug in die Hauptrunde zu schaffen. Zwar scheiterte man in den Playoffs am FC Zürich, aber der Stürmer blühte in der Fortuna liga wieder auf und schoss fünf Treffer in 13 Partien, bis er im Winter ein Angebot aus Polen erhielt. Cracovia steckte in großen Abstiegssorgen und so guckte der Klub aus Krakau im Süden Polens über die Grenze und verpflichtete den Offensivspieler. Zwar kam er in der Rückrunde nur auch vier Treffer, aber es reichte, um Cracovia über dem Strich zu halten.

In der laufenden Saison läuft es nun deutlich besser mit Cracovia. Jendrišek ist mittlerweile 29 und ein fester Bestandteil der Offensivreihe, die mit dem Polen Mateusz Cetnarski und dem Letten Deniss Rakeļs komplettiert wird. Die drei ergänzen sich gut und haben großen Anteil, dass Cracovia nach 19 Spieltagen Tabellendritter ist. Jendrišek hat bislang sieben Treffer erzielt und hofft darauf, am Montagabend gegen Korona nachzulegen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Viele Spieler tauchen hier auf, die 2010 vorbeikamen, um die Saison kurzfristig zu retten. Ein weiterer kam auf neun Spiele und wird noch schnell präsentiert: Ján Ďurica, ebenfalls slowakischer Nationalspieler wie Jendrišek, wurde für die Innenverteidigung von Lokomotive Moskau ausgeliehen. Acht Spiele machte er über 90 Minuten, gegen den HSV wurde er zum 0:0 halten eingewechselt. Der heute 34-Jährige ist weiterhin Stammkraft bei Loko und fühlt sich dort sicherlich wohl.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)

Türchen #2

Nachdem der Auftakt gestern so gut geklappt hat, geht es gleich weiter mit…

Türchen #2: Marius Stankevicius

Marius Stankevicius ist wahrscheinlich der erfolgreichste 96er der jüngeren Geschichte. Zwei Einsätze, 80 Minuten Gesamtspielzeit: 6 Punkte. Volle Ausbeute. Damit ist Stankevicius vermutlich Tayfun Korkuts Königstransfer.

Stankevicius kommt aus Kaunas, einer Stadt, welche Anfang der 80er Jahre noch Teil der UdSSR war. 1990 – als Stankevicius neun Jahre alt war – erklärte Litauen im Zuge der Perestroika nach den ersten freien Wahlen die Unabhängigkeit. Kaunas, damals wie heute zweitgrößte Stadt des Landes, war aber nicht der Ort, an dem Stankevicius das Fußball spielen lernte. Er zog dafür nach Panevėžys, zum FK Ekranas, und durchlief dort in den 90er Jahren die Jugendabteilung und stieß schnell in die erste Mannschaft. Als junger, großer Innenverteidiger erweckte er die Aufmerksamkeit italienischer Vereine und zog in die große Fußballwelt, um in der Serie A seinen Weg zu gehen.

Brescia und Nationalmannschaft

Mit 20 Jahren landete er in der Lombardei bei Brescia Calcio, einem Verein, der mit ziemlicher Regelmäßigkeit zwischen Serie A und Serie B pendelt. Stankevicius wurde zunächst verliehen, schaffte es dann aber, sich einen Stammplatz zu ergattern und spielte über 170 Mal für die „Biancazzurri“, natürlich in beiden Ligen. Zur gleichen Zeit wurde er auch Nationalspieler. Insgesamt 67 Spiele bestritt er für Litauen, schoss dabei vier Tore. Gleich sein viertes Länderspiel war ein EM-Qualifikationsspiel zuhause in Vilnius gegen die deutsche Nationalmannschaft, welche frisch gebackener Vizeweltmeister war. Er spielte als Rechtsverteidiger und sorgte mit einem Eigentor für den 0:2-Endstand.

