Türchen #18

Wo krankt es wirklich im 96-Spiel? In der Abwehr mit der fehlenden Stabilität? Im Sturm mit der mangelnden Torgefahr? Im Mittelfeld mit der nicht existenten Kreativität? Überall? Nun, im Sommer 2004 hatte Hannover 96 eine grandiose Idee, wie man sich endlich südeuropäische Spielkultur und Spielwitz aneignen könne. Gerade war die EM 2004 in Portugal Geschichte, da zog 96 einen Portugiesen an Land.

 

Türchen #18: Ricardo Sousa

Ricardo André de Pinho Sousa kommt aus einer hochdekorierten Familie. Sein Vater António war in den 80er Jahren mit einer kurzen Unterbrechung Spieler beim FC Porto und stand im Kader, als der Verein im Jahr 1987 den Pokal der Landesmeister gegen den FC Bayern München errang. Zu dem Zeitpunkt war Sohnemann Ricardo acht Jahre alt und begann gerade in einem Vorort Portos das Fußballspielen.

Als Sohn eines Profis eiferte er es natürlich dem Vater nach und wechselte in der A-Jugend zum großen FC Porto, konnte sich dort aber nicht wirklich durchsetzen. Neben einem Einsatz in der Liga gab es zwei Jokereinsätze in der Gruppenphase der Champions League 1999/00 gegen Molde und Piräus. Stattdessen wurde er öfter mal ausgeliehen, am liebsten zu Beira-Mar südlich von Porto, wo Papa António Trainer war. Dorthin ging es in jungen Jahren gleich dreimal, bevor es im Jahr 2002 endgültig dorthin ging. Als Stammspieler mit elf Treffern überzeugte der nun 24-Jährige, so dass es zurück nach Porto zu Boavista ging. Mit 14 Toren in 32 Spielen beendete Boavista die Saison auf Platz acht. Nachträglich wurde Boavista wegen Schiedsrichterbeeinflussungen in dieser Saison 2003/04 mit einem Zwangsabstieg zur Saison 2008/09 bestraft. Der Rechtsstreit darum zog sich noch über Jahre hin und zur Saison 2014/15 wurde der Zwangsabstieg zurückgenommen und Boavista war wieder erstklassig.

96

Aber zurück zu Ricardo: Zu dieser Zeit war alles noch rosig und Ilja Kaenzig holte den Spieler für 750.000 Euro nach Hannover, um das offensive Mittelfeld zu verstärken. Sein Debüt gab er zum Saisonauftakt 2004/05 bei der 1:2-Niederlage in Leverkusen, konnte in dieser ersten Saison aber nur fünfmal spielen. Nach dem September ging es für Sousa aber sportlich nicht mehr voran, Trainer Ewald Lienen verließ sich auf andere Kräfte.

Deswegen wurde Ricardo Sousa in die Niederlande an den Tabellenletzen De Graafschap an der deutschen Grenze ausgeliehen. Für zehn Spiele versuchte Sousa, den Abstieg zu vermeiden, aber dieser ließ sich nicht mehr aufhalten. Zur neuen Saison 2005/06 versuchte Sousa neu anzugreifen, im Oktober hatte er es fast geschafft, als er am 9. Spieltag gegen den 1. FC Köln bei 4:1 ein Tor per Elfmeter schoss und ein weiteres auflegte. Es gab große Hoffnungen für das anstehende Derby gegen Werder Bremen. Der Auftritt dort dauerte ganze 12 Minuten, dann humpelte Sousa mit einem Muskelbündelriss vom Platz.

Als Sousa wieder fit war, stand mit Peter Neururer ein neuer Trainer an der Seitenlinie und unter ihm gab es neue Einsatzchancen, konnte diese teilweise sehr kurzen Spielzeiten aber nicht entscheidend nutzen. Seinen größten Erfolg schaffte Sousa bei einem Sponsorentermin bei Continental, als er mit Thomas Brdarić und Jiří Štajner ein Kart-Turnier gewann.

Weg von 96

Als klar wurde, dass man ohne ihn plante, ging Sousa mit nun 27 Jahren zunächst leihweise zur Saison 2006/07 zurück zu Boavista, wo er in 16 Spielen zwei Treffer erzielte. Obwohl er noch ein Jahr Vertrag in Hannover hatte, wurde dieser im Einvernehmen mit dem neuen Manager Christian Hochstätter aufgelöst und Sousa machte sich auf nach Nikosia zum AC Omonia. Viele Spiele machte er dort aber nicht, ein paar UEFA-Pokal-Spiele in der Qualifikation aber ansonsten in der Liga eher wenig. Umso erstaunlicher war es, dass Jörn Andersen, Trainer von Kickers Offenbach, im Januar 2008 von einem „echten Wunschspieler“ sprach, der dem Team im Abstiegskampf der 2. Bundesliga helfen sollte. Das gelang eigentlich ganz gut, in 16 Spielen traf er einmal und bereitete fünf Tore vor und alles sah gut aus für Offenbach, bis man am letzten Spieltag 0:3 gegen den Konkurrenten VfL Osnabrück verlor und noch von Platz 12 auf Platz 16 stürzte und direkt abstieg.

Es ging zurück nach Portugal in deren zweite Liga, natürlich zu Papa António, der mal wieder den Job in Beira-Mar übernommen hatte. Nach sechs Spielen dort in der Hinrunde ging es zu União de Leiria, mit denen er in die 1. Liga wieder aufstieg. Sein Anteil darf mit vier Kurzeinsätzen aber als gering eingestuft werden.

Mit 30 Jahren zog es ihn kurioserweise in die Slowakei zum NK Drava Ptuj, wo er es bis zum Ende Oktober 2009 aushielt, aber nach sechs Spielen war ihm dieses Abenteuer auch genug. Er blieb bis zum Saisonende 2010 vereinslos, bevor er sich noch einmal in der zweiten portugiesischen Liga die Schuhe für UD Oliveirense schnürte. Nach ein paar Spielen bei unterklassigen Vereinen beendete er seine Spielerkarriere und übernahm das Traineramt bei seinem Jugendverein A.D. Sanjoanense in der dritten Liga.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Ab Januar 2008 probierte sich Sportinvalide Valérien Ismaël in 18 Spielen noch einmal als Fußballer in der 96-Innenverteidigung, nachdem er mit Bremen und Bayern Doublesieger geworden war. Nachdem im September 2008 er aber wieder verletzt war, beendete er seine Karriere und wurde dann Trainer: Erst von Hannover II, dann von Wolfsburg II. Beim 1. FC Nürnberg scheiterte seine erste große Trainerchance sehr schnell, deswegen ist er nun wieder Trainer bei Wolfsburg II.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)
Türchen #17 – Sören Halfar (17 Spiele, 0 Tore)

