Türchen #18

Wo krankt es wirklich im 96-Spiel? In der Abwehr mit der fehlenden Stabilität? Im Sturm mit der mangelnden Torgefahr? Im Mittelfeld mit der nicht existenten Kreativität? Überall? Nun, im Sommer 2004 hatte Hannover 96 eine grandiose Idee, wie man sich endlich südeuropäische Spielkultur und Spielwitz aneignen könne. Gerade war die EM 2004 in Portugal Geschichte, da zog 96 einen Portugiesen an Land.

 

Türchen #18: Ricardo Sousa

Ricardo André de Pinho Sousa kommt aus einer hochdekorierten Familie. Sein Vater António war in den 80er Jahren mit einer kurzen Unterbrechung Spieler beim FC Porto und stand im Kader, als der Verein im Jahr 1987 den Pokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München errang. Zu dem Zeitpunkt war Sohnemann Ricardo acht Jahre alt und begann gerade in einem Vorort Portos das Fußballspielen.

Als Sohn eines Profis eiferte er es natürlich dem Vater nach und wechselte in der A-Jugend zum großen FC Porto, konnte sich dort aber nicht wirklich durchsetzen. Neben einem Einsatz in der Liga gab es zwei Jokereinsätze in der Gruppenphase der Champions League 1999/00 gegen Molde und Piräus. Stattdessen wurde er öfter mal ausgeliehen, am liebsten zu Beira-Mar südlich von Porto, wo Papa António Trainer war. Dorthin ging es in jungen Jahren gleich dreimal, bevor es im Jahr 2002 endgültig dorthin ging. Als Stammspieler mit elf Treffern überzeugte der nun 24-Jährige, so dass es zurück nach Porto zu Boavista ging. Mit 14 Toren in 32 Spielen beendete Boavista die Saison auf Platz acht. Nachträglich wurde Boavista wegen Schiedsrichterbeeinflussungen in dieser Saison 2003/04 mit einem Zwangsabstieg zur Saison 2008/09 bestraft. Der Rechtsstreit darum zog sich noch über Jahre hin und zur Saison 2014/15 wurde der Zwangsabstieg zurückgenommen und Boavista war wieder erstklassig.

96

Aber zurück zu Ricardo: Zu dieser Zeit war alles noch rosig und Ilja Kaenzig holte den Spieler für 750.000 Euro nach Hannover, um das offensive Mittelfeld zu verstärken. Sein Debüt gab er zum Saisonauftakt 2004/05 bei der 1:2-Niederlage in Leverkusen, konnte in dieser ersten Saison aber nur fünfmal spielen. Nach dem September ging es für Sousa aber sportlich nicht mehr voran, Trainer Ewald Lienen verließ sich auf andere Kräfte.

Deswegen wurde Ricardo Sousa in die Niederlande an den Tabellenletzen De Graafschap an der deutschen Grenze ausgeliehen. Für zehn Spiele versuchte Sousa, den Abstieg zu vermeiden, aber dieser ließ sich nicht mehr aufhalten. Zur neuen Saison 2005/06 versuchte Sousa neu anzugreifen, im Oktober hatte er es fast geschafft, als er am 9. Spieltag gegen den 1. FC Köln bei 4:1 ein Tor per Elfmeter schoss und ein weiteres auflegte. Es gab große Hoffnungen für das anstehende Derby gegen Werder Bremen. Der Auftritt dort dauerte ganze 12 Minuten, dann humpelte Sousa mit einem Muskelbündelriss vom Platz.

Als Sousa wieder fit war, stand mit Peter Neururer ein neuer Trainer an der Seitenlinie und unter ihm gab es neue Einsatzchancen, konnte diese teilweise sehr kurzen Spielzeiten aber nicht entscheidend nutzen. Seinen größten Erfolg schaffte Sousa bei einem Sponsorentermin bei Continental, als er mit Thomas Brdarić und Jiří Štajner ein Kart-Turnier gewann.

