Vor dem Dortmund-Spiel – Quo vadis, 96?

Na das hat ja super geklappt.

Eine entspannte Saison, ein Herumdümpeln im Mittelfeld, keine nervigen Diskussionen… es klang zu schön um wahr zu sein. Aber andererseits, dann hätte man ja auch Mainz-Fan werden können.

Apropos Mainz: Das war vielleicht ein Grottenkick. Holla… schnell wieder vergessen. Defensive Nicht-Leistung gepaart mit offensiver Harmlosigkeit. Puhhh.

Rückblick

Mal davon ab: Der Saisonstart war jetzt eher so mittel. Ein Punkt aus drei Spielen – dieser auch noch gegen einen Aufsteiger, der es bislang geschickt verstand, seine #h96legende Kocka Rausch wie Messi aussehen zu lassen Gegner auf das eigene Spielniveau herunterzuziehen (mal mehr, mal weniger tief) und dann mit unterschiedlichen Mitteln zu bislang drei Punkten zu kommen. Respekt. In dem Spiel sah Erdinc (bis auf den Elfmeter) ganz okay aus. Wenn etwas in dieser Mannschaft momentan etwas funktioniert, dann die Harmonie zwischen Erdinc und Benschop. Charlie sieht überhaupt sehr engagiert aus (was ihn vom Rest der Mannschaft bislang positiv hervorstechen lässt).

Dahinter das Mittelfeld ist dann eher Kategorie “Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht”. Wobei sich bei vielen die Anstrengungen noch in Grenzen halten. Viele 96-Fans sind nach drei Spielen bereits derart konsterniert, es könnte auch wieder April sein. Was festzuhalten ist: Wenn es spielerisch nicht läuft, will man eben Kampf und Einsatz sehen (dafür werfe ich gleich ein paar Euro in die Trinkspiel-Kasse). Und das gibt es bis auf wenige Ausnahmen nicht. So viele Techniker laufen auf dem Platz gar nicht rum – Karaman kann es auf dem Level nicht zeigen, Klaus sieht nicht fit aus, Bech hatte bislang nur eine Halbzeit, Saint-Maximin probierts immerhin. Der Rest – hier seien Schmiedebach, Sané und Prib hervorgehoben – müsste jetzt wenigstens mit Grätschen, Sprints oder harten Zweikämpfen glänzen. Tun sie aber nicht. Salif ist immerhin in der Luft der King und probiert im Rahmen seiner Möglichkeiten, aber vom Rest kommt erschreckend wenig. Vielleicht bringt die Rückkehr von Kiyo ja etwas. Zwar liegen gerade alle Hoffnungen auf ihm, aber vielleicht reicht es ja, wenn er ein kleines bisschen Spielintelligenz und Kreativität auf die Zehner-Position zurückbringt. Sie fehlt dort seit Mai.

In der Zeit zwischen Leverkusen- und Mainz-Spiel bin ich ein bisschen durch die Podcast-Landschaft getourt und habe dort zu unser aller Lieblingsverein und den ersten Spielen meine paar Cents hinterlassen (zum Leverkusen-Spiel im Rasenfunk hier, bei Hannoverliebt auf MeinSportradio hier und im Neverkusenpod auf Englisch hier).

Ausblick

Jetzt kommt also der BVB. Von denen habe ich die Europa-League-Spiele gegen Odds gesehen und mir dazwischen das Ingolstadt-Spiel gegeben. Die sind schon gar nicht so schlecht. Odds hat vom schlechteren Keeper, der traditionellen Schlafmützigkeit sowie vom Schlendrian vor dem Tor zunächst profitiert. Auch Ingolstadt konnte die Dortmunder mit Härte und Glück für ein Weilchen bei 0:0 halten.

Wenn ich sage, dass wir Außenseiter sind, erzähle ich ja nichts Neues. So ist es ja schon seit Jahren gegen die Borussen. Einen Punkt zuhause behalten ist ein harter Job, den ersten Saison-Sieg zu holen quasi ein kleines Wunder. Leider bin ich immer wieder ein komplett grundloser Optimist, dass es nicht mehr feierlich ist. Und deshalb schwingt auch für das Spiel morgen immer noch eine Portion “Na, was wäre denn, wenn es irgendwie doch funktioniert und sich alle am Riemen reißen?”