Türchen #17

Ach, seit wie vielen Jahren klagen 96-Fans über Lücken auf der linken Abwehrseite? Sei es Miiko Albornoz, Edgar Prib oder Christian Pander… am Ende bleibt die Ernüchterung, dass es doch alles nicht funktioniert und man mal einen holen müsste, der es wirklich kann und der sich nicht sofort mit dem Coach überwirft (ja, das geht an dich, „Poco“!)… Aber da war doch mal einer? Ja, direkt nach der Ära „Tanne“ Tarnat, ein Junge aus der Region, hochdekoriert…

 

Türchen #17: Sören Halfar

Sören Halfar ist ein echter Hannoveraner. Geboren im Januar 1987, spielte er seinen ersten Fußball bei der DJK TuS Marathon Hannover. Es ging ziemlich schnell zu den größeren Vereinen, zunächst zum TSV Havelse, danach mit 16 Jahren zu Hannover 96. Dort spielte Halfar schon sehr früh in der A-Jugend und kam dort regelmäßig zum Einsatz, mit 17 spielte er gegen den FC Bayern im Halbfinale um die A-Jugend-Meisterschaft, unterlag jedoch.

Im Januar 2005 mit gerade 18 Jahren reiste Sören Halfar mit der Profi-Mannschaft unter Ewald Lienen ins Trainingslager, sein Mentor und Kollege Michael Tarnat wurde immer älter und verletzungsanfälliger. Deswegen gab Halfar in der Rückrunde 2004/05 sein Debüt für Hannover 96 auf der Linksverteidiger-Position. Insgesamt siebenmal stand er bis zum Sommer auf dem Platz, darunter viermal über die kompletten 90 Minuten.

In der kommenden Saison rückte der Youngster wieder hinter Michael Tarnat in die zweite Reihe zurück, um zu lernen, aber nach einigen längeren Einsätzen folgte eine elendig lange Zwangspause. Im Oktober 2005, kurz nachdem Halfar die erste Fritz-Walter-Medaille in Silber verliehen worden war, riss beim immer noch 18-Jährigen das Kreuzband und setzte ihn bis ins Frühjahr 2006 außer Gefecht. Aber damit nicht genug: Gerade genesen und zurück im Mannschaftstraining – neuer Trainingsleiter war mittlerweile Peter Neururer – verdrehte Halfar sich im April erneut das linke Knie und riss sich das Kreuzband erneut. Sein lang ersehntes Comeback gab Halfar – mittlerweile 20 Jahre alt – im Januar 2007 beim 5:0 gegen Hertha BSC. Der Trainer hieß nun Dieter Hecking.

Weg von Hannover

Bis zum Saisonende saß Halfar auf der Bank und kam noch zu zwei Kurzeinsätzen. Die Saison 2007/08 begann Halfar auf der Linksverteidiger-Position, bis Christian Schulz als Nachfolger für Michael Tarnat verpflichtet wurde. Daraufhin ging der 96er leihweise zum SC Paderborn in die 2. Liga und spielte dort entweder im linken Mittelfeld oder in der linken Verteidigung. Trotz seiner 17 Spiele stieg Paderborn zum Saisonende in die 3. Liga ab. Anstatt zu Hannover 96 zurückzukehren, löste er seinen Vertrag auf und wechselte fest nach Ostwestfalen. Dort fand er seinen Stammplatz in der Linksverteidigung und Paderborn führte die Liga souverän an, als Halfar zum Jahresende 2008 einen Knorpelschaden erlitt und so die komplette Rückrunde, den Aufstieg in die 2. Liga und fast die gesamte Hinrunde verpasste.

Das nächste große Comeback gab Sören Halfar, immer noch erst 22 Jahre jung, im November 2009 gegen Rot Weiss Ahlen. Insgesamt kam er in dieser Saison aber nur auf fünf Einsätze und so wechselte er nach Burghausen zurück in die 3. Liga. Dort überzeugte er als offensiver Linksverteidiger, der mit vier Tore und fünf Vorlagen die Wacker vor dem Abstieg bewahrte und am Saisonende auf Platz 17 landete. Im Sommer 2011 wechselte er zum Ligakonkurrenten nach Sandhausen, der in der Vorsaison noch im Mittelfeld der 3. Liga gelandet war. Nun führte der SV Sandhausen die 3. Liga souverän an, als im Winter 2011 erneut eine Operation anstand: Dieses Mal hatte Halfars Leiste ein Weiterspielen unmöglich gemacht.

Auch ohne Halfars Mithilfe gelang der Aufstieg und das dritte Comeback seiner Karriere mit nun 25 Jahren fand in der 2. Liga beim 1. FC Köln statt. Es reichte für sieben Einsätze in der Liga, bis die Leistenverletzung wieder aufbrach und eine weitere OP fällig wurde. Irgendwann dann muss es Sören Halfar zu blöd geworden sein, ständig OPs, Reha und Einzeltraining zu absolvieren, nur um dann nach wenigen Spielen wieder von Null anzufangen.

Zurück nach Hannover

Und so entschloss sich Sören Halfar, als der SV Sandhausen wegen der Insolvenz des MSV Duisburg wochenlang nicht wusste, ob man nun abgestiegen war oder nicht, mit 26 Jahren seine Profikarriere zu beenden. Sein letzter Profieinsatz war am 29. September 2012 bei 1860 München, seitdem war viel Zeit zum Nachdenken vergangen.

Die Zeit hatte er wohl gut genutzt, denn nicht nur zog er zurück nach Hannover, der Niedersächsische Fußballverband konnte im November 2013 auch verkünden, dass Halfar die erste Stufe der Trainerlaufbahn, den C-Schein, bestanden hatte. Nach weiteren Praktika und Lehrgängen war im Februar 2015 die Elite-Jugend-Lizenz erreicht, mit der man alle Jugendmannschaften außer denen in A- und B-Jugendbundesliga trainieren darf.

Trainerlaufbahn

Nachdem Havelse-Trainer Christian Benbennek im Sommer 2015 zu Alemannia Aachen gewechselt war, übernahm der bisherige A-Jugend-Trainer Stefan Gehrke. Dessen Co-Trainer konnte aber aus familiären Gründen den Job nicht annehmen und so trat Sören Halfar das Amt des Assistenten im Juli an. Als nach neun Spieltagen Gehrke wegen zweier schwerer Niederlagen von seinen Chefaufgaben entbunden wurde, übernahm Halfar für drei Ligaspiele in der Regionalliga Nord das Amt des Interimstrainers und schaffte dort einen Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage, bis Havelse Alexander Kiene vom Konkurrenten BSV Rehden loseisen konnte. Gehrke wurde wieder U19-Trainer, Halfar blieb Co-Trainer.