Weg von 96

Als klar wurde, dass man ohne ihn plante, ging Sousa mit nun 27 Jahren zunächst leihweise zur Saison 2006/07 zurück zu Boavista, wo er in 16 Spielen zwei Treffer erzielte. Obwohl er noch ein Jahr Vertrag in Hannover hatte, wurde dieser im Einvernehmen mit dem neuen Manager Christian Hochstätter aufgelöst und Sousa machte sich auf nach Nikosia zum AC Omonia. Viele Spiele machte er dort aber nicht, ein paar UEFA-Pokal-Spiele in der Qualifikation aber ansonsten in der Liga eher wenig. Umso erstaunlicher war es, dass Jörn Andersen, Trainer von Kickers Offenbach, im Januar 2008 von einem „echten Wunschspieler“ sprach, der dem Team im Abstiegskampf der 2. Bundesliga helfen sollte. Das gelang eigentlich ganz gut, in 16 Spielen traf er einmal und bereitete fünf Tore vor und alles sah gut aus für Offenbach, bis man am letzten Spieltag 0:3 gegen den Konkurrenten VfL Osnabrück verlor und noch von Platz 12 auf Platz 16 stürzte und direkt abstieg.

Es ging zurück nach Portugal in deren zweite Liga, natürlich zu Papa António, der mal wieder den Job in Beira-Mar übernommen hatte. Nach sechs Spielen dort in der Hinrunde ging es zu União de Leiria, mit denen er in die 1. Liga wieder aufstieg. Sein Anteil darf mit vier Kurzeinsätzen aber als gering eingestuft werden.

Mit 30 Jahren zog es ihn kurioserweise in die Slowakei zum NK Drava Ptuj, wo er es bis zum Ende Oktober 2009 aushielt, aber nach sechs Spielen war ihm dieses Abenteuer auch genug. Er blieb bis zum Saisonende 2010 vereinslos, bevor er sich noch einmal in der zweiten portugiesischen Liga die Schuhe für UD Oliveirense schnürte. Nach ein paar Spielen bei unterklassigen Vereinen beendete er seine Spielerkarriere und übernahm das Traineramt bei seinem Jugendverein A.D. Sanjoanense in der dritten Liga.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Ab Januar 2008 probierte sich Sportinvalide Valérien Ismaël in 18 Spielen noch einmal als Fußballer in der 96-Innenverteidigung, nachdem er mit Bremen und Bayern Doublesieger geworden war. Nachdem im September 2008 er aber wieder verletzt war, beendete er seine Karriere und wurde dann Trainer: Erst von Hannover II, dann von Wolfsburg II. Beim 1. FC Nürnberg scheiterte seine erste große Trainerchance sehr schnell, deswegen ist er nun wieder Trainer bei Wolfsburg II.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)

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Türchen #10

Österreicher und die Bundesliga – das funktioniert eigentlich immer ganz gut. Zwar hat es im kleinen Alpenland immer mal wieder komische Charaktere, die das Leben von Polizisten bei einer Geschwindigkeitskontrolle bezahlen wollen, aber im Großen und Ganzen sind die Fußballprofis des Landes leicht integrierbar und ein fester Bestandteil der Bundesligakader. Aber für jeden Robert Almer bekommt man einen…

 

Türchen #10: Roman Wallner

Geboren in Graz 1982 verlebte Roman Wallner eine ganz normale Kindheit und Jugend in seiner Heimatstadt. Also, so normal es eben geht, wenn man mit sechs Jahren beim Profiverein der Stadt in die Jugendabteilung geht und dort dermaßen beeindruckt, dass man mit 16 Jahren bei den Profis gegen Inter Mailand in der Champions League eingewechselt wird. Es zeichnet seine komplette Ungeduld aus, dass dieses „ins kalte Wasser schmeißen“ von ihm nicht gewürdigt wurde, sondern ihm mit 17 die Entwicklung zu langsam voran ging, weil er beim Meister und Pokalsieger aus Graz als Jugendlicher noch keine Einsatzzeiten bekam.

Rapider Aufstieg

Im Sommer 1999 ging es zu Rapid Wien, wo er in der ersten Saison noch mit kurzen Einwechslungen vorlieb nehmen musste, allerdings war er spätestens im Herbst 2000 Stammspieler im Wiener Sturm geworden und netzte dort mit fleißiger Regelmäßigkeit. Sein erstes Tor schoss er Im Mai 2000 gegen Bregenz, in den nächsten vier Saisons kamen 41 weitere hinzu. Die erfolgreichste Spielzeit war 2001/02 mit 15 Treffern.

Mit 19 gab er sein Debüt in der Nationalelf gegen Liechtenstein, sein erster Länderspieltreffer kam gegen Deutschland im Mai 2002, als sich die Deutschen vor der bevorstehenden WM 6:2 durchsetzten. Wallner hatte den 2:3-Anschlusstreffer markiert. Insgesamt machte er 29 Spiele für die Nationalmannschaft und traf siebenmal. Zwischen 2006 und 2009 pausierte die Karriere in der Nationalelf jedoch, bei der Europameisterschaft im eigenen Land war er nicht vertreten. Mehr dazu später.