Nach dem Spiel steht man leider höchstwahrscheinlich mit einem Punkt aus den ersten vier Partien irgendwo am Tabellenende und muss sich fragen, wie es weitergehen soll. Klar, das Dortmund-Spiel ist kein Gradmesser für die Saison und sollte bei der Bewertung der ersten Spiele vom Ergebnis her eher eine untergeordnete Rolle spielen, doch wie man sich verkauft, kann durchaus eine Rolle für die weiteren Wochen spielen. Nach diesem in die Hose gegangenen Start geht es auf einem Sonntagabend nach Augsburg – Ort der (halben) Rettung aus dem Mai. Ich kann dieses Mal leider nicht in den Süden reisen, sondern muss das Ganze ziemlich regungslos von der Couch verfolgen. Augsburg hat dann sein erstes EL-Spiel und einen ebenso missglückten Liga-Start in den Schuhen. Da kann sich viel entscheiden. Vor allem, weil dann die englische Woche mit Stuttgart am Mittwoch und Wolfsburg am darauf folgenden Wochenende beginnt. Dann sind wir bei Spieltag 7 und dann sollten die nächsten Punkte eingefahren sein. Sonst wird es für #frontswag sehr ungemütlich und die erste Aufgabe vom neuen Superduper-Sportdirektor (wer auch immer das sein wird) darin besteht, einen neuen Trainer zu finden. Vielleicht wartet man auch noch das Spiel gegen Bremen ab. Danach ist die nächste Länderspielpause.

Ich sag mal so: Das Vertrauen in #frontswag ist in den letzten Wochen nicht gerade gestiegen. Aber wer bin ich, dass ich ihn jetzt bei dem ersten echten Gegenwind fallen lasse. Er predigt das Mantra der Geduld und von der Frisur her ist er für mich jetzt schon Pep und Dalai Lama in einem. Seine aktuellen Interviews lassen die Trinkspiel-Kasse zwar klingeln, aber man muss das Positive sehen. Mehr Fanta-Korn für alle!

Den größten Optimismus ziehe ich dann dennoch aus der Statistik: Seit Dienstbeginn hat #frontswag eine Bilanz von 2-3-3. Das Saisonende bestand aus 2-2-1. Im Stadion war ich für die letzten drei Spiele, das macht 7/9 Punkten in meiner Anwesenheit. Ohne mich sind es nur 2/15 Punkte. Was gibt es da Besseres, als zum Dortmund-Spiel wieder ins Stadion zu gehen?

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“Against All Odds” – Mit #frontswag zurück zum Graue-Maus-Dasein

Die Bundesliga-Saison startet am heutigen Freitagabend und für die meisten Fans und Experten stehen neben dem Meistertitel genau zwei Dinge fest:

1. Hannover 96 wird wenn überhaupt nur ganz knapp den Klassenerhalt schaffen, eigentlich wird es aber bestenfalls Platz 16.

2. Michael Frontzeck ist der erste Trainer, der fliegt.

Damit können wir ja dann auch mal entspannt in die Saisonvorschau starten. Wenn die Messlatte so niedrig liegt, kann der Verein nur positiv überraschen. Ein Abschneiden im vom Klub ausgegebenen Bereich von Platz 8-12 (Bonuspunkte für eine Spielzeit ohne Trainerwechsel) bringt uns für den Titel “Positive Überraschung der Saison” uneinholbar in Führung – ganz gleich welcher kleine Verein aus der zweiten Tabellenhälfte dieses Mal unerwartet an den europäischen Plätzen kratzt (Stuttgart, Mainz, HSV,…)

#frontswag-Faktor

Ja, die Vorbereitung war holprig. Die Tore der vergangenen Saison sind weg, die neuen Stürmer zünden noch nicht, hinten wackelts und vorne hoffen wir auf den lieben Gott und Standards. Aber sagen wir mal so: Das machen gefühlt knapp 60% der Liga so. Bockstarkes 4-2-3-1 mit schnellem Umschaltspiel über die Flügel. 1000-mal gesehen, 1000-mal erlebt. Das macht die Bundesliga zurecht zur coolsten Liga mit den geilsten taktischen Innovationen und besten Weltmeistern der Welt.