Mittlerweile steht Havelse auf einem ordentlichen 6. Tabellenplatz in der 4. Liga, der Aufstiegsrundenrang ist allerdings schon zu weit entfernt, um dort noch eingreifen zu können. Für Sören Halfar wird es darum gehen, bei Havelse weiter Erfahrung zu sammeln und zeitnah den A-Schein und vielleicht sogar den Fußballlehrer-Schein zu machen, um wenigstens an der Seitenlinie öfter Bundesligaluft zu schnuppern.

Es ist auf der einen Seite schade zu sehen, dass eine potentiell weite Karriere durch viele frühe Verletzungen so schwer unterbunden wurde, andererseits freut es mich sehr, dass Halfar in so jungen Jahren einen wichtigen Schritt gemacht hat und sich nun an der Seitenlinie sichtlich wohlfühlt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Um beim Thema Ex-Spieler und Jetzt-Trainer zu bleiben, kommt man heute nicht um Jörg Sievers herum. Ich habe ihn trotzdem nicht zum Hauptthema gemacht, weil er das seit 1992 (zurecht) immer wieder war und seine Geschichte weit bekannt ist. Nach der Jugend in Lüneburg und einem Irrweg in Wolfsburg kam die Zeit in Hannover mit dem Pokalsieg und dem Abstieg und dem Aufstieg und dem Weg zurück in die Bundesliga. Mit 37 durfte er endlich Bundesligaluft schnuppern, zumindest 16 Spiele in der Hinrunde und in der letzten Minute des 34. Spieltags, bevor er den Job des Torwarttrainers übernahm. Am letzten Spieltag der Saison 2005/06 war die Not im Tor sogar so groß, dass er mit nun 40 Jahren noch einmal auf der Bank im Torwarttrikot Platz nahm, aber nicht mehr zum Einsatz kommen musste.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)
Türchen #16 – Artjoms Rudņevs (16 Spiele, 4 Tore)

Türchen #16

Wäre das nicht toll, im Winter einen Stürmer zu verpflichten, der in der Rückrunde mit ein paar Toren dafür sorgen könnte, dass man nichts mehr mit dem Abstieg zu tun hat? Der eine kurzfristige Lösung ist, dann aber zurück zum Ligakonkurrenten geht und dort in der zweiten Mannschaft rumgurkt? Gibt’s nicht? Gibt’s wohl! Vorhang auf für…

 

Türchen #16: Artjoms Rudņevs

Geboren zu Zeiten der Sowjetunion war Rudņevs Familie Teil der russischstämmigen Bevölkerung in Lettland. Seine Heimatstadt Daugavpils (auf Deutsch „Schloss an der Daugava“) ist die zweitgrößte Stadt Lettlands, von den knapp 100.000 Einwohnern sind die Hälfte der Einwohner Russen. Dort, im Süden des Landes kurz vor den Grenzen Weißrusslands und Litauens, wuchs Artjoms auf und spielte bei seinem Heimatverein in der Jugend.

In Lettlands Virslīga gilt auch der Spielplan nach der kalendarischen Saison. Mit 18 Jahren gab Rudņevs dort sein Debüt bei damals noch Ditton Daugavpils. Ende 2006 stieg ein russischer Investor ein, benannte den Verein in Daugava Daugavpils um. Dazu baute er ein neues Stadion. Sein erstes Tor schoss Rudņevs in der ersten Saison im Derby gegen Dinaburg Daugavpils beim 3:1-Sieg.

Nachdem es in der Liga dreimal zu fünften Plätzen reichte konnte Rudņevs mit 20 Jahren das erste Mal einen Pokal in den Himmel strecken, als Daugava im Finale des Lettischen Pokals den FK Ventspils mit 3:0 im Elfmeterschießen schlug. Den entscheidenden Elfmeter versenkte Rudņevs.

Nachdem vor der Saison 2009 große finanzielle Probleme bei Daugava auftauchten und man sich gezwungen sah, mit dem Stadtrivalen Dinaburg zu fusionieren und unter deren Namen weiterzuspielen. Rudņevs nahm jedoch den nächsten Schritt und spielte ab dem Winter 2009 in Ungarn.

Osteuropatournee

In der Nemzeti Bajnokság (NB I.) spielte Rudņevs nach einer gewissen Eingewöhungszeit die letzten vier Spiele für den Tabellenvierten Zalaegerszegi aus dem Westen Ungarns. In den vier Spielen knipste er aber direkt zweimal gegen Siófok. In der Saison 2009/10 legte er noch einmal nach und schoss 16 Tore in 25 Partien, legte dazu noch sechs Tore auf. Damit wurde „ZTE“ Tabellenfünfter konnte aber dennoch den europäischen Wettbewerb erreichen, weil man im Pokalfinale gegen Meister Debreceni verlor.

In der Qualifikation für die Europa League ging es im Sommer 2010 gegen KF Tirana, Rudņevs spielte das zweite Spiel komplett, musste aber nach 120 Minuten durch ein Tor in der Verlängerung die Segel streichen. Nur wenige Tage später verließ Rudņevs Ungarn und wechselte nach Polen zu Lech Poznań. Der polnische Meister suchte noch Spieler für den Sturm, dazu war er trotz des Spiels für „ZTE“ in Europa spielberechtigt.

Sein Auftakt verlief komplett nach Maß, traf beim Debüt von der Bank, insgesamt schoss er in seiner ersten Saison elf Treffer. Am Ende stand Poznań auf Platz 5 und verlor das Pokalfinale im Elfmeterschießen – Rudņevs traf seinen jedoch. Noch besser lief es in Europa: Im ersten Gruppenspiel gegen Juventus Turin schoss der Lette einen Hattrick und war damit für das 3:3-Endergebnis im Grunde alleine verantwortlich. Ein weiteres Tor gegen Juve im 1:1 im Rückspiel und ein Tor im Sechzehntelfinale gegen Braga zeigten nur auf, wie gut die kommende Saison werden würde.

Nach ersten Nominierungen schon während seiner frühen Zeit in Lettland häuften sich Rudņevs Auftritte für die Nationalmannschaft während der Zeit in Polen. Im Jahr 2011 schoss Rudņevs in der EM-Qualifikation gegen Malta seinen bislang einzigen Treffer für Lettland. Durch Interviews in der Heimat machte er sich als russischstämmiger Spieler unbeliebt, als er behauptete, man müsse nicht besonders gut Lettisch sprechen um für Lettland zu spielen. Später revidierte er das, aber der Schaden war angerichtete.

In der Saison 2011/12 landete Poznań zwar nur auf Platz 4, aber Rudņevs lief richtig heiß. 22 Treffer in 29 Spielen bedeutete ein einsames Rennen in der Torjägerliste, insgesamt schoss er in dieser Saison vier Hattricks. Klar, dass da auch die deutschen Vereine auf ihn aufmerksam wurden, nachdem vor ihm ein gewisser Robert Lewandowski Torschützenkönig geworden war.

