Türchen #21

Die Liste von Stürmern, die Hannover 96 verpflichtet hat, um endlich mal einen Torjäger zu haben und die dann doch nie was wurden, ist lang. Die letzten Namen auf der Liste sind Mevlut Erdinç und Charlison Benschop. Guckt man auf der Liste ein paar Jahre nach oben, so findet man einen Bayern, der im Nachhinein lieber gar nicht erst zu Hannover gekommen wäre.

 

Türchen #21: Benjamin Lauth

Benjamin Lauth ist ein Sechzger durch und durch. Geboren wurde er zwar 1981 in der Nähe des Tegernsees in Oberbayern, aber ab der D-Jugend spielte der Stürmer bei 1860 und durchlief dort alle Jugendmannschaften, bis er mit 19 zunächst bei der zweiten Mannschaft auflief und dort in zwei Saisons in Regionalliga Süd und Oberliga Bayern regelmäßige Einsatzzeiten erhielt. Zwar hatte er in Juniorenzeiten auch immer mal Anfragen von den großen Bayern erhalten, diese aber immer ignoriert oder abgelehnt. Sein Debüt in der Bundesliga gab er am 34. Spieltag der Saison 2001/02 in Mönchengladbach, als er beim 4:2-Sieg für Markus Weissenberger kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Sein erstes Tor schoss er kurz nach seinem 21. Geburtstag am 2. Spieltag der folgenden Saison bei Hannover 96, wo er als Joker das 3:1 in der Schlussminute besorgte. Bis zum ersten Spiel von Beginn an musste er aber noch bis zum 6. Spieltag warten, danach war er aus dem Angriff der „Löwen“ nicht mehr wegzudenken.

Zwischen 2003 und 2004 durfte Benjamin Lauth als Nachwuchsspieler auch fünfmal in der Nationalmannschaft bei Freundschaftsspielen mitspielen. Er stand bei diesen Testspielen aber nie in der Startelf und traf in dieser düsteren Nationalelfzeit auch kein Tor.

In seiner ersten kompletten Bundesligasaison schoss er 13 Tore und legte sieben weitere vor, dazu kamen in der Saison 2003/04 noch einmal neun Tore und zwei Assists. Diese reichten aber nicht, um den Abstieg zu verhindern. Lauth wäre gerne länger bei 1860 geblieben, sah aber ein, dass der Verein ihn nicht halten konnte und deswegen wechselte der Stürmer für über 4 Millionen Euro zum Hamburger SV.

Im Norden

Sein erster Einsatz für den HSV kam im Pokalspiel gegen den SC Paderborn, Schiedsrichter war ein gewisser Robert Hoyzer. In der Liga kam er die Woche darauf am 3. Spieltag von der Bank zu seinem Heimdebüt und schoss gleich den 4:3-Siegtreffer gegen den 1. FC Nürnberg. Danach war Lauth wegen einer Knöchelverletzung jedoch zu einer Zwangspause gezwungen und konnte erst zur Rückrunde wieder auflaufen. In dieser traf er noch drei weitere Male und hoffte auf eine bessere zweite Saison. Trainer Thomas Doll vertraute dem Stürmer in der Saison 2005/06 regelmäßig, im UEFA-Cup schoss Lauth zwei Tore, darunter auch beim Achtelfinal-Aus gegen Rapid Bukarest. In der Liga stand er 31-mal auf dem Rasen, konnte aber nur sechs Tore erzielen. Hamburg wurde Dritter in der Liga und qualifizierte sich gegen Osasuna für die Gruppenphase der Champions League. Dort reichte es für Lauth gegen ZSKA Moskau und den FC Arsenal für zwei Kurzeinsätze.

In der Liga wurden die Einsatzzeiten immer geringer, nur zweimal durfte er von Beginn an spielen, weitere viermal kam er von der Bank. Zum Jahresende 2006 stand der HSV im Tabellenkeller und Thomas Doll vor der Entlassung. Der HSV verlieh den mittlerweile 26-jährigen Angreifer zum VfB Stuttgart, der zur Winterpause auf Platz 4 stand, vier Punkte hinter Tabellenführer Werder Bremen. Zwar würde niemand behaupten wollen, dass Benny Lauth entscheidenden Anteil am Meistertitel der Stuttgarter 2007 hatte, aber er kam auf elf Kurzeinsätze und traf gegen Alemannia Aachen. Im DFB-Pokal-Finale saß er 120 Minuten auf der Bank und der VfB verlor gegen Nürnberg im Elfmeterschießen.

