Jein – Martin Kinds Gedanken am Wochenende

SpielfreiLeaks hat das Hörgerät des 96-Präsidenten gehackt und konnte so den inneren Dialog mitschneiden, der sich nach dem Abpfiff des Spiels am Millerntor im Kindskopf bildete. Zufälligerweise schwirrte dort auch ein Klassiker des Deutschraps herum und so entstand folgender Mix:

K1: Das ist 1896,
Martin Bader ist weg und bräunt sich
in der Südsee.

K2: Allein?

K3: Ja, Möckel blieb daheim.

K2: Soll sein.

K3: Nein, nein.

Alle: Auch nicht mehr im Verein!

K1: Ich wette, heute machen wir erneute fette Beute
treffen André Breitenreiter und sonst noch nette Leute
Warum dauernd trauern?
Wow, schau dir den Kerl an!

K2: Schande, dazu bist du imstande?

K3: Dein Trainer ist noch nicht mal aus dem Lande
Und du Präsi denkst schon längst an nen andern?

K1: Was soll ich denn heulen?
Ihr wisst, dass ich Daniel Stendel treu bin.
Ich bin brav, aber ich traf eben my first love
Das ist nicht wie bei Schaaf
den ich nur aus Verzweiflung traf.
Habt ihr den Blick geahnt,
den er mir eben in der Loge warf?

K2: Oh mein Gott, was erntet der fürn Spott

K1: Was ein geiler Trainer

K3: So’n Glück hat sonst doch keiner

K1: Wenn ich nen neuen O-Ton gebe,
ihn wie Frontswag einst absäge,
meinst du checkt der was?

K2: Das wär durchschaubar wie bei Slomka das.

K3: Uh, Breite kommt auf dich zu.

AB: „Na Martin, hast du Bock auf jemanden mit Trainerschein?“

K1: Ja, nein, ich mein…. Jein!

Alle: Soll ich Daniel feuern oder lass ichs lieber sein?
Jein.

K2: Horst Heldt hat einen Freund.

K3: Einen guten?

K2: Sozusagen sein bester.
Und ich habe ein Problem
Der war bei Schalke

K1: Ach, nicht der Ex von Leicester?

K2: Würd‘ er auf Ranieri stehn,
hätt’ ich nicht das Problem,
das wir haben, wenn wir Daniel Stendel sehn.
Kommt er in den Kokenhof, wird mir schwindelig.
Sag ich, ich will nicht absetzen, schwindel ich.
Heldt will ihn, er will uns, das weiß er, das weiß ich.
Nur der Daniel, der weiß das nicht.
Und jetzt sitz ich sozusagen in der Zwickmühle,
und das ist auch der Grund, warum ich mich von der Tabelle gefickt fühle.
Warum trug André nur weiß-blau?
Aber trainierte dabei Spielaufbau.

K3: Ist er denn schlau?

K2: Genau.
Es steigen einem Tränen in die Augen wenn man sieht
was mit 96 passiert und in der Liga geschieht
Es erscheinen Aufsichtsrat und Nordkurve auf meiner Schulter
Ultras links, AR rechts: *Lechz*

AR: Nimm dir André, der findets ok
Daniels Anfangsschwung ist doch seit Herbst schon längst passé!

U:„Aber doch nicht Breite“, schrei’n die Ultras von der Seite.
„Havelse ok, aber Paderborns Pleite?“

K2: Und so streiten sich die beiden um den Trainerposten
und ob ihr’s glaubt oder nicht, mir geht’s nur um die Kosten
Und während sich die Ultras und der AR anschrei‘n
Entscheide ich mich für ja, nein, ich mein… JEIN.

Alle: Soll ich Daniel feuern oder lass ichs lieber sein?
Jein.

K3: Ich schätze jetzt bin ich der Solist in diesem Kinderchor.

K1: Hey, Chef, was hast’n heute Abend vor?

K3: Hm, ich mach hier nur noch Abfindungen fertig,
pack meine Siebensachen und dann werd ich
mich zum NDR begeben, denn wenn man ehrlich gesteht
sind meine Medieninterviews doch eher spärlich gesät.

K2: Ach ja, du bist mal wieder eingeladen.
In der besten Sendung wieder auf der Gästeliste eingetragen.

K1: Und wenns keinen Klartext gibt
hast du echt was verpasst,
wen wunderts, das wird bestimmt der „Sportclub“ des Jahrhunderts.