Deutschland

Für 3,5 Millionen Euro holte der Hamburger SV den „nächsten Lewandowski“ an die Elbe und Rudņevs machte in seiner Startsaison in der Bundesliga keinen schlechten Eindruck. Mit 12 Treffern in der Saison 2012/13 schickte er den HSV auf Platz 7, nur knapp an der Europa League vorbei. Als der HSV in der Folgesaison zur Überraschung aller die erste Pokalrunde überstand, hatte „Rudi“ zwei Treffer gegen Schott Jena erzielt. In der Liga tauchte Rudņevs nun aber immer seltener auf. Das hatte natürlich auch mit den dann wieder öfter wechselnden Trainern zu tun. Unter Thorsten Fink hatte er noch gespielt, unter van Marwijk war er dann zu Kurzeinsätzen gezwungen. Klar, dass er dann zur Leihe nach Hannover kommen wollte.

Leihzeit

Für den neuen Trainer Tayfun Korkut hatte sich Dirk Dufner ein neues Präsent überlegt, um den Nichtabstieg in der Saison 2013/14 zu schaffen. Mit 18 Punkten in der Hinrunde – alle im Niedersachsenstadion geholt – hatte Mirko Slomka die Interviews von Martin Kind nicht überlebt und musste zum Jahresende gehen.

Rudņevs schlug ein wie eine Bombe, schoss in den ersten beiden Rückrundenpartien gegen Wolfsburg und Gladbach Tore, dazu kamen noch Treffer gegen Leverkusen und Freiburg am letzten Spieltag. Viel wichtiger war aber vielleicht seine Leistung gegen den HSV, als er einen Treffer auflegte und mit dem 2:1-Sieg Korkuts Job vorerst rettete. Trotz der vier Tore und insgesamt vier Vorlagen wurde die Kaufoption nicht gezogen und er kehrte mit nun 26 Jahren zurück nach Hamburg.

Zurück

In der letzten Chaos-Saison 2014/15 hatte Rudņevs beinahe mehr Trainer als Spiele. Unter Slomka gab es Kurzeinsätze, Josef Zinnbauer gab dem Letten ein paar mehr Chancen – unter ihm schoss er auch sein einziges Saisontor beim Derby-Sieg gegen Werder Bremen. Unter Peter Knäbel stand Rudņevs gar nicht im Kader, aber zum Saisonende unter Bruno Labbadia hatte er wieder Einsatzzeiten.

Die hat er in dieser Saison aber nur noch in der 2. Mannschaft des HSV. In fünf Partien in der Regionalliga Nord traf er dreimal und wartet darauf, dass der Vertrag im Sommer 2016 ausläuft und er bei einem neuen Verein wieder knipsen kann.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)
Türchen #15 – Valdet Rama (15 Spiele, 0 Tore)

Türchen #15

Gestern ging es um einen Spieler, der als Kind aus Afrika nach Europa kam. Heute behandelt der Blogpost einen jungen Mann, der aus einem europäischen Kriegsgebiet fliehen musste und in Deutschland eine neue Heimat fand.

 

Türchen #15: Valdet Rama

Valdet Rama stammt aus Mitrovica im Kosovo, welches zum Zeitpunkt seiner Geburt noch ein Teil des gesamten Staates Jugoslawien war. In den folgenden Jahren kam es in den Jugoslawienkriegen zu neuen Staaten, Teilstaaten, Massakern und viel Leid und Elend in den jugoslawischen Teilrepubliken. Im Jahr 1995 war der Bosnienkrieg endlich beigelegt worden, im Kosovo schwelte der Konflikt aber weiter, bis 1999 auch dort der Krieg ausbrach. Bis dahin war es aber trotzdem schon sehr unsicher im Norden Kosovos geworden, so dass sich die Familie Ramas im Jahr 1996 entschloss, nach Deutschland zu fliehen.

Wolfsburg und Ingolstadt

Rama kam zunächst in Hagen unter, dem „Tor zum Sauerland“. Dort spielte er Fußball in der Jugend und bewies sein Potential, spielte später in Iserlohn und dann in der Jugendabteilung von Rot-Weiß Essen. Dort beeindruckte der Albaner so sehr, dass die Amateurmannschaft vom VfL Wolfsburg auf ihn aufmerksam wurde und Trainer Uwe Erkenbrecher den 17-Jährigen verpflichtete. Bei seinem Debüt in der Oberliga Nord gegen Brinkum schoss er nach drei Minuten nach 1:0. In den beiden Jahren in der Oberliga schoss Rama in 30 Spielen zehn Treffer, zur Saison 2007/08 stieg die Wolfsburg-Reserve auf. In der letzten Saison der alten Regionalliga Nord konnte Wolfsburg II aber nicht mithalten und wurde Tabellenletzter, Rama konnte nicht ein Tor erzielen.

Der nun 20-Jährige wollte sich nun beweisen und unterschrieb einen Vertrag beim FC Ingolstadt, welcher gerade aus der Regionalliga Süd in die 2. Bundesliga aufgestiegen war. Seine Saison 2008/09 begann sehr stark mit einem Tor und zwei Vorlagen in den ersten drei Spielen, er erzielte wie den ersten Zweitligatreffer auch das zweite Saisontor gegen Greuther Fürth. Insgesamt reichte es für den Aufsteiger jedoch nicht und man rutschte im Laufe der Saison auf Rang 17 ab und stieg in die neuformierte 3. Liga ab.

15x 96

Der neue 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke holte den Albaner nach Hannover, um zur Saison 2009/10 die beiden Außenbahnen zu beleben. Sein Debüt für 96 war die 1:3-Pokalpleite gegen Mario Baslers Eintracht Trier, die in der Saison zum Pokalschreck avancierten. In der Liga machte Rama sein erstes Spiel gegen Mainz 05 und legte im Laufe der Saison noch 14 weitere Spiele nach, bei denen er auf beiden Außenbahnen zum Einsatz kam. Dabei machte er den Großteil seiner Spiele unter Andreas Bergmann, weil Dieter Hecking nach dem Mainz-Spiel seine Sachen packen musste. Unter Mirko Slomka hatte Rama nur noch wenige Einsätze, immer öfter spielte Rama in der zweiten Mannschaft.

In der Saison 2010/11 spielte er bis zum Winter unter Andreas Bergmann bei Hannover II in der Regionalliga Nord und schoss dort im Dezember 2010 auch sein einziges Tor in den Trikots der „Roten“. Es war aber abzusehen, dass er in der Bundesliga keine Chance mehr hatte und sah im Februar 2011 seine Chance, in der Allsvenskan bei Örebro SK durchzustarten.