Schon zu Rapid-Zeiten rankten sich jede Menge Geschichten um Wallner. Mehr als einmal sei er wegen Alkoholproblemen aus dem Training geflogen, sein fußballerisches Potential gehe Hand in Hand mit seinen Eskapaden und Exzessen. Befürworter eines solchen Verhaltens würden ihn als einen „lebensfrohen Spieler mit Ecken und Kanten“ bezeichnen, für andere war er sicherlich nur „unprofessionell und asozial“.

96 klingelt, Wallner kommt

Als in der Saison 2003/04 die Leistungen etwas nachließen, entschloss sich Rapid, den erst 22-Jährigen im Sommer auszuleihen. Der neue 96-Manager Ilja Kaenzig fand, dass durch das Vertragsende von Jan Šimák eine große Lücke in das Feiergefüge des Vereins gerissen worden war und machte die Leihe klar, vermutlich in der Hoffnung, dass Trainerfuchs Ewald Lienen den Heißsporn noch formen könne.

Sein erstes Spiel für Hannover absolvierte er am 4. Spieltag gegen den SC Freiburg, blieb jedoch blass und wurde beim Stand von 2:1 für Thomas Christiansen ausgewechselt, das Spiel endete 2:2. Zwei Spiele später kam es zu seinem ersten Joker-Einsatz gegen Schalke 04, allerdings auch ohne nachhaltigen Eindruck.

His life – summed up in a day

Dies sollte sich jedoch am 3. Oktober 2004 ändern: Einen Tag nach dem 3:1-Auswärtserfolg bei Hansa Rostock, bei dem Wallner auf der Bank geblieben war, wollte er die Länderspielpause nutzen, um nach Hause zu fliegen. Für die Nationalelf und die WM-Qualifikation war er erneut nicht nominiert worden. Am frühen Sonntagabend wurde er vor seiner Haustür von der Polizei angehalten. Als bescheidener Mensch und harter Arbeiter, der sich eher wenig aus Alkohol macht, hatte er sich ein Haus in der direkten Nachbarschaft von Gerhard Schröder zugelegt. Nachdem er mit Mitspielern lange im Lokal gesessen hatte, kehrte er nach Hause zurück und wollte sein Auto nur schnell umparken. Blöd, dass um das Haus des amtierenden Bundeskanzlers ständig Polizeiautos patrouillieren. Er wurde sofort kontrolliert und beim Pusten schaffte er 1,8 Promille. Seine bislang beste Saisonleistung.

Aber der Abend war ja noch lang und nach Wien wollte er noch: So machte er sich – hoffentlich mit einem Taxi – auf den Weg zum Flughafen Langenhagen und stellte sich zum Check-In. Dort angekommen, fiel der Stewardess auf, dass Wallner gar keinen Ausweis dabei hatte. Als kühler, durchdachter Charakterkopf, der er ist, versuchte er seinen versoffenen Kopf nach einer enttäuschten, flehenden Aussage abzusuchen, fand aber nur das Wort: „Drecksschlampe“. Dass er danach den Flieger dank seines Charmes auch nicht betreten durfte, versteht sich von selbst. Stattdessen gab es eine Anzeige wegen Beleidigung, Wallner versprach der Frau, nachdem er wieder ausgenüchtert war, ein Ticket zu einem 96-Spiel.

Das Ganze half der Karriere bei 96 nur so mittel, bis zum Saisonende blieben zwar die Schlagzeilen aus, allerdings beschränkten sich die Einsätze auch auf minimale Einwechslungen. Nach insgesamt zehn Saisonspielen war die Spielzeit auch vorbei.

Die Odyssee beginnt

Im Sommer 2005 lieh 96 den Österreicher zurück in die Heimat aus. Zunächst ging es zu Admira Wacker Mödling, einem Klub, der einen investitionsfreudigen iranischen Präsidenten geangelt hatte und nun Richtung Tabellenspitze schielte. Am Ende stieg man jedoch ziemlich deutlich ab und die Disziplin wurde in diesem Verein sehr vernachlässigt. Wallner hatte Probleme mit Mannschaftskollegen und dem Trainer, dazu wurden Gehälter nicht rechtzeitig gezahlt, so dass Wallner die Leihe im Januar 2006 beendete.