Aber anders als die anderen Graupenklubs der zweiten Tabellenhälfte hat Hannover 96 den #frontswag-Faktor. Als bescheidener Gründer der gleichlautenden Unterstützer-Kampagne kann ich gar nicht anders, als die Tipps auf seinen schnellen Rauswurf klar zurückzuweisen. Der “schlechteste Bundesliga-Trainer mit über 100 Spielen ever ever ever” hat es immerhin geschafft, in seinen bislang fünf Ligaspielen mit 96 acht Punkte zu holen. (Ja, das war fast alles Stindl/Briand, aber pssst.) Und diese acht Punkte waren bitter nötig, denn anders als in der Saison davor war der Abstiegskampf alles andere als ein Schneckenrennen.

Ich muss zugeben: Bei seinem Dienstbeginn war ich skeptisch. Und die Niederlage trug nicht zur Hoffnung auf den Nichtabstieg bei. Doch dann kam das Unentschieden gegen Wolfsburg und damit hatte der Klub wieder leichten Puls. Okay, vielleicht nur Kammerflimmern, aber der Defibrillator stand zumindest wieder in Reichweite. Und wurde dann gegen Bremen, in Augsburg und gegen Freiburg auch genutzt.

Fantakorn > Fantasie

Der Sommer war lang. Viele Spieler verließen den Verein, manche hochverdiente Stammspieler und Europapokalhelden, andere kurzfristig geholte Kaderspieler. Andere wurden vom britischen Pfund oder einer Stadt mit Dom weggelockt. Neu im Kader stehen jetzt jede Menge junge Spieler und ein paar Routiniers, die noch nicht ganz zu sich gefunden haben. Die Interviews hören sich zwar alle so an, als würden sich alle gut miteinander verstehen, aber auf dem Platz wird es durch diese vermaledeiten Gegenspieler immer wieder erschwert. Da muss man sich mal was einfallen lassen, das ist ziemlich nervig.

Trotz all meines größtenteils unbegründeten Optimismus (oder zählt Fanta-Korn als ausreichende Begründung?) glaube ich nicht, dass ausgerechnet 96 einer dieser oben angesprochenen Vereine sein wird, die nach oben schießen. Dafür steht Hannover in der zweiten Runde des Pokals und wird mit der Taktik “gegen Viertligisten wacklig gewinnen und gegen die großen auf Ausrutscher am Elfmeterpunkt hoffen” natürlich ohne Probleme mindestens das Pokalfinale erreichen. Der Titel muss drin sein, der letzte ist dann auch schon 24 Jahre her. Also nur, wenn man den Lublin-Cup nicht mitrechnet. In der Liga werden wir richtig entspannt im Mittelfeld rumgammeln und nur bedingt sehenswert sein. 34 “Spiele für Taktikfreunde” (eine Formulierung, gegen die sich ebenjene glaube ich seit jeher wehren) erwarten uns und hoffentlich müssen sich nicht viele neutrale Bundesliga-Fans 96-Spiele angucken. Andererseits denke ich, dass gerade eine Rosskur mit Hannover 96 als internationalem Aushängeschild anstelle der AG aus München die vollkommen überblähte Hype-Blase der Liga in Asien und Nordamerika platzen lassen würde. Zumindest würde es die PR-Abteilung endlich einmal vor eine echte Aufgabe stellen, mit #frontswag die von der Premier League schon komplett abgegrasten Märkte zu erschließen.

Kleinere Brötchen backen, bitte

Seit dem Aufstieg 2002 hatte 96 keinen Stürmer mit mehr als 12 Saisontoren, nur zweimal erzielte der Verein nach Wiederaufstieg mehr als 49 Saisontore. Das konnten wir also eh noch nie, eine Verteufelung jenes Aspekts ist also nichts anderes als die Erkenntnis, dass wir seit 2002 keinen Schritt vorwärts gekommen sind. Weit nach hinten sind wir aber auch nicht durchgereicht worden. Ja, andere Vereine investieren mehr und streben schneller nach Europa. Andererseits sind für viele ehemalige Liga-Größen die Niederungen von Aalen/Sandhausen im besten Fall beziehungsweise die Dorfplätze der Regionalligen im schlechtesten Fall die Realität geworden. Manchmal möchte man es den Fans ins Gesicht brüllen, dass dieser Verein die ultimative graue Maus der Liga ist. Die Europa-League-Phase war toll und begeisternd, aber nie nachhaltig für den Verein unserer Größe. Und man tut gut daran, diese Episode im Herzen zu bewahren und davon zu träumen, bis man bald mal wieder dort auflaufen darf. In ein paar Jahren vielleicht. Mit #frontswag.