Europareise

Für zwei Jahre spielte Rama in Schweden und war dort Stammspieler in der ersten Saison, in der der Verein im unteren Mittelfeld landete, dabei erzielte er acht Tore. Im Sommer 2011 spielte Rama Europa-League-Qualifikation, schied aber gegen Sarajevo aus. In der zweiten Saison verringerten sich Einsatzzeiten und Tore und zum Saisonende stieg Örebro in die Superettan ab. Im Januar 2013 wechselte Rama mit nun 25 Jahren in die Primera Division zu Aufsteiger Real Valladolid. Nachdem er mit ein paar Kurzeinsätzen überzeugen konnte, spielte er in der Saison 2013/14 31-mal und schoss auch ein Tor gegen Athletic Bilbao. Zum Saisonende stand Valladolid aber dennoch auf Platz 19 der spanischen Liga und stieg ab.

Wichtiger war für den Kosovaren aber während seiner Zeit in Spanien seine Nominierung für die albanische Nationalmannschaft und seine ersten Länderspiele. Im Juni 2013 schoss er in seinem zweiten Länderspiel gegen Norwegen beim 1:1 sein erstes Tor für Albanien. In der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 wurde Albanien aber nur Vorletzter in der Gruppe. Insgesamt hat er bislang 15 Länderspiele gemacht und dabei drei Tore geschossen.

Zurück nach Deutschland

Nach dem Abstieg mit Valladolid wechselte Rama zu 1860 nach München. Mit drei Toren und vier Treffern in 26 Spielen half er 1860 zumindest auf den 16. Platz und damit rettete sich der Münchener Klub in die Relegation gegen Holstein Kiel. Nachdem es im Rückspiel kurz vor Schluss ganz schwarz aussah und der Abstieg fast beschlossen war, schloss Rama aus 25 Metern komplett verzweifelt ab, vom Pfosten prallte der Ball auf den Fuß von Innenverteidiger Kai Bülow und der verwandelte zum 2:1.

In der neuen Saison läuft es für 1860 nicht besonders besser, dazu hat Rama fast die komplette Hinrunde mit Adduktorenproblemen aussetzen müssen. Am Wochenende konnte der nun 28-Jährige aber ein kurzes Comeback bei der 1:3-Niederlage gegen Heidenheim feiern. Am kommenden Sonntag kann Rama beim SC Freiburg für einen Lichtblick vor dem Weihnachtsfest sorgen.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Auch Innenverteidiger Carsten Linke hat genau 15 Erstligaspiele für Hannover gemacht, bevor er seine lange Karriere mit 37 Jahren beendete, in der er 96 aus der Regionalliga in die 1. Liga führte. Am 6. Spieltag köpfte Linke den Ball zum zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer gegen den VfL Bochum in die Maschen, bevor man das Spiel kurz vor Schluss noch abschenkte und 2:2 spielte.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)
Türchen #14 – Johan Djourou (14 Spiele, 0 Tore)

Türchen #14

Nach den letzten Tagen, bei denen teilweise sogar verdiente Spieler im Adventskalender auftauchten, begeben wir uns in den folgenden Tagen wieder zurück auf den Pfad der Legenden mit Kurzeinsätzen. Heute also ein Schweizer mit genau 14 Bundesligaspielen für Hannover 96…

 

Türchen #14: Johan Djourou

Johan Djourou wurde in der Elfenbeinküste geboren, zog aber mit 17 Monaten mit seiner Familie in die Schweiz. Die ganze Geschichte ist etwas kompliziert, denn er ist das Ergebnis einer Affäre, aber die betrogene Ehefrau wurde später seine Adoptivmutter. So kommt Djourou an zwei Staatsangehörigkeiten, die schweizerische und die ivorische.

In seiner Jugend spielte er zuerst im Sturm und rückte dann immer weiter in der Aufstellung nach hinten – eine nicht ungewöhnliche Karriere von Verteidigern. Die Scouts des FC Arsenal treiben sich ja bekanntermaßen überall herum und wurden beim Beobachten von Schweizer Jugendspielen auf den hoch aufgeschossenen 16-jährigen Djourou im defensiven Mittelfeld aufmerksam und holten den Jungen in ihre Akademie nach London.

Versuche, sich zu etablieren

Die ersten Chancen auf Spielminuten ergeben sich bei Arsenal traditionell im League Cup, in dem öfter mal Nachwuchsspieler und Kaderspieler ihre Spielpraxis bekommen. In der Saison 2005/06 gab es die ersten Auftritte, als er gerade 19 geworden war, dazu kamen erste Einsatzzeiten in der Premier League. Auch die Schweizer Nationalmannschaft wusste um das Potential des Verteidigers und ermöglichte ihm im Frühjahr 2006 das Debüt in der Nationalmannschaft und nominierte ihn für die WM 2006, bei der er in zwei Gruppenspielen und dem verlorenen Achtelfinale gegen die Ukraine eingewechselt wurde.

In der Folgesaison machte er 21 Spiele für Arsenal in der Premier League und hatte seinen ersten Auftritte in der Champions League. Um ihm noch mehr Spielpraxis zu ermöglichen, wurde er zu Beginn der Saison 2007/08 an Birmingham City ausgeliehen. Nach 13 Spielen in der Innenverteidigung dort ging es zurück nach London, wo er den Rest der Saison mit großen Leistenproblemen aussetzen musste und erst zum Saisonende ein paar Mal spielen konnte. Die Heim-EM verfolgte er ausschließlich von der Ersatzbank und musste zusehen, wie die Schweiz in der Vorrunde ausschied.

In der Saison 2008/09 spielte er wieder regelmäßiger, musste aber zum Saisonende einen weiteren Rückschlag hinnehmen: In einem der letzten Saisonspiele erlitt er eine schwere Knieverletzung und ließ sich im September 2009 operieren. Damit fiel er fast die komplette Saison verletzt aus. Die Einsatzzeit belief sich auf ein Comeback über 28 Minuten am letzten Spieltag der Saison. Dadurch war er auch nicht in der Lage, an der WM 2010 in Südafrika teilzunehmen, ihm fehlte Spielpraxis und Fitness.

Die bekam er in den nächsten beiden Jahren, als er wieder versuchte, endlich Stammspieler bei Arsenal zu werden. Zwar war er mit nun 23 immer noch sehr jung, hatte aber schon sowohl Spiele wie auch Verletzungen wie ein alter Hase gesammelt. Am 5. Februar 2011 schoss er sein einziges Liga-Tor für Arsenal, als man legendär eine 4:0-Führung bei Newcastle United verspielte und nach dem 4:4-Ausgleich fast sogar noch verloren hätte. Als er in der Saison 2012/13 gar nicht mehr spielte und seine Hauptaufgabe darin bestand, als Moderator bei Arsenal TV zu arbeiten, entschloss sich der Verein doch, den nun fast 26-Jährigen erneut zu verleihen.