In der Rückrunde wurde er von Austria Wien neu ausgeliehen und dort fühlte er sich deutlich wohler als in Hannover, wo er ziemlich verbrannte Erde hinterlassen hatte. Beim Hauptstadtklub war sein Vertrag extrem leistungsbezogen und sein Trainer wollte dem schwierigen Spielertypen eine Chance geben, da er selber so eine Person gewesen sei. Mit Austria wurde er 2006 direkt Doublesieger, auch wenn er nur Kaderspieler war. Im Sommer 2006 sorgte er mit seinem Treffer im Rückspiel gegen Legia Warschau für das Erreichen der Gruppenphase im UEFA-Pokal, was jedoch nicht so gut für Austria lief. Der Verein konnte seinen Erfolg aus der Vorsaison nur teilweise wiederholen, zwar wurde der ÖFB-Pokal verteidigt, in der Liga wurde man aber nur Sechster. Wallner hatte fünfmal getroffen, sein Vertrag wurde aber nicht mehr verlängert.

Schottland und Griechenland

Mit 25 Jahren schaute sich Wallner nun in der großen weiten Welt um. Fündig wurde er zur Saison 2007/08 beim FC Falkirk in der schottischen Liga, bei denen er einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieb. Am ersten und am achten Spieltag durfte er kurz mitkicken, ansonsten war die Tribüne sein Platz. Unzufrieden damit wurde er an Hamilton Academical in der zweiten schottischen Liga ausgeliehen. Dort spielte er dreimal und traf einmal, er wurde aber nur unzufriedener. Dass seine Nationalmannschaftskarriere seit September 2006 ruhte und die Europameisterschaft in Österreich näher rückte, kam noch dazu.

In einem letzten Versuch, die Saison zu retten, unterschrieb er im Januar 2008 einen Vertrag beim stark abstiegsgefährdeten Apollon Kalamarias. Der Aufenthalt dort entwickelte sich zur Farce. Nachdem er im ersten Spiel gegen Olympiakos Piräus gespielt hatte, meldete sich die FIFA und erklärte, durch die vorherige Ausleihe bei Hamilton sei eine regelkonforme Spielberechtigung bei einem weiteren Verein zumindest fragwürdig. Der griechische Verband hatte das 1:0 von Apollon in ein 0:3 gewandelt, dagegen zogen die Vereine AEK und Panathinaikos vor Gericht, sogar vor das CAS, das höchste Sportgericht, weil durch diese Umwertung Olympiakos noch an AEK vorbeigezogen und Meister geworden war.

Während die griechischen Vereine dies alles vor Gericht austrugen, sah Wallner seine letzte Chance für die Euro davonschwimmen und suchte während seiner Spielsperre einen neuen Verein. Apollon war ohne ihn abgestiegen, er probierte es noch einmal bei Skoda Xanthi, mehr als fit halten konnte er sich dort aber nicht.

Zurück nach Österreich

Im Januar 2009, mittlerweile war Wallner fast 27, kehrte er zurück in die Bundesliga. Bei LASK Linz startete er seine Karriere neu und drehte zur neuen Saison richtig auf: In der Hinrunde 09/10 schoss er 14 Tore und legte elf auf, weswegen er im Januar 2010 zu Red Bull Salzburg wechselte und dort fünf weitere Tore schoss. Damit reichte es zu seinem zweiten Meistertitel, den Titel des Torschützenkönigs verpasste er nur um einen Treffer. 2010/11 spielte er in der Europa League unter anderem gegen Juventus und Manchester City, traf in 32 Ligaspielen 18-mal. Nach einer ordentlichen Hinrunde ging es im Januar 2012 unbürokratisch in die 4. Deutsche Liga zu RB Leipzig, wo er sechsmal traf, den Aufstieg in die 3. Liga aber verpasste.

Mittlerweile 30 Jahre alt, wollte Wallner nun wirklich nicht 4. Deutsche Liga spielen und ging zu Wacker Innsbruck, wo er in zwei Spielzeiten 14-mal traf. Das reichte aber nicht, um in der Saison 2013/14 die Innsbrucker vor dem Abstieg zu bewahren. Zufälligerweise war Aufsteiger SV Grödig unerwartet Tabellendritter geworden und brauchte erfahrene Spieler für die Europa League. Zwar konnte Wallner das Ausscheiden in der 3. Runde gegen Zimbru Chișinău nicht verhindern, aber er hatte sich wieder gefangen. Glaubte man. Denn nach zehn Spielen verfiel er wieder in alte Muster und wurde in die zweite Mannschaft verbannt.