Und weil es dazu dieses Jahr natürlich nicht reicht, werden wir vielleicht 12. oder 13. Komplett entspannt. Mit #frontswag.

Das Ding mit Gülselam

Jetzt ist es also mal wieder soweit. Drei Spiele in Folge verloren. Zum zweiten Mal diese Saison. Beim ersten Mal waren es Stuttgart, Bayern und Gladbach, nun Leverkusen, Hoffenheim und Wolfsburg. Drei Spiele, wo man prinzipiell als Hannover 96 sagen kann: kann man gegen punkten, aber wahrscheinlich sind die drei Teams besser als wir. Aber man stand ja vor dem Bayer-Spiel hochverdient und die Augen nur nach oben auf Platz 4 und wir träumten alle von Champions-League-Nächten im Niedersachsenstadion und ordentlichen Reisen durch Europa….

Hahaha. Ja nee, is klar. So, nun haben wir drei Spiele gegen Champions-League- bis Europa-League-Aspiranten verloren, was wir nachweislich (siehe offizielles Saisonziel vor dem 1. Spieltag) nicht sind. Und in einer Saison, in der der erste Teil des großen Durchbruchs im Kader stattfindet (der noch größere Teil 2 folgt im Sommer) und in der es keinen Stress, keinen Druck, keine Panik auf Team und Trainer geben sollte, drehen die Fans teilweise frei, dass es nicht mehr feierlich ist.

Das ging ja schon los, als nach Stuttgart-, Bayern- und Gladbach-Niederlagen die ersten Stimmen laut wurden, die allen Ernstes Mirko Slomka wiederhaben wollten. Der Griff zum Alkohol war selten so schnell. Leute…

Jetzt sind die nächsten Spiele verloren, die ja gar nicht mal so schlecht waren (aber das ist ja wieder dieses gefährliche Abdriften vom Schwarz-Weiß-Denken in differenzierte Graubereiche… gegen Leverkusen teilweise auf Augenhöhe und mit guten Chancen gegen Leno, gegen Hoffenheim schöne Kombinationen und fast ein Punkt dort, wo wir nie punkten, gegen Wolfsburg mindestens gleichauf) und ein Sündenbock ist wieder schnell gefunden. Ceyhun Gülselam.

Kleiner Exkurs

Während der Zwangspause von Andrööösen mit Kreuzbandriss 2012/13 hatte 96 ein defensives Mittelfeld bestehend aus Pinto und Schmiedebach. Beide können mit dem Ball um und sind aggressiv im Zweikampf. Was ihnen fehlt, ist Lufthoheit. Was dazu führte, dass bei Abstößen immer ein Innenverteidiger (Schulz, Eggimann, Haggui) ins Mittelfeld rücken musste, um den Ball in der Luft zu attackieren. Die Abwehrkette war dadurch per se zerstört und in die Lücken stießen die Gegner sofort. Erinnert sich jemand an das 4:5 zum Rückrundenauftakt bei Schalke? Ein Paradebeispiel. In seiner Not hatte Manager Schmadtke, der wie Trainer Slomka um das Problem wusste, fünf Tage zuvor einen Top-Transfer getätigt. Durch akribisches Video-Studium hatte Schmadtke einen Hünen, ja gar einen Bullen in den Niederungen der brasilianischen Liga ausgemacht. Der nächste Transfer aus dem Nichts à la Abdellaoue und Ya Konan. Und es kam… Franca. 8 Zentimeter zu klein, infiziert mit Tuberkulose. Der Verein das Gespött der Liga.