14 Spiele bei 96

Er reiste ins Trainingslager nach Portugal und bereitete sich dort mit Hannover 96 auf die Rückrunde vor. Bei 96 waren Felipe und Andrööösen mal wieder verletzt und man brauchte etwas Hilfe in der Defensive. Gegen Schalke 04 – an seinem 26. Geburtstag – gab er sein Debüt an der Seite von Landsmann Mario Eggimann und das 4:5 wird man noch lange in Erinnerung behalten, allerdings weniger wegen defensiver Effektivität sondern mehr wegen Schnitzer und dem Fallrückzieher von Mame Diouf.

Wichtig für 96 war, dass Djourou auch in der Europa League mitwirken konnte und so stand er in beiden Sechzehntelfinal-Spielen gegen Anzhi Makhachkala auf dem Platz und kümmerte sich um Samuel Eto’o. Allerdings schied man nach großen Kampf und starkem Anrennen trotzdem aus, die Runde hatte man im Hinspiel in Moskau verloren. Trainer Mirko Slomka hielt aber große Stücke auf Djourou und ließ ihn jedes Spiel starten, musste nur dreimal auf den Schweizer verzichten, als dieser mit einem Muskelfaserriss ausfiel.

Weiter beim kleinen HSV

Eigentlich hatte man sich bei 96 schon vorstellen können, den Verteidiger auch weiter zu beschäftigen, vielleicht noch einmal auszuleihen oder zu kaufen. Nach der Rückrunde 2013 brauchte aber auch der Hamburger SV etwas Stabilität in der Abwehr und so überbot man Hannover und sicherte sich die Dienste des Schweizers. Dem FC Arsenal wird es herzlich egal gewesen sein, Hauptsache man war den Kaderspieler endlich los. Deswegen schrieb man auch eine automatische Kaufoption nach 20 Einsätzen in den Leihvertrag, die sich dann auch zum Saisonende erfüllte. Für knapp unter 3 Millionen Euro war Djourou nun ein Hamburger.

Durch die Spiele beim Hamburger SV, die er eigentlich alle bestritt, wenn er nicht gerade einen Muskelfaserriss hatte, spielte er sich auch wieder in den Fokus der Nationalmannschaft, die nach der verpassten EM 2012 sich nun für die WM in Brasilien qualifiziert hatte. Bevor Djourou nach Rio fliegen konnte, musste er aber zunächst ein Finale mit dem HSV spielen – die Relegation gegen Greuther Fürth. Nachdem dies vollkommen überzeugend gelang und man haushoch dank der Auswärtstorregel die Klasse hielt, ging es zur WM, in der Djourou über die komplette Distanz auf dem Platz stand und gegen den späteren deutschen Finalgegner Argentinien erst in der Verlängerung ausschied.

Nachdem Djourou in der Saison 2014/15 32 Ligaspiele machte und dabei auch öfter die Kapitänsbinde von Rafael van der Vaart übernahm, verteidigte er im Mai 2015 seinen Relegationstitel gegen den Karlsruher SC und wurde nach dem Abgang van der Vaarts auch offiziell Kapitän. Mit nun fast 29 Jahren hat der Schweizer seine Torgefährlichkeit entdeckt und in der laufenden Saison bereits gegen den VfB Stuttgart und Mainz 05 getroffen. Am vergangenen Wochenende lag er krank im Bett und konnte gegen den VfL Wolfsburg nicht mitspielen, gegen den FC Augsburg spielt er aber sicher wieder mit und im Sommer 2016 wird er – sofern er sich nicht verletzt – auch an der EM 2016 in Frankreich teilnehmen und dort ein besseres Ergebnis als das Vorrundenaus bei der Heim-EM erwarten.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)
Türchen #13 – Mohamadou Idrissou (64 Spiele, 13 Tore)

Türchen #13

Was nach dem Grottenkick am Samstag gegen Hoffenheim besonders offensichtlich war, war das Fehlen eines Knipsers. Nun hatte 96 nie wirklich Torjäger gehabt, aber zumindest einen gab es, der in 64 Spielen für Hannover 96 13-mal traf, um danach nur noch wegen seiner großen Schnauze Aufsehen zu erregen.

 

Türchen #13: Mohamadou Idrissou

Mit 20 Jahren kam Mohamadou Idrissou aus Kamerun in die Oberliga, als der FSV Frankfurt sich im Januar 2001 die Dienste des Stürmers sicherte. Seine erste Station in Deutschland war sehr erfolgreich, in der unterklassigen Liga machte er in der Rückrunde 15 Tore in 18 Spielen. Bereits im Sommer wechselte er eine Liga höher in die Regionalliga zum SV Wehen, wo er 13-mal knipste und so die Blicke des Bundesliga-Aufsteigers auf sich lenkte.

Um sich im Sturm zu verstärken, holte Ralf Rangnick Idrissou an die Leine und dort spielte dieser sich schnell in die Startelf. In der Saison 2002/03 erzielte er neun Tore, darunter einen lupenreinen Hattrick gegen den 1. FC Nürnberg in 15 Minuten beim 4:2-Sieg am 20. Spieltag. In der Folgesaison erzielte er vier Treffer, danach begann sein Standing aber zu bröckeln. Immer häufiger war er gar nicht mehr im Kader oder spielte nur für wenige Minuten, eine Leihe im Januar 2005 nach Frankreich zu Caen verlief auch nicht erfolgreich.

Im Januar 2006 sollte der permanente Wechsel zum MSV Duisburg stattfinden, es war alles vorbereitet. Bei Hannover hatte Idrissou einen Auflösungsvertrag unterschrieben, der neue Vertrag war auch so gut wie unterschrieben, jedoch fiel „Mo“ doch noch durch den Medizin-Check und war die komplette Rückrunde vereinslos. Im Sommer 2006 klappte der Wechsel nach Duisburg aber trotzdem noch, auch wenn der MSV gerade abgestiegen war. Nach nur einer Saison in der 2. Liga stieg man direkt wieder auf, Idrissou traf achtmal und legte 12 Tore auf. Auf seinen Ex-Klub Hannover traf er im Pokal-Achtelfinale, schied dort aber deutlich aus.

„Die ganze Nacht, von 12 bis 8!“

Nach dem Aufstieg war er aber weniger erfolgreich, traf keinmal und wechselte im Januar 2008 zurück in die 2. Liga zum SC Freiburg. Nach seiner ersten kompletten Saison im Breisgau verhalf er auch diesem Verein zum Aufstieg, als er erneut 13-mal traf. Zurück in der Bundesliga wurde er durch eine Trainingsäußerung bundesweit bekannt und zur Lachnummer: Jeder kennt die Geschichte, wie er den Freiburger Kollegen erklärte, auf solche Absteiger habe er keinen Bock, er würde eh bald Champions League spielen. So war nach dem geschafften Klassenerhalt der Abschied nach Mönchengladbach vorgezeichnet.