Unter dem neuen Trainer Peter Schöttel zeigte Wallner sich zum Start dieser Saison aber reumütig. Schöttel ist ein alter Weggefährte von Wallner und beschrieb ihn treffend als „echten Instinktfußballer“. Wallner wollte sich nun endlich mal mit 33 auf den Fußball konzentrieren. Mittlerweile sind die Beine auch schwerer geworden und die Leichtigkeit des „schlampigen Genies“ ist etwas verloren gegangen, aber es hat in der Hinrunde zu drei Treffern gereicht.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Nur kurz sei hier noch Marc van Hintum erwähnt, der als Linksverteidiger in der Aufstiegssaison aus der Niederlande kam und bei der Rückkehr in die Bundesliga aushalf. Dort durfte der damals schon 35-Jährige noch zehnmal auflaufen. Mittlerweile ist van Hintum Chefscout bei seinem alten Klub Vitesse Arnheim.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)

Türchen #9

Das heutige Türchen befasst sich mit einem hochtalentierten Nachwuchsstürmer, der den Sprung in das kalte Wasser wagte, sein Level in Deutschland fand und später in die Heimat zurückkehrte, um dort weiter zu netzen.

 

Türchen #9: Erik Jendrišek

Erik Jendrišek stammt gebürtig aus der Tschechoslowakei, jedoch wurde die Heimat nur wenige Jahre nach seiner Geburt unabhängig. Seine Geburtsstadt Trstená liegt unweit der polnischen Grenze in den Ausläufern der Karpaten. In der Nähe der Stadt befindet sich der Orava-Stausee, das größte Gewässer der Slowakei, welches viele Touristen anlockt.

Fußballerisch wurde der Stürmer jedoch nicht am Stausee groß, sondern landeinwärts in Ružomberok beim MFK, wo er sein großes Potential schnell und häufig zeigte. Er spielte schnell in den Jugend-Nationalmannschaften und gab sein Liga-Debüt mit 17 Jahren für die Profis. Mit dem MFK wurde er 2006 Doublesieger, dabei war Jendrišek mit 19 Jahren bereits Torschützenkönig geworden. Insgesamt erzielte er 30 Tore in 56 Spielen und seinem Klub wird klar gewesen sein, dass dieses Juwel nicht zu halten wäre.

In die Bundesliga

Im Sommer 2006 meldete sich 96-Manager Ilja Kaenzig und fragte wegen einer Leihe des Spielers an. Es war derselbe Sommer, in dem auch Gunnar Heidar Thorvaldsson den Weg an die Leine fand. Für ein Jahr mit Kaufoption wurde Jendrišek in die Liga geholt, sollte sich dort einen Platz in der Startelf erarbeiten und den nächsten Schritt machen.

Sein erster Einsatz kam am 5. Spieltag unter dem neuen Trainer Dieter Hecking für eine knappe Viertelstunde gegen den VfL Bochum. Ansonsten saß der Slowake zwar öfter auf der Bank, zu mehr als Einsätzen für die letzten Minuten reichte es aber nicht. Insgesamt neunmal wurde Jendrišek eingewechselt und zeigte sich auf der Bundesliga-Bühne. Als das Saisonende kam, beschloss der Verein und damit der neue Sportdirektor Christian Hochstätter, die Kaufoption nicht zu ziehen und ihn zurück in die Slowakei zu schicken.

Die beste Zeit in Deutschland

Dorthin sollte es aber zunächst nicht gehen. Zweitligist 1. FC Kaiserslautern überwies eine halbe Million Euro in die Slowakei und sicherte sich die Dienste des jungen Stürmers für die nächsten drei Jahre. Während es in der ersten Saison mit fünf Toren und vier Vorlagen noch nicht so grandios lief, wurde es in den nächsten beiden Jahren immer besser. 2008/09 erzielte Jendrišek 14 Tore und legte acht auf, ein Jahr später waren es 15 Tore und drei Vorlagen. Gerade mit der letzten Saison war er maßgeblich daran beteiligt, dass Lautern nach Jahren der Zweitklassigkeit wieder in das Oberhaus aufsteigen konnte. Eine Möglichkeit, für die Pfälzer in der Bundesliga aufzulaufen, ergab sich aber nicht.