K3: Ähm, Lust hätt ich eigentlich schon.
Oh, der Stendel ist am Telefon.
Und er sagt:

DS: „Es wär schön, wenn ich Trainer bleib heut Nacht,
ich dacht‘ das wär abgemacht!“

K3: Wisst ihr, ich liebe diesen Typ und deswegen
war er auf der Bank im St.-Pauli-Regen.

K2: Na komm, was ist, ist dir die Einschaltquote zu klein?

K3: Ja, nein, ich mein… JEIN.

Alle: Soll ich Daniel feuern, oder lass ichs lieber sein?
Jein.

Das Ende ist bekannt.

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119

119. Keine besondere Zahl. 7 mal 17. Die Primfaktorzerlegung ist schnell gemacht. Und offenbart dabei das Besondere: 17 Wochen. 17 Wochen, in denen der Hannoversche Sportverein von 1896 keinen einzigen Pflichtspielsieg erringen konnte.

Am Freitagabend – Tag 115 – bestand zuletzt die Chance, diesen Zähler auf Null zurückzustellen. Der Verein hatte gegen Hertha BSC zu Stimmung auf den Rängen aufgerufen. Die ersten zehn Minuten begannen engagiert im 4-1-4-1. Dann folgten 65 Minuten Langeweile. Plötzlich stolperte Schulle einen Eckball ins Tor. Euphorie. Und der Beginn der Bettelei um den Ausgleich. Stocker bedankte sich in Minute 86 mit einem Schuss, der viel zu gut für das Spielniveau war. Ein qualitativer Ausreißer nach oben, unerhört. Und im Rund des Niedersachsenstadions sehnte man sich zurück in den Winter.

Es war der 16.12. Teile Deutschlands freuten sich über Schneefall, Kinder und Erwachsene sehnten gleichermaßen den Heiligen Tagen entgegen. An diesem kalten Dienstagabend sollte Hannover 96 etwas gelingen, was die nächsten vier Monate vollkommen in Vergessenheit geraten sollte: Ein Sieg in der höchsten deutschen Fußball-Spielklasse. Am 16. Spieltag, mitten in der „englischen Woche“ vor Weihnachten, sorgten Salif Sané und Joselu mit zwei Treffern für einen Erfolg gegen die Überraschungsmannschaft vom FC Augsburg. 2:0, mehr Tore geschossen als der Gegner: Im Jahr 2015 gelang das nur im Trainingslager in Belek und während der Länderspielpause gegen Erfurt.

In der Form-Tabelle am Boden, der Trainer schon mehrfach angezählt. Manager und Präsident werden von Teilen der Fans zum Rücktritt aufgefordert; die einzige Stimmung, die momentan durchdringt. Dass der Kapitän und beste Spieler im Sommer für 3 Mio. € nach Mönchengladbach geht, sorgt nicht für Entrüstung, sondern höchstens für ein leises Seufzen. Die einzige Chance, ihn zu halten, war ein Angriff auf die internationalen Plätze. Das ging relativ fix nach hinten los. Von Lars Stindl abgesehen, enden zehn Verträge bei Hannover 96 im Sommer. Bei manchen hat der Verein noch eine Option, bei anderen ist der Abschied klar. Robert Almer, Leon Andreasen, Jimmy Briand, Maurice Hirsch, Markus Miller, Christian Pander, Joao Pereira, Jan Schlaudraff, Marius Stankevicius, Didier Ya Konan. Die Zeichen stehen seit vergangenem Sommer auf Umbruch. Diesen Sommer wird ein gewaltiger Batzen hinzukommen. Und das sind nur die Spieler, von denen man es sicher weiß. Wie viele des restlichen Kaders bei einem immer noch möglichen Abstieg gehen könnten, entzieht sich meiner Kenntnis. Und bei der momentanen Ungewissheit über den Ligaverbleib kann man noch nicht einmal entsprechende Alternativen für den Kader 15/16 holen – ein Tanz auf der Rasierklinge.

Die nächste Chance zum Reset besteht am Tag 123 in Leverkusen. Es ist aber gut möglich, dass auch nach dem Tag 158 (Zuhause gegen Freiburg) der Zähler weitertickt. Dann ist die Saison vorbei, außer wir landen auf der 16. Momentan spricht nicht viel dafür, dass es aufhört, das Warten auf einen Sieg.