Türchen #18

Wo krankt es wirklich im 96-Spiel? In der Abwehr mit der fehlenden Stabilität? Im Sturm mit der mangelnden Torgefahr? Im Mittelfeld mit der nicht existenten Kreativität? Überall? Nun, im Sommer 2004 hatte Hannover 96 eine grandiose Idee, wie man sich endlich südeuropäische Spielkultur und Spielwitz aneignen könne. Gerade war die EM 2004 in Portugal Geschichte, da zog 96 einen Portugiesen an Land.

 

Türchen #18: Ricardo Sousa

Ricardo André de Pinho Sousa kommt aus einer hochdekorierten Familie. Sein Vater António war in den 80er Jahren mit einer kurzen Unterbrechung Spieler beim FC Porto und stand im Kader, als der Verein im Jahr 1987 den Pokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München errang. Zu dem Zeitpunkt war Sohnemann Ricardo acht Jahre alt und begann gerade in einem Vorort Portos das Fußballspielen.

Als Sohn eines Profis eiferte er es natürlich dem Vater nach und wechselte in der A-Jugend zum großen FC Porto, konnte sich dort aber nicht wirklich durchsetzen. Neben einem Einsatz in der Liga gab es zwei Jokereinsätze in der Gruppenphase der Champions League 1999/00 gegen Molde und Piräus. Stattdessen wurde er öfter mal ausgeliehen, am liebsten zu Beira-Mar südlich von Porto, wo Papa António Trainer war. Dorthin ging es in jungen Jahren gleich dreimal, bevor es im Jahr 2002 endgültig dorthin ging. Als Stammspieler mit elf Treffern überzeugte der nun 24-Jährige, so dass es zurück nach Porto zu Boavista ging. Mit 14 Toren in 32 Spielen beendete Boavista die Saison auf Platz acht. Nachträglich wurde Boavista wegen Schiedsrichterbeeinflussungen in dieser Saison 2003/04 mit einem Zwangsabstieg zur Saison 2008/09 bestraft. Der Rechtsstreit darum zog sich noch über Jahre hin und zur Saison 2014/15 wurde der Zwangsabstieg zurückgenommen und Boavista war wieder erstklassig.

96

Aber zurück zu Ricardo: Zu dieser Zeit war alles noch rosig und Ilja Kaenzig holte den Spieler für 750.000 Euro nach Hannover, um das offensive Mittelfeld zu verstärken. Sein Debüt gab er zum Saisonauftakt 2004/05 bei der 1:2-Niederlage in Leverkusen, konnte in dieser ersten Saison aber nur fünfmal spielen. Nach dem September ging es für Sousa aber sportlich nicht mehr voran, Trainer Ewald Lienen verließ sich auf andere Kräfte.

Deswegen wurde Ricardo Sousa in die Niederlande an den Tabellenletzen De Graafschap an der deutschen Grenze ausgeliehen. Für zehn Spiele versuchte Sousa, den Abstieg zu vermeiden, aber dieser ließ sich nicht mehr aufhalten. Zur neuen Saison 2005/06 versuchte Sousa neu anzugreifen, im Oktober hatte er es fast geschafft, als er am 9. Spieltag gegen den 1. FC Köln bei 4:1 ein Tor per Elfmeter schoss und ein weiteres auflegte. Es gab große Hoffnungen für das anstehende Derby gegen Werder Bremen. Der Auftritt dort dauerte ganze 12 Minuten, dann humpelte Sousa mit einem Muskelbündelriss vom Platz.

Als Sousa wieder fit war, stand mit Peter Neururer ein neuer Trainer an der Seitenlinie und unter ihm gab es neue Einsatzchancen, konnte diese teilweise sehr kurzen Spielzeiten aber nicht entscheidend nutzen. Seinen größten Erfolg schaffte Sousa bei einem Sponsorentermin bei Continental, als er mit Thomas Brdarić und Jiří Štajner ein Kart-Turnier gewann.

Weg von 96

Als klar wurde, dass man ohne ihn plante, ging Sousa mit nun 27 Jahren zunächst leihweise zur Saison 2006/07 zurück zu Boavista, wo er in 16 Spielen zwei Treffer erzielte. Obwohl er noch ein Jahr Vertrag in Hannover hatte, wurde dieser im Einvernehmen mit dem neuen Manager Christian Hochstätter aufgelöst und Sousa machte sich auf nach Nikosia zum AC Omonia. Viele Spiele machte er dort aber nicht, ein paar UEFA-Pokal-Spiele in der Qualifikation aber ansonsten in der Liga eher wenig. Umso erstaunlicher war es, dass Jörn Andersen, Trainer von Kickers Offenbach, im Januar 2008 von einem „echten Wunschspieler“ sprach, der dem Team im Abstiegskampf der 2. Bundesliga helfen sollte. Das gelang eigentlich ganz gut, in 16 Spielen traf er einmal und bereitete fünf Tore vor und alles sah gut aus für Offenbach, bis man am letzten Spieltag 0:3 gegen den Konkurrenten VfL Osnabrück verlor und noch von Platz 12 auf Platz 16 stürzte und direkt abstieg.

Es ging zurück nach Portugal in deren zweite Liga, natürlich zu Papa António, der mal wieder den Job in Beira-Mar übernommen hatte. Nach sechs Spielen dort in der Hinrunde ging es zu União de Leiria, mit denen er in die 1. Liga wieder aufstieg. Sein Anteil darf mit vier Kurzeinsätzen aber als gering eingestuft werden.

Mit 30 Jahren zog es ihn kurioserweise in die Slowakei zum NK Drava Ptuj, wo er es bis zum Ende Oktober 2009 aushielt, aber nach sechs Spielen war ihm dieses Abenteuer auch genug. Er blieb bis zum Saisonende 2010 vereinslos, bevor er sich noch einmal in der zweiten portugiesischen Liga die Schuhe für UD Oliveirense schnürte. Nach ein paar Spielen bei unterklassigen Vereinen beendete er seine Spielerkarriere und übernahm das Traineramt bei seinem Jugendverein A.D. Sanjoanense in der dritten Liga.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Ab Januar 2008 probierte sich Sportinvalide Valérien Ismaël in 18 Spielen noch einmal als Fußballer in der 96-Innenverteidigung, nachdem er mit Bremen und Bayern Doublesieger geworden war. Nachdem im September 2008 er aber wieder verletzt war, beendete er seine Karriere und wurde dann Trainer: Erst von Hannover II, dann von Wolfsburg II. Beim 1. FC Nürnberg scheiterte seine erste große Trainerchance sehr schnell, deswegen ist er nun wieder Trainer bei Wolfsburg II.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)

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