Die Leistungen des Jungen blieben in der Heimat nicht unbeobachtet und so kam es, dass er im Oktober 2008 zum ersten Mal zur Nationalmannschaft eingeladen wurde, um der Slowakei bei der WM-Qualifikation für Südafrika zu helfen. Dies gelang auch auf spektakuläre Art und Weise, man gewann die Gruppe C und ließ die größeren Nachbarländer Tschechien und Polen deutlich hinter sich. Jendrišek befand sich deswegen auch im Kader für die WM und reiste im Sommer 2010 mit der „Repre“ zu deren ersten großen Turnier der Geschichte. In der Gruppenphase durfte er beim Unentschieden gegen Neuseeland und dem historischen Sieg über Italien über die volle Zeit mitspielen und stand auch im Achtelfinale gegen die Niederlande in der Startelf, wurde aber beim Stand von 0:1 ausgewechselt und erlebte das Ausscheiden von der Bank.

Rumgetingel

In Gelsenkirchen hatte Felix Magath das Ruder übernommen und verpflichtete jeden Spieler, der nicht direkt nein sagen konnte. Jendrišek, mittlerweile 23, sah gerade nach der erfolgreichen WM der Slowaken die Chance, bei einem Champions-League-Klub anzuheuern und ordentliches Geld zu verdienen. Für Schalke durfte der Slowake in der Hinrunde dreimal in der Bundesliga spielen, darunter auch bei der Heimniederlage gegen Hannover 96 am 2. Spieltag. Dazu gab es ein paar Minuten Champions-League-Luft bei Benfica und ein kompletter Einsatz in der ersten Pokalrunde in Aalen.

Im Januar 2011 war das Abenteuer Schalke schon wieder vorbei und der SC Freiburg sprang ein, um dem Mann eine neue Chance zu geben. In zweieinhalb Spielzeiten durfte Jendrišek nun öfter auf den Rasen und seine Fähigkeiten zeigen, so torgefährlich wie zu Lauterer Zeiten war er im Breisgau aber nicht, immerhin legte er einige Tore auf.

Nachdem der Vertrag in Freiburg 2013 ausgelaufen war, wechselte Jendrišek in die 2. Liga zu Energie Cottbus, vermutlich mit dem Gedanken, so etwas wie mit Kaiserslautern noch einmal zu erleben. Die Zeit in der Lausitz begann auch grandios: In der 1. Runde des DFB-Pokals spielte man beim 1. FC Magdeburg und es war Jendrišek vergönnt, in der 84. Minute das Tor des Tages zu erzielen.

In der Liga ging für Cottbus aber alles schief. Jendrišek traf nur ein einziges Mal, am Ende der Saison 2013/14 war Energie abgeschlagen Tabellenletzter und damit begann dort ein großer Umbruch. Der betraf auch Jendrišek, denn er hatte nur einen Vertrag für die 2. Liga. Und so wandte er sich – mit nunmehr 27 Jahren – der Heimat zu.

Zurück nach Hause

Spartak Trnava hatte sich als Tabellendritter für die Europa League qualifiziert und holte Jendrišek an Bord, um den Einzug in die Hauptrunde zu schaffen. Zwar scheiterte man in den Playoffs am FC Zürich, aber der Stürmer blühte in der Fortuna liga wieder auf und schoss fünf Treffer in 13 Partien, bis er im Winter ein Angebot aus Polen erhielt. Cracovia steckte in großen Abstiegssorgen und so guckte der Klub aus Krakau im Süden Polens über die Grenze und verpflichtete den Offensivspieler. Zwar kam er in der Rückrunde nur auch vier Treffer, aber es reichte, um Cracovia über dem Strich zu halten.

In der laufenden Saison läuft es nun deutlich besser mit Cracovia. Jendrišek ist mittlerweile 29 und ein fester Bestandteil der Offensivreihe, die mit dem Polen Mateusz Cetnarski und dem Letten Deniss Rakeļs komplettiert wird. Die drei ergänzen sich gut und haben großen Anteil, dass Cracovia nach 19 Spieltagen Tabellendritter ist. Jendrišek hat bislang sieben Treffer erzielt und hofft darauf, am Montagabend gegen Korona nachzulegen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Viele Spieler tauchen hier auf, die 2010 vorbeikamen, um die Saison kurzfristig zu retten. Ein weiterer kam auf neun Spiele und wird noch schnell präsentiert: Ján Ďurica, ebenfalls slowakischer Nationalspieler wie Jendrišek, wurde für die Innenverteidigung von Lokomotive Moskau ausgeliehen. Acht Spiele machte er über 90 Minuten, gegen den HSV wurde er zum 0:0 halten eingewechselt. Der heute 34-Jährige ist weiterhin Stammkraft bei Loko und fühlt sich dort sicherlich wohl.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)