96

Die Kaufoption wollte Stuttgart nicht ziehen, der HSV den Stürmer aber auch nicht unbedingt behalten, weil sie sich von Lauth mehr erhofft hatten. Und so sprang Hannover 96 ein und überwies 800.000 Euro an die Elbe. Sein erstes Spiel war direkt gegen den HSV, in dem er kurz vor Schluss eingewechselt wurde. Gegen Karlsruhe am 2. Spieltag stellte ihn Trainer Dieter Hecking in die Startelf. Das war aber einer der wenigen Spieltage, wo Lauth das vergönnt war. Eigentlich saß er nur viel auf der Bank und spielte gelegentlich kurz vor Schluss mit, wie auch am 22. Spieltag, als ihm die Vorlage zum 2:1-Siegtreffer von Szabolcs Huszti gegen Nürnberg gelang.

Lauth sagt selbst, dass er sich die Station in Hannover hätte sparen können, weil einfach nicht viel zusammenpasste. Um der ganzen Geschichte noch einen positiven Spin zu geben, könnte man vielleicht sagen, dass dieses Kapitel ein weiterer Anreiz war, nach Hause zurückzukehren.

Heimwärts

Zur Saison 2008/09 unterschrieb Lauth nämlich wieder beim Kindheitsklub 1860, wo es ihm spürbar besser ging. Zwar spielten die „Löwen“ jetzt 2. Liga, aber Lauth war zuhause. Gleich im ersten Spiel gegen den SC Freiburg traf er, bis zum Saisonende kamen 14 weitere Tore hinzu. Nach einer etwas schwächeren zweiten Saison mit nur sechs Treffern drehte er 2010/11 wieder auf und schoss 16 Tore in 33 Saisonspielen. In all der Zeit bewegte sich der Klub im Mittelfeld der Tabelle, es reichte weder nach oben noch nach unten.

Die gute Form konnte er auch trotz des fortschreitenden Alters weiter halten, in den beiden folgenden Saisons kamen noch einmal elf beziehungsweise zwölf Treffer hinzu. Mittlerweile war Lauth auch fast 32 und so kam es nicht überraschend, dass sich in seiner letzten Saison bei den „Löwen“ 2013/14 die Einsätze verringerten und nach nur drei Treffern der auslaufende Vertrag nicht verlängert wurde.

Ungarn

Für Lauth war das aber noch zu früh zum Aufhören, deswegen wurde er hellhörig, als er einen Anruf von Ferencváros aus Budapest bekam. Sein alter Trainer aus Hamburger Tagen Thomas Doll war dort neuer Coach geworden und suchte ein paar Mitstreiter für das Abenteuer Ungarn. Nachdem sich Lauth mit Gábor Király beraten hatte, konnte dieser ihm Budapest schmackhaft machen. Dazu hatte Doll eine kleine Schar von Bundesligaspielern um sich gesammelt.

In der Saison spielte Lauth noch einmal international, schied aber gegen Rijeka in der Europa-League-Qualifikation aus. In der Liga schoss er sechs Treffer und damit den Verein zum Vizemeistertitel hinter Videoton. Bei den Pokalen wurde aber ordentlich abgesahnt: Ferencváros holte den ungarischen Pokal, den Superpokal und den Ligapokal 2015.

Nach diesem Jahr wartete Lauth mit nun 34 Jahren noch einmal darauf, dass sich ein Verein bei ihm meldete und bei dem er sich vielleicht noch einmal zeigen könnte. Aber auch 1860 wollte ihn nicht ein drittes Mal als Spieler zurückholen und so beendete der Stürmer still und heimlich seine Profikarriere. Er hat genug Pläne, sich als Trainer oder Manager zu probieren, diese wird er jetzt aber langsam und ganz in Ruhe angehen. Er hat ja noch Zeit, bis sein Sohn mit den Sechzgern Champions League spielt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)
Türchen #18 – Ricardo Sousa (18 Spiele, 1 Tor)
Türchen #19 – Sérgio da Silva Pinto (159 Spiele, 19 Tore)
Türchen #20 – Clint Mathis (20 Spiele, 5 Tore)

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