Sampdoria, Sevilla, Valencia – die Glanzzeit

2008 spielte Brescia in der zweiten Liga, Stankevicius aber überzeugte. Der Nationalspieler wurde in diesem und dem nachfolgendem Jahr “Litauens Fußballer des Jahres”, traf dreimal in der WM-Qualifikation 2010, trotzdem reichte es in der Gruppe nur zu Platz 4. Er spielte aber nicht mehr in Brescia. Sampdoria Genua hatte im Sommer 2008 3 Millionen Euro auf den Tisch gelegt und sich die Dienste des nun 27-Jährigen gesichert. Er war zu einer sicheren Bank in der Defensive geworden, sei es als Innenverteidiger oder als rechter Außenverteidiger. Sampdoria hatte große Hoffnungen, spielte als Tabellensechster international. Zum Ende der Saison 08/09 stand der Klub mit dem Litauer in der Startelf aber nur auf Platz 13. Im Winter der kommenden Saison wurde Stankevicius zum ersten Mal nach Spanien verliehen, zum FC Sevilla. Dort half er als Stammspieler mit, dass Sevilla Tabellenvierter wurde und sich erneut für die Champions League qualifizierte. Er kehrte jedoch nur kurz zum Koffer tauschen nach Genua zurück, 10/11 spielte er die komplette Saison in Spanien – allerdings beim FC Valencia. Er konnte also nicht mit Sevilla gegen Hannover 96 antreten, die durch Jan Schlaudraff gegen jene Mannschaft den Grundstein für den größten europäischen Erfolg legten.

Rom und die Türkei

Bei Valencia machte er 21 Spiele und kehrte mit nun 30 Jahren zurück nach Genua. Dort ging gerade die Welt unter. Genua war abgestiegen, nur wenige Jahre nach Europapokalgenüssen. Stankevicius hatte durchaus berechtigte Ansprüche, erstklassig zu spielen und so ging er für 800.000 Euro nach Rom zu Lazio. Während der zwei Jahre lief aber wenig richtig für ihn. Das Alter holte auf, immer öfter hatte er wegen muskulärer Probleme und vor allem Schmerzen in der Achillessehne sorgten dafür, dass er nur wenige Einsätze erhielt und sich nach Vertragsende eine neue Herausforderung in der Türkei suchte.

In Anatolien bei Gaziantepspor spielte er regelmäßig, die Knochen hielten wieder ganz ordentlich. Um ihn herum war es aber ganz und gar nicht ruhig. Gaziantepspor spielte von Beginn der Saison bis zum letzten Spieltag um den Abstieg, in der Saison hatte Stankevicius drei Trainer, die Rettung geschah erst in letzter Minute. Mit nun knapp 33 Jahren schaute der Litauer sich noch einmal um, ob ein Klub dem vereinslosen Verteidiger nicht eine neue Heimat geben wollte. Und als er schon dachte, “die Spielzeiten in Europa beginnen ohne mich”, kam…

Hannover 96

Am 11. August 2014 wurde Stankevicius präsentiert – als Backup für den Backup – weil sich André Hoffmann das Kreuzband gerissen hatte. Für Stankevicius gab es die Rückennummer 18, einen Vertrag bis Saisonende und zunächst einmal zwei Spiele für Hannover II – gegen Werder II und Cloppenburg. Danach wurde er direkt in den Kader berufen und schaute sich die ordentliche Hinrunde unter Tayfun Korkut auf der Bank an. Doch dann – ausgerechnet vor dem Spiel bei Borussia Dortmund – meldete sich Hiroki Sakai ab und der Posten auf der rechten Abwehrseite musste gefüllt werden. Stankevicius stellte sich der Herausforderung und lief am 9. Spieltag als Rechtsverteidiger auf.

Groß war die Hoffnung unter 96-Fans bei dem Spiel nicht: Erst musste Christian Schulz Linksverteidiger spielen, Felipe begann ein Spiel in der Innenverteidigung, und dann musste auch noch Sakai durch den Backup ersetzt werden, der kurz vor dem Karriereende zu sein schien. Ich stand an dem Tag im Auswärtsblock im Westfalenstadion und hoffte zumindest auf ein schönes Spiel. Und das sollte ich bekommen: Es waren wenige Sekunden gespielt, da holte Stankevicius Einwürfe aus seinen Oberarmen, wie sie zuletzt Michael Tarnat durch 96-Spiele geschleudert hatte. Halbfeldflanken von außerhalb des Spielfelds, punktgenau auf Leo Bittencourt. Ein Traum. Defensiv hatte der 33-Jährige natürlich wenig gegen einen gewissen Marco Reus entgegenzusetzen und er versuchte es auch gar nicht über Manndeckung, sondern versuchte die Passwege zuzustellen, vor allem ging es darum, die Diagonalbälle abzufangen. Das ging einige Male ordentlich schief und alleine der Verfassung des BVB in der Hinrunde war es zu verdanken, dass es glimpflich ausging. Nach 72 Minuten, Hiroshi Kiyotake hatte gerade für die Führung gesorgt, da meldete sich Stankevicius Oberschenkel. Reus hatte ihn deutlich über die Belastungsgrenze gebracht. Korkut brachte Maurice Hirsch und Manuel Schmiedebach durfte das Spiel als Rechtsverteidiger über die Runden bringen.