Im Sommer 2013 holte der neue Sportdirektor Dirk Dufner einen langen, spielstarken Innenverteidiger/defensiven Mittelfeldspieler, den erwähnten Sané für kolportierte €2m. Mit ihm stabilisierte sich die Abwehr ein wenig, vor allem aber war Andrööösen wieder fit und erneut Stammkraft auf der 6. Nach der Hinrunde unter Mirko Slomka wurde Sané relativ schnell unter Nachfolger Korkut aus disziplinarischen Gründen in die Reserve verschoben. Sané ist beliebt bei den Fans. Die Entscheidung wurde von Anfang an kritisiert, immer wieder wurde die Rehabilitierung gefordert. Neulich wurde sie tatsächlich vollzogen, die Differenzen zwischen ihm und dem Coach scheinen geklärt.

Zurück zu Gülselam

Mit Sané in der Reserve und Andrööösen sowohl im fortgeschrittenen Alter als auch weiter verletzungsanfällig suchte der Verein einen neuen Ausputzer nach beschriebenem Profil. Es wurde Ceyhun Gülselam. Ablösefrei. Vertrag bis 2016, kaum Risiko für den Verein. Die Saison begann, Andrööösen war fit und spielte neben Schmiedebach auf der Doppel-Sechs. Spielerisch war das nicht berauschend, aber es lief ganz gut, der Saisonstart war erfolgreich.

Dann kam das, was keiner ahnen konnte: Andrööösen war wieder mal verletzt. Neuzugang Gülselam sprang ein. Warum? Er ist defensiver Mittelfeldspieler, kopfballstark, aggressiv in den Zweikämpfen. Er spielte nun also. Sein Job war die Spieleröffnung zwar nicht – dafür steht neben ihm der 17 Tage ältere Manuel Schmiedebach, der jahrelang von Sergio Pinto lernte – aber er probierte es und das ging auch oft genug schief. Dafür eroberte er den Ball am Boden und in der Luft. Machte also seinen Job nicht schlecht. Aber er hat in seiner ersten Bundesliga-Saison halt auch noch Fehler im Spiel. Haben andere auch. Seine sahen teilweise sehr unglücklich aus, besonders das Eigentor in Aalen im Pokal ist bei den Fans im Kopf hängen geblieben. Da ist das Tor gegen Leverkusen vergleichsweise nichts wert.

Kaderplanung

Gülselam spielt da, wo Teile der Fans einen besseren Spieler sehen wollen. Einen wie Sané. Vielleicht kommt der bald wieder in die Startelf, vielleicht auch nicht. Fakt ist, besser ist unser Kader nicht. Ja, das kann man dem Manager anlasten. Dieser hatte im Sommer aber genug damit zu tun, das vorhandene Geld in wichtigere Baustellen zu stecken. Joselu, Kiyotake und Albornoz waren wichtige Bauteile im neuen Kader nach dem Abgang von Huszti, Diouf und Pocognoli (und weil Pander immer verletzt ist). Die restlichen benötigten Spieler wurden dann ablösefrei geholt: Almer, Briand, Gülselam, Hirsch, Karaman, Pietler, Rankovic, Stankevicius, Thesker. Manche davon sind fester Bestandteil der Mannschaft, andere spielen in der Reserve. Wie dem auch sei, es sind Transfers ohne Risikos, teilweise mit Perspektive, teilweise als Übergangslösung.

Sündenbock

Jetzt also das: Hämischer Applaus bei der Auswechslung gegen Wolfsburg von den eigenen Fans. Wenn es eins zeigt, dann wie schnelllebig das Geschäft ist. Und, dass 96 nicht anders ist als jeder andere Verein. Auch wenn man es nach den letzten fünf Jahren gerne hätte. Fans, die Spieler verhöhnen und niedermachen und es versuchen mit “Kritik darf man aber äußern” zu begründen. Dass etwas als Beleidigung aufgefasst werden kann, wo es als Kritik gemeint war, scheint bei manchen Fans nicht bekannt zu sein. Und dass die Grenze zwischen Kritik und Beleidigung bei jedem Menschen unterschiedlich verläuft, gehört ebenfalls dazu. Dass die Psyche eines Fußballers, eines Menschen, kein unwichtiger Teil ist, sollte gerade in Hannover allen Fans bewusst sein. Vor jedem Spiel wird “Niemals Allein” gesungen, danach ein einzelner Akteur auf dem Platz herausgepickt und beleidigt. Wir waren schon mal so viel weiter, warum jetzt dieser Rückschritt? Warum jetzt das Niedermachen? Ich begreif es nicht.