Mit den „Fohlen“ wurde es aber mal so gar nichts mit dem Angriff auf die Königsklasse, stattdessen kam das einzige Final-Erlebnis in der Relegation gegen den VfL Bochum, bei dem der Abstieg gerade noch so verhindert werden konnte. Die Freiburg-Fans hatten beim Besuch der Gladbacher ihre helle Freude. Man gewann 3:0 und konnte Idrissou mit dem neu gedichteten „PS3-Song“ so richtig einen reindrücken. Das Lied wurde sofort zum Klassiker, Idrissou blieb zur Halbzeit verletzt in der Kabine.

Immer wieder 2. Liga

Nach dem Nicht-Abstieg musste sich „Mo“ einen neuen Verein zum Champions League spielen suchen, bei Gladbach wollte man es ihm wohl nicht mehr zugestehen. In Frankfurt unterschrieb er bei der Eintracht und versuchte dort erneut, einen Zweitligisten in die Bundesliga zu schießen. Mittlerweile war Idrissou auch schon 30 Jahre alt und so bullig wie er immer noch war, die Schnelligkeit ließ langsam nach. Aber auch mit dem dritten Verein gelang ihm der Aufstieg: 14 Tore und sechs Vorlagen zeigen ganz genau sein Level: Er war ein sehr guter Zweitligastürmer.

Deswegen wechselte er 2012 auch zum Absteiger aus Kaiserslautern, schaffte es aber trotz 30 Treffern in zwei Spielzeiten nicht zurück in die 1. Liga, man scheiterte in der Relegation an der TSG Hoffenheim. Auch hier war er abseits des Rasens Gesprächsthema, ließ regelmäßig Macho-Sprüche raus und sorgte eher für Kopfschütteln als Erheiterung.

Rumgetingel

Nach dem Abenteuer 2. Liga entschloss sich Idrissou noch einmal ein paar exotischere Vereine anzuschauen. Über kurze Abstecher bei Maccabi Haifa in Israel und KF Shkëndija in Mazedonien landete er in der Oberliga Niederrhein beim KFC Uerdingen. Dort ist er mit mittlerweile 35 Jahren immer noch aktiv und spielt regelmäßig, hat in der Hinrunde sieben Treffer erzielt. Uerdingen steht auf dem 3. Platz und schielt mit einem Auge Richtung Regionalliga West.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)
Türchen #12 – Hanno Balitsch (150 Spiele, 12 Tore)

Türchen #12

Die Kunstform des „Aggressive Leader“ ist in den vergangenen Jahren ja etwas aus dem Fokus der Bundesliga verschwunden. Zwar gibt es noch den einen oder anderen defensiven Mittelfeldspieler, der gerne einmal austeilt, aber im Mannschaftsgefüge spielt er eher eine untergeordnete Rolle. Hinter diesem Türchen steht nun ein solcher Anführer, der bei Hannover 96 Mannschaftskapitän wurde und sich im Laufe seiner Karriere mit eigentlich jedem Trainer überwarf.

 

Türchen #12: Hanno Balitsch

Hanno Balitsch kommt aus Alsbach in Hessen, etwas südlich von Darmstadt und auf dem Weg Richtung Mannheim. In der Jugend war er ein komplettes sportliches Multitalent: Mit fünf Jahren begann er das Fußballspielen im Dorfverein, im Gymnasium in Bensheim trat er der Leichtathletik-Leistungsgruppe bei und durchlief alle Wettkampfmannschaften bei „Jugend trainiert für Olympia“. Als dreimaliger Hessenmeister fuhr er mit der Mannschaft zum Bundesfinale nach Berlin, lief die Staffel und schleuderte den Speer. Bis zur B-Jugend blieb er Leichtathlet, qualifizierte sich für die 300-Meter-Hürden bei den deutschen Jugendmeisterschaften und wurde Hessenmeister im Hochsprung. Fußball war zu dem Zeitpunkt zunächst noch Ausgleich, als Balitsch jedoch merkte, dass ihn das Leichtathletik-Training im Fußball weiterbrachte, blieb er beim Ballsport.

1998 wechselte er zu Waldhof Mannheim, weil es dort im Vergleich zum näher gelegenen Darmstadt die bessere fußballerische Weiterentwicklung gab. Er debütierte in der U16-Nationalmannschaft und durchlief auch die weiteren Jugendnationalteams, teils als Kapitän. Bei Waldhof Mannheim debütierte er als 19-Jähriger in der 2. Liga gegen den VfL Bochum im April 2000, kurz vor seinem Abitur. In der darauf folgenden Saison 2000/01 spielte der Youngster in 25 Zweitligaspielen und verpasste mit Waldhof den Aufstieg in das Bundesliga-Oberhaus nur um einen Punkt.

Sprung in die 1. Liga

Mit 20 Jahren wechselte Balitsch zum 1. FC Köln um Erstligaluft zu schnuppern und die Karriere nach vorne zu befördern. Hier machte er 24 Spiele, zum Saisonende stand der Effzeh aber auf Platz 17, welcher den Abstieg in die 2. Liga bedeutete. Da meldete sich der Nachbar aus Leverkusen, der gerade die Vizekusen-Saison hinter sich hatte und neues Spielermaterial brauchte. Trotz der großen Konkurrenz im Leverkusener Kader wurde Balitsch Stammspieler, auch wenn er immer häufiger als Innenverteidiger eingesetzt wurde. In der ersten Saison wäre man sogar beinahe abgestiegen, konnte das Ruder gerade noch herumreißen. Die Saison 2003/04 verlief da schon erfolgreicher, ohne die internationale Doppelbelastung wurde man Tabellendritter. Mit Leverkusen spielte Balitsch in der ersten und dritten Saison Champions League, spielte in Haupt- und Zwischenrunden gegen Manchester United, FC Barcelona, Real Madrid und einige mehr. Im März 2003 machte Balitsch sein einziges Länderspiel für Deutschland, als er bei einem Freundschaftsspiel gegen Spanien auf Mallorca eingewechselt wurde.

Als er in der Hinrunde 2004/05 aber kaum noch eingesetzt wurde, wechselte er in der Winterpause zu Mainz 05, wo er unter Jürgen Klopp seine Spielzeiten wieder zurückerlangte und Stammspieler wurde. Dazu spielte er wieder konstant im defensiven Mittelfeld und konnte so seine Qualitäten als harter und konsequenter Abräumer unter Beweis stellen.