Stankevicius war nun erst einmal außer Gefecht, stand aber dennoch über den weiteren Saisonverlauf regelmäßig als Alternative auf der Bank zur Verfügung. Die ersten Spiele der Ära Frontzeck verpasste er mit Rückenproblemen, doch am letzten Spieltag, als es um alles ging, und der SC Freiburg alles in Bewegung setzte, um nicht doch noch den Ausgleich zu schaffen, war der Litauer da. Nachdem nur noch zehn Minuten zu spielen waren und die Mannschaft 1:0 führte, beschloss Frontzeck, alle Verteidiger einzuwechseln. So machten Kiyotake und Andrööösen Platz für Felipe und Stankevicius und ein Raunen ging durch das Niedersachsenstadion. Es war doch noch viel zu viel Zeit zum Mauern. Und das konnten wir doch eh nicht. Es spielten jetzt Zieler – Albornoz, Schulz, Felipe, Marcelo, Stankevicius, Sané, Schmiedebach, Stindl – Karaman, Briand in einem 5-3-2 gegen Freiburg und vor allem gegen die Zeit. Natürlich hatte der Trainergott vorausgesehen, dass nur 100 Sekunden später Pavel Krmas das dümmste Eigentor des Jahrzehnts schießen sollte und man nun ein 2:0 verteidigen konnte. Und Gott sei es gedankt, denn Nils Petersen machte ja noch das 2:1 in der Nachspielzeit. So war es aber, dass der Vorsprung hielt und der Abstieg abgewendet worden war. Die Ehrenrunde glich einem kollektiven Ausatmen.

Zurück nach Spanien

Und Stankevicius? Der wusste, dass seine Zeit in der Bundesliga vorbei war. Nie hatte er gemeckert, das wäre auch gar nicht seine Art gewesen. Aber so ganz mit Fußball aufhören wollte er auch noch nicht. Zum Glück hatte er sich in seinen zwei Jahren ein paar Kontakte in Spanien erarbeitet. Der FC Cordoba war desaströs aus der ersten Liga abgestiegen und brauchte nun ein paar neue Kräfte, die beim Wiederaufstieg helfen konnten. Und so spielt Marius Stankevicius nun seit dem Sommer in Cordoba und lässt es sich gut gehen. Wenn er nicht gerade muskuläre Probleme hat – wie seit vergangenem Wochenende mal wieder – bespielt er die Rechtsverteidigerposition seit eh und je.

Eine echte #h96legende.

Noch jemand?

Gestern tauchte der Name Morten Jensen hier auf, der das Spiel nach Daniel Haas bestritt. In seiner Zeit bei 96 machte er noch ein zweites Spiel, am 17. Spieltag der Saison 08/09 gegen Arminia Bielefeld. Ein nicht weiter erwähnenswertes 1:1. 2010 ging der Husumer, der seit der B-Jugend 96er war, nach Kassel. Von da aus transferierte er weiter über Holstein Kiel nach Elversberg. Dort, in der Regionalliga Südwest, spielt der heute 28-Jährige als Stammtorhüter in der 4. Liga.

In der Saison 14/15 tauchte auch Stefan Thesker kurz bei Hannover 96 auf. Im Sommer von Korkut aus Hoffenheim geholt, machte der Verteidiger als Ersatz für Prib und Albornoz links hinten gegen Frankfurt und vor allem gegen Hertha keine schlechte Figur, war in der Winterpause aber schon wieder verschwunden. Ablösefrei geholt, wurde er für 100.000 Euro an Greuther Fürth abgegeben. Dufners Meisterstück. Mittlerweile spielt der 24-Jährige dort relativ regelmäßig. Entweder als Innen- oder als Linksverteidiger.

 

Morgen wird das dritte Türchen geöffnet. Gespannt?