96

Im Sommer 2005 holte Ewald Lienen den nun 24-Jährigen  Hessen nach Hannover, Lienen hatte ihn schon aus Mannheim nach Köln gelotst. In den fünf Saisons an der Leine war Balitsch fast immer Stammspieler, dabei war er nur nominell defensiver Mittelfeldspieler. Bis auf Torhüter hatte er in der Zeit fast alle Positionen schon gespielt, von Linksaußen bis rechter Verteidiger. Sein Standing in der Mannschaft änderte sich auch unter den verschiedenen Trainern nicht, seien es Lienen, Peter Neururer, Dieter Hecking oder Mirko Slomka. Mit Hecking geriet Balitsch aber in der Saison 2008/09 in einer Halbzeitpause richtig aneinander, so dass der Trainer den dann schon Kapitän für ein Spiel suspendierte. Nach einem klärenden Gespräch in der Winterpause wurde das Thema jedoch ausgeräumt.

In den exakt 150 Bundesligaspielen für Hannover 96 kam Hanno Balitsch auf 12 Treffer, im Gegensatz dazu stehen 44 gelbe Karten und ein Platzverweis. Sein erstes Tor erzielte er am 30. Spieltag der Saison 2005/06 gegen den VfB Stuttgart, als er bei einem 3:3 nach nur 90 Sekunden das 1:0 formvollendet in die Maschen grätschte. Der zweite Treffer kam ein halbes Jahr später und war ein Siegtreffer zum 1:0 gegen Mönchengladbach.

Seine erfolgreichste Saison in offensiver Hinsicht war die Saison 2007/08, als er gleich viermal traf und dazu noch zwei Tore auflegte. Im Frühjahr 2008 verlängerte er seinen auslaufenden Vertrag mit 96, avancierte im Herbst in Abwesenheit eines erkrankten Robert Enke kurzzeitig zum Kapitän der „Roten“. Nachdem dieser im November 2009 verstorben war, begann die bekannte Negativspirale der Mannschaft und die Rettung passierte in letzter Sekunde. Balitsch erklärte nach dem Suizid, Enke habe sich ihm anvertraut

Am 30. Spieltag der Saison 2009/10 schoss Balitsch das vielleicht wichtigste Tor seiner 96-Zeit, als der Verein als Vorletzter den Tabellenzweiten Schalke 04 empfing. Balitsch saß auf der Bank und sah, wie 96 2:0 in Führung ging. Als sich Manuel Schmiedebach verletzte, wurde der 29-Jährige nach nur 36 Minuten eingewechselt. Die zweite Halbzeit begann wie ein Albtraum, als Schale mit zwei schnellen Toren ausglich. Es lief die 80. Minute, als 96 die kopflosen Bemühungen der Schalker bestrafte und konterte. Steve Cherundolo legte den Ball an die Strafraumkante zurück, Balitsch legte all seine Wut in den Schuss und erzielte das 3:2, in der Nachspielzeit erhöhte man gar noch auf 4:2.

Zurück nach Leverkusen

Einen neuen Vertrag unterschrieb Balitsch in Hannover nicht, kehrte lieber zurück zu Bayer, konnte sich dort aber den Stammplatz nicht wieder erarbeiten, weder unter Jupp Heynckes noch unter Robin Dutt. Im Grunde wurde er immer in den letzten Minuten eingewechselt, durfte noch einmal Champions League spielen und wurde Vizemeister, wohl fühlte er sich aber nicht. Als ihm im November 2011 nahegelegt wurde, sich einen neuen Verein zu suchen, meldete sich im Januar 2012 sein alter Trainer Dieter Hecking, der jetzt beim 1. FC Nürnberg angestellt war. Balitsch half dort als Rechtsverteidiger aus und war wieder Stammspieler, bis er sich erneut mit den Trainern überwarf. Mittlerweile hieß der Coach Michael Wiesinger und dieser suspendierte ihn im Grunde für die gesamte Hinrunde 2013/14, auch wenn Wiesinger selbst nach dem achten Spieltag entlassen worden war. In der Rückrunde spielte Balitsch unter Gertjan Verbeek und Roger Prinzen noch neun Spiele, der Glubb stieg aber trotzdem ab.

Zurück in die Heimat

Mit mittlerweile 33 Jahren hatte Hanno Balitsch mit seiner Familie das Nomadenleben satt und zog zurück nach Bensheim, wo er ja schon sein Abitur gemacht hatte. Trotzdem reizte ihn das Fußballspielen immer noch und so spielte er für ein Jahr beim FSV Frankfurt, pendelte regelmäßig in die Großstadt. Für die Bornheimer stand er ab dem 3. Spieltag als Innenverteidiger auf dem Platz, das Debüt war ausgerechnet gegen den Glubb aus Nürnberg und natürlich schoss er den 1:0-Siegtreffer. Mit seiner Hilfe verhinderte der FSV den Abstieg, für Balitsch ging es aber nun noch einmal zurück zum Klub seiner Jugend.

Im Sommer 2015 wurde Balitsch immer mehr zum Teilzeitfußballer, er hatte einen Job beim ZDF angenommen, plante seinen Trainerschein und dazu ein Aufbaustudium in Richtung Sportmanagement, nachdem er nach dem Abitur bereits ein Fernstudium in der Richtung gemacht hatte. Für ihn war klar, dass man damit nicht mehr in der 2. oder 3. Liga spielen könne, deswegen wechselte er zurück zu Waldhof Mannheim in die Regionalliga Südwest. Dort ist der Routinier Kapitän und wie gewohnt Abräumer im defensiven Mittelfeld. Was nach dieser Saison passiert, steht noch nicht fest, vielleicht hängt er die Treter komplett an den Nagel, vielleicht spielt er noch ein Jahr. Er wird dem Fußball aber immer verbunden bleiben, die entsprechenden Weichen hat er vor Jahren gestellt.

Eine echte #h96legende.

 

Noch jemand?

Heute nicht.

 

Türchen #1 – Daniel Haas (1 Spiel, 0 Tore)
Türchen #2 – Marius Stankevicius (2 Spiele, 0 Tore)
Türchen #3 – Henning Hauger (3 Spiele, 0 Tore)
Türchen #4 – Adrian Nikci (4 Spiele, 1 Tor)
Türchen #5 – Abel Xavier (5 Spiele, 0 Tore)
Türchen #6 – Jan Simak (6 Spiele, 2 Tore)
Türchen #7 – Gunnar Heidar Thorvaldsson (7 Spiele, 0 Tore)
Türchen #8 – Carlitos (8 Spiele, 0 Tore)
Türchen #9 – Erik Jendrisek (9 Spiele, 0 Tore)
Türchen #10 – Roman Wallner (10 Spiele, 0 Tore)
Türchen #11 – Jan Rosenthal (80 Spiele, 11